Forum: Wirtschaft
Konsumverweigerer: Geschichten vom Loslassen
Andreas Labes

Immer mehr Menschen zweifeln am Modell des ewigen Wachstums. Doch nur wenige ziehen die Konsequenzen: Sie verweigern sich dem Konsum - und entdecken dadurch oft neue Werte und Freiheiten.

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brut_dargent 27.10.2013, 19:24
70. @gustavsche

"Und was hat Konsumreduktion mit "Zweifel am ewigen Wachstum" zu tun?... " Ganz einfach, es geht im die (gerechte) Verteilung: 10% der Weltbevölkerung verfügen 80% des globalen Geld- und Besitzvermögens. Dagegen stehen weltweit über 800 Mio. Menschen, die hungern müssen. Ich bin ein absoluter Freund des Überflusses. Aber a.) Bitte Zugang für jeden (Handelsbarrieren etc.) und b.) alles auch in Maßen, so wie Sie das ja auch beschreiben.

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dröhnbüdel 27.10.2013, 19:27
71. Unersättlich und idiotisch

Man muss nur den Mut zum ehrlichen Selbstversuch haben, um die Idiotie des unersättlichen Konsums zu begreifen: Ein neues Smartphone wäre affengeil, redet mir die Werbung ein und überzeugt mich. Also kaufe ich es mir und muss kurz nach dem Auspacken zu Hause feststellen, dass der Kick schon wieder weg ist. Jetzt wäre ein noch besseres und natürlich teureres Gerät angesagt - mit demselben Ergebnis wie zuvor. Merke: Unmittelbar nach der Erfüllung eines Konsumwunsches bekommt das ersehnte Produkt fast immer einen faden Geschmack, der nur durch mehr Konsum kurzfristig übertüncht werden kann. So funktioniert der Shopping-Irrsinn. Wer das begreift und sich dem Konsum-Diktat wenigstens teilweise entzieht, rettet noch nicht die Welt, befreit sich aber von verrückten Kaufzwängen.

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gustavsche 27.10.2013, 19:29
72.

Zitat von walu
Das ist ein guter Beitrag, aber ich vermisse darin schmerzlich Nico Paech, der einer der brillantesten Köpfe in der Diskussion um die Post-Wachstums-Ökonomie ist. Sein Buch "Befreiung vom Überfluss" ist unbedingt lesenswert.
Ich halte von dem nichts. Überhaupt sollte man alles meiden, was Paech heißt. Norman Paech, Nico Paech... beides obskure Gestalten.

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ladywanda 27.10.2013, 19:34
73. Reine Luxusthematik

Für die Legion der Kleinstverdiener, Leiharbeiter, RentnerInnen mit Mini-Rente, Billiglöhner und Hartz-IV Geschädigten stellt sich die Frage nach Konsumverzicht nicht. Das gehört das Kleiner-Treten-Müssen zur Tagesordnung. Dummerweise ist Öko-Mode verdammt teuer- und der Lodenmantel von Manufactum der angeblich ein ganzes Leben lang halten soll, verschlingt mindestens drei Monatsbudgets. Und Kinderkleidung die politisch korrekt ist kann man auf dem Flohmarkt mit der Lupe suchen. EIN Punkt ist allerdings zu bedenken: in unserer Gesellschaft sind ganze Generationen von Jugend auf auf Konsum getrimmt worden - das fängt schon mit dem fatalen Wettlauf im Kindergarten an - wo in Kind das keine Designer-Klamotten hat, leicht zum Außenseiter wird. Wäre doch mal Zeit, dass das Fach "nachhaltig wirtschaften" zum Unterrichtsfach an den Schulen wird. Aber da ist wahrscheinlich die allmächtige Lebensmittel- und Textilobby vor...

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gustavsche 27.10.2013, 19:39
74.

Zitat von Tyleet13
... der hat ihn nicht verstanden. Es geht nicht gegen Konsum an sich, nicht gegen Wachstum. Hier wird dem Einsatz von Vernunft und Mäßigung (auch bei der Dosierung des Idealismus) das Wort gesprochen. Sehr intelligent. Endlich mal...
Konsumverzicht ist kein Wachstumsverzicht. Konsum führt auch nicht zum Wachstum. Investition führt zu Wachstum. Warren Buffet, ein sehr erfolgreicher Investor und einer der reichsten Menschen der Welt, führt ein recht bescheidenes Privatleben. Er fährt ein gebrauchtes Auto und wohnt in einem mindestens fünfzig Jahre alten und einfachen Haus.

Ich finde es intellektuell ziemlich armselig, wenn diese Leuten, die relativ arm sind, auch noch eine moralische Haltung angedichtet wird. Und es ist auch falsch, wenn deren Konsumverzicht als schädlich für die Volkswirtschaft eingestuft wird.

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meinmein 27.10.2013, 19:47
75.

Zitat von gustavsche
........ Meine Sparquote dürfte so bei ca. 60 % liegen. Ich aber bin kein Anhänger des Geschwafels gegen "Konsumwahn" oder gegen "Wachstumswahn". Ich bin Optimist, liberal und neoliberal und ich sehe nach wie vor sehr viele Möglichkeiten zu wachsen. Deshalb spare ich ja so viel Geld und investiere es in zukunftsträchtige Aktien.
Und was geschieht dann mit dem Gesparten?
Im günstigsten Fall wird es irgendwann auch dem Konsum zugeführt, spätestens von den Erben, im ungünstigsten Fall crasht es, was bedeutet, dass es ein anderer schon ausgegeben hat.
Was lernen wir daraus? Wenn ich Konsumverzicht leiste, konsumiert eben ein anderer.

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brut_dargent 27.10.2013, 19:51
76. @gustavsche

"... Konsum führt auch nicht zum Wachstum. Investition führt zu Wachstum. ..." Zitat Ende - Investition ist am Ende des Tages immer Konsum. Ob durch Staaten (z.B. Erneuerung der Infrastruktur), durch Unternehmen (z.B. F&E) oder am Ende der Kette durch Privatkonsumenten (mein Haus, mein Auto, meine Yacht). Was ich bis heute nicht verstehe, wozu z.B. ein Milliadär eine Milliarden braucht. Mehr als 3x am Tag kann der auch nicht Kavier essen und Champus saufen. Von daher bin ich für mich zu dem Schluss gekommen: Es geht ausschließlich um Macht. Und Ansehen. Und btw, Warren Buffet halte ich für eine absolute Ausnahmeerscheinung in diesem Club der Superreichen ... ; )

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alasiaperle 27.10.2013, 19:53
77. Leider

Man wird dann von den meisten anderen Mitmentschen als ein Verlierer angesehen und gern auch so behandelt...

Da sie auf den ersten Blick nicht den Unterschied zwischen Konsumverweigerung und Armut erkennen können. ;)

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Gertrud Stamm-Holz 27.10.2013, 20:07
78. aha

Zitat von Steuerzahler0815
Das Geld was ein Hartz IV Emfänger bekommt muss nicht für Luxusessen reichen aber es sollte für Fleisch reichen und auch für Getränke für Sprudel und Cola, meiner Meinung nach auch für Alkohol aber NICHT!!! für Zigaretten
Das ist natürliche eine schöne Auflistung persönlicher Vorstellungen, mag aber bei anderen eine ganz andere Gewichtung haben.
Machen Sie bei knapper Kasse, oder auch nicht, die Rechnung zwischen überlebensnotwendig, Herzensding und Nebensächlichkeiten auf, das Ergebnis sieht vermutlich wieder ganz anders aus.
Cola ist für mich selber völlig unerheblich, Fleisch und Wurst keine Notwendigkeit etc. Ich kann mit einem Sack Kartoffeln und Gemüse sehr günstig und vernünftig essen. Damit hätte ich meinen Qualm schon wieder drin. Und nein, ich verdiene ausreichend Geld. Ich wills nur nicht nach einem verordneten Schema ausgeben und mich einem Konzept fügen.

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luckyloser 27.10.2013, 20:20
79. seltsam

Seltsame Diskussion. Konsum ist nicht das Problem. Wichtig ist wie die Produkte hergestellt werden und wie sie entsorgt werden. Sowohl die Rohstoffe dürfen nicht kostenlos sein, denn sie gehören allen, als auch der Müll darf nicht kostenlos sein. Derzeit wird vor allem die Arbeit bezahlt und besteuert, das ist falsch. Wir müssen in Kreisläufen denken, die Rohstoffe und den Müll angemessen bepreisen.

Wenn jemand Holz, Erdöl, Tiere, Erze der Erde entnimmt, dann will ich meinen Anteil und wenn jemand die Luft, das Wasser, die Erde verpestet, dann will ich meinen Anteil vom Schadensersatz.
Dann muss man die Technik zu Ende denken. D.h. nicht der Menschheit die Rohstoffe rauben und nicht der Menschheit den Müll aufdrücken.

Gleichwohl ist es natürlich besser sich im Leben echte Befriedigung zu holen, z. B. durch Erfolgserlebnisse oder Erkenntnisse, anstatt der billigen, kurzfristigen Ersatzbefriedigung durch Kaufen.

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