Forum: Wirtschaft
Künftiger CDU-Wirtschaftsminister : Bloß kein Ludwig-Erhard-Nostalgiker!
DPA

Die CDU darf wieder den Wirtschaftsminister stellen. Schon künden Prediger, das Haus müsse ordnungspolitisches Mahnmal wie unter Ludwig Erhard sein. Eine absurde Vorstellung, inmitten einer tiefen Krise eben dieses Mantras.

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Campioni 16.02.2018, 12:25
1. "So viel Markt wie möglich,..."

"...und so viel Staat wie nötig." Dieser Leitsatz stammt auch von Ludwig Erhard. Leider ist der zweite Teil seit Reagan und Thatcher im neoliberalen Credo unter die Räder gekommen. Es wird zeit, dass wir uns ordnungspolitisch wieder an den Artikel 14 unserer Verfassung erinnern. Der schreibt das Recht auf Eigentum, aber "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch sol zugleich dem Allgemeinwohl dienen" - Absatz 2.
Freiheit und Verantwortung sind zwei Seiten derselben Medaille. Das Hohelied der Gier hat dies vergessen lassen.

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Tylenol 16.02.2018, 12:33
2. Nordkorea Style

So ein antimarktwirtschaftlicher Artikel hätte auch in Nordkorea veröffentlicht werden könnne. Man merkt dem Autor seine Begeisterung für staatskapitalistische Ideologien à la française an (kein Wunder bei dem Lebenslauf). Ein einfacher Vergleich zwischen diesseits und jenseits des Rheins beantwortet diese Haltung ohne Schwierigkeiten. Frankreich ist und bleibt auf höchst verschuldetem Niveau und fände ohne das Backing der deutschen Volkswirtschaft kaum noch Investoren oder Kreditgeber. Ich wünsche mir einen Enkel Erhards im Wirtschaftsministerium und Weidman als EZB Chef. Dies wäre im Euroraum der Beginn der Heilung.

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Freifrau von Hase 16.02.2018, 12:34
3.

Sorry Fricke, aber diesmal stimme ich nicht zu. Es ist immer auch eine Frage des Wollens. So könnten Verlagerungen von Firmen von einer Behörde zustimmungspflichtig gemacht werden. Ist kein Nutzen für das deutsche Volk erkennbar, gibt es ein Verbot. Wer nicht spurt, wird enteignet. Geht schon...

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Semmelbroesel 16.02.2018, 12:39
4. Maximaler Profit..

..ist das Credo der Wirtschaft. Da muss alles andere hinten anstehen, seien es gerechte Löhne, Lohngleichheit für beide Geschlechter, Steuern entrichten, wo sie anfallen und Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber.

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seinedurchlaucht 16.02.2018, 12:46
5.

Na klar, alles noch mehr Richtung Planwirtschaft, eine noch höhere Besteuerung der Arbeitnehmer und weniger Konkurrenzdruck bitte und alles wird gut. So lange, bis auch die letzten Klugen Köpfe das Land und Richtung Schweiz und USA verlassen haben.

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nocheinforumsnutzer 16.02.2018, 12:49
6. Tolle Breitseite, nur, tja leider, ...

... ist das Wirtschaftsministerium etwa für Finanzmärkte gar nicht zuständig. Geld und Kredit liegen beim Finanzministerium, die Wettbewerbspolitik weitgehend bei der EU, dasselbe mit der Strukturpolitik. Ob das Wirtschaftsministerium die reine Lehre von der Ordnungspolitik je umgesetzt hat, darüber könnte man lange streiten. - Nicht unter Lambsdorff, auch nicht unter Bange-, Hauss- und Möllemann, und das hatte gute Gründe. Darum z.B. die vielen Reformen am Wettbewerbsrecht. Die marktradikalen Reformen kamen weitgehend von Europa und im Energiebereich - soweit unmgesetzt - von den Grünen, egal was Trittin heute dazu sagt.

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curiosus_ 16.02.2018, 12:52
7. So weit...

...so gut.

Zitat von Thomas Fricke
Wie wenig der heilige Wettbewerb heute noch zum Universalrezept taugt, lässt sich selbst bei den Versuchen beobachten, das drohende Klimadesaster zu stoppen: Auch hier galt lange Zeit das Mantra, dass das am besten geht, wenn Emissionszertifikate am freien Markt gehandelt werden. Heute sagen selbst ehemalige Verfechter des Rezepts, dass das nicht funktioniert hat, weil die Märkte einfach daran scheitern, rational künftige Schäden einzupreisen - und es dringend einen festgesetzten Preis bräuchte.
Aber was soll der Handel von Emissionszertifikaten am freien Markt mit dem drohenden Klimadesaster zu tun haben? Die Gesamtmenge der handelbaren Emissionszertifikate ist politisch vorgegeben und gibt somit direkt die Menge der klimarelevanten Emissionen vor. Und genau das ist der relevante Faktor für die Klimaentwicklung. Auf welche Art diese Vorgabe erreicht wird, ob der eine oder der andere mehr oder weniger Emissionen einspart ist diesbezüglich völlig irrelevant. Was sollen da fixierte Preise für die Emissionsrechte? Die Gesamtmenge der emittierten Treibhausgase reduziert sich damit um kein Gramm.

Beim Emissionsrechtehandel können "die Märkte" nicht "daran scheitern, rational künftige Schäden einzupreisen" - ganz einfach deshalb, weil dieses "Einpreisen" über die politische Vorgabe des Gesamtvolumens der handelbaren Rechte geschieht. Und nicht über "die Märkte".
Da scheinen Sie den Emissionsrechtehandel nicht verstanden zu haben, Herr Fricke.

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soerenschein 16.02.2018, 12:55
8.

"So ein antimarktwirtschaftlicher Artikel hätte auch in Nordkorea veröffentlicht werden könnne."

Klar, hier schreien wieder diejenigen, die die freie Marktwirtschaft für gerecht halten. Sollen doch große Teile der Bevölkerung verarmen, solange es einem selbst gut geht. Die haben wohl nicht genug gearbeitet, oder? Ganz ehrlich: das System ist tot, mit ihm die soziale Marktwirtschaft. Mit ihr starb jede Form von Gerechtigkeit, die es in ihr gab. Jedes System kommt unweigerlich eines Tages zu seinem Ende. Den westlichen Kapitalismus hat es eben 30 Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblockes ereilt. Trotzdem lässt ein Zusammenbruch immer auch Platz für etwas Neues. Es liegt an uns, es zu gestalten.

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bibabuzelmann 16.02.2018, 12:56
9. Bitte um Aufklärung durch Wirtschaftsexperten

Bisher war ich der Meinung, dass die Ordnungspolitik das genaue Gegenteil des angeprangerten neoliberalen Raubtierkapitalismusses war. Der Neoliberalismus fordert schließlich totale Freiheit, jeder darf tun und machen was er will - was die Finanzmärkte dann auch ausnutzten und immer noch ausnutzen.

Ein Ordnungspolitiker würde das Chaos dagegen durch entsprechende Gesetze "ordnen". Ordoliberal und neoliberal sind doch 2 Paar Schuhe, deshalb versteh ich den Kommentar nicht so ganz, der scheint beides zu vermischen, oder habe ich etwas falsch verstanden?
Vielen Dank für alle Rückmeldungen und schönes Wochenende.

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