Forum: Wirtschaft
Künftiger CDU-Wirtschaftsminister : Bloß kein Ludwig-Erhard-Nostalgiker!
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Die CDU darf wieder den Wirtschaftsminister stellen. Schon künden Prediger, das Haus müsse ordnungspolitisches Mahnmal wie unter Ludwig Erhard sein. Eine absurde Vorstellung, inmitten einer tiefen Krise eben dieses Mantras.

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jogola 18.02.2018, 10:55
70. Wortklauberei

Wen man davon ausgeht, das Ordnungspolitik von Ordnung und Ordnung von ordnen kommt, dann wird damit doch zunächst nur der Wille ausgedrückt, die Wirtschaftspolitik zu ordnen, zu gestalten. Schon mal besser als laisser-faire.
Dann, im zweiten Schritt, muss man fragen was wie geordnet werden soll und erst auf dieser Ebene scheint es richtig, dass die Methoden und Möglichkeiten aus der Zeit des Wirtschaftswunders heute nicht mehr angebracht sind - allerdings sind sie nicht alternativlos.

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garno 18.02.2018, 11:13
71.

Zitat von hpkeul
Insofern ist mir die alles noch in Erinnerung. Aber die durch viele soziale Komponenten - sagen wir mal gemäßigte - Marktwirtschaft hat zumindest in D doch einigermassen funktioniert. Nicts ist so gut, dass man es nicht verbessern könnte. man sollte nur bei jeder Änderung darüber nachdenken, wie groß der Nutzen ist. Interessanter Weise funktionieren hierzulande die Bereiche geringer staatlicher Eingriffe fast immer am besten. Kann man am wichtigsten Nahrungsmittel der Deutschen festmachen. Die geliebten Kartoffeln sind stets in ausreichender Menge zu günstigen Preisen am freien Markt erhältlich. Ohne Politiker-Tätigkeit.
"Die geliebten Kartoffeln sind stets in ausreichender Menge zu günstigen Preisen am freien Markt erhältlich. Ohne Politiker-Tätigkeit."

Da irren Sie gewaltig, gerade die Landwirtschaft ist besonders stark reglementiert, auch mit Gesetzen aus Brüssel, die Agrar-Subvention ist der größte Posten im EU-Haushalt.

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salomon17 18.02.2018, 12:23
72. Marktwirtschaft kontra Planwirtschaft?

Was manche Foristen hier von sich geben ("antimarktwirtschaftlicher Artikel" o.ä.), weckt den Anschein, als würde die Marktwirtschaft das tun, was die Aufgabe eines Wirtschaftssystems ist (ja, was ist das wohl?). Das tut sie aber genau so wenig, wie die Planwirtschaft. Sie braucht Rahmenbedingungen, die die Gesellschaft vorgeben muss. Das hat Herr Fricke (und Erhard) gemeint und damit hat er Recht. Die grenzenlose Marktwirtschaft führt in die Verelendung großer Teile der Bevölkerung und daran kann keinem gelegen sein. Danke, Herr Fricke, für diesen Beitrag, ich stimme Ihnen uneingeschränkt zu.

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andneu 18.02.2018, 12:36
73. Wichtig bei der all der "Ludwig Erhard"-Vergötterung ..

.. ist auch noch ein ganz anderer Punkt: Als Erhard in den 50'er bis Mitte der 60'er Jahre Wirtschaftsminister war, lag Deutschland weitgehend noch in Trümmern. Eine Wirtschaftspolitik, die auf extremes Wachstum setzte, war damals nötig und richtig. Heute leben wir auf weitgehend gesättigten Märkten, trotzdem halten wir autistisch am Wachstumsfetisch fest. Eine andere Zeit braucht allerdings andere Rezepte.

Das ist das Problem jeder Ideologie: Da sie einen absoluten Wahrheitsanspruch hat - da ähneln Ideologien der Religion - sind sie nicht flexibel. Die eigenen Glaubenssätze dürfen ja niemals in Frage gestellt werden. Daran wird auch langfristig der Neoliberalismus scheitern.

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garno 18.02.2018, 13:25
74.

Erhard setzte keineswegs auf "extremes Wachstum", sondern auf eine Art gelenktes Wachstum ohne die Marktkräfte außer Kraft zu setzen. Extremes Wachstum bekommt man nach neoliberaler Manier, indem man den Marktkräften freien Lauf lässt, nicht durch Gesetze und Kontrollen behindert.

Beispiel: Die deutsche Autoindustrie macht hervorragende Gewinne bei schlechter Luft in den Städten. Hier hat die staatliche Ordnungspolitik versagt.

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bauklotzstauner 18.02.2018, 13:31
75.

Zitat von exxtreme2
Ist schon echt drollig nicht funktionierende CO2-Zertifikate als Beleg anzuführen, dass Marktwirtschaft nicht funktioniert. CO2-Zertifikate sind eine reine staatliche Zwangsmaßnahme. Also nix nix nix nix nix Marktwirtschaft.
Falsch.
"Staatliche Zwangsmaßnahme" trifft es zwar, ist aber anders unmöglich, da kein einzelnes Privatunternehmen im Konkurrenzkampf mit anderen Verluste zugunsten einer saubreren Umwelt hinnehmen würde.

ABER: Es wurde statt Verordnungen, neuer Standards und Schließungsandrohungen umweltgefährdender Betriebe versucht, das Problem mit Methoden des Kapitalmarktes zu lösen - also des Turbo/Kasino-Kapitalismusses! Eben den "Verschmutzungszertifikaten", die an "Märkten" gehandelt werden. Wollen Sie uns weismachen, der hätte nix mit MArtkwitschaft zu tun?

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hennesviii 18.02.2018, 15:27
76. bekommen wir dann auch

wieder , wie zu Ludwig Erhard's Zeiten,

- Zölle auf Butter und Rindschfleischimporte
- staatlich festgesetzte Preise in der Landwirtschaft mit Absatzgarantie
- eine extrem protektionistische Handelspolitik in der Landwirtschaft
- praktisch keinen Aktienbesitz durch Ausländer in deutsche Unternehmen: no foreign direct investment
- staatlich kontrollierte Preise bei Energie und anderen Grundstoffen
- staatlich garantierte Zinsen (Sparbuch)

https://www.perlentaucher.de/buch/irmgard-zuendorf/der-preis-der-marktwirtschaft.html

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