Forum: Wirtschaft
Krawalle in Großbritannien: Der Zorn der Abgehängten

Sind die Randalierer in britischen Städten einfach "krank", wie Premier Cameron behauptet? Die Armen des*Landes haben durchaus Grund zur Wut: Ihre Benachteiligung nimmt stetig zu, ihre Chancen werden immer geringer.

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Flightkit 10.08.2011, 19:31
50. Doppeldeutigkeit des Abgehängten.

Zitat von chmb
Das ist erst der Anfang, welcher z.T. das Internet eingeleitet hat. Die Leute können sich sehr viel besser organisieren und merken auch viel schneller dass es gleichgesinnte gibt und sie eben nicht verrückt sind. Es wird noch sehr viel schlimmer kommen, und dann auch von anderen Gruppen ausgehen. So wie die Gesellschaft sich entwickelt, kann es nunmal nicht weiter gehen. Wie sagte jemand schlaues doch mal so schön: No justice, no peace.
Klassenkampf bei SPON. Da gehen wohl eine paar feuchte Träume mit Ihnen durch. Ich erinnere mich noch sehr gut an Unruhen im Westen Londons, etwas mehr als 20 Jahre her, da sah es dort genauso aus. Ohne Internet. Alledrings auch ohne Spinner bei uns, die sowas gleich in ihren Klassenkampf bei uns einfügen wollen.

Ihr bekommt Euren Sozialismus. Die Vernünftigen brauchen halt noch ein wenig Zeit, Euch hier den Raum überlassen zu können. Dann könnt ihr Euch mit den Nachfolgern der VOPO verbrüdern, und kleine rote Fähnchen schwenkend an Euren Führern vorbeidefilieren.

Es gibt ein oben, und ein unten. Das werden Eure Funktionäre Euch schon noch beibringen, wenn ihr Eure Selbstverwirklichung, tief gebückt den nackten Überlebenskampf bestreitend, klaubend auf leer geernteten Kartoffelackern verbringen werdet.

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recardo 10.08.2011, 19:31
51. .

Zitat von zynik
Ein weiteres Beispiel, dass geistige und finanzielle Armut nicht immer deckungsgleich sein müssen. Die Plünderer haben sich genau ihre Einstellung zu eigen gemacht: Den absoluten Egoismus.
...und sie könnten - schlau wie sie sind - die zum Besseren bekehren? Ich weiß nicht was das soll; glauben sie im Ernst, das es sowas wie eine immer gleiche gute Gesellschaft gibt, wo die Menschen immer nur anständig zueinander sind? Ich glaube der Mensch ist Oportunist, nimmt sich was er kriegen kann, so lange ihn Regeln nicht daran hindern oder er nicht erwischt wird: ob nun Bankster oder der Mob, wobei man tatsächlich manchmal fragen muß: Wer ist wer?

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MartinHa 10.08.2011, 19:33
52. ...

Zitat von Deutscher__Michel
Reicher Mann und armer Mann standen da und sah`n sich an. Da sagt der Arme bleich: 'Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.'
Antwortet der Reiche: 'Wär ich nicht reich [und würde dir Sozialhilfe geben], wärst du noch ärmer.'

Wirtschaft ist eben kein Nullsummenspiel.

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matt_us 10.08.2011, 19:34
53. Andere Leitkultur durch kriminelle "gangs"

Interessante Statistik:

Zitat von SPON
Allein das wohlhabendste Zehntel der Briten verfügt .... über 44 Prozent des bekannten Vermögens, die untere Hälfte besitzt zusammen 13 Prozent. Doch diese Verteilung ist in Deutschland noch viel extremer: Hier verfügt das oberste Zehntel ...sogar über rund 61 Prozent, die untere Hälfte kommt auf gerade einmal 1,6 Prozent.
Da kann man sich ja auch in Deutschland noch auf was gefasst machen.

Man sollte noch dazusagen, dass die UK Statitics Behoerde die neuesten Zahlen zur Vermoegensverteilung noch nicht veroeffentlicht hat - angeblich wegen "Datenprobleme" (die wahrschienlich zeigen, dass die Vermoegensverteilung noch ungleicher geworden ist!)

Aber es hat einfach auch was mit "gang culture" zu tun. Wenn man schon eien gang hat, muss man ja auch mal was anstaendiges anstellen. Und Laeden ausrauben und anzuenden sind dann natuerlich genau das richtige!

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Hubatz 10.08.2011, 19:35
54. Nachdenken ²

Zitat von Mocs
Ja klar, das überaus konsequente und höfliche (Sozial-)verhalten der Briten können Sie in jedem Spanienurlaub beobachten. Wo die Kanisterköppe aufschlagen, da wächst kein Gras mehr. Nur diesmal feiern sie daheim. Ob Sie nun plündern oder Chantal-Veronika einen überteuerten Lippenstift klaut - wo ist der Unterschied ? Konzerne und System haben uns (bzw. viele von uns) zu Konsumvieh erzogen, dass sich über Materielles definiert - da wundert mich gar nichts mehr. Und wer ein Gaastra-Polo für 89 EUR marodierend wegplündert - der hat der fernöstlichen Näherin nichts weggenommen, der Labelfirma vielleicht 4 EUR Gestehungskosten und 85 EUR sinnlose Gewinnspanne "gelöscht". Wollen Sie für vier EUR die Todesstrafe einführen ?
Geh ich recht in der Annahme das Ihre Jacke aus altem Leder besteht und ein rotes A auf die Rückseite gestickt ist?! Was soll dieser Kommentar? Wer redet von Todestrafe und warum pauschalisieren Sie alle Engländer als "Kanisterköppe"? Ihre Rechnung mit dem Gaastra-Polo zeugt ausserdem davon, dass Sie von Wirtschaft recht wenig verstehen. In einem Punkt gebe ich Ihnen aber recht, unser Weltwirtschaftssystem muss überholt werden. Nur ändern werden das bestimmt keine gelangweilten Teens aus UK.

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julian0922 10.08.2011, 19:35
55. Anarchy in the UK!

Zitat von abfallverwertung
Krank ist vielmehr, wer den Kapitalismus für normal oder gar gut hält.
So sehe ich das auch, es ist leicht die Leute als krank zu bezeichnen wenn dabei vergessen wird WAS sie denn krank gemacht hat!

Zudem: Wenn man sieht das Regierungen Banken schuetzen und unterstuetzen und das auf Kosten des eigenen Volkes, welches diktierte Einsparungen hinnehmen muss, dann ist das viel viel eher als krank, "asozial" (im wahrsten Sinne!!), einzustufen!

Und es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit bis diese Glut, diese "Kranheit", auch in andere Laender ueberschwappt, denn "ansteckend" ist sie allemal! Man kann die zwei Klingen einer Schere eben nicht so weit oeffnen wie man es fuer noetig haelt und das hat, wie bei der eigentlichen Schere, schon seinen Grund, da die dann kaputt gehen wuerde....

Ich nehme an das der Grossteil der Englaender diese Krawalle ablehnt, ABER was ist mit den 10-20 oder gar 30Prozent der Bevoelkerung die das nicht tun? Alle krank???
Gelten Minderheiten nichts mehr im eigenen Land und werden als Krank abgewatscht und wir reden hier ja nicht ueber 3-4Leute?
Einfache Proteste bringen zudem doch eh nichts mehr, die werden nichtmal mehr wahrgenommen sondern bloss geleitet und kontrolliert! Diese Krawalle sollten demnach nicht als Krankheit, sondern viel mehr als eine Warnung dargestellt und wahrgenommen werden...denn sonst heisst auf einmal nicht mehr bloss "Anarchy in the UK"!

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DerNachfrager 10.08.2011, 19:37
56. Genau, der Thatcherismus...

Zitat von querdenker1.0
Was wir sehen, ist Folge dessen, was die Thatcheristen aus diesem Land gemacht haben. Ich hatte Anfang bis Mitte der 70er Jahre das Glück, ganz oft in GB zu sein, als es noch nicht vom Thatcherismus befallen war - ähnliches gilt nebenbei für USA vor und nach Reaganomics ... Seit den 90ern war ich in beiden Ländern nicht mehr und möchte sie mir in meiner Erinnerung als noch so wie damals zurechtlügen ...
Genau, der Thatcherismus is schuld !

Meinem Onkel ging es auch immer prima; mit zwei Kasten Bier, einer Flasche Schnaps und drei Schachteln Marlboro am Tag. Dann hat die Tante ihm den Stoff gestrichen und siehe da: Die nächsten zwei Jahre ging es ihm richtig dreckig, bis er sogar gestorben ist. Das war Tante Margarets Schuld....

Der Opa vor der Entziehung; das ist Ihr GB vor dem Thatcherismus !

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JohnC. 10.08.2011, 19:38
57. Bitte schließen

Zitat von Maywald
Es ist müßig zu erwähnen, dass es keine Rechtfertigung für Gewalt geben darf. Dennoch muss es erlaubt sein, auf das eine oder andere hinzuweisen, ohne gleich gesperrt zu werden. Es ist der Staat, der sich immer mehr zu Gunsten einiger weniger priviligierter Gruppen seiner Verantwortung für das Gemeinwesen entzogen hat. Der Staat versteht sich nicht mehr als Vertretung und freiwillig auferlegte Einheit seiner Bürger, sondern legitimiert sich nur noch durch seine neoliberale Politik, die das Agieren von Marktteilnehmern fördert. Die Distanz zum Bürger stellt den Staat und die Demokratie im weiteren Sinne in Frage. Es geht nur noch um die etablierte Ordnung zum Wohle sozial und wirtschaftlich privilegierter Gruppen und die muss aufrecht erhalten werden. Jegliche moralische Empörung über die derzeitigen Ereignisse in Großbritannien läuft ins Leere, da sich auch keine hinreichend moralische Begründung mehr unter den politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen findet für die Erhaltung des demokratischen Gemeinwesens. Rücksichtslos werden menschliche Bindungen und Zugehörigkeitsgefüge dem radikalen Marktgeschehen geopfert. Der liberaldemokratische Staat entlarvt sich als ein anarchisches System, das die organisierte Verantwortungslosigkeit einer Wirtschaftselite billigt und von ihr zu profitieren glaubt. Die Epoche stetiger Kulturzuwächse wird abgelöst durch eine parasitäre Beziehung der politischen und wirtschaftlichen Akteure untereinander zum Wohle ihrer materiellen Bereicherung. Das geordnete Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft wird dabei aufs Spiel gesetzt. Ja es wird von den Eliten nicht einmal mehr gewollt. Den Preis, welchen wir Bürger dafür bezahlen müssen liegt zwischenzeitlich auf der Hand.
Mit diesem Beitrag sollte die Diskussion beendet werden, besser kann man es nicht ausdrücken. Bravo!

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jujuy 10.08.2011, 19:38
58. Relativ schwacher Artikel

Ich muss sagen, der Artikel "Der Zorn der Abgehängten" hat mich eher enttäucht, da bin ich eigentlich doch ein anderes journalistisches Niveau gewöhnt.

Es beginnt damit, dass gleich in den ersten beiden Sätzen der Eindruck geweckt wird, als sei die Gewalt gerechtfertigt. (eine Aussage, die dann ein paar Sätze später abgelehnt wird)

Danach ist der Artikel die längste Zeit eine Ansammlung von Fakten, die mal das Chaos nicht erklären können, dann doch nicht, wobei mir schleierhaft ist, wo der Unterschied zwischen den genannten Fakten sein soll. Schließlich gelten alle aufgezählten Sachen - so richtig sie sind - eben auch für zahlreiche andere Länder. Es gibt nun mal nur wenige Länder auf der Welt, in denen sich in den letzten Jahren die Aufstiegschancen für die Unterschicht verbessert haben. Und ich kann genug afrikanische Länder nennen, in denen die Jugend von den Aufstiegschancen, die die britische Unterschicht immer noch hat, träumt - und trotzdem nicht so plündert und Randale macht. So erklärt der Artikel letztendlich nichts, hinterlässt aber gleichzeitig eine Schieflage, die diese sinnlose Gewalt als tendenziell verständlich und begründbar darstellt, dabei ist diese Gewalt sinnlos - man soll zwar in alle Richtungen nach Gründen fragen, aber nicht soweit als dass diese Gewalt weniger sinnlos wird und schon den Anschein von nachvollziehbarem Protest hat.

Um Längen besser ist der zum Thema zeitgleich auf zeit.de erschienene Artikel:
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeit...-gewalt-jugend

Sehr treffend auch die Schlagzeile eines anderen Artikels auf zeit.de zu den Vorfällen "Sie wollen Flachbildschirme, nicht Freiheit".

MfG
Jujuy

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sozialminister 10.08.2011, 19:41
59. Reaktion

Zitat von Maronno
"Die Armen des Landes haben durchaus Grund zur Wut: Ihre Benachteiligung nimmt stetig zu, ihre Chancen werden immer geringer." Und deshalb brennt man Häuser nieder und bringt unschuldige Menschen um. Selten so eine abartige Rechtfertigung für kriminelle Gewalt gelesen. In Wahrheit handelt es sich um Rassenunruhen. Wer die betroffenen Stadtteile kennt, der weiss wovon ich rede. Aber das ist politisch inkorrekt, daher wird auch weiterhin von "Benachteiligungen" geschwafelt. Die Verbrecher verabreden sich mit Hilfe ihrer Blackberrys. Für Leute, die nicht arbeiten, geht es ihnen sehr gut im britischen Sozialsystem.
Das ist nicht politisch inkorrekt. Es ist einfach nur reaktionär.

Es ist nicht gesagt, daß jeder dieser Jugendlichen ein Blackberry besitzt. Die waren doch immerhin plündern, vielleicht haben sie die Dinger ja daher. Auch in Deutschland gibt es Ausnahmen im Prekariat die mal ein Smart-Phone besitzen, aber sie müssen natürlich direkt pauschalisieren, damit es in ihr Weltbild passt.

Genauso wie die Behauptung es wären unschuldige von dem Mob getötet worden. Es sind 4 Menschen bislang dabei umgekommen. Von einem weiß man das er von der Polizei getötet wurde, bei den anderen 3 stehen die Ermittlungen noch an. Schon ein bisschen merkwürdig, daß die von einem Auto überfahren wurden statt vom Mob totgeprügelt zu werden, aber sie sind selbstverständlich Chefermittler und wissen sofort Bescheid.

Genauso wissen sie ja anscheinend auch darüber Bescheid, daß diese Krawallmacher wohl Ausländer sind. Ausländer sind ja sowieso die übelsten Menschen, nicht wahr? Das die am stärksten vertretenste ethnische Gruppe bei den Krawallen reine Engländer sind interessiert sie auch nicht, weil, wie gesagt, daß ihr Weltbild zerstören würde.

Aber schnappen sie sich ruhig eine Waffe und korrigieren sie ihre heile Welt. :)

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