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Konzept des Arbeitsministers: Heils "Respekt-Rente" in der Gerechtigkeits-Analyse
DPA

Mit seinem Grundrenten-Vorstoß könnte Hubertus Heil seiner SPD das erhoffte soziale Profil verschaffen. Doch wie funktioniert sein Modell eigentlich - und wäre es gerechter als andere Konzepte? Ein Vergleich.

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de.dimitrov 04.02.2019, 09:59
70. Warum nicht Freibetrag pro Beitragsjahr?

Ich vestehe nicht warum die Grenze fest 35 sein muss. Warum nicht Freibetrag pro Beitragjahr?
Wenn z.B. 210 Euro für 35 Jahre fällig sind, das macht 6 Euro Freibetrag pro Jahr.
Wer z.B. 30 Jahre gearbeitet hat bekommt 180 Euro Freibetrag, wer nur 3 Jahre gearbeitet hat nur 9 Euro.
Das finde ich am gerechtesten. Man kann es evtl. auch nicht linear machen und das Prinzip behalten

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ich2010 04.02.2019, 10:02
71.

Zitat von lifeinpeace
Ganz genau! Das Beamtentum muss dringend reformiert werden und die daraus frei werdenden Gelder können zum Wohle aller und nicht nur Einzelner verwendet werden. Ich frage mich schon seit Jahren, warum es die Daseinsform des Beamtenwesens überhaupt noch gibt. Sie ist absolut zu teuer für den Staat (siehe Prof. Raffelhüschen) und ist schon jetzt nicht mehr zahlbar. Sind Beamte eigentlich bessere Menschen, oder mit was haben sie die immensen Privilegien, die sie genießen, überhaupt verdient? Eine Rente, in die alle Personen einzahlen, muss her! Auch Selbstständige und Freiberufler, wie ich. Und Beamte natürlich auch.
ohne jetzt irgendjemanden "schützen" zu wollen, aber mWn verdient ein Beamter weniger als jemand in vergleichbarer Position in der freien Wirtschaft. Außerdem muss ein Beamter seine Krankenversicherung selbst bezahlen. Wenn für die Beamten alles ach so toll ist, frage ich mich weshalb nicht jeder sofort die Beamtenlaufbahn einschlägt. Ich glaube hier schlägt eher mal wieder der Neidfaktor zu, da Beamte mehr Rente bekommen. Dafür kann man aber mit dem höheren Gehalt aus der freien Wirtschaft entsprechend selbst vorsorgen und steht schlußendlich genau da wo dann auch Beamte stehen... Insofern sollte man vllt. die Kirche mal in Dorf lassen.

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w.ulbricht 04.02.2019, 10:04
72.

Einfach Rente nach Beitragsjahren und für alle die Gleiche höhe pro Beitragsjahr

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general_failure 04.02.2019, 10:05
73. Das ist eine Nebelkerze,

es geht selbstverständlich um die Landtagswahlen im Herbst. Die Vorstellung, daß es um soziale Gerechtigkeit geht ist einfach mal absurd. da braucht man sich nur die sozialdemokratische Politik der letzten 20 Jahre anzusehen. Stichwort Unternehmenssteuern und insbesondere die Halbierung der Kapitalertragssteuer. Die SPD macht ausschließlich Politik für die übemäßig Wohlhabenden und Konzerne.

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Little_Nemo 04.02.2019, 10:24
74. Das Lavieren um die unbeliebte Reform

Das kann man sicher als einen Schritt in die richtige Richtung sehen. Für mich reiht sich das aber auch wieder in die endlose Reihe von Blendgranaten, mit der uns die SPD weismachen möchte, sie habe verstanden, dass sie mit der Agenda 2010 Fehler gemacht habe, damit wir sie wieder wählen. In Wahrheit aber wischt sie nur ein wenig an den Rändern herum, und möchte ihr ach so geniales Reförmchen behalten. Es leuchtet natürlich auf Anhieb ein, dass es gerecht ist, Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet und eingezahlt haben, dafür auch zu honorieren. Das würde ich auch sofort so unterschreiben, wenn es denn so einfach wäre. Gerade die Agenda 2010 hat aber sehr vielen Menschen die Möglichkeit verbaut diese Leistungen zu erbringen. Wo bemüht man sich denn diesen Menschen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen? Hartz IV ist seit Anbeginn ein Entsorgungssystem. Bei seiner Einführung waren die Medien voll von Wirtschaftslobbyisten, die uns predigten in Deutschland sei Arbeitskraft zu teuer. Massenhaft wurden Menschen entlassen, weil Produktionsstandorte ins Ausland verlegt wurden und Arbeit automatisiert wurde. Löhne und Gehälter wurden gedrückt, u.a. weil ehemalige Staatskonzerne privatisiert wurden. Millionen von Menschen wurden in das Hartz-IV-System eingespeist, wo sie faktisch weitgehend entmündigt und enteignet wurden und ihnen sukzessive die Lebensgrundlage und die Teilhabe an der Gesellschaft entzogen wurde. Man schuf dadurch ein System der Erpressung, das Menschen dazu zwang Billiglohn- und Ausbeuterjobs bei den boomenden Zeitarbeitsunternehmen anzunehmen. Faktisch wurden dadurch wohl weit mehr Menschen daran gehindert eine existenzsichernde Beschäftigung aufzunehmen, als dass man ernsthaft versuchte sie in Arbeit zu bringen. Es wurde obendrein massiv Stimmung gegen Arbeitslose gemacht - von Seiten führender Politiker (darüber könnte man auch mal reden, wenn es mal wieder um das Thema "Mobbing" geht). Sehr viele wurden dadurch schwer krank. Man hat sich wohl in seiner grenzenlosen Überheblichkeit, Machtbesoffenheit und Weltfremde vorgestellt, dass die Betroffenen im Bedarfsfall von 0 auf 100 reaktiviert werden könnten. So funktionieren Menschen aber nicht. Und schon gar nicht wenn man die Reaktivierung Institutionen wie den Jobcentern und profitorientierten Bildungsträgern anvertraut, die sich gerieren wie Drückerkolonnen und Strafanstalten.

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olli0816 04.02.2019, 10:25
75. Allein das Wort Respektrente ist voll Kanne

Die gesetzliche Rente wird immer mehr dazu missbraucht, dass versicherungsfremde Leistungen auf die Einzahler umverteilt werden. Gerade junge Menschen haben hier große Nachteile, da sich die gesetzliche Rente immer weiter verschlechtert. Außerdem finde ich es voll daneben, dass ein sehr gut verdienender Haushalt im Jahr über diese Weise, wenn die Gattin ein bisschen Teilzeit über die Jahre gearbeitet hat oder aus Steuergründen im Geschäft angestellt war, von so einer Regelung profitiert.

Was auch völlig ausgeblendet wird: Alte Menschen, die keine großartigen Einkünfte haben, sollten zumindest so viel haben, dass sie sich die Tafel ersparen können. Respektrente, weil jemand 35 Jahre gearbeitet hat, aber eigentlich nicht sonderlich viel für die Gemeinschaft in Punkto Steuern/Sozialbeiträge bezahlt hat ist der völlig falsche Begriff. Zum einen sind 35 Jahre nicht sonderlich lange (hab ich dann mit 53 Jahren erreicht), zum anderen sagt das nichts aus. Jemand, der z.B. lange selbstständig gearbeitet hat und wenige Jahre in die gesetzliche einzahlte, hat genauso Respekt verdient. Konnte der nicht genug für die Rente vorsorgen oder ging irgendwann mal pleite, bekommt diese Person einen respektierlichen Tritt in den Arsch. Und das, obwohl so einer viel mehr Steuern und Abgaben zahlen musste. Es gibt auch andere Gruppen, die einfach im Regen stehen gelassen werden. Jemand, der mit 45 jahren Krebs bekommt, das irgendwie überlebt und danach bestenfalls noch halbtags arbeiten kann, bekommt ebenfalls diese respektierlichen Tritt in den Arsch. Viele bekommen bei schwerer Erkrankung akute Geldsorgen.

Leute, unser Rentensystem muss reformiert werden. Jeder über 65 Jahren sollte eine Mindestrente bekommen, womit er bescheiden leben kann. Egal, wie viel er arbeitete und was er verdiente. In dieses System sollten tatsächlich alle einzahlen, der Betrag kann dadurch für jeden übersichtlich bleiben, weil keine hohen Renten ausgezahlt werden. Wer mehr möchte, muss weiter vorsorgen. Das kann der Staat durch steuerbefreite, unpfändbare Lebenszeitkonten und entsprechenden Sparerfreibeträgen sehr kostengünstig realisieren. Kein Rürup/Riester und sonstiges verwirrendes teures bezuschustes Zeug, wo nur die Sozialkassen und die Finanzindustrie heftig dran verdienen. Dafür sind unsere Volkparteien leider zu doof dazu. Und natürlich hieße es, die jetzigen Pensionen aufzugeben. Das mögen die Politiker auch nicht. Alleine Herr Blüm (Rente äh Pension ist sischa) bekommt 12.000 EURO/Monat. Hm, die Konstellation stimmt irgendwie nicht.

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suplesse 04.02.2019, 10:25
76. Gerade die Billigjobs

sind körperlich anstrengend. Aus welchen Gründen auch immer Menschen diese Jobs machen, aber eigentlich immer, weil ihnen andere Möglichkeiten verwehrt bleiben. Viel dieser Jobs sind im Dienstleistungssektor, ohne die es nicht rund gehen würde. Man sollte nicht vergessen, das alle davon profitieren. Meisten an den Stellen, wo überhaupt niemand hinschaut. Der Lohn ist niedrig. Die Möglichtkeit aufzusteigen fast nie gegeben. Vor allem Frauen machen diese Jobs, weil sie mit Kindererziehung beschäftigt waren und zu lange raus aus Ihrem eigentlichen Job dort gelandet sind. Dafür, dass sie jeden Tag die Arbeitplätze der Gutverdiener sauber halten oder ihnen die Hemden waschen und bügeln. Dafür gibt es dann am Ende, wenn die Knochen nicht mehr wollen 400 € aus der Rentenkasse. Wenn nun die Rente für diese Menschen aufgestockt wird, bis zu dem Minimum, bei dem ein menschenwürdiges Leben überhaupt möglich ist, so kann ich gut damit leben und bin auch gerne bereit dafür Steuern zu zahlen. Und das Gerechtigkeitgefasel ist gerade an dieser Stelle völlig fehl.
Ich befürchte allerdings daraus wird nichts, weil die SPD Nebelkerzen wirft, um Stimmen bei den anstehenden Wahlen zu bekommen. Nach den Wahlen verschwindet diese Idee wieder vom Tisch oder wird so verändert, dass gerade diese Menschen ohne Lobby wieder durch das Raster fallen.

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niemandsland56 04.02.2019, 10:28
77. Mal wieder eine Neiddebatte ...

Es wird wieder auf jeden Cent geschaut, den jemand eingezahlt hat oder nicht. Nehmen wir als Beispiel nur mal die viele kleinen und mittleren Selbständigen. In die gesetztliche Rente haben die in der Regel nicht eingezahlt, stattdessen in eine private Absicherung, u. U. eine Immobilie, die im Alter regelmäßige Einkünfte sichern sollte. Leider geht das alles verloren, wenn das Unternehmen in die Insolvenz muss. Der Betroffenen steht mit seiner Familie vor dem Nichts. Seine ehemaligen Mitarbeiter stehen besser da, denn für die hat der verarmte Unternehmer ja die Abgaben bezahlt. Es wird immer von Lebensleistung gesprochen ... in vielen Fällen hat der verarmte Unternehmer zwar nicht in die (eigene) gesetzliche Rente einbezahlt, jedoch mehr an Steuern gezahlt, als die vielzitierte Friseurin, viele Handwerker oder Teilzeitkräfte in ihrem ganzen Leben verdient haben. Das wäre verständlich, wenn die gesetzliche Rente eine reine Versicherungsleistung wäre, die in guten Zeiten Rücklagen für ihre Versicherten erwirtschaftet und auch an diese auszahlt. Die Wirklichkeit ist aber, dass in Überschusszeiten der Staat die Finger in der Rentenkasse hat und in Defizitzeiten die Beiträge erhöht werden. Die Rente in Deutschland hat - wie so vieles - nichts, aber auch gar nichts - mit Gerechtigkeit zu tun.

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rosenbluete 04.02.2019, 10:41
78. Unausgewogenes Konzept

Das ganze Konzept ist nicht ausgewogen. Ungerecht ist es auch deshalb, weil es mit diesem Extra, das „Respekt-Rente“ heißen soll, all jene vor den Kopf stößt, die Durchschnitts-Vollzeit-Rentenansprüche von 35 Jahren und mehr haben. Inwieweit wird deren Leistung denn respektiert? Was hier geplant wird dürfte gar nicht „Rente“ heißen. Denn Rente resultiert aus dem, was der einzelne in seinem Arbeitsleben an Jahren und Beiträgen beigetragen hat. „Alters-H4“ trifft es wohl eher, doch das setzt Bedürftigkeit und Prüfung voraus.

Und was mich am meisten stört, ist die Tatsache, dass hier von 35 Beitragsjahren die Rede ist. Dass es sich um Teilzeit handeln kann, wird nicht groß thematisiert. Wer also 35 Jahre halbtags durchschnittlich verdient hat, dürfte bei nur 17,5 Jahren Vollzeit landen, wenn man Beitragsjahre zum Maßstab macht. Das ist aber anscheinend zu aufwendig, Voll- oder Teilzeit nachträglich zu kontrollieren. Das ist doch die Krux an diesem Modell.

Und die hier erwähnte gut situierte zukünftige Rentnerin oder auch der Rentner bekommt für 35 Jahre nachgewiesener Teilzeit noch ein Bonbon dazu. Und die wirklich Bedürftigen - mit welcher Biographie auch immer - können froh sein, dass es die Tafel gibt. Dieser Unterschied ist einfach zu krass.

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willi2004 04.02.2019, 10:42
79. Welche höheren Gewinne meinen Sie?

Zitat von trimedial
mit dem neuen Rentenkonzept werden im Nachhinein die zu niedrig gezahlten Löhne legitimiert und zugleich ausgeglichen. Fazit: Es können weiterhin in vielen Bereichen entschieden zu niedrige Löhne gezahlt werden, was nichts anderes heißt, als das die höhere Gewinne von Unternehmern, die ihren ArbeiterInnen zu wenig zahlen, von der Gemeinschaft mit subventioniert werden.
Die Firmen die den Mindestlohn zahlen (oder nicht) sind meist Kleinfirmen oder Firmen im Dienstleistungssektor da geht es um das überleben der Firma und ob der Inhaber HATZ IV Empfänger wird oder nicht. Der Export in Deutschland zahlt mit die höchsten Löhne der Welt. Also bitte nicht realitätsfremd diskutieren.

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