Forum: Wirtschaft
Krankenversicherte: Immer weniger wechseln zu Privatkassen
DPA

Gesetzlich oder privat versichert? Zwar verspricht die PKV besseren Service - doch Beitragserhöhungen sorgen immer wieder für Unmut. Seit 2009 hat sich die Zahl der Wechsler bei den drei größten Kassen halbiert.

Seite 17 von 22
Gerixxx 02.02.2014, 11:20
160. Wen wundert’s….

Zitat von sysop
Gesetzlich oder privat versichert? …
Die Existenz der PKV hatte von Beginn an vor allem drei Gründe:
(1) Die Versicherten wollten Beiträge sparen
(2) Die Eigentümer/Aktionäre wollten auch auf dem Gebiet der KV Gewinne erzielen
(3) Patienten erhofften sich "bessere Behandlung", Einzelzimmer, Kuren, Chefarztbehandlung etc.

(1) Bedeutet, dass Beiträge individuell nach dem Risiko des einzelnen Patienten bemessen wurden. Das hat gravierende Folgen, die viele GKV-Flüchtlinge zu spät begriffen haben: irgendwann müssen die Beiträge erheblich steigen (mit zunehmenden Alter, nach schwerer Krankheit - also mit steigendem Risiko) oder Leistungen gekürzt werden - nur so sind geringe Beiträge in jungen Jahren überhaupt möglich.

Daneben hat der Wettbewerb um Patienten mit unterschiedlichen Beiträgen noch eine andere Folge: eine SELEKTION NACH MEHR ODER WENIGER VERSICHERUNGS- UND BEHANDLUNGSWERTEM LEBEN --- das sollte für eine wohlhabende, aufgeklärte Gesellschaft ein unakzeptabler Zustand sein.

(2) Da die Beitragslast bei den Versicherten anfällt, gibt es viele, die Beiträge nur mit Mühe aufbringen – davon noch Teile für den privaten Gewinn abzuzweigen ist unmoralisch. Wenn schon Wettbewerb, dann nicht um die Patienten, sondern um Qualität und Preis der Krankenhäuser, der Medizin und um gut ausgebildete ausreichende Ärzte. Und die Qualitätskontrolle sollte man nicht den Investoren überlassen – weil jene in einen Interessenkonflikt zwischen Wohl der Patienten und dem des Personals auf der einen und ihren Kosten und Gewinnen auf der anderen Seite geraten. Das Urteil darüber sollten besser Patienten und Ärzte treffen – eine „echte“ Sozialwahl, mit Stimmrechten genau für diese Klientel bei der Besetzung der Leitungs- und Kontrollfunktionen im Gesundheitswesen könnte dies gewährleisten.

(3) Es ist dem Einzelnen unbenommen, sich ZUSÄTZLICH privat zu versichern. Davor aber sollte eine qualitativ gute Grundversorgung stehen, die nicht nur das Allernötigste abdeckt. Auch müssten ALLE Beiträge in die GKV zahlen – bzw. diese müsste vom Lohn und Gehalt abgekoppelt werden und auf eine allgemeinere Steuerbasis gestellt sein. Das stellt sicher, dass sich nicht Einzelne zunächst aus der Solidargemeinschaft ausklinken um dann später, wenn etwas schief gegangen ist (Arbeitslosigkeit, Pleiten, schwere oder chronische Erkrankungen etc.) als Hilfsbedürftige quasi „die Hand aufzuhalten“ und die einst aus Kostengründen verschmähte Solidargemeinschaft um Hilfe in Notlagen zu bitten…..

Nicht zuletzt - das muss immer wieder unterstrichen werden - sollten alle Ärzte auskömmliche FESTGEHÄLTER erhalten und keinerlei Vorteile aus dem Verschreiben bestimmter Medikamente etc. annehmen. Nur so ist der Versuchung durch unnötige Behandlungen Kasse zu machen zu begegnen.

Einen schönen nachdenklichen Sonntag

Beitrag melden Antworten / Zitieren
tatsache2011 02.02.2014, 11:22
161. PKV Sozialfall

Zitat von u.loose
Was gehen mich die Zahlungsunfähigen in einer Versicherung an? Die müssen dann eben beim Sozialamt vorstellig werden...
Die "Zahlungsunfähigen" der PKV erhalten vom Sozialamt Leistungen von Ihren Steuern. Es geht Sie also doch etwas an.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
makese 02.02.2014, 11:23
162. Danke

Zitat von warholandy
Eher eine Korrektur, schauen sie in ihrem 2. link mal selbst nach und schauen in der Tabelle Abschlusskosten UND Verwaltungskosten nach. Abschlusskosten sind Provisionen, die in der GKV nicht anfallen. Die PKV hat einfach die Verwaltungskosten pfiffig definiert. Dass die Verwaltungskosten bei den GKV, obgleich gesetzlich gedeckelt, möglicherweise dennoch zu hoch sind kann man diskutierren. Aber an die PKV kommt sie nicht heran.
Danke für den Hinweis. Ich hatte da schon einige Fragezeichen im Kopf bezüglich der "unnatürlichen Verwaltungskosten".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
naklar? 02.02.2014, 11:27
163. Ein Kurzzeiterfolg ...

Zitat von u.loose
800 Euro für Vier Personen ist doch völlig erträglich. Das ist immer noch weniger als ein Single an der Beitragsbemessungsgrenze zu zahlen hat. Wenn Sie Angestellter sind liegen Sie doch oberhalb der Bemessungsgrenze und Ihr Arbeitgeber zahlt Ihnen den Arbeitgeberbeitrag zusätzlich zum Lohn aus...
... bis zum am Ende des Jahres --- bei der Steuererklärung erscheint die Geldzuwendung des Arbeitgebers auf der Jahresgehaltsbescheinigung. Und diese Daten liegen dem Finanzamt natürlich vor. Und im Rentenalter haben nur noch die Pensionäre diese finanzielle Hilfe des Arbeitgebers über die großzügige Beihilfe (dank Steuerzahler).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
AN1 02.02.2014, 11:30
164. Es wird ...

auf einen Basistarif mit individuellen Zusatzoption nach Wunsch rauslaufen ... und den können PKV und GKV anbieten ... und somit bleibt ein gesunder Wettbewerb erhalten . Ein breites qualitativ hochwertiges medizinisches Angebot mit knallharter Tarifkalkulation ist die Folge ... und davon profitieren gesetzlich als auch privatversicherte...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Wirbelwind 02.02.2014, 11:32
165.

Zitat von staas
In der Regel genügt eine Scheinreduzierung des Einkommens für ein Jahr, um zunächst wieder „gesetzlich“ pflichtversichert zu sein. Nach einem Jahr hat der Betref*fende dann das „Recht“, weiterhin in der „gesetzlichen Kasse“ zu bleiben, selbst wenn sein Einkommen nun wieder deutlich über der Pflichtgrenze liegt (vgl. wie alles so kam und warum und was noch kommt)
Hier sehe auch ich ein großes Schlupfloch.

Es kann nicht angehen, dass privat Versicherte im Falle von Schicksalsschlägen einfach wieder in die GKV zurückkehren können. Im Gegenteil: die Versorgung dieser Menschen sollte den privaten Versicherungswirtschaft auferlegt werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
naklar? 02.02.2014, 11:36
166. Ja, so ist das mit einem Sozialstaat, ich ...

Zitat von u.loose
die Zahlungsunfähigen in einer Versicherung an? Die müssen dann eben beim Sozialamt vorstellig werden... Sie haben aber sehr schön den Webfehler der GKV aufgezeigt. Die "Staatsaufgabe" Veramte zu unterstützen, wurde einfach den Swangsversicherten auf Auge gedrückt. Wobei - nicht ganz. Immerhin fließen Milliardenbeträge an die GKV die das abdecken. Bei der PKV hat man ja nun glücklicherweise doch noch eine 150 Euro Grundsicherung in Leben gerufen, die wenigstens hälftig vom Sozialamt getragen wird.
... glaube aber nicht, daß Sie sich das Mittelalter zurückwünschen. Die Zeit, wo die Besserbetuchten ohne Schutz keinen Meter im Land tätigen konnten. Denn auch da waren die Armen in der Überzahl. Gut man kann sagen, die Reicheren haben in Saus und Braus gelebt. Nur das Leben war extrem gefährlich. Viel nur nicht ganz so auf, da alle ziemlich früh abgenippelt sind.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Wirbelwind 02.02.2014, 11:41
167. Vertriebskosten sind ebenfalls Verwaltungskosten!

Zitat von warholandy
Dass die Verwaltungskosten bei den GKV, obgleich gesetzlich gedeckelt, möglicherweise dennoch zu hoch sind kann man diskutierren. Aber an die PKV kommt sie nicht heran.
Völlig korrekt: Vertriebskosten sind ebenfalls Verwaltungskosten!

Der aufgeblähte Vertriebsapparat der privaten Versicherungswirtschaft, wo man die umsatzstarken Mitarbeiter auch gerne mal mit dubiosen Incentive-Reisen nach Budapest oder Jamaika belohnt, erzeugt natürlich enorme Kosten, die aus den Versicherungsbeiträgen finanziert werden müssen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
naklar? 02.02.2014, 11:41
168. Ganz meine Meinung!!!

Zitat von Wirbelwind
Hier sehe auch ich ein großes Schlupfloch. Es kann nicht angehen, dass privat Versicherte im Falle von Schicksalsschlägen einfach wieder in die GKV zurückkehren können. Im Gegenteil: die Versorgung dieser Menschen sollte den privaten Versicherungswirtschaft auferlegt werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
u.loose 02.02.2014, 11:48
169. Sie, wie auch Viele

Zitat von warholandy
Die GKV zieht die Zahlungsunfähigen mit - Solidarsystem eben. Kann jeder finden wie er will - ich finde es zivilisiert. Meine Kritik an ihrer Haltung entzündete sich an ihrer positiven Haltung zur PKV durch den webfehlerhaft hinkenden Vergleich mit der GKV. Schon klar, dass man die PKV gut findet, wenn man als Zahlungsfähiger von Zahlungsunfähigen befreit ist. Das markiert eben ihren sozialen Horizont - und es ist ja gut, dass sie sich öffentlich und ohne Scham dazu bekennen, weil nur dann Stellung dazu genommen werden kann, was ich hiermit getan habe.
andere missbrauchen den Begriff "Solidarität"....

Der hat in einer Versicherung NUR dann etwas zu suchen, wenn ALLE Mitglieder dieser "Solidargemeinschaft" einen kostendeckenden Beitrag zahlen und sich die Solidarität darin erschöpft. unkalkulierbare Risiken auf alle Versicherten zu verteilen. Genau das ist die GKV eben im Gegensatz zur PKV nicht. Dort tummeln sich jede Menge Leistungsberechtigte die keinen kostendeckenden Beitrag zahlen und das hat mit Solidarität nun einmal nicht das Geringste zu tun!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 17 von 22