Forum: Wirtschaft
Konjunkturprognose: IWF erwartet kräftiges Wachstum in Deutschland

Deutschland ist das Zugpferd der Euro-Zone: Zu diesem Schluss kommt der Internationale Währungsfonds in seinem neuen Ausblick. Das Wachstum für dieses Jahr wird voraussichtlich 3,3 Prozent betragen - mehr als doppelt so hoch wie noch im Juli prognostiziert.

Unterthan 06.10.2010, 21:38
1. Was hab ich davon?

Zitat von sysop
Deutschland ist das Zugpferd der Euro-Zone: Zu diesem Schluss kommt der Internationale Währungsfonds in seinem neuen Ausblick. Das Wachstum für dieses Jahr wird voraussichtlich 3,3 Prozent betragen - mehr als doppelt so hoch wie noch im Juli prognostiziert.
Dem Normalbürger (also so einer, der gesetzlich zwangskrankenversichert und zwangsrentenversichert ist) nützt das reichlich wenig, solange sich nur die Elite an den Gewinnen vollfrisst!
Wissen wir doch um die Begehrlichkeiten, die solche Meldungen bei den Abzockern auslösen.

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Uwe4270 06.10.2010, 22:29
2. Im SPIEGEL Online derzeit jeden Tag: "Kräftiges Wachstum", "Boom" usw.

Es klingt schon fast wie Propaganda: seit einigen Tagen regnet es hier fast täglich Artikel von rosigen Wachstumsvorhersagen unserer nationalen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. "Langzeit Boom", "Wirtschaftswunder", "Anhaltender Konjunkturaufschwung"

Jetzt berichtet dieser Artikel immerhin vom Internationalen Währungs-Fond (IWF). Das ist insofern bemerkenswert, als es sich da um eine von individuell-nationalen Zweckoptimismus distanziertere, internationale Organisation handelt.

Abgesehen von der Bestätigung der von den innerdeutschen Wirtschaftsinstituten geschätzte Wachstumsrate von nahe bei 3,3% für Deutschland, ist auch der Gesamtwert des diesjährigen Wachstumsrate von 4,8% für die Weltwirtschaft bemerkenswert.

Auch für nächstes Jahr sind die Zahlen optimistisch. Und bitte auch nicht übertreiben: ich habe z.B. schon hier im SPIEGEL Online im Zusammenhang mit längerfristigen Konjunkturaussichten fur die deutsche Wirtschaft das Wort "Vollbeschäftigung" gelesen. Vielleicht ist das noch etwas verfrüht? Warten wir's ab.

Ich glaube kaum, das die offizielle deutsche Arbeitslosigkeitsrate in absehbarer Zukunft wesentlich unterhalb von 6,0% zu drücken ist. Denn irgendwo gibt es eine chronische Kern-Arbeitslosigkeit von sehr schwer vermittelbaren, gering-qualifizierten Langzeitarbeitslosen. So wäre in Deutschland eine hypothetische, offizielle Rest-Arbeitslosigkeit von etwa 5,0% wohl bereits einer effektiven Vollbeschäftigung gleichzusetzen.

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zila 07.10.2010, 01:57
3. Aufschwung oder nur Erholung?

Mich wuerde bei diesen Betrachtungen mal interessieren, wieviel von diesem Aufschwung eigentlich nur Erholung auf Vor-Fianzkrisenniveau ist??

In Kanada hatten wir Anfang auch bombige Prognosen und Wachstumsraten und mittlerweile duempelt das ganze nur noch, hatten sogar einen Monat negatives Wachstum (wohl wegen neuer Steuern). Das ging ziemlich schnell den Bach runter mit den optimistischen Prognosen fuer 2011. Und hier ging es auch nie so radikal runter wie beim Exportweltmeist und sowas wie HRE und Konsorten gab's hier gar nicht, allenfalls GM.

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Egberth 07.10.2010, 08:45
4. Der arme, arme Normalbürger

Zitat von Unterthan
Dem Normalbürger (also so einer, der gesetzlich zwangskrankenversichert und zwangsrentenversichert ist) nützt das reichlich wenig, solange sich nur die Elite an den Gewinnen vollfrisst!
Was hindert eigentlich den sich immer in der Opferrolle sehenden "Normalbürger" eigentlich daran, einfach mal den Arsch hochzukriegen, und sich selbständig zu machen?

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JoschSche 07.10.2010, 09:35
5. ...

Unablässig wird diese Propaganda in die Hirne jener Menschen gerührt, die sich der Auswirkung der Prozentrechnung nicht bewusst sind. Es soll der Eindruck erweckt werden, die Wirtschaft brummt - was dann vor allem als Rechtfertigung für die praktizierte Politik herhalten soll - für die FDP geht es politisch inzwischen ja um Kopf und Kragen (zurecht).

Die Tabelle im Artikel beginnt nicht per Zufall 2010 - denn 2008/2009 musste Deutschland einen herben Rückschlag hinnehmen. Die Zahlen 2011 kann man gleich vergessen - Kaffesatzleserei. So kommt es, dass 2010 in absoluten Zahlen das BIP bei ca 2470 Mrd € liegen könnte - womit man zwischen 2007 und 2008 liegen wird (absolut ohne Preisbereinigung!) DAS ist die Wahrheit hinter der Prognose des IWF. Ansonsten spiegelt sie die simple Annahme wider, dass sich die Ergebnisse von Quartal 3 und 4 2010 im längjährigen Durchschnitt des letzten Jahrzehnts bewegen.

Ein Blick in den in den destatis-Download http://www.destatis.de/jetspeed/port...perty=file.pdf zeigt so auch deutlich, dass vor allem die großen der angeführten Vergleichsländer durch die Krise nicht so schwer getroffen wurden, wie D (Ausnahme:GB) - und daher auch mit moderater Prozentsteigerung 2010 die Krise insgesamt besser bewältigt haben werden.

Vor allem die Verteilungsfrage könnte für die mäßige Entwicklung in D verantwortlich sein. Ein Vergleich der destatis-Werte 2.Quartal von 2000 bis 2010 ergibt hier preisbereinigt folgendes:
Arbeitnehmereinkommen pro Arbeitnehmer: -4,23%
Einkommen aus Unternehmen und Kapital: +18,39%

Interessant Körperschaftssteuer-Aufkommen von 2000 bis 2009: -70% (!)

Und all dies soll (aus nachvollziehbaren Gründen) nun mit der Boom-Propaganda zugeklittert werden.

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rabenkrähe 07.10.2010, 21:43
6. Glaskugel

Zitat von zila
Mich wuerde bei diesen Betrachtungen mal interessieren, wieviel von diesem Aufschwung eigentlich nur Erholung auf Vor-Fianzkrisenniveau ist?? In Kanada hatten wir Anfang auch bombige Prognosen und Wachstumsraten und mittlerweile duempelt das ganze nur noch, hatten sogar einen Monat negatives Wachstum (wohl wegen neuer Steuern). Das ging ziemlich schnell den Bach runter mit den optimistischen Prognosen fuer 2011. Und hier ging es auch nie so radikal runter wie beim Exportweltmeist und sowas wie HRE und Konsorten gab's hier gar nicht, allenfalls GM.
......

Vor gut zwei Jahren wurde vom ersten neuschuldenfreien Haushalt seit Jahrzehnten geträumt und gaaaaanz kluge Analysten sahen schon einen Dax von 15000.
Hat sich dann ein bißchen anders entwickelt-:)))
Heute könnte dasselbe wieder passieren. Kommentiert wird stets nur, was schon gelaufen ist, zur Prognose könnte genauso gut eine Glaskugel herhalten.
Und Währungsstreit nebst Überschuldung und Massenarbeitslosigkeit haben allemal die Gefahr eines neuen, drastischen Abschwungs.
rabenkrähe

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