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Kryptowährung: Und führe uns nicht in den Bitcoin
REUTERS

Der Hype um die Digitalwährung Bitcoin ist ein Lehrstück über das Scheitern der Finanzglobalisierung. Es zeigt: Der Mensch ist für einen vernünftigen Umgang mit virtuellen Werten einfach nicht gemacht.

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seinedurchlaucht 15.12.2017, 12:53
1.

"Allein dieses Jahr ist der Wert eines Bitcoins von knapp 1000 auf mehr als 17.000 Dollar explodiert - ohne dass dahinter irgendetwas steht" - vielleicht steigt der Bitcoin deshalb, weil hinter dem Euro auch nichts steht, man ihn aber derzeit scheinbar unendlich aus dem Nichts erschafft. Dies geht bei Bitcoin nicht, das dürfte ein Aspekt des Erfolges sein. Ich glaube, dass der Bitcoin den Euro sehr lange überleben wird.

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AZ1 15.12.2017, 12:58
2. Vollgeld wäre die Lösung

Bitcoin ist ja nur deswegen so attraktiv, weil unser Giralgeld der Willkür der Herrschenden ausgesetzt ist, und die Zentralbanken und Regierungen seit Jahren alles tun, um das auch dem letzten Bürger noch vor Augen zu führen.

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Patrik74 15.12.2017, 12:59
3. Kurz gesagt

"Vielleicht sollte die Einsicht reifen, dass wir Menschen einfach nicht für diesen Finanzkapitalismus geschaffen sind. Weil wir einfach kollektiv zu wenig logisch handeln. Was Mister Spock immer ahnte. Dafür können wir besser Empathie und so. Dann brauchen wir aber dringend wieder ein Finanzsystem, in dem wir vor unseren eigenen Spinnereien besser geschützt werden. Und indem es automatische Stoppmechanismen gibt, wenn mal wieder ein Hype die Runde macht."

Den homo oeconomicus gibt es nicht, und er ist deshalb als Modell komplett ungeeignet, um die Wirklichkeit zu beschreiben. Daraus folgt, dass es auch keine rationalen, effizienten und zum Gleichgeweicht neigenden "Märkte" gibt (die obendrein voll transparent sind, keine Informations- oder Machtassymetrien aufweisen, etc.); womit man auch die die Mainstream-Ökonomie in die Tonne kloppen kann - das ist eine reine Glaubenslehre, die eine Welt beschreibt, die so nie existierenden wird.

Jetzt kann man einwenden, dass das ja nur ein idealisierten Modell ist, aber der Fehler ist grundsätzlicher. Das Modell ist schlicht FALSCH. Das ist ungefähr so als würde man ein Modell der Welt erstellen, in dem die Schwerkraft die Massen voneinander wegtreibt. Zahlreiche experimentelle Versuche haben gezeigt, dass der Mensch (also der wesentliche Akteur, nicht etwa das Kapital - das muss man heutzutage leider betonen) komplett ANDERS agiert als es das Modell voraussetzt, insofern handelt es sich nicht um eine "Idealisierung" sondern schlicht um eine (höchst absichtsvolle) Verballhornung.

Die heutige Ökonomie ist "von hinten gedacht" - wichtig ist, dass am Ende immer rauskommt, dass die Kapitaleinkünfte maximiert werden müssen, und sei die Begründung auch noch so an den Haaren herbeigezogen.

Es wird Zeit für evidenzbasierte "Real World Ecomonics", deren oberstes Prinzip ist: Wenn die Beobachtung nicht zur Theorie passt, ist nicht die Welt schuld (oder gar der Staat, irgendwie, logisch...), sondern dann sollte das Modell verworfen bzw. adaptiert werden - wie in jeder seriösen Wissenschaft.

Herauskäme dann höchst wahrscheinlich ein Marktmodell, dass dem wahren Wesen des Menschen entspricht: kooperativ, empathisch, mit einer angeborenen Moral - eben das, was dafür gesorgt hat, dass der Mensch als relativ schwaches und verletzliches Lebewesen ohne besondere Fähigkeiten es geschafft hat, hunderttausende von Jahren zu überleben; dafür war Konkurrenz und Egoismus sicher nicht die Basis, auch wenn es natürlich immer wieder Konflikte gab - nobody is perfect.

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wanderer777 15.12.2017, 13:00
4. Angebot und Nachfrage

Ja, wir haben mittlerweile begriffen, daß eingefleischte Börsianer den Bitcoin nicht mögen, weil sie ihn selbst nicht verstehen. Das müsst ihr dem Volk nicht noch alle fünf Minuten unter die Nase reiben. Die EZB wittert auch schon Konkurrenz und startet Flame Kampagnen gegen den BC. Dabei ist es doch so einfach (vielleicht wohl ZU einfach für Börsianer) : es ist die uralte Regel von Angebot und Nachfrage. So einfach. Der BC fristete lange ein Schattendasein, nun, nachdem die Öffentlichkeit auf ihn aufmerksam geworden ist (und ihm offensichtlich auch mehr vertraut, als den meisten anderen "politischen" Währungen ) ist die Nachfrage eben, im Vergleich zu vorher, stark gestiegen. Und das wird sie auch weiterhin, je mehr Vertrauen die Menschen in zentral gesteuerte Märkte verlieren.

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gruenertee 15.12.2017, 13:15
5.

Wer in Kryptowährungen einsteigt muss einen Totallverlust verkraften können. Aber wie Roannie Moas demletzt sagte: "Was ist der Verlust von zwei, drei Monatsgehältern, wenn man die reale Chance hat 5-15 Jahre früher in Rente zu können" (Sinngemäß). Zumal Bitcoin langweilig ist, viel interessanter sind doch Projekte wie Ethereum, Cardano, Ripple, NEO oder auch Monero.

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vliege 15.12.2017, 13:16
6. Der Turbokapitaliamus erschafft sich neue Götzen

Wohin mit all dem billigen Geld das aus dem nichts erschaffen wird? Kryptowährung wird als vierte Konstante neben Edelmetall, Immobilien und Aktien in Zukunft jedem Portfolio beigemischt sein. Die Abkoppelung der Finanzwelt von der Realwirtschaft ist das Hauptsächliche Problem. Casinokapitalalismus jeglicher vorheriger Krise zum Trotz. Die Politik tut sich schwer bis gar nichts um dem Einhalt zu Gebieten. Im Gegenteil, ist sie doch Teil bzw. Erfüllungsgehilfe der Finanzwelt und sollte doch mal was schief gehen, steht die gesamte Gesellschaft wie so oft dafür gerade um einige wenige in der nächsten Krise zu retten.

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jim_beam 15.12.2017, 13:20
7.

Bei einer Hyperinflation verliert Geld rapide an Wert, weil die Menschen das Vertrauen in die Nutzbarkeit im Sinne von Wertaufbewahrung und Tauschfunktion verlieren. Beim Bitcoin ist es halt jetzt andersrum. Ich persönlich glaube auch nicht, dass dieser Optimismus gerechtfertigt ist, aber die allerirrigste Vorstellung ist doch, dass es so etwas wie einen "objektiven Wert" für Güter gibt, insofern gibt es auch keinen "gerechtfertigten Kurs".

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muellerthomas 15.12.2017, 13:21
8.

Zitat von wanderer777
Dabei ist es doch so einfach (vielleicht wohl ZU einfach für Börsianer) : es ist die uralte Regel von Angebot und Nachfrage. So einfach.
Mit dem Argument kann es nie Marktübertreibeungen geben, da jeder Preis von Angebot und Nachfrage gesteuert ist.

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Emderfriese 15.12.2017, 13:21
9. Der richtige Kurs

Den richtigen Kurs gibt es in Zeiten von Hedgefonds und anderen kommerziellen Anleger großen und größten Ausmaßes nicht mehr. Diese Globalplayer bestimmen allein über ihre Billionen einsetzbaren Kapitals wohin ein Kurs, der sie interessiert, steuert. Es geht aufwärts, solange ihr Einsatz immer noch den einen oder anderen Dummen findet. Wobei selbst das steuerbar ist über die angeschlossenen Medien und Infocenter. Das Ende der Fahnenstange bestimmen diese Finanzriesen auch. Man lese auch "Bitcoin - Vom Rebellen zur Stütze des Systems"...

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