Forum: Wirtschaft
Krise der Globalisierung: Mehr Umverteilung wagen
imago images/Michael Kneffel

Über den Absturz der SPD lässt sich leicht höhnen. Aber ginge es den Menschen mit, sagen wir, Christian Lindner besser? Die Wahrheit ist: Die Marktwirtschaft braucht einen radikalen Neustart.

Seite 35 von 35
syracusa 11.06.2019, 20:31
340.

Zitat von Crom
Was werden wohl die Leute vor 200 Jahren auf so eine Frage geantwortet haben? Konnten die damals schon erahnen, welche neuen Berufsbilder es geben wird?
Sie irren schon wieder. Selbstverständlich hätten die Leute vor 200 Jahren sehr genau gewusst, was sie zu antworten hatten: sie hätten sich weiter gebildet, hätten studiert, hätten Maschinen repariert, hätten Autos chauffiert, wären Arzt geworden oder Buchhalter ...

Nochmals: das machen in der Zukunft, über die wir reden, alles Maschinen. Die erledigen nicht nur die körperlichen Arbeiten, sondern auch die meisten geistigen. Was also wollen Sie noch tun? Die Leute vor 200 Jahren haben es gewusst. Sie nicht mehr.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Crom 12.06.2019, 11:10
341.

Zitat von syracusa
Sie irren schon wieder. Selbstverständlich hätten die Leute vor 200 Jahren sehr genau gewusst, was sie zu antworten hatten: sie hätten sich weiter gebildet, hätten studiert, hätten Maschinen repariert, hätten Autos chauffiert, wären Arzt geworden oder Buchhalter ...
Ach und deswegen haben sie dann Maschinen gestürmt? Ansonsten kann man die gleichen Antworten auch heute geben oder glauben Sie es werden zukünftig keine Ärzte mehr gebraucht?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
syracusa 12.06.2019, 14:31
342.

Zitat von Crom
Ach und deswegen haben sie dann Maschinen gestürmt? Ansonsten kann man die gleichen Antworten auch heute geben oder glauben Sie es werden zukünftig keine Ärzte mehr gebraucht?
Den Weberaufstand hat's nicht deshalb gegeben, weil die durch die Webmaschinen arbeitslos gewordenen Weber keine Vorstellung davon gehabt haben, was sie statt dessen machen könnten. Es gab den Weberaufstand, weil die politischen und sozialen Verhältnisse nicht so waren, dass die Weber die Möglichkeit gehabt haben, ihren Beruf zu wechseln. Was glauben Sie denn, was passieren würde, wenn in 20 Jahren KIs autonom LKWs und Taxis fahren, und wenn den arbeitslos werdenden Chauffeuren ALG und Sozialhilfe und alle Umschulungen gestrichen werden.

Und auch wenn Ärzte eher wenig von KIs betroffen sein werden, so trifft das doch auch auf sie zu. Bei etlichen Erkrankungen leisten KIs schon heute sehr viel bessere Diagnosen als menschliche Ärzte.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Crom 12.06.2019, 17:38
343.

Zitat von syracusa
Den Weberaufstand hat's nicht deshalb gegeben, weil die durch die Webmaschinen arbeitslos gewordenen Weber keine Vorstellung davon gehabt haben, was sie statt dessen machen könnten. Es gab den Weberaufstand, weil die politischen und sozialen Verhältnisse nicht so waren, dass die Weber die Möglichkeit gehabt haben, ihren Beruf zu wechseln. Was glauben Sie denn, was passieren würde, wenn in 20 Jahren KIs autonom LKWs und Taxis fahren, und wenn den arbeitslos werdenden Chauffeuren ALG und Sozialhilfe und alle Umschulungen gestrichen werden. Und auch wenn Ärzte eher wenig von KIs betroffen sein werden, so trifft das doch auch auf sie zu. Bei etlichen Erkrankungen leisten KIs schon heute sehr viel bessere Diagnosen als menschliche Ärzte.
Was ist denn mit all den Sattlern passiert, nachdem die Pferdekutsche durch das Auto abgelöst wurde? Es ist ganz normal, dass bestimmte Berufe wegfallen, dafür gibt's dann neue. Bei autonomen LKW und Taxis wird es dann z.B. einen Dispatcher geben, der notfalls manuell eingreift, wenn die KI versagt. Der schaltet sich dann Remote aufs Fahrzeug und wird dieses entweder in die Werkstatt lenken oder in eine Situation aus der es wieder von selbst weiterfahren kann. Klar, nicht jeder Taxisfahrer wird Dispatcher, aber wenn das Taxifahren durch die Automatisierung günstiger wird, hat der Kunde dann mehr Geld für andere Dinge und dort entstehen dann Jobs. Glauben Sie vor 200 Jahren konnte man sich eine Freizeit- und Reiseindustrie wie die heutige vorstellen? Die Leute hatten dazu gar nicht das Geld, weil für Grundbedürfnisse wie z.B. Nahrung damals deutlich mehr ausgegeben werden musste als heute. Die Anzahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft waren um ein Vielfaches höher als heute. Nach Ihrer Logik müssten wir heute ein Heer arbeitsloser Bauern haben. Haben wir aber nicht, weil es heute andere Berufe gibt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
syracusa 12.06.2019, 19:22
344.

Zitat von Crom
Was ist denn mit all den Sattlern passiert, nachdem die Pferdekutsche durch das Auto abgelöst wurde? Es ist ganz normal, dass bestimmte Berufe wegfallen, dafür gibt's dann neue. Bei autonomen LKW und Taxis wird es dann z.B. einen Dispatcher geben, der notfalls manuell eingreift, wenn die KI versagt.
Ok, einer von 10.000 arbeitslosen Chauffeuren würde dann als Dispatcher weiter arbeiten können. Und? Warum aber ein Dispatcher überhaupt noch gebraucht wird, haben Sie nicht gesagt. Wenn eine KI versagt, dann wird eine andere eingreifen.

In der ersten industriellen Rvolution sind vermutlich noch viel mehr Arbeitsplätze verloren gegangen, als es in der 3. (oder ist es schon die 4.?) digitalen Revolution der Fall sein wird. Aber den relevanten Punkt habe ich schon erwähnt: es hat damals weniger Wohlstand gegeben, und deshalb haben alle, die ihre Arbeit verloren haben, recht konkrete Vorstellungen davon gehabt, wie eine für sie bessere Welt aussehen könnte. Die Not war gegeben, und sie wollte gelindert sein.

Diese Perspektiven entfallen jetzt. Mehr Wohlstand durch mehr Konsum, als wir ihn aktuell schon haben, ist nicht mehr möglich. Im Gegenteil: wir haben den Bogen bereits weit überspannt. Die grundlegende Hoffnung, die die Industrialisierung geweckt hat, dass es nämlich jeder Generation besser gehen würde als ihren Eltern, kann nicht mehr erfüllt werden. Und ehrlich: wir haben auch kein Bedürfnis mehr nach noch mehr Wohlstand.

Selbst ohne weitere Produktivitätsgewinne durch die Digitalisierung würden deshalb schon sehr viele Arbeitsplätze verloren gehen. KIs aber machen nicht nur Arbeitsplätze in der Industrie platt, sondern auch die meisten im Vertrieb, in der Logistik, und im Dienstleistungssektor. Und es gibt nicht wie früher die Möglichkeit des Ausweichens in bislang unentdeckte Bereiche, die dann letztlich den Wohlstand weiter mehren.

Im Übrigen bin ich ein großer Freund davon, dass die Maschinen den Menschen die Arbeit abnehmen. Ich kann keinen großen Lebenssinn darin finden, fremdbestimmt zu arbeiten, und ich kann mit meinem Arbeitsvertrag über 30h im Monat recht gut auskommen. Das wird in Zukunft immer mehr Menschen ermöglicht, aber das setzt ein fundamental anderes Lohn- oder Steuergefüge voraus.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Crom 13.06.2019, 09:09
345.

Zitat von syracusa
Ok, einer von 10.000 arbeitslosen Chauffeuren würde dann als Dispatcher weiter arbeiten können. Und? Warum aber ein Dispatcher überhaupt noch gebraucht wird, haben Sie nicht gesagt. Wenn eine KI versagt, dann wird eine andere eingreifen. In der ersten industriellen Rvolution sind vermutlich noch viel mehr Arbeitsplätze verloren gegangen, als es in der 3. (oder ist es schon die 4.?) digitalen Revolution der Fall sein wird. Aber den relevanten Punkt habe ich schon erwähnt: es hat damals weniger Wohlstand gegeben, und deshalb haben alle, die ihre Arbeit verloren haben, recht konkrete Vorstellungen davon gehabt, wie eine für sie bessere Welt aussehen könnte. Die Not war gegeben, und sie wollte gelindert sein. Diese Perspektiven entfallen jetzt. Mehr Wohlstand durch mehr Konsum, als wir ihn aktuell schon haben, ist nicht mehr möglich. Im Gegenteil: wir haben den Bogen bereits weit überspannt. Die grundlegende Hoffnung, die die Industrialisierung geweckt hat, dass es nämlich jeder Generation besser gehen würde als ihren Eltern, kann nicht mehr erfüllt werden. Und ehrlich: wir haben auch kein Bedürfnis mehr nach noch mehr Wohlstand. Selbst ohne weitere Produktivitätsgewinne durch die Digitalisierung würden deshalb schon sehr viele Arbeitsplätze verloren gehen. KIs aber machen nicht nur Arbeitsplätze in der Industrie platt, sondern auch die meisten im Vertrieb, in der Logistik, und im Dienstleistungssektor. Und es gibt nicht wie früher die Möglichkeit des Ausweichens in bislang unentdeckte Bereiche, die dann letztlich den Wohlstand weiter mehren. Im Übrigen bin ich ein großer Freund davon, dass die Maschinen den Menschen die Arbeit abnehmen. Ich kann keinen großen Lebenssinn darin finden, fremdbestimmt zu arbeiten, und ich kann mit meinem Arbeitsvertrag über 30h im Monat recht gut auskommen. Das wird in Zukunft immer mehr Menschen ermöglicht, aber das setzt ein fundamental anderes Lohn- oder Steuergefüge voraus.
Am Ende wird es immer einen Menschen geben, der eingreifen muss, wenn der Computer versagt. Da wird ein Dispatcher auch nicht 10.000 Schofföre oder LKW-Fahrer ersetzen können. Offenbar verkennen Sie den Wartungsaufwand moderner Technik und der wird eher höher als niedriger, Stichwort Hochverfügbarkeit.

Durch die Industrielle Revolution wurden in Suimme keine Arbeitsplätze vernichtet sondern geschaffen und so wird es auch diesmal sein. Konsum scheint bei Ihnen auch nur der Verbrauch von Waren zu sein. Konsum sind aber auch Dienstleistungen und diese werden immer stärker nachgefragt (Stichwort Freizeitindustrie).

Wissen Sie unentdeckte Bereiche sind deswegen unentdeckt, weil sie eben noch nicht entdeckt wurden. Es ist daher ziemlich müssig darüber zu diskutieren, welche Berufsbilder es in Zukunft noch gibt, da wir es einfach noch nicht wissen können. Wer hätte z.B. gedacht, dass es mal Menschen gibt, die von Youtubevideos leben?

Warum setzt das ein anderes Lohn- und Steuergefüge voraus? Wenn man in weniger Zeit genauso viel verdient, hat das auf die Steuer mal gar keine Auswirkung. Der Staat profitiert bereits jetzt vom wachsenden Wohlstand automatisch, über die kalte Progression sogar überproportional.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 35 von 35