Forum: Wirtschaft
Kündigungen wegen Eigenbedarfs: Rausgeklagt, damit der Profit steigt?
Martin Osiadly / Getty Images

Mehr als 30 Jahre lebte Heike Klant in ihrer Mietwohnung in München - jetzt soll sie wegen Eigenbedarfs ausziehen. Immer mehr Mietern in Großstädten wird auf diese Weise gekündigt. Viele sorgen sich davor, obdachlos zu werden.

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rene.macon 22.05.2019, 10:32
70. So funktioniert nun einmal Marktwirtschaft!

Unternehmen maximieren ihre Rendite und nicht das Gemeinwohl. Für das Gemeinwohl muss der Staat sorgen, z.B. in dem er Unternehmen besteuert und mit dem Geld hoheres Wohngeldzuschüsse finanziert.

Warum ist das so schwer zu verstehen? Moralische Entrüstung ist billig, hilft aber niemandem.

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blubbblubber 22.05.2019, 10:32
71.

ich kann einigen vorforisten nur zustimmen: mieten heisst nicht eigentum. wer ohne stress mit vermietern wohnen will, der muss eben kaufen. wer sich die stadt nicht leisten kann, der muss eben in den speckgürtel oder aufs dorf ziehen. auch hier gibts jobs. der kindergärtnerin wäre schnell geholfen: unsere dorf kita in nordhessen sucht fachkräfte. wohnraum gibts in fussläufiger nähe. wo liegt das problem? ich bin auch für den job gute 500 km von zuhause weg gezogen. jetzt hab ich frau, kind, haus und bus, einen guten job und keine probleme mit vermietern...

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kaiosid 22.05.2019, 10:35
72.

Zitat von bz16
... die geschilderten Fälle auch sein mögen, ich verstehe nicht, wieso manche Leute meinen, ihnen stehe eine Mietsache auf Lebenszeit zu. Wenn ich etwas miete, muss ich davon ausgehen, dass der Eigentümer die Mietsache auch irgendwann wieder zurückhaben möchte. Möchte ich diesen Fall vermeiden, muss ich eben Eigentum erwerben. Oder halt auch mal einen Plan B in der Tasche haben, wie es weitergeht, wenn man ggf. auch nach ein paar Jahrzehnten die Mietsache wieder herausrücken muss.
Es gibt halt Grenzen, und die fangen da an wo es um Grundsätzliches wie Wohnen geht.
GG Art 14 : (2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

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katja78 22.05.2019, 10:38
73.

Zitat von quidquidagis1
..Sie wissen abe schon,dass wir es z.Zt.in vielen Fällen mit der Generation "Erben"zu tun haben.Also leistungsloses Einkommen ohne lädstige Kredite und Sorgen
Wie ich diese Unterstellungen mag...

Wir sind Vermieter. Ohne Erbe. Wir haben gearbeitet und gespart und selbst lange sehr bescheiden gewohnt. Wir vermieten regelmäßig an Leute, die ein höheres Einkommen als wir haben. Ja, unser Vermögen ist inzwischen vermutlich höher als das Vermögen dieser Leute, aber das war eine reine Frage der Prioritätensetzung.

Ich habe keinen Bock darauf, dass so getan wird, als ob die, die Eigenkapital mitbringen, dieses immer leistungslos erworben haben. Wir haben dafür viel und lange und intensiv, mit Hauptjob und Nebenjob, gearbeitet. Wir haben uns kein teures Auto, keinen teuren Urlaub, keine teuren Klamotten und keine teure Elektronik geleistet. Wir nehmen keine Wuchermiete, bevorzugen Familien mit Kindern, rechnen korrekt ab. Und werden von Menschen wie Ihnen in die "reiche, böse Vermieter"-Schublade gesteckt.

Eine Mietverhältnis ist ein Geschäft. Hätten die portraitierten Mieter bei Wohnungsgesellschaften ohne Eigenbedarfskündigungsmöglichkeiten gewohnt, wäre ihnen die Miete schon vor Jahren marktkonform erhöht worden. Es gibt ein Anrecht auf Wohnung, aber eben keins auf Wohnen im In-Viertel von München. Sind die Mieten mit Kindergartengehältern nicht zu leisten, so sind die Gehälter zu niedrig. Will man die nicht erhöhen, muss man eben den sozialen Wohnungsbau ankurbel oder Dienstwohnungen anbieten. Aber man kann das Problem nicht einfach den privaten Vermietern aufdrücken.

Diese vorgeschobenen Eigenbedarfskündigungen sind natürlich hahnebüchen, aber mit einer Mieterhöhung auf ein ortsübliches Niveau müssten die Mieter eben schon leben.

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jjcamera 22.05.2019, 10:39
74. keine Hilfe bei der Wohnraumbeschaffung

Wenn Kündigungen wegen berechtigtem Eigenbedarf nicht mehr möglich sind, käme der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt zum Erliegen und bliebe nur noch geschäftlichen Großinvestoren überlassen, die mit Immobilien Handel betreiben.
Ob das so viel besser ist? Viele Menschen erwerben eine Mietimmobilie zur Aufbesserung ihrer Rente oder als Wertanlage bis die Kinder groß sind und selbst darin wohnen wollen.
Wenn es dann Probleme gibt, die Mieter zu kündigen, lassen viele den Wohnraum vorher lieber leerstehen und verzichten auf die Miete.
Damit ist dann auch Wohnungssuchenden nicht geholfen.

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olli118 22.05.2019, 10:39
75. Selten so einen Schwachsinn gehört

Zitat von Blackbeard
Wäre toll, wenn die Politik mal etwas für die Mieter und nicht nur für die Vermieter tun würde. Ich sag mal ganz provokant: Kündigung wegen Eigenbedarfs verbieten. Bessere Überwachung bei Wohnungsinseraten und Diskriminierung bei Wohnungsbewerbungen. Und wenn ein Mieter lange genug in einer Wohnung gelebt hat, um diese durch Miete abzubezahlen, sollte dem Mieter das Eigentum an der Wohnung automatisch übertragen werden.
Bei allem Mitleid mit solchen Grenzfällen, wie sie im Beitrag beschrieben werden: dem stehen eine Vielzahl unproblematischer Mietverträge gegenüber, bei denen es keinerlei Probleme zwischen Mieter und Vermieter gibt. Es wird auch immer nur über die Probleme von Mietern gesprochen. Sprechen Sie mal mit (privaten) Vermietern! Wer hilft denen bei säumigen Mieten oder bei Mietnomadentum? Versuchen Sie mal, einen Mieter rauszuklagen, der seine Miete nicht zahlt, da wünsche ich ganz viel Spass. Es gibt genügend Menschen, die durch skrupellose Mieter in den Ruin getrieben worden sind, nur von denen spricht niemand, für die interessiert sich niemand. Kündigung für Eigenbedarf - wenn es wirklich Eigenbedarf ist - ist vollkommen richtig und legitim. Warum sollen ich oder meine Kinder MEIN EIGENTUM nicht nutzen dürfen? Dass man darüber reden kann, ob die Gruppe von Menschen, für die Eigenbedarf gilt, einschränkt wird - kann man tun; dass es höhere Strafen gibt, wenn Eigenbedarf vorgeschoben ist, auch darüber sollte man reden. Aber Ihr Vorschlag, dass Mietern das Eigentum an der Wohnung nach einer gewissen Zeit automatisch übertragen werden soll, da kann ich nur den Kopf schütteln. Das ist so hirnrissig, daß mir schwindelt. Abgesehen davon, dass es einen fundamentalen rechtlichen Unterschied gibt zwischen Eigentum und Besitz, glauben Sie, das würde die Wohnmisere ändern? NIEMAND würde mehr Mietraum zur Verfügung stellen. Wenn Sie Eigentum erwerben wollen, müssen Sie kaufen und das notfalls über Kredit finanzieren - so wie es der Vermieter vermutlich auch gemacht hat. Nicht die Vermieter sind die "Bösen": die Schuldigen sind Bund, Länder, Kommunen und Städte, die Wohnraum zu Schleuderpreisen an Unternehmen verkauft haben, die sozialen Wohnungsbau schändlich vernachlässigt haben. Es kann doch nicht Aufgabe und Pflicht einen privaten Vermieters sein, für soziale Mitpreise zu sorgen! Dieses ganze Vermieter-Bashing lenkt nur davon ab, dass unser Staat - wie in so vielen anderen Bereichen auch - seinen Pflichten gegenüber seinen Bürgern nicht nachkommt.

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loncaros 22.05.2019, 10:42
76.

Zitat von synphonie
Ehrlich gesagt wundert mich diese Anspruchshaltung von Mietern die ein emotionales Dauerwohnrecht einfordern. Vermieten wird immer mehr zum Risiko für den Vermieter, es ist auch kaum noch ein Gewinn mehr Wohnraum zu vermieten. Entweder soll die Miete möglichst gering sein aber der Wohnluxus groß. Oder man wir zum inhumanen Ausbeuter gestempelt. Was soll das?
Wenn Vermieten so ein Risikogeschäft ist, warum fließen dann Billionen in den deutschen Wohnungsmarkt aus den USA und anderen Hedgefondländern?

Investieren die so gerne in high risk / low profit Geschäfte?

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spiegelleserin_11 22.05.2019, 10:45
77. Falscher Lösungsansatz

Am besten sollten Kündigungen oder Mieterhöhungen durch den Vermieter ganz verboten werden. Dann ist es endlich sozial gerecht für alle Mieter. Ach ups, keiner möchte mehr Wohungen vermieten, es gibt höchtens noch befristete Mietwohnungen und geschützt sind nur Leute, die schon eine Wohnung gemietet haben, Leute die noch etwas mieten möchten kriegen gar nichts mehr. Einzelfälle von Eigenbedarfskündigungen sind sicher schlimm, aber das Grundproblem ist doch ein anderes. Es gibt nicht genug bezahlbare Wohnungen. Die müssen geschaffen werden: Also den sozialen Wohnungsbau fördern, mehr Bauflächen ausschreiben, ländliche Regionen attraktiver machen, den Nahverkehr ausbauen, es für potenielle Vermieter attrativer machen Wohnungen zu vermieten und diese nicht indirekt enteignen.

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mirage122 22.05.2019, 10:46
78. Wenn es nur sogenannter Eigenbedarf wäre!

Mir sind Räumungsklagen bekannt, die ganz andere Ursachen haben. Da geht es nämlich darum, dass ältere Mieter - also solche, die schon lange in den betreffenden Wohnungen wohnen (meist mehr als 20 Jahre) aus ganz anderen Gründen eine Räumungsklage erhalten: Es werden fadenscheinige Gründe vorgeschoben, weil diese Leute noch zu ganz anderen Konditionen untergebracht sind, d.h. man möchte mit einem meist häufigen Wechsel der Mietverhältnisse mehr Profit aus den Wohnungen ziehen. Das ist nicht nur unmenschlich, weil natürlich ganz besonders ausländische "Heuschrecken" nur nach dem Prinzip "maximale Gewinn-Optimierung" operieren, sondern stellt für die betroffenen Mieter in den meisten Fällen einen absoluten Notfall dar. Aber wen interessiert das schon? Dann sitzen die alten Leute eben auf der Straße. Das ist unsere Politik der "Verwahrlosung" wie es Österreichs Staatspräsident jetzt sehr treffend formulierte. Und unsere Regierung duldet das, weil ja nur die Interessenverbände das Sagen haben.

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hol 22.05.2019, 10:48
79. das soziale bleibt aussen vor

Was leider immer unterschlagen wird ist, dass nach jeder Eigenbedarfskündigung egal ob legal oder nicht am Ende andere Menschen in die gekündigte Wohnung einziehen. Diese neuen Bewohner sind weder bessere noch schlechtere Menschen als die alten Bewohner. Die neuen Bewohner haben nicht weniger Recht auf den Wohnraum als die alten. Gesetze die alte Bewohner sprich Mieter schützen bzw. privilegieren und dementsprechend neue Bewohner diskriminieren sind nichts anderes als struktureller Rassismus. Insbesondere dann, wenn wie im Artikel geschildert, eine deutsche Mieterin ihre Wohnung in die mehrere ausländische Bewohner einziehen wollen, nicht räumen will.

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