Forum: Wirtschaft
Krawalle in Großbritannien: Der Zorn der Abgehängten

Sind die Randalierer in britischen Städten einfach "krank", wie Premier Cameron behauptet? Die Armen des*Landes haben durchaus Grund zur Wut: Ihre Benachteiligung nimmt stetig zu, ihre Chancen werden immer geringer.

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MartinHa 10.08.2011, 21:03
160. ...

Zitat von 7days
Wenn ich in der Zeitung lese, dass die Bande der Steuerbetrueger nicht vor Gericht gestellt wird, weil diese zwar deutsch koennen und auch keine Probleme haetten der Verhandlung zu folgen, aber unser Vater Staat sie just heute per Schwarzgeldabkommen mit der Schweiz jeglicher Schuld freispricht - da packt micht maechtig die Wut.
Steuerbetrüger werden doch regelmäßig vor Gericht gestellt und sogar verurteilt. Und das ist auch gut so. Wo waren sie die letzten Jahre?

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Kirk70 10.08.2011, 21:03
161. Doch

Zitat von MartinHa
Und da ist es eben so, dass alle profitieren können, wenn sie sich anstrengen. Und der Reiche den Armen eben nichts wegnimmt, sondern sie eben zu einem für den Arbeiter akzeptablen Lohn anstellen kann oder nicht. Und wenn der Lohn nicht passt, geht er eben zum nächsten Arbeitgeber. Und Brecht hat sicher auch immer noch Recht, wenn man sich Länder wie Zimbabwe anschaut: Natürlich ist Mugabe zum großen Teil deswegen reich, weil er seine Untertanen ausbeutet. Das stimmt schon eher. Ich halte eine extreme Vermögenskonzentration an der Spitze auch für sehr problematisch. Und ich spreche über Vermögen, die ein luxuriöses Leben allein von den Kapitalerträgen erlauben, da diese dazu führen können, dass die Vermögenden aus dem Arbeitsprozess austreten können (vielleicht ab über €10 Millionen). Allerdings muss gesagt werden, dass die Möglichkeit, ein Vermögen zu bilden, auch sehr wichtig ist, um die richtigen Anreize zum Arbeiten und Sparen zu geben. Zusammengefasst hat sich meine polemische Antwort vor allem darauf bezogen, dass den Randalierern eben nichts weggenommen wird, da sie gar nichts selbst erwirtschaften. Daher ist das Brecht-Zitat in diesem Zusammenhang einfach unpassend.
Es werden Chancen genommen, die andere hatten. Aus sehr unterschiedlichen Gründen. Aber wenn sie Welt so reich ist, muss man sich überlegen, wie man mehr Menschen Chancen geben kann, die andere auch bekommen haben. Es ist Ihnen die Chance genommen worden. Wegnehmen hat nicht immer was mit dem klassischen Stehlen zu tun
Zum nächsten Arbeitgeber gehen? Wissen Sie wie die Arbeitsmarkt aussieht? Besser denn je? Bitte sagen Sie das, dann muss ich zwar ein bisschen ausholen, aber das ist locker zu widerlegen. Alleine die 3 Mio Arbeitslose reichen für erheblichen Druck alles mögliche annehmen zu müssen, wie Friseuse für 4,-€/Stunde

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Ylex 10.08.2011, 21:03
162. Deutschland ist der stille Brüter

Zitat von blumstajn
Aber Europa bietet keine andere Alternative. Wie in vielen sache, so auch hier, es fuehrt kein Weg an Deutschland vorbei.
Deutschland ist der stille Brüter. Noch ist ein Übergreifen der Jugendrevolte nicht zu befürchten, doch sie steht bevor. Wenn zum Beispiel die PKW-Maut kommt, wenn das Benzin über zwei Euro kosten wird, dann werden Millionen vom Autofahren abgeschnitten von der individuellen Mobilität. Sie können sich kein Auto mehr leisten, sie können nicht mehr rauchen, sie können nur noch den Aldi-Schrott fressen, sie haben keine vernünftige Arbeit, meistens nur Sklaven-Zeit- bzw. Leiharbeit, sie leben in oft zerrütteten und verarmten Familienverhältnissen – und dabei werden die Reichen immer reicher. Der Zusammenbruch wird kommen, er wird von der Politik vorprogrammiert.

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Dampflok 10.08.2011, 21:04
163. Wo die wirklichen Ursachen liegen:

Zitat von hannespiefke
gibt es auch in Israel, dort gingen 250000 auf die Straße ohne das Gebäude in Flamen aufgingen, hier muß sich der Brite fragen was er alles falsch macht, zum Einen seine Finanz und Bildungspolitik. Der nächste der reif ist ist des Briten liebster Freund, die USA. Auch Frankreich hat ein ähnliches Problem, komischerweise sind Unruhen in der BRD weniger von Einwanderen geprägt als von linken und rechten siehe Hamburg und Berlin für links geprägte Autozündelei.
All diese Chaoten haben meist Eines gemeinsam, das wohlweislich medial klein gehalten wird:

Sie stammen aus vaterlosen Familien. Das ist in Israel anders und darum geht es gesittet zu.

Die Gefängnisse sind voll von Tätern die ohne Vater aufgewachsen sind. Armut ist nicht alleine jung oder farbig, doch die armen Alten rebellieren bezeichnenderweise nicht. Denn sie sind in gesunden, medial gerne "patriarchisch" diffamierten Familien aufgewachsen.

Der deutsche Politologe und Journalist Jürgen Krönig erklärt HIER warum die Gewalt nicht politisch motiviert ist:

"Sind nicht eher fehlende Perspektiven und soziale Benachteiligung der Jugendlichen die Gründe für die Krawalle?

Ich zögere dem zuzustimmen, weil ich eine andere Realität gesehen habe. Das Problem der vaterlosen Jungs ist eminent. Ich habe mit einem schwarzen Redakteur, der eine Zeitung für die schwarze Community herausgibt, gesprochen. Er erklärte mir, die Jugend sei ausser Rand und Band. Sie sei voller Verachtung fürs Lernen. Sie seien von der Celebrity-Kultur angesteckt.(...) Die These der sozialen Benachteiligung ist falsch. Überdies sind Arme heute viel besser gestellt als in früheren Zeiten."

Zustimmung. Wer mit Blackberry und Nike-Schuhen zum Randalieren geht, hat möglicherweise Probleme, aber nicht das der Armut.

Auch Stalin und der Terrorist Baader sind ohne väterliche Erziehung aufgewachsen; Breivik sogar bei einer Feministin.

Die Jugendrichterin Elisabeth Schröder-Jenner erklärte, daß in Deutschland zwei Drittel aller Vergewaltiger, drei Viertel aller jugendlichen Mörder und Drogenabhängigen, sowie drei Viertel aller Räuber und Einbrecher, die einsitzen, aus vaterlosen Familien stammen.

Auch Michael Lamb vom Nationalen Institut für Kindergesundheit und menschliche Entwicklung in den USA bestätigt die Zahlen Schröder-Jenners: 72 Prozent der jugendlichen Mörder und 60 Prozent der Vergewaltiger stammen aus Familien ohne Vater.

Die beiden Soziologinnen Cynthia Harper und Sara McLanahan verfolgten zum Beispiel den Lebensweg von 6000 Männern von 1979 bis 1993. Sie stellten fest, daß die Wahrscheinlichkeit im Gefängnis zu landen, für Jungen, die ohne Vater aufgewachsen waren, doppelt so hoch war wie für die anderen. Das galt selbst dann, wenn man andere Faktoren wie Rassenzugehörigkeit, Familieneinkommen, Ausbildung der Eltern und die Art des Wohnorts mit berücksichtigte. Auch William Galston und Elaine Carmock, zwei Soziologen, die für Clinton gearbeitet haben, kamen zu dem Schluß, daß die Beziehung zwischen einem fehlenden Vater und Verbrechen so stark sei, dass sie die Beziehung zwischen Rasse und Verbrechen oder niedrigem Einkommen und Verbrechen auslösche.

Tja. Es wäre interessant zu erfahren wie viele der festgenommenen aus vaterlosen Familien stammen. Ich wette jetzt schon, daß wir diese Relation nicht erfahren werden.

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asunceno 10.08.2011, 21:05
164. Wert und Schöpfung

Zitat von Marc W.
Von Wertschöpfung scheinen Sie nichts zu halten oder zu wissen. Infrastruktur, Häuser, Autos, Computer etc. werden durch menschliche Arbeit geschaffen, nicht jemandem weggenommen. Vergleichen Sie doch einfach mal die Gesamtheit der Güter heute mit denen vor 2000 Jahren. Wo kommt das ganze Zeug her? Haben wir es etwa über die Jahre den Außerirdischen geklaut?
Vom hohen Ross aus betrachtet, ist der "Mob" (und das ist nun mal der überwiegende Teil der Bevölkerung auf diesem Planeten) natürlich Abschaum, ganz klar.
Und Computer schöpfen Werte, auch völlig nachvollziehbar.

Haben Sie sich jemals Gedanken darüber gemacht, wie viele Arbeitsplätze durch die Erfindung des Computers bis auf den heutigen Tag wegrationalisiert wurden? Das mag eine ganz banale Frage sein, aber Fluch und Segen sind manchmal zwei Seiten derselben Medaille.

Ich meine, ich liebe meinen PC und wollte ihn auf gar keinen Fall wegrandalieren lassen - aber ich wehre mich gegen solche Kurzsichtigkeit. Wir neigen anscheinend in unserer Wohlstandsgesellschaft dazu, nur noch bis zum Tellerrand zu schauen.

Das gleiche Spiel läuft auf einer anderen Ebene in den ärmsten Ländern ab: Nimm den Bauern ihr Land, gib ihnen Alkohol und MP3-Player, dann kannst Du irgendwann zu Recht behaupten: "Die haben einfach keinen Bock auf Arbeit!"

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ferdinand s 10.08.2011, 21:05
165. Warum eigentlich Zorn ?

Ich frage mich, warum die Ausschreitungen meist auf Zorn oder Wut zurückgeführt werden...

Ich habe in meiner kurzen Lehrerlaufbahn schon an verschiedenen Berliner Schulen 7.Klässler unterrichtet, die in Gruppen ältere Schüler noch treten wenn sie schon blutend auf dem Boden liegen, "das Opfer abziehen" das ganze mit dem Handy filmen und sich dabei kaputt lachen. Von Wut keine Spur, nicht einmal ein Anflug von Reue hinterher... im Gegenteil, über pädagogische Maßnahme lachen die sich kaputt. Noten? Bildung? Schulabschluss? - Das spielt keine Rolle, da sie (wie die Eltern), nicht oder nichts geregeltes Arbeiten werden. Und diese Schulen haben kaum bis gar keine Schüler mit Migrationshintergund...

Dieses Massenhafte Phänomen der "abgehängten" ist schlicht mit Innerer Verwahrlosung zu bezeichnen dem man einzig und allein mit harten gesetzlichen Maßnahmen begegnen kann.

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bleifuß 10.08.2011, 21:06
166. free4all

Zitat von raytheon11
"Warum aber ist die Wut in Großbritannien so viel größer als in Deutschland oder anderen EU-Ländern?"
Ist Sie das, oder fehlt nur ein Toter im falschen Milleu durch die Polizei?

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NewsFlak 10.08.2011, 21:07
167. Experimente

Zitat von alcaselzar
Fallende Rohstoffpreise gegen fallende Börsenkurse. Das macht Sinn. Geld konzentriert sich auch, um Arbeitplätze zu schaffen. Natürlich wiederum um Geld zu verdienen. Das Geld muss aber jemanden gehören, damit der Verantwortung zeigt. Selbst dann ist die Frage nach der Verantworung noch eine besondere. Alles andere können Sie beim Studium der Geschichte der DDR lernen.Die Experimente sind doch alle schon gelaufen und gescheitert, die Sie und andere uns hier andienen.
So, wo und wann sind Experimente schon gelaufen?
Mal abgesehen von den totalitären Systemen, die zufällig "Sozialismus" im Namen tragen, früher nannte man das mal "real existierender Sozialismus".
Und den hielt weder Ochs noch Esel auf!
Ähnliches scheint es mir mit dem Kapitalistischem System zu gehen, die Protagonisten scheinen auch zu glauben sie wären nicht zu stoppen, liegen aber schon in den letzten Zuckungen.
Aber die Fantasie einiger scheint begrenzt. Alles was nicht Kapitalismus ist ist Kommunismus. Gut das Leben ist einfacher in Schwarz und weiß.

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doubledamage 10.08.2011, 21:08
168. ...

Zitat von Marc W.
Es werden keine Supermärkte sondern Elektronik- und Modegeschäfte geplündert.
Wissen Sie es wirklich nicht?

Na dann mache ich Ihnen mal den Erklärbär.

Wenn man plündert, was macht da aus kapitalistischer Sicht mehr Sinn?
a) zehn Dosen Erbsen für 5€ nach Hause schleppen
oder
b) zwei Elektronikgeräte plündern, von denen im Pfandhaus eines für 50 € weggeht, wovon ich mir 100 Dosen Erbsen kaufen kann? Und eines zudem für mich selbst behalten könnte.

Na also, ich bin sicher mit etwas Nachdenken wären Sie auch darauf gekommen, oder?

Ein Banker gibt sich doch auch nicht mit 1Mio Abfindung zufrieden, wenn er ebenso zehn Mio Abfindung haben könnte, oder?

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Freeflow 10.08.2011, 21:08
169. Guter Mann,

Zitat von Marc W.
Aktionäre können auch Arbeiter sein. Ein Arbeiter in Deutschland kann sich von seinem Gehalt einen nie dagewesenen Lebensstandard leisten. Natürlich wird man als gewöhnlicher Arbeiter nicht reich, sonst wären alle reich und dadurch wäre niemand reich. Schonmal was von relativem Wohlstand gehört?
wo leben sie denn?
Schon richtig, durch die technische und auch soziale Entwicklung der letzten 100 Jahre geht es auch den Armen in Westeuropa heute besser, als den Armen vor 200 Jahren.
Aber es gibt seit geraumer Zeit eine gewaltige Tendenz der Umverteilung.
Und mittlerweile gibt es auch hier bei uns immer mehr Menschen, die zwar Vollzeit arbeiten, aber davon einfach nicht leben können. Und für immer mehr Menschen steht einfach gar keine Arbeit zur Verfügung. Da ist von relativem Wohlstand nix zu sehen.

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