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Kriminalität im Gesundheitswesen: Wie Krankenkassen beim Betrug in der Pflege zusehen
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Systematisch nehmen Betrüger das deutsche Pflegesystem aus - zu Lasten der Beitragszahler. Ein interner Bericht aus dem Gesundheitswesen zeigt nun, dass viele Krankenversicherungen die Abzocke einfach geschehen lassen.

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nixproblem 16.10.2018, 09:49
10. Wichtiges Thema für die "4. Gewalt"

Es freut mich, dass endlich diese Skandale von der Presse etwas intensiver beleuchtet werden. Bei dem Thema noch mehr und fundierter zu berichten wäre für das Wohl der Gemeinschaft erheblich förderlicher als weitere gefühlt hundert Artikel zum Wahlergebnis in Bayern für den Papierkorb zu schreiben.

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olli08 16.10.2018, 09:50
11. Der (politische) Wille fehlt - der dumme Michel zahlt ...

Zitat von dirkcoe
und klarer Betrug. Ich Frage mich jedoch, wie man das in der Praxis verhindern kann? Wie kann eine wirkungsvolle Kontrolle denn Erfolgen? Bei jeder Art von Selbstaufschreibung von erbrachten Leistungen ist die Gefahr von Betrug gegeben. Bei der schieren Anzahl der in der Pflege tätigen Unternehmen ist eine echte Kontrolle kaum machbar.
Mir würden da mehrere Maßnahmen einfallen:
1. Die Verantwortlichen (Vorstände) in den Krankenkassen rechtlich zur Verantwortung ziehen. Wer mit vermeidbarem Betrug so nachlässig umgeht, macht sich m.E. der Veruntreuung von Versichterngeldern schuldig!
2. Deutliche Vereinfachung des Abrechnungssystems. Statt vieler Einzelleistungen nur noch Abrechnung nach Zeitaufwand (über Arbeitsplan nachweisbar) und "Schwierigkeitsgrad" (entsprechend der Pflegestufe).
3. Wenn alles nichts hilft: Verstaatlichung! Eigene Angestellte bekommen Gehalt, Betrug praktisch unmöglich ...

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UweGroßberndt 16.10.2018, 09:52
12. was soll man sagen.

Die Opfer sind pflegebedürftige und der Steuer/Beitragszahler. Da haben die Regierung, ihre Organisationen und die Krankenkassen kein Interesse dran. Wie schon die FDP sagte, die Wähler sind blöde und lästig. Die Krankenkassen brauchen sich keine Sorgen machen, die Politik treibt das Geld für sie ein. Löhne und Gehälter, Sonderleistungen und Freizeitgestaltung sind gesichert, warum also etwas machen? Der Politiker braucht sich keine Sorgen machen er hat die beste Rundum-Versorgung, der deutsche Beamte hat eine gesicherte Hängematte. Also warum etwas ändern?
Frau Merkel, sie haben gestern bedauert, dass "fast" Vollbeschäftigung nicht ausreicht Ihnen und Ihrem Hofstaat zu vertrauen, sie haben richtig festgestellt, dass die Menschen Ihnen und den Anderen im Berliner Reichstag nichts mehr zu trauen. Richtig, Deutschland ist zu einem Beamten-Wohlfühl-Staat verkommen. Ihre Vollbeschäftigung beinhaltet auch Menschen die nicht von ihrer Arbeit leben können.

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Ingolf Thiel 16.10.2018, 09:55
13. Ganz einfach!

Pflege gehört in staatlicher Hand, wird daraus ja und von uns bezahlt. Da hat denn nichts privates da zu suchen.
Ähnliches gilt für Krankenhäuser, Wasser, Strom und Gas!
Wäre sowas noch staatlich, würde es etwas anders aussehen in der BRD.

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poetnix 16.10.2018, 09:56
14.

Die einzig wichtige Frage wird nicht erörtert:
Was zwingt uns, die Pflege alter Mitmenschen der Gewinnerzielung privater Unternehmen zu überlassen ?
Sind wirklich keine anderen Lösungen denkbar ?
Z.B. Mischformen, die eine stärkere Kontrolle zulassen ?
Sofern überhaupt jemand kontrollieren will, natürlich.

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quark2@mailinator.com 16.10.2018, 09:58
15.

Was wir hier beobachten, hat auch damit zu tun, daß wir von einem menschlichen, auch viel auf Vertrauen und Integrität basierenden System übergehen zu einem System mit immer mehr Kontrolle und starreren Regeln. Das betrifft nicht nur die Pflege, sondern auch ärztliche Leistungen und allgemein die Gesellschaft. Ich sehe diese Entwicklung kritisch und bezweifle, daß sie menschlich oder auch nur finanziell erfolgreich sein kann.

Was ich meine ? Bevor es groß Elektronik und Software gab, also noch in den 80ern, war es einfach unmöglich, die Menge an Daten zu erzeugen und zu verarbeiten, wie wir das heute tun. Viele Dinge, die heute über Barcodes und Chipkarten abgerechnet oder von Kameras aufgezeichnet werden, wurden früher nur über das Verantwortungsbewußtsein der einzelnen Menschen abgesichert. Wenn Sie heute einen Menschen pflegen, dann sehen Sie oft, daß Geld für z.T. absurde, nicht benötigte Dinge bereitsteht, wohingegen dringend benötigte Dinge nicht bezahlt werden. Statt das Budget dem Patienten gemäß nutzen zu können, gibt es Listen, was geht und was nicht. Und das Elend kann groß werden. Da wandert dann schon mal die Tube Schmerzcreme von einem Patienten zum anderen, oder es werden Leistungen aufgeschrieben und dafür andere erbracht (der Patient hat sich z.B. selbst gewaschen, genießt aber, daß jemand neben ihm sitzt, während er Kaffee trinkt). Ich weiß nicht, wie Ärzte sich fühlen, die wissen, daß sie einem leidenden Patienten die 2. oder 3.beste Lösung verschreiben, weil ihr Quartalsbudget an Medikamenten sonst nicht ausreicht. Das ist Sadismus den ethisch Korrekten gegenüber.

Wenn wir alles überwachen und vorschreiben wollen, dann werden wir mMn. scheitern. Die Verantwortung gehört zurück in die Hände der unteren Ebenen. Die Absicherung gegen kriminelles Verhalten kann wohl nie 100% funktionieren, aber sie läuft über die Ethik der Beteiligten. D.h. auch, daß wir ordentliche Bezahlung in der Pflege brauchen - für die Pfleger und für die nötigen Hilfsmittel. Und für eine Polizei, die kriminelle Vereinigungen des Organisierten Verbrechens wirksam bekämpfen kann. Mein Erleben ist, daß in allen steuerfinanzierten Bereichen der Frust der Leute enorm ist, seit Schröder dem Staat das Geld genommen und es zu den Großunternehmen umverteilt hat.

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ellenbetti 16.10.2018, 09:59
16. nicht wegsehen

weiter recherchieren und dran bleiben denn das wird eines der grossen Themen in der Zukunft. Wie wäre es
verstärkt Angehörige für den häuslichen Pflegedienst zu entlohnen und diese Kraft den schwarzen Schafen entgegen zu stellen ? Aber nein. Niemand gönnt einem Anderen etwas und Angehörigen schon gar kein Geld,. Lieber irgendwohin 1 x 100.000€ überweisen ( Finger und Klick und fertig und erledigt ) als 100 x 1.000€ . Da wo keine Nachfragen oder gar persönliches Erscheinen in der AOK auftritt. Wegschieben und ignorieren anstatt die Pflege für Angehörige so attraktiv zu machen das es schöner lohnender ausgleichender Lebensabend wird. Wenn wir z.B. in einer Kleinstadt nur einen großen Pflegedienst haben dann können wir den doch nicht anzeigen. Der ist dann Systemrelevant. Man kann diesen Diensten sehr wohl über die Schulter sehen -aber nicht vom Schreibtisch aus.

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DHH 16.10.2018, 09:59
17. Lange bekannt, endlich angesprochen - zumindest zum Teil

Die Spatzen haben das seit langem von den Dächern gepfiffen. Gut, dass der Spiegel dieses Thema endlich aufgreift, vielleicht zwingt das die Kassen und Politiker zu handeln. Gegenseitiger Austausch, konsequente Nachforschung und Rückforderung sowie flankierend drastische (Freiheits-)Strafen für alle, die in der betrügerischen Kette tätig sind, wären dringend notwendig.

Lachen musste ich allerdings bei dem Zitat "Es ist ein Armutszeugnis für die Kassen, dass man sie zum Kampf gegen den Pflegebetrug zwingen muss. Immerhin ist es nicht ihr Geld, das sie sich hier stehlen lassen." - streiche "Immerhin ist es", setze "Denn es ist"; dann wird ein Schuh draus.
Bedauerlich nur, dass mit keinem Wort erwähnt wird, wer die Profiteure sind und wo sie sitzen. Auch das trällern die Spatzen schon seit einer Weile, vielleicht erfasst den Spiegel hier ja noch mal ein Mutschub und er sagt, was ist...

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so-long 16.10.2018, 10:00
18. Leider Theorie

Zitat von MeineMeinung75
Ich bin der festen Überzeugung, dass sich wesentlich mehr Betrug gegenüber den Krankenkassen aufdecken lassen würde, wenn der Patient wüsste, welche Leistungen abgerechnet werden. Ich war jahrelang Privatpatientin und habe immer wieder Rechnungen.....
In den Abrechnungsbestimmungen kann sich kein normaler Mensch zurechtfinden, da bürokratisch, gründlich und deutsch. Die Pflegepatienten haben ganz andere Sorgen, ebenso die Angehörigen.

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Leser161 16.10.2018, 10:04
19. Systematisch

Wann hätte schon je ein Geldverwalter sowas gesagt wie "Wir haben Kosten reduziert" stattdessen hört man immer nur, dies ist teurer jenes ist teurer, die Beitragszahler müssen halt mehr zahlen. Es ist wohl einfacher dem Beitragszahler der sich nicht wehren kann den Beitrag zu erhöhen als effizient zu wirtschaften.

Ansonsten sehe ich die Krankenkassen hier auch nicht so in der Pflicht. Sollen die jetzt auf eigene Kosten gegen den Betrug vorgehen mit unklarem Ausgang (Betrug muss man auch erstmal nachweisen).
Gegen Betrug sollte der Staat vorgehen. Gerade in Bereichen in denen es um viel Geld geht sollte es doch möglich Kostendeckung durch entsprechende Bußgelder zu erzielen. Man vergleiche hier mit der Jagd auf sogenannte Raser. Diese Möglichkeiten haben Krankenkassen nicht.

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