Forum: Wirtschaft
Konflikt um Griechenland: Kampf der Ideologen
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Warum kochen die Emotionen beim Thema Griechenland so hoch? Weil der Konflikt auch ein Wettkampf der Ideologien ist. Was die einen für verrückt halten, scheint für die anderen völlig logisch. Der Versuch einer Erklärung.

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rloose 04.07.2015, 13:58
610.

Zitat von PerIngwar
Leider passt das Beispiel für Griechenland gar nicht, denn als "Importweltmeister" taugt es so wenig wie als "Industriestaat" - für die deutsche Wirtschaft ist GR - mit Verlaub - völlig schnurz. Aber ich möchte Ihnen mal zu denken geben: wenn alle Staaten eine ausgeglichene Handelsbilanz hätten. Was würde wohl dann passieren? Ich sage es Ihnen: Gar nichts mehr. Das wäre ein schönes Märchen mit ganz schlechtem Ausgang - denn ohne dieses Ungleichgewicht käme sehr schnell Alles zum Erliegen. (Keine Ideologie)
Warum bitteschön sollte nichts mehr passieren, wenn alle Staaten eine ausgeglichene Handelsbilanz haben?
Außerdem bedarf es keiner ausgeglichenen Bilanz jedes Jahr, sondern über Jahre hinweg.
Ansonsten ist es völlig egal, ob Sie Griechenland "Importweltmeister" oder "Industriestaat" nennen oder nicht. Fakt ist, wenn einer über Jahre mehr exportiert als importiert, dann macht der "Rest" Schulden.

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JK60 04.07.2015, 13:58
611.

Zitat von petros t
Der größte Teil der Gelder, die in Griechenland "versickert" sind, sind direkt an die ehemaligen privaten Gläubiger geflossen, die sich über die hundertprozentige Rückzahlung, ihrer 2010 gehaltenen griechischen Schuldverschreibungen, die damals nur noch einen Bruchteile ihres Nennwertes wert waren, ansehnliche Boni auszahlen ließen.
Und dennoch waren es griechische Schulden, bzw. Schulden des griechischen Staates., wohin ist das Geld "versickert" das der griechische Staat durch die Schuldverschreibungen erhalten halt. In den Aufbau funktionierender Staatsstrukturen wohl kaum.

Überdies ist die Frage der Alt-Schulden überdies müssig, ob mit oder ohne neuen Schuldenschnitt wird kein Euro an die Gläubiger zurück fliessen. Bestenfalls werden alte durch neue Schulden abgelöst.

Und deshalb sollten keine neuen Kredite, nicht ein einziger Euro, an Griechenland vergeben werden. Griechenland soll sich das Geld von den Griechen holen, da gibst es genug die jede Menge davon haben!

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vielflieger_1970 04.07.2015, 13:59
612.

Zitat von allwissend2013
man kann die Sache wirtschaftlich sicher von unterschiedlichen Seiten sehen. Am Ende bleibt jedoch übrig, dass sich Tsipras und Varuofakis als Demagogen entpuppt haben. Hatten wir nicht auch schon solche Führer? Es ist höchste Zeit sich von diesen Verführern zu distanzieren.
Eine Frage: man darf also das Thema von zwei Seiten sehen aber wenn es Ihrer Meinung nach nicht die richtige ist, muss man ein Demagoge sein? Etwas konfus, finden Sie nicht?

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klaus meucht 04.07.2015, 14:00
613. Weitere Kürzungen nicht zumutbar

Zitat von transsib_reisen
Wenn ich auf Dauer mehr ausgebe als ich verdiene, wird mein Haus zwangsversteigert, der Strom und das Gas abgedreht und die Kreditkarte gesperrt. Hat das Frau Dr. Merkel jetzt endlich auch begriffen?
Richtig. Aber was machen Sie wenn Sie mehrere hungrige Kinder haben und ihr Einkommen ist schon verbraucht?

Den Kindern das Mittagessen zu verweigern, denn ein Abendessen jeden 2. Tag reicht auch?

Irgendwann kommt ein Punkt da geht es nicht mehr mit weiteren Konsumverzicht.Da ist die einzigste Möglichkeit an der Einnahmensseite zu arbeiten.

Im Falle Griechenlands findet man viele vergangene und aktuelle Probleme des Familienvaters. Diese Fehler werden aber überlagert von falschen Randbedingungen die auch von der Gesellschaft kommen.

Griechenland kann wenig für die falschen Regeln des Euroverbundes. Griechenland kann nichts für die Niedriglohnpolitik Deutschlands.

Es gibt Fehler auf allen Seiten. Sowohl in Athen, als auch in Berlin und in Brüssel. Natürlich braucht Athen ein Staatswesen, ein Katasteramt und bessere Steuereintreibung. Aber Griechenland kann nicht auf dieselben niedrigeren Lohnstückkosten von Deutschland kommen, ohne sich eine bessere Infrastruktur und Maschinen leisten zu können.

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ruebenkatze 04.07.2015, 14:00
614. Die Welt ist nicht statisch

Zitat von PerIngwar
Aber ich möchte Ihnen mal zu denken geben: wenn alle Staaten eine ausgeglichene Handelsbilanz hätten. Was würde wohl dann passieren? Ich sage es Ihnen: Gar nichts mehr.
Sie verwechseln ein dynamisches Gleichgewicht mit einem statischen Stillstand. Ausserdem werden niemals alle Staaten eine ausgeglichene Handelsbilanz haben, aber dass manche Staaten dauerhaften Überschuss und andere dauerhaftes Defizit haben, ist Fakt und Riesenproblem.

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AxelSchudak 04.07.2015, 14:00
615.

Zitat von Siloah
das Thema Griechenland ist ein einziger großer Bluff. ... Warum dieser Medienzirkus?
Eine Millidarde ELA-Kredite je Tag sind ein Bluff?

Klar doch. VT.

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vielflieger_1970 04.07.2015, 14:03
616.

Zitat von RioTokio
Ach ne - die schlimmen Deutschen. Sie produzieren so tolle Produkte, dass das arme Ausland sich gezwungen sieht bei uns zu kaufen. Jetzt muss es schnell politische Maßnahmen geben, die das verhindern. Politiker sollen Löhne festlegen und Inflationsziele einer EU von antiquirten Agrarstaaten wie Griechenland und Hochtechnologiestaaten wie Deutschland. Wir nivellieren uns dann auf griechisches Niveau. Dafür werden die tollen Politiker schon sorgen. Nicht Ihrer Meinung entsprechende Meinungen hier kommen natürlich nur von fehlinformierten Plapperern..., Sie sind ein toller Durchblicker!
Fehlinformierte Nachplapperer, das trifft es ganz gut. Endlich mal eine richtige Analyse in der Vielzahl Ihrer Kommentare;-)

Volkswirtschaft wie Mathematik scheint nicht gerade Ihr Lieblingsfach gewesen zu sein.

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vielflieger_1970 04.07.2015, 14:08
617.

Zitat von schwaebischehausfrau
schauen Sie sich einfach mal Großbritannien an und dann schauen Sie sich Griechenland an. Und dann gehen Sie bitte 30 Sekunden in sich und lassen uns wissen, welcher von beiden Staaten "gescheitert" ist.
Tun sie dies und Sie werden feststellen, dass auch auf der britischen Insel nicht gerade Wohlstand herrscht.

Die Diskussion gleitet langsam ab und nicht unbedingt ins Positve!

Man kann es schnell zusammenfassen: Griechenland hat sehr viele Fehler gemacht und muss gewaltige innere Reformen angehen, um überhaupt staatsfähig zu sein. Deutschland wie der IWF und die anderen Gläubiger halten seit jahren an einer ideologischen Geldpolitik fest, die das Land nur tiefer in den Sumpf ziehen musste, was nun leider auch festgestellt werden kann.

Beide Seiten müssten aufeinander zugehen, und beide tun dies nicht! Einseitig nur "den Griechen" dafür die Schuld zu geben, mag zwar einfach sein, ist aber dafür auch nur billig und falsch.

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schwaebischehausfrau 04.07.2015, 14:08
618. @Ih2011: Genug Zeit gehabt..

Zitat von ih2011
Neben einer reformbedürftigen Verwaltung (welche nicht in 2, 3 Jahren erreichbar ist); ggf. Verfassungsänderungen, für die man Zeit und Mehrheiten benötigt; der Stärkung der Einnahmenseite ist die Wettbewerbsfähigkeit von immenser Bedeutung. Aber eine Verbesserung der griechischen Handelsbilanz hat aufgrund der Import-/Exportstrukturen dann Nachteile für andere EU-/Euroländer z. B. Italien. Das sollte man berücksichtigen. Und dass eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit "im Euro" lediglich mittlere und kleine Einkommen betrifft (Arbeitskostensenkungen nach neoliberaler Ideologie), sollte man ebenfalls nicht vergessen. Mit Sprüchen und einseitigen Schuldzuweisungen, vielleicht aus dem Umfeld des Stammtischs oder der Hitze geschuldet, kommt man nicht weiter.
Sorry, leider sind das die üblichen Ausflüchte: Ja, "die Reformierung einer Verwaltung...ist nicht in 2,3 komplett zu schaffen". Aber dieses Thema ist den Griechen allerspätestens seit 2009, also seit SECHS (!!!) Jahren bekannt genauso wie ihre Beteuerungen, dies zu ändern. Experten-Hilfe von mehreren Staaten zum Aufbau einer effizienten Verwaltung hat Griechenland einfach abgelehnt. Und wenn jetzt Varoufakis meint, das Problem mit einer MWSt-Erhöhung wäre, dass man (auch 6 Jahre später) gar nicht in der Lage ist, diese Steuer konsequent einzutreiben, dann sagt das doch alles.
Ja, man barucht auch für "Verfassungsänderungen Zeit und Mehrheiten" - wenn man sie denn überhaupt will :-). In Deutschland braucht's auch eine 2/3 Mehrheit für eine Grundgesetz-Änderung und trotzdem gab es in ca. 60 Jahren mehr als 50 (!!) Grundgesetz-Änderungen. Weil ein gesellschaftlicher Konsens dafür bestand und damit auch Mehrheiten im Parlament gefunden wurden - indem z.B. die Opposition diese Verfassungsänderung mitträgt. Wenn das in Griechenland nicht geht, dann zeigt das doch nur eines: In der griechischen Gesellschaft gibt es offenbar keine Mehrheit dafür, ihre Reeder zu besteuern. Wenn die Griechen das wollten, würde jeder Grieche an seinen Abgeordneten schreiben mit der Bitte, mit JA zu stimmen. Und Syriza will das auch nicht, sonst würde Syriza zumindest im Parlament darüber abstimmen (und könnte zumindest alle Parteien bloßstellen, die gegen eine Reeder-Besteuerung stimen).
Tatsache ist doch: Es gibt in der griechischen Gesellschaft keine Mehrheit dafür, das Land zu verändern, Steuerhinterziehung und Korruption ganz hart zu bestrafen, die lächerlich niedrigen Abgeltungssteuern auf Kapitaleinkünfte und Spekulationsgewinne zu erhöhen etc. pp. Weil ein Großteil der Gesellschaft sich mit dem "griechischen System" bestens arrangiert hat und davon profitiert.

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vielflieger_1970 04.07.2015, 14:08
619.

Zitat von PerIngwar
Meinetwegen - erlassen wir also auch den Griechen ihre Schulden aus den beiden Weltkriegen - spricht nichts dagegen.
Mit solchen Kommentaren entblöden Sie sich nur selber und fallen als ernstzunehmender Diskussionspartner aus!

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