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Kritik an Handelsüberschüssen: Was an Trumps Deutschland-Kritik dran ist
REUTERS

Mit harschen Worten kritisiert Donald Trump den deutschen Handelsüberschuss - nicht zum ersten Mal. Wieso hat sich der US-Präsident dabei auf Autohersteller eingeschossen? Und was ist an den Vorwürfen dran?

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GoaSkin 26.05.2017, 18:42
50. die USA sind schon lange Import-Weltmeister

Die USA importieren traditionell mehr, als sie exportieren. Dies betrifft nicht nur den Handel mit Deutschland. Dass die USA über ihren Verhältnissen leben können, ohne langfristig dabei pleite zu gehen, lag vor allem daran, dass der US-Dollar in aller Welt als Ersatz-Währung sehr gefragt wurde und dadurch möglich war, importierte Ware mit gedrucktem Geld zu bezahlen, ohne dabei eine größere Inflation befürchten zu müssen. Die eigene Mangelwirtschaft durch Importe zu kompensieren, funktioniert jedoch heutzutage nicht mehr so gut, wie früher. Dass Trump nun glaubt, durch Strafzölle die eigene Produktivität "mal schnell" drastisch erhöhen zu können, zeugt von Wunschdenken und Ratlosigkeit und lenkt dabei von den eigenen strukturellen Problemen ab.

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marcus.sanchez 26.05.2017, 18:42
51. Google, Facebook etc. + MasterCard, Paypal etc.

Politik und Medien sind so unkreativ... Ja, bei industriellen Produkten gibt es ein Defizit, aber ein Teil sind Investitionen, die die dt. Industrie in US vornimmt, da diese defizitvergrößernd wirken.

Noch viel wichtiger: Online (Google, Facebook, WhatsApp, Amazon usw.) sowie beim bargeldlosen Zahlungsverkehr (sämtliche Kreditkarten sowie Paypal) haben die USA oft mehr als 95% Marktanteil. Bei Kinofilmen u. a. sind es über 50%... Das muss man miteinander vergleichen, auch bzgl. der Erwägung von Gegenmaßnahmen (Zölle, Gebühren, Einschränkungen, Abkommen, Subventionen usw.).

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mann_im_mond 26.05.2017, 18:46
52.

Zitat von gigi76
Es wird von deutscher Seite ja immer auf das BMW Werk in Spartanburg verwiesen. Warum? Nicht weil es besonders vorzeigbar ist, sondern weil es fast das einzige Beispiel für Direktproduktion in den USA ist. Weder Porsche noch VW oder Daimler haben solche Fabriken in den USA. Exportüberschüsse sind nichts anderes als die Abschöpfung von Wohlfahrtsgewinnen. In diesem Fall schöpft Deutschland mit Faktor 3 seit 2000 Wohlstand aus den USA ab. Für den sich auf der anderen Seite amerikanische Haushalte massiv verschulden. Dieses Spiel kann langfristig nicht aufgehen, wenn es nicht auf der anderen Seite Rückflüsse gibt oder diese Gewinne reinvestiert werden, z.B. in höhere Militärausgaben, wie das ja von Trump auch gefordert wird. Lustig ist immer auch das Argument der angeblichen Handys aus den USA oder Software. Die Handys sind zu 90% made in China und bei der Software kann man ja mal überlegen welches Equivalent man für die Autoexporte an Softwarepaketen von Windows 10 kaufen muss.
Daimler hat kein Werk in den USA? Nicht das in Tuscaloosa seit fast 20 Jahren?

https://www.daimler.com/career/job-search/locations/detail-pages/location-detail-page-5244.html

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besucher-12345 26.05.2017, 18:47
53. Deutschland wird durch den Euro subventioniert

Es gibt Untersuchungen, u.a. von der Bertelsmann-Stiftung, die besagen, dass eine eigenständige deutsche Währung um über 20% höher als der Euro notien würde, der im Gegenzug ohne Deutschland sich um rund 7% verbilligen würden. Insofern hat Deutschland entgegen der Schweiz einen gravierenden Handelsvorteil - erkauft über die niedrige Zinsen.

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Wassup 26.05.2017, 18:48
54. Sind Deutschlands Hilfen für die Euro-Krisenländer unfair?

Wenn der Export-Überschuss unfair ist, so ist auf die Ursache des Export-Überschusses hinzuweisen:

Die Ursache der Export-Überschüsse ist der Kapital-Export.
Deutschland Exportiert Kapital als:
- größter EU-Nettozahler
- über Target-2 Salden
- über Euro-Rettungspakete

Das Kapital, das exportiert wird, fehlt in der Tasche des kleinen Mannes in Deutschland, er kann weniger konsumieren, die Binnenkonjunktur leidet.
Das exportierte Kapital wird letztlich ausgegeben, und dem Kapital-Export folgt ein Güter-Strom, exportierte Ware!

Vielleicht möchte ja Trump es dem "Unfairen" Deutschland gleich tun, und Dollars verschenken. Wenn Trump beispielsweise der Uno mehr Geld überweist, dann kann das Ausland mehr konsumieren, die Exporte der USA steigen.

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plutinowski 26.05.2017, 18:49
55. Marktwirtschaft

Marktwirtschaft könnte so schön sein, wenn es bloß diesen dummen Wettbewerb nicht gäbe.

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go2dive 26.05.2017, 18:52
56. Konten

Würden Apple, Microsoft, Amazon, Facebook, Google und Konsorten ihre Gewinne/Umsätze in den USA angeben und versteuern würde die Handelsbilanz vermutlich ganz anders aussehen. Soll Trump doch einfach das Geld der Konzerne aus den Steuerparadiesen in die USA holen.

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halbtagsgott 26.05.2017, 18:53
57. Binnenkonsum

Was sagte ein Börsenkommentator heute bei ntv auf die Frage, "ob Deutschland nicht seine Löhne erhöhen und das Problem somit mildern könnte?"
"Wenn die deutschen Arbeitnehmer sich aber keine höheren Löhne wünschen... uns geht es doch gut hier...".
Wenn Trump auch ein 100%-Ausfall an Intelligenz & Intellektualität ist, ich hoffe, er zündelt bei dieser Geschichte weiter und setzt die, die hier im eigenen Land die Taschen füllen auf Kosten anderer Landsleute, unter Feuer.

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Profdoc1 26.05.2017, 18:53
58. Muss den Kommentar..

Zitat von bristolbay
Bei amerikanischen Firmen gilt die grundsätzliche Forderung, maximaler Gewinn. Warum haben fast alle amerikanischen Konsumgüterhersteller ihre Produktion ins Ausland verlagert? Einfach, da konnte man noch billiger herstellen und vor allem, über die Steuersparmodelle auf den Offshore-Inseln auch noch Steuern vermeiden. Dies macht in der Summe einen wesentliche höheren Gewinn als bei einer Produktion im eigenen Land. Dann müssen sie sich auch mal die Qualität dieser Produkte anschauen, soll höchstens eine Lebensdauer von max. 5 Jahren haben. Vergleichen sie mal eine "teure" Wirlpool-Waschmaschine mit einer "billigen" Miele. Bei unserer ersten US-Waschmaschine hatte ich das Gefühl das der Fortschritt darin bestand einen hölzernen Bottich durch einen blechernen ausgetauscht zu haben. Hightech der 50er Jahre gegen zukunftgerichtetem Produkt. Das sind die Gründe für die Wirtschaftsschwäche der amerikanischen Industrie.
zwangsneurotisch unterstützen. Ich habe das bereits x-mal geschrieben. Amerikanische Produkte halten im Weltmarkt mit europ. und jap. Produkten nicht Stand (Ausnahme Saiteninstrumente). Industrieprodukte können in D kaum verkauft werden, weil die Qualität und Bedienung nicht passt. Jetzt nochmal die Fertigungstechnik und Produktion ist ca. 10-15 Jahre zurück. Period.

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nurEinGast 26.05.2017, 18:57
59.

Ich bin verwirrt.

Die USA haben weder ein dem deutschen vergleichbares Steuer-und Sozialsystem noch den Einfluss von Gewerkschaften wie in Deutschland. Die Leute dort haben nicht mal so viel Urlaub wie die Deutschen.

Amerikanische Waren müssten unter der Prämisse, dass Lohn-und Steuern einen guten Anteil der Preise der Waren ausmachen, von Haus aus einen immensen Wettbewerbsvorteil haben.

Und trotzdem gibt es dieses Handelsdefizit?

Meiner Meinung nach liegen andere Gründe dafür vor.
Ein Hauptgrund ist, dass amerikanische Waren einfach nicht wettbewerbsfähig sind. Weder in Qualität noch Effizienz.

Wenn ich mir amerikanische Autos anschaue, sehe ich geballte Ineffizienz. Zu schwer, mit veralteter Technik und lausiger Qualität.

Und das lässt sich auf verschiedenste Bereiche übertragen, sogar - und auch besonders- in der Luftfahrt.

Diese wirtschaftliche Ineffizienz ist allein hausgemacht und liegt im amerikanischen System begründet. Soll heissen, alle Produkte sind so idiotensicher konstruiert dass sie auch von ungelernten oder Menschen mit geringer Qualifikation montiert werden können.

Ab einem bestimmten Level, bei technisch anspruchsvollen Geräten, funktioniert dann dieses System nicht mehr oder wird ineffizient. Das sind dann die Güter, die Amerika importiert. Maschinen, Fahrzeuge, etc.

Würde Amerika dieses Defizit ernsthaft bekämpfen wollen, müsste es ein vernünftiges Schulsystem einführen, beruflische Ausbildungen zum Standard machen und ein System zur flächendeckenden Qualifizierung ihrer Werktätigen einführen.

Und solange diese Basics in den USA nicht eingeführt werden wird es immer ein Handelsdefizit geben. Die USA sind von den Importen hochwertiger Güter schlicht abhängig. Handelszölle mögen kurzfristig für die Amis eine Lösung sein- langfristig werden sie sich damit selbst immens schädigen.

Letztlich ist die Entscheidung, auf die Trump hinsteuert, wegweisend für Amerika. Will er ein Land, das aus Kohle Energie macht und in dem Leute Autos a la "Pi mal Daumen"aus einem Stück Blech hämmern- oder will er ein Land, dass die Reise der Welt in die Zukunft mitmacht?

Seine Entscheidung. Die mir persönlich schnurzpiepsegal ist.

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