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Krise in Europa: Deutschlands Konzerne brauchen starke Rivalen
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Deutschland steht glänzend da in Europa, doch die Krisenstaaten planen ihr Comeback. Dank harter Sparstrategien stärken sie ihre Wettbewerbsfähigkeit. Vor allem italienische Unternehmen könnten deutschen Firmen schon bald wieder Konkurrenz machen. Für die Bundesrepublik wäre das ein Glücksfall.

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klaus meucht 23.09.2012, 09:06
30. Wer ist Deutschland?

Zitat von eduardschulz
Genau das unter a) und b) Angeführte hat Deutschland nicht gemacht und ist trotzdem wettbewerbsfähig geworden. Woran lag's also?
Wenn Sie nur die öffentliche Haushalte als Deutschland bezeichnen haben Sie Recht. Wenn Sie aber Deutschland etwas weiter begreifen und auch die privaten Haushalte mit eineziehen sind Sie in Unrecht.

In Deutschland steigen die privaten Vermögen, schneller als die öffentliche Schulden. Die privten Vermögen sind allerdings leider sehr ungerecht verteilt. Deutschlands öffentliche Haushalte sind in erster Linie bei seinen eigenen Bürgern verschuldet. Wir haben zwar auch Auslandsschulden, aber das Ausland ist noch stärker bei uns verschuldet. Gegenüber dem Ausland sind wir "Netto-Gläubiger".

Die Fokussierung auf die öffentlichen Schulden halte ich für problematisch. Spaniens öffentliche Haushalte waren vor der Krise geringer verschuldet als Deutschlands öffentliche Haushalte. Die spanischen Probleme waren private Schulden. Die Finanzkrise 2008 wurde auch durch private Schulden ausgelöst.

Der (meist erfolglose) Versuch durch Ausgabenkürzungen die öffentliche Haushalte zu entlassten, geht auf Kosten der privaten Vermögen der Unter- und Mittelschicht. Für eine Volkswirtschaft ist aber die Überschuldung einer breiten Schicht der Bevölkerung mindestens genauso problematisch wie die öffentlichen Schulden. Deshalb sehe ich die Sparprogramme und Schuldenbremsen als sehr gefährlich an.

Ich bitte die Medien und auch Foristen endlich einmal genauer ihre Aussagen zu beschreiben. Wenn die Medien von Deutschland reden, sollten sie genauer beschreiben wer sie meinen.

Genauso programmatisch ist der Begriff des Sparens. Die sogenannten Sparprogramme sind der Versuch die öffentliche Haushalte auf Kosten der privaten Haushalte zu sanieren. Die Schulden und Probleme werden dabei nur verschoben in den meisten Fällen sogar vergrössert - weil die Einnahmen der öffentlichen Haushalte bei einer Überschuldung der Mittelschicht stärker einbrechen als die Ausgaben. Gespart wird bei den Sparprogrammen gar nichts. Denn die Ausgabenkürzungen des einen, sind Einnahmeverluste des anderen. Deshalb kann ein Einzelhaushalt durch Konsumverzicht sparen, aber keine grosse Volkswirtschaft kann dies (es sei denn über das Ausland, aber das wird ja auch zu Sparprogrammen verpflichtet)

Es ist unmöglich Schulden abzubauen ohne dass jemand Kapitalvermögen verliert. Mit dem Argument man müsse die Reichen entlasten, damit diese im Land bleiben - wird es die Mittel- und Unterschicht sein die die Schulden der öffentlichen Haushalte übernehmen. Private Schulden breiter Bevölkerungsschichten sind aber für eine Volkswirtschaft genauso schädlich.

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skylarkcustom 23.09.2012, 10:14
31. @ Klaus Meucht

Sie machen einen Denkfehler: Es geht nicht mehr nur um Deutschland. Deutschland will in einem Team (wie auch immer vereinigte Staaten von Europa) spielen. Und in einer Mannschaft ist es nun mal nicht nur der beste Spieler, der gewinnt, sondern das ganze Team.
Was heißt das? Deutschland darf durchaus weiterhin exportieren auf Teufel komm raus - aber muss den Gewinn eben mit dem Rest von Europa teilen. Und je ungleicher die Leistungsfähigkeit verteilt ist, desto mehr muss der Primus von "seinem" Gewinn abgeben.
Das muss den Leuten langsam mal klar werden.
In dieser Gemeinschaft, die Deutschland sich selbst aufgezwungen hat, muss nur die EU-Handelsbilanz stimmen - und zwar mit Überschüssen, nicht ausgegelichen.
In einer Gemeinschaft MÜSSEN die einzelnen Interessen zurückstehen (wenngleich nahezu unmöglich), die Gewinne MÜSSEN geteilt werden, genauso wie die Verluste.
Es kann (solange man Teil dieser Gemeinschaft sein will, wohlgemerkt) niemals das Interesse Deutschlands sein, nur stolz auf sich selbst und überheblich auf Resteuropa herab zu schauen.
Alternativ zum Teilen des Gewinns mit den Habenichtsen könnte man natürlich auch den Gewinn Deutschlands mindern, z.B. durch ein deutlich höheres Lohnniveau, was dann die Preise erhöht und die Absatzchancen auf dem Weltmarkt mindert.
Dann könnten das restliche Europa aufholen (konkurrenzfähiger) werden UND der Gewinn bliebe in Deutschland, zur Abwechslung mal bei denen, die ihn erwirtschaftet haben. Darüber lohnte es sich sehr wohl, nachzudenken.

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kunsthonig 23.09.2012, 10:45
32. A.m.

Zitat von eduardschulz
Genau das unter a) und b) Angeführte hat Deutschland nicht gemacht und ist trotzdem wettbewerbsfähig geworden. Woran lag's also?
Am Mini-Job & Mini-Lohn?
Mehr davon bringt uns voran, Draghi druckt die Zuschüsse.
Es kann eben nicht jeder große Brötchen backen, äh essen.
Amen.

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skylarkcustom 23.09.2012, 10:49
33. @localpatriot

Auch Sie denken falsch: Es geht nicht um den Einzelnen. Das wäre auch Quatsch, denn dann bräuchte man nicht verzweifelt an der Gemeinschaft basteln. Arbeitsteilung in der Gemeinschaft ist das Stichwort: Die einen verkaufen Oliven und Schafskäse, die anderen verkaufen High-Tech-Maschinenparks und Luxussportwagen.
Und dann wird der Gewinn geteilt.
Schade nur, dass kein einziger Politiker in Deutschland die Eier oder wenigstens das Rückgrat hat, mit den Deutschen mal Klartext zu sprechen, was es bedeutet, wenn man sich auf eine enge Bindung mit Partnern einlässt – obschon da der gesunde Menschenverstand ein wenig helfen könnte, auch ganz ohne Politiker .
Dass es für diese Kooperation gute Gründe geben kann, dass es also durchaus langfristig sinnvoll sein kann, mit Partnern den Gewinn zu teilen und kurzfristig zu verzichten, das sollte jedem einleuchten.
Wer der Meinung ist, das wäre ungerecht, der sollte sich dringend eine Alternative zur Gemeinschaft überlegen.
Eine der wenigen Alternativen zur Gemeinschaft wäre Deutschland gegen den Rest der Welt, bzw. mit (wechselnden) Bündnissen. Mit dieser Taktik ist man allerdings hierzulande eher nicht so gut gefahren in der Vergangenheit.
Eine andere Alternative wäre gewesen, sich die Partner mit denen man dauerhaft ins Bett gehen will, etwas genauer anzusehen, vorher – und die Anzahl der Partner besser ein wenig zu begrenzen. Dann wäre zwar immer noch ein Ausgleich notwendig, aber wohl kaum in einem solchen Ausmaß wie das jetzt absehbar ist.

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klaus meucht 23.09.2012, 10:58
34. Kleinvieh macht auch Mist

Zitat von localpatriot
Ich drinke Lavazza Kaffee, drinke Wein vom Pays D'Oc, kaufe spanisches Olivenoel, griechische Riesenbohnen und italienische Dosentomaten und Teigwaren. Aber alles was etwas komplizierter ist kommt entweder aus dem fernen Osten oder aus einer beschraenkten Anzahl von Regionen in Europa. .... Sie muessen viele Tomaten und Bohnen pfluecken um einen Fernseher oder ein Auto damit zu verdienen. Und das ist eben das Problem. Der Ausgleich kann nur durch geringere Einfuhren der Anderen kommen.
Zunächst verstehe ich das nicht. Wir exportieren mehr als wir importieren. Geringer Einfuhren des Auslandes würde das Ungleichgewicht vergrössern.

Ich kaufe häufiger Lebensmisttel als dass ich komplexe Waren wie Fernseher oder Handy kaufe. Wenn Sie alle 2 Wochen sich eine Flasche Rotwein gönnen, überteigt dies schnell dem Preis eines Handys das sie sich vielleicht alle 3 Jahre gönnen.

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localpatriot 23.09.2012, 11:16
35. Lohnerhoehung, prima Schritt

Zitat von skylarkcustom
Alternativ zum Teilen des Gewinns mit den Habenichtsen könnte man natürlich auch den Gewinn Deutschlands mindern, z.B. durch ein deutlich höheres Lohnniveau, was dann die Preise erhöht und die Absatzchancen auf dem Weltmarkt mindert. Dann könnten das restliche Europa aufholen (konkurrenzfähiger) werden UND der Gewinn bliebe in Deutschland, zur Abwechslung mal bei denen, die ihn erwirtschaftet haben. Darüber lohnte es sich sehr wohl, nachzudenken.
Dass der Exportanteil der deutschen Wirtschaft uebertrieben ist steht fest. 45% der Wirtschaftsleistung ist einfach zu hoch.

Aber durch Lohenerhoehungen fuehren die deutschen Firmen weniger aus, jedoch nicht nur in die Notstandsstaaten im Euroland, sondern auch in die nicht EU und nicht Euroland Staaten.

Und dadurch werden die Statistiken der gesamten EU und Euroland verschlechtet.

Ich persoenlich schlage Ausgleich durch erzwungene Euroland Auslandsferien fuer alle Senioren, Renter und H4 Empfaenger vor. Dadurch schleusst D Geld in die Notstandslaender und schafft dort Arbeitsgelegenheiten im Dienstleistungssektor und die Konkurrenzfaehigkeit der Sueddeutschen Industrie bleibt unbehelligt.

Man muss immer in Regionen denken. Was in BW gut ankommt kann Firmen in anderen Bundeslaendern in die Pleite druecken.

Keine einfache Loesung.

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klaus meucht 23.09.2012, 11:18
36. Es fehlen die Schuldner

Zitat von lezel
Wie kommen Sie darauf, daß jemand dafür eine "Ausrede" braucht? Die Konzerne versuchen, zu sparen. Dafür braucht man kein "Ausrede".
Genau das ist das volkswirtschaftich das Problem. Wirtschaftswachtum entsteht nicht durch Sparen. Früher waren es die Unternehmen die sich verschuldet haben um zu investieren. Es entstanden Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum.

Heute sind die Unternehmen die grössten Sparer. Der Sparer überlässt die Verantwortung aus dem Geld einen Mehrwert zu erzielen dem Schuldner.

Verschuldet sind die Staaten. Es ist aber nicht die Aufgabe des Staates seinen Unternehmen Konkurrenz zu machen. Die Staaten übernehmen meistens die Aufgaben die sich betriebswirtschaftlich nicht lohnen. (z.B die Ausbildung Kinder von armen Eltern). Sobald der Staat ein Betätigungsfeld hat bei dem er Gewinn macht, schreit alles nach Privatisierung.

Verschuldet sind häufig die Menschen, die nicht wissen wie sie ihre Miete zahlen können. Diese Menschen können nicht investieren.

Wir haben weltweit das Problem dass die Sparer keine geeigneten Schuldner finden. Der Sparer handelt nicht eigenverantwortlich, sondern er verschiebt die Verantwortung. Die Verantwortung aus dem Geld einen Mehrwert zu erzeugen haben die Schuldner.Nur die sind meist nicht in der Lage dazu.

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duk2500 23.09.2012, 22:26
37. globaler Wettbewerb

Klar hat die deutsche Wirtschaft schon jetzt mächtige und global aufgestellte Konkurrenten, nur halt nicht aus Spanien, Italien und leider auch nicht aus Frankreich.

Diese Konkurrenten kommen kommen aus Asien, in Einzelfällen auch aus Nordamerika, Brasilien und den skandinavischen Ländern. Auch in Osteuropa ist die wirtschaftliche Dynamik höher als in den verschlafenen, überbürokratisierten, überschuldeten und von mächtigen Gewerkschaften gelähmten Südländern.

Dass diese den Anschluss an die Weltspitze irgendwann wieder schaffen glaube ich eigentlich nicht, dieser Zug ist abgefahren.

Wenn hingegen Deutschland durch, wie von der EU gefordert, soziale Reformen und hohe Tarifabschlüsse seinen Wettbewerbsvorsprung gegenüber Südeuropa zerstört verlieren wir auch den Anschluss an die Weltspitze, die Produkte der Italiener, Franzosen und Spanier werden dadurch ganz sicher nicht wettbewerbsfähiger.

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Tolotos 24.09.2012, 01:04
38. Europäische Gemeinschaft = „Alle gegen Lohn für Arbeit!“?

Zitat von sysop
Deutschland steht glänzend da in Europa, doch die Krisenstaaten planen ihr Comeback. Dank harter Sparstrategien stärken sie ihre Wettbewerbsfähigkeit. Vor allem italienische Unternehmen könnten deutschen Firmen schon bald wieder Konkurrenz machen. Für die Bundesrepublik wäre das ein Glücksfall.
Schauen wir mal, was dabei herauskommt. Gesamteuropäischer Asozialismus?

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Acerb 24.09.2012, 14:19
39. Richtig

Zitat von sysop
Für die Bundesrepublik wäre das ein Glücksfall.
Starke Konkurrenz war ja schon immer "glücklich" für Löhne, nicht wahr, die Wachgebliebenen? Und wem hilft's, das starkende EU-Ausland?
Für die *Bundesrepublik*? Ja, sicher, so wie EU und Euro.
Für die Deutschen? Wen juckt's.

Die "freie, unzensierte" Presse in Deutschland ist nur eine einzige Beleidigung des Intellekts denkender Menschen - und vor allem: Steigbügelhalter der neuen, stillen Diktatur. Wie feige und dreckig ist das?

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