Forum: Wirtschaft
Kritik am Wirtschaftsmodell: En garde, Deutschland
Michel Euler/ AP

Für Frankreichs Präsident Macron beginnt der zweite Teil der Amtszeit mit einer Neupositionierung in Richtung Deutschland. Der Nachbar ist für ihn kein Reformvorbild mehr, sondern wirtschaftliches Auslaufmodell.

Seite 6 von 15
gersois 29.04.2019, 16:13
50. Alter Hut

Schon den Sozialisten vor Macron waren Billiglohnländer in der EU und Deutschlands niedrigere Löhne ein Dorn im Auge. Macron hat von den Gelbwesten gelernt, dass Reformen in Frankreich kaum durchzusetzen sind. Daher fordert er z.B. höhere Mindestlöhne in der EU. Nur so kann der Standortnachteil von Frankreich zu Lasten anderer Staaten ausgeglichen werden. Mit sozialem Projekt hat das nichts zu tun.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
menefregista 29.04.2019, 16:13
51. Nachbar als Reformbild

Jetzt sind wir kein Vorbild mehr ? Dafür sollte Macron mal uns eine Alternative zeigen, wie sein Haushaltsdefizit aus eigener Kraft eingegrenzt wird, sein Handelsbilanzdefizit abgebaut werden kann und seine 20 % Jugendarbeitslosigkeit zumindest halbiert wird. Er macht uns einen Vorwurf, dass wir zu sehr von der Automobilindustie abhängig sind ? Da hat er nicht gut genug auf die Zusammensetzung der Exportgüterliste geschaut und den Maschinen- und Anlagenbau vergessen. Da können Franzosen zumeist gar nicht mithalten - z.B. in der Verpackungmaschinenindustrie und Lebensmitteltechnik, weil es fast keine Firmen gibt, die da mithalten können auf dem Weltmarkt.
Unsere mittelständische Industriellen können es leicht auch mit höheren Stückkosten im Vergleich zu den Franzosen aufnehmen.
Made in Germany wird wegen Qualität und nicht wegen der guten Bundeskanzlerin gekauft. Für Französische Kriegs-Flieger gilt ähnliches. Macron sollte mal weiter in Frankreich regieren und nicht die EU umkrempeln wollen. Dafür hat er gar keine Zeit, weil seine Amtszeit am ablaufen ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
MPeter 29.04.2019, 16:14
52. Aha

Zitat von burgundy
Das Gegenmodell existiert in Frankreich bereits - und es funktioniert. Es heisst Atomkraft.
waren Sie zu Tschernobyl Zeiten schon geboren. Zu Fukushima Zeiten sicherlich. Atomkraft ist ganz sicherlich nicht die Lösung, sondern bei einem großen Gau Mitten in Europa eher die Löschung. Von der Atommüllproblematik ganz abgsehen. Ich verstehe nicht, dass man das für Leute wie Sie immer und immer wieder durchkauen muss.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ingo.adlung 29.04.2019, 16:14
53. Sie haben in vielem Recht, aber irren gleichfalls

Zitat von olli0816
Deutschland läuft gerade in eine Menge Probleme, die Deutschland AG gibt es so nicht mehr. Alleine 1/3 der DAX-Unternehmen haben Schwierigkeiten. Aber trotz aller Probleme hat Deutschland etwas, was Frankreich nicht hat: den Mittelstand. Frankreich ist sehr zentralistisch ausgerichtet und es dreht sich alles um Paris, wo mit dem Umland fast 1/3 der Franzosen leben. Das macht Frankreich total idyllisch und sie haben sehr dünn besiedelte Flächen mit wahnsinnig schöner Natur. Aber sie sind abhängig von ihren sehr großen Unternehmen und wenn die ins trudeln kommen, dann ist das Problem gewaltig. Daneben besitzen die Franzosen eine wahnsinnig hohe Anspruchshaltung an den Staat, den dieser schlicht nicht halten kann. Auch wir Deutschen sind zu anspruchsvoll und diese Anspruchshaltung wird von den Politikern zusätzlich angeheizt. Aber wenn man sich die Ansprüche in Frankreich anschaut, lähmen diese das Land. Aufgrund dieser Probleme ist Macron zurecht auf der Suche, wie man das Land voran bringen kann. Nur die Mittel sind zweifelhaft. Die USA sind durch Trump in Europa nicht populär, aber es bringt nichts, nur auf Konfrontationskurs ohne Gespräche zu gehen. Gleiches für China: Die wollen handeln, aber nur zu ihren Bedingungen. Bei den USA muss man viel reden und bei den wichtigen Sachen hart bleiben und manches dann nicht umsetzen. Bei den Chinesen kann man ihnen entgegenkommen, aber in Europa zu europäischen Bedingungen und im wirtschaftlichen Handeln in beiden Gebieten gewisse Mindeststandards. Das muss mit den Chinesen besprochen werden. Nur wie kann Europa zukunftsfähig bleiben? Sicher nicht mit der Einführung immer weiterer unsinniger Steuern wie jetzt wieder die CO2-Steuer diskutiert wird. Es sollte auch einiges Geld, was an "Soziales" geht umgeleitet werden in Forschung und Entwicklung. Hier fallen wir bei den Schlüsseltechnologien immer weiter ab. Und das ist das Kernproblem Deutschlands aber noch viel mehr von vielen Ländern in Europa. Große Teile - auch innerhalb der EU - ist heute bestenfalls 2. Welt. Und da müssen wir gegensteuern und unsere Anstrengungen ausrichten. Nur bin ich da nicht sehr optimistisch. Gerade wenn man sich hier die Kommentare zu Wissenschaft durchliest, merkt man wie technikfeindlicher viele hier sind. Das wird den nächsten Generationen ganz übel auf die Füße fallen. Macron scheint verstanden zu haben, dass dies ein Problem ist, was Europa schadet und da hat er recht.
Ich teile den Gutteil Ihrer Meinung. Was aber die CO2 Steuer anbelangt irren Sie gewaltig. Es geht nicht um eine neue Steuer. Das wäre tatsächlich idioitisch. Es geht darum unser Wirtschaftssystem umzubauen um auch noch unseren Enkeln und Urenkeln einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen. Auf Freiwilligkeit und Menschenfreundlichkeit wird dies nicht geschehen. Der Unnternehmer ist nicht seinen Enkeln Rechenschaft schuldig, sondern seinen Aktionären, die morgen eine neue Yacht wollen, und nicht altruistisch für zukünftige Generationen vorsolgen. So maximiert er/sie den Gewinn und hinterlässt den Fallout der Unternehmenspolitik dem Staat, der es richten soll. Wird aber so nicht mehr klappen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
trueffelschwein 29.04.2019, 16:17
54. Besser wissen oder besser machen

Frankreich hat schon zu Mitterands Zeiten geglaubt, man weiß es besser und ist der wahre Reformer. Aber bis heute sprechen die Fakten für Frankreich eine andere Sprache und Macron muss sich erneut Aufbäumen, weil seine Vorschusslorbeeren aufgebraucht sind und er de facto nichts bewegt hat, was bei den Franzosen effektiv ankommt. Man kann nicht von Null auf Hundert zum Weltpolitiker werden, wenn man die Abkürzung macht, Innenpolitik einfach mal links liegen zu lassen. Macron ist zu Hause einfach schwer beschädigt und er ringt um Profil. Damit allein ist nur politisch nichts geleistet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ulrich.schlagwein 29.04.2019, 16:18
55. Wiederholungen

Macron muss etwas erreichen, und dazu die Kritik an Deutschland. Frau Merkel sollte einmal etwas erreichen und kuemmert sich intensive um den Balkan. Hoffentlich spielt da Herr Kurz mit, denn die gemeinsame Geschichte dessen, was um Serbien passieren kann, hat Europa ab 1914 erlebt. Und Altmaier verdrueckt sich nach China, um bei der "Neuen Seidenstrasse" auf Chinas haupt oder neben - Strategie aufzupassen. 12 Jahre gepennt, ausgesessen, laviert, ventiliert und dabei das eigene Rente/Pension Ziel nie aus den Augen verloren. Traum von Karriere. Und was sind die Paene fuer Deutschland?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
currywurst_hans 29.04.2019, 16:18
56. Binsenweisheit

Die Erkenntnis dass ein Wirtschaftsmodell, dass nur bei stetigem Wachstum und dem damit verbundenem immer höheren Ressourcenverbrauch funktioniert, auf einem endlichen Planeten ein Auslaufmodell ist, sollte eigentlich eine Binsenweisheit sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sans_words 29.04.2019, 16:19
57.

Zitat von hannesmann
Zu 22. Immer wieder der gleiche Blödsinn mit den Target2 Salden. Die Bundesbank hat keine Forderung gegen die französische Notenbank sondern ein Guthaben bei der EZB. Dieses Guthaben kann jederzeit verwendet werden.
Bloß gibt es bei denen, die ein negatives Guthaben bei der EZB haben, nichts zu kaufen, was sich lohnt.

Da das Euro-Vertragswerk keine Pflicht zum Ausgleich dieser Überziehungskredite beinhaltet, werden diese immer weiter wachsen (und Deutschland wird ein immer größeres "Guthaben" bei der EZB haben). Bis dann der Euro irgendwann auseinanderfällt...

Vielleicht kann man irgendwann die griechischen Reparationsforderungen in Target2-Salden bezahlen. Die Target2-Forderungen kommen sowieso nie mehr in Gänze zurück. Dann wäre zumindest etwas Positives damit geleistet (das Ende der Forderungen aber bitte rechtssicher vertraglich besiegeln).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nikkel74 29.04.2019, 16:19
58. aha...das heißt wohl das Frankreich bereit ist...

In Zukunft auch mehr Netto in den EU Topf einzubezahlen... wenn wir ein Auslaufmodell sind ist das dass wohl das mindeste oder?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
artur.d 29.04.2019, 16:23
59. Frankreichs Arbeitslosigkeit = deutsche Dumpingexporte

Wenn Macron DE als Billigproduktionsland meint, dann hat er verdammt recht damit:

"Deutschland hat ein Produktionsmodell, das darauf beruht, dass es in Europa Billigproduktionsländer gibt - was dem Gegenteil des sozialen Projekts entspricht, das ich für Europa vertrete."

hier sollte er deutlicher werden: das EINE mächtige Billigproduktionsland, nämlich Deutschland!
Ja, wir exportier unsere Arbeitslosigkeit ins Ausland, weil unseres Wirtschaftsmodel darauf beruht andere Länder mit Billigprodukten fertig zu machen. Damit meine ich nicht, das die Produkte schlecht sind, sonder durch zu niedrige Löhne, billiger als die der Konkurrenz angeboten werden können und damit französische Hersteller in Frankreich, verdrängt werden, was eben zur erhöhter Arbeitslosigkeit führt.

DE-Unternehmen bezahlen nicht entsprechend der Produktionssteigerungen der letzten Zweijahrzehnte! darunter leiden deutsche Arbeitnehmer und die Nachbarn mit! Hoffentlich wachen die Nachbar und deutsche Arbeitnehmer endlich auf und zeigen auf den größten Übeltäter der EU

Lesen Sie bitte den letzten Artikel von Henrik Müller, wo er als wirtschaftsliberaler den ausgehandelten Tatbestand der Lohnzurückhaltung mit den Gewerkschaften zumindest erwähnt. Dummerweise im positiven Sinne.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 6 von 15