Forum: Wirtschaft
Land in der Wirtschaftskrise: Arg, Ärger, Argentinien
Tomas F. Cuesta / AP

Hunger, Verzweiflung, Angst vor dem Absturz: In Argentinien grassieren Inflation und Armut. Auf den Straßen formieren sich Proteste gegen die Regierung. Die hat nur ein Ziel: durchhalten bis zu den Wahlen Ende Oktober.

Seite 1 von 2
brasshead 11.09.2019, 18:05
1.

Sehr informativ, ein Artikel der es nicht einmal schafft, zwischen Staatsverschuldung in eigener Währung (kann der Staat immer bedienen, unproblematisch) und Staatsverschuldung in Fremdwährung (muss sich der Staat immer von außen besorgen, hochproblematisch) macht und beides völlig undifferenziert in einen Topf wirft. Die Botschaft ist klar: Staatsverschuldung führt in den Wirtschaftszusammenbruch, Inflation und Armut. Stimmt aber nicht (vgl. z.B. Japan).

Argentinien hat leider nicht aus der letzten Krise gelernt und sich weiter in ausländischer Währung verschuldet. Damit (und nur damit) ist die Zahlungsunfähigkeit ein mögliches Szenario.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Piantao 11.09.2019, 19:06
2.

Zitat von brasshead
Sehr informativ, ein Artikel der es nicht einmal schafft, zwischen Staatsverschuldung in eigener Währung (kann der Staat immer bedienen, unproblematisch) und Staatsverschuldung in Fremdwährung (muss sich der Staat immer von außen besorgen, hochproblematisch) macht und beides völlig undifferenziert in einen Topf wirft. Die Botschaft ist klar: Staatsverschuldung führt in den Wirtschaftszusammenbruch, Inflation und Armut. Stimmt aber nicht (vgl. z.B. Japan). Argentinien hat leider nicht aus der letzten Krise gelernt und sich weiter in ausländischer Währung verschuldet. Damit (und nur damit) ist die Zahlungsunfähigkeit ein mögliches Szenario.
Staatsverschuldung in eigener Währung ? Überhaupt nicht maßgebend. Argentiniens Schulden sind in US Dollar so wie es der Artikel darstellt, und es wurde auch nichts in "einen Topf" geworfen.
Das Staatsverschuldung in einen Wirtsschaftszusammenbruch führt, das schildert ja der Artikel. In Argentinien jedenfalls herrscht praktisch seit etwa 30 Jahren eine auf und ab schwellende Krise. Nichts neues.
Mit Japan läßt sich Argentinien natürlich überhaupt nicht vergleichen.
Dazu noch wenn im Oktober Fernandez gewählt wird mit Cristina als Vize-, dann geht es noch schneller und noch weiter abwärts. Cristina F. de Kirchner hatte schon zu Zeiten ihres Mannes und ihrer Amtszeit selbst dafür gesorgt das etliche zig-Millionen entwendet (gestohlen) wurden. Sie versucht verzweifelt ein politisches Amt zu bekleiden um einer Gefängnisstrafe zu entgehen durch ein dortiges "Inmunitätsgesetz". - Ein wahrer Spruch mit ewigem Wahrheitsgehalt lautet: " kommst du nach 3 Jahren nach Argentinien zurück dann ist lles anders". Kommst du aber nach 20 Jahren zurück dann ist alles so wie immer.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
eckawol 11.09.2019, 19:33
3. Alle sieben Jahre wieder.....

In der Kurz-Analyse ist faszinierend festzustellen, wie ein Land ,das um 1910 zu den zehn reichsten der Welt zählte, im Vergleich zu anderen Ländern so sehr abfallen konnte. Die Antwort liegt m.E. (a) in einer Kombination aus großen externen Schocks ( Abschottung von Märkten, Preisverfall der Rohstoffpreise am Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts), (b) in einer falschen Wirtschaftspolitik und ausgeprägten Krisenperioden. In den letzten 50 Jahren ging Argentinien durch ca. 20 Rezessionsjahre und ca. 20 Jahre Hyperinflation (also mehr als 100% p.a.), wobei das nicht unbedingt dieselben Jahre waren!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
brasshead 12.09.2019, 02:04
4.

Zitat von Piantao
Argentiniens Schulden sind in US Dollar so wie es der Artikel darstellt, und es wurde auch nichts in "einen Topf" geworfen.
Der Artikel erwähnt das tatsächlich in keinem Satz, sondern spricht allgemein von Staatsverschuldung und Staatsverschuldung in Relation zum BIP. Damit wirft er Staatsverschuldung in eigener Währung (kann der Staat immer bedienen, unproblematisch) und Staatsverschuldung in Fremdwährung (muss sich der Staat immer von außen besorgen, hochproblematisch) in einen Topf. Genau diese Unterscheidung ist der argentinische Misere aber wesentlich.

Zitat von Piantao
Mit Japan läßt sich Argentinien natürlich überhaupt nicht vergleichen.
Wer hat Japan und Argentinien miteinander verglichen?

Zitat von brasshead
Die Botschaft ist klar: Staatsverschuldung führt in den Wirtschaftszusammenbruch, Inflation und Armut. Stimmt aber nicht (vgl. z.B. Japan).
Zitat von Piantao
Das Staatsverschuldung in einen Wirtsschaftszusammenbruch führt, das schildert ja der Artikel.
Dass Staatsverschuldung in einen Wirtschaftszusammenbruch führt, das widerlegt ja nun Japan (250% des BIP).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
zeitgenosse99 12.09.2019, 05:59
5. Reichtum ist relativ...

Zitat von eckawol
In der Kurz-Analyse ist faszinierend festzustellen, wie ein Land ,das um 1910 zu den zehn reichsten der Welt zählte, im Vergleich zu anderen Ländern so sehr abfallen konnte. Die Antwort liegt m.E. (a) in einer Kombination aus großen externen Schocks ( Abschottung von Märkten, Preisverfall der Rohstoffpreise am Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts), (b) in einer falschen Wirtschaftspolitik und ausgeprägten Krisenperioden. In den letzten 50 Jahren ging Argentinien durch ca. 20 Rezessionsjahre und ca. 20 Jahre Hyperinflation (also mehr als 100% p.a.), wobei das nicht unbedingt dieselben Jahre waren!
Das war damals eine ziemlich kleine oligarchische Oberschicht und Grossgrundbesitzer, die um 1910 reich waren. Der Grossteil der Bevölkerung war ziemlich mausarm und oft faktisch rechtlos.
Dank Agrarexporten wirkte es einfach so als sei Argentinien stinkereich und die Franzosen zum Sprichwort veranlasste "riche comme un Argentin". Dies aber auch nur weil die Oberschicht gerne in Paris rumlümmelte und dort die Grosskotze rausgehängt haben, sowie ihren Nachwuchs dort in die Ausbildung schickte. Logischweise waren das allesamt reiche Leute, denn der Rest der Argentinier mussten sich ihr karges Leben als Landarbeiter oder in der Industrie verdingen.
Die letzte Inflation über 100% ist übrigens auch schon gut 30 Jahre her.
Die Zeit als Paria der Kapitalmärkte unter den Kirchners war übrigens gar nicht mal so schlecht. Als eines der wenigen Länder auf der Welt hat Argentinien Schulden abgebaut, wie das McKinsey mal in einer ihrer Verschuldungsstudien publiziert hat und Cristina Kirchner ganz happy war und dies in ihren stundenlanden Reden ausführlich dem Volk mitteilte. Auch dem Grossteil der Bevölkerung ging es damals wesentlich besser, die Armut wurde reduziert und ist in den letzten 2 Jahren wieder massiv angestiegen.
Der unbedarfte Macri hat mit seiner Verschuldungsorgie in US$ und Hilfe beim IWF alles wieder zunichte gemacht. Die ausländischen Unternehmen haben die Gelegenheit genutzt und x-Dutzend Mrd Gewinne ausser Landes gebracht, die wohlhabenderen Argentinier haben dank des überbewerteten Peso von Jan. 2016 bis ca. Frühjahr 2018 wieder in Paris und Miami die Grosskotze rausgehängt und dann war die Party auch schon wieder vorbei. 80% des bislang gesprochenen IWF Kredites sind schon wieder ausser Landes. Die Argentinier bunkern geschätzte 350 Mrd US$ im Ausland und zuhause herrscht Dollarmangel.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rjb26 12.09.2019, 08:42
6. immer wieder

fallen dke Länder dieser Erde und insbesondere Südamerika auf die Methoden der USA rein, die dazu dienen einer kleinen Clique Macht und v.a. Geld zu sichern. Wenn es mal anders läuft wie in Chile, wird halt gemordet, gebombt etc. der nächste Kandidat ist Brasilien bzw Venezuela.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
MyMoon 12.09.2019, 09:13
7. Vorbild Türkei

Vor über einem Jahr als die türkische Lira aufgrund von US Druck kurzzeitig an den Kapitalmärkten abstürzte und die Inflation rapide stieg haben hier im Forum viele "Experten" Erdogans Wirtschaftspolitik kritisiert. Damals hieß es nur Kredite des IWF könnten helfen und Argentinien würde als positives Beispiel genannt da dieses Land die angebotenen IWF Kredite angenommen hat.
Wenn man dich jetzt im Nachhinein die Wirtschaftsentwicklung und Währungen der beiden Staaten vergleicht muss man Erdogan Recht geben.
Auch wenn die Krise nicht voll beendet wurde hat sich die türkische Lira seit ihrem Rekordtief erholt und stabilisiert. Das Handelsdefizit stark verringert und die Exporte sind angestiegen.
Von so einer Wirtschaftslage können die Argentinien nur träumen, und die Erdogan Kritik sind erstaunlich ruhig geworden zum Thema Wirtschaft.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nikola.kos74 12.09.2019, 09:41
8. Wäre cool gewesen...

...wenn der Artikel die Gründe genannt hätte, WARUM Argentinien, das in den 1950ern eines der reichsten Länder der Welt war, immer wieder in die Krise gerät, und nicht nur wild Zahlen jonglieren würde und Politiker ins Zentrum der Geschichte stellen würde. Ist doch egal wie die Vögel da heißen und welcher Partei sie angehören. Interessant ist doch, warum es immer wieder passiert, dieses Deja-vu.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
4711_please 12.09.2019, 10:42
9. Warum die argentinischen Krisen?

Die Krisen in Argentinien sind Vertrauenskrisen, vor allem fehlt das Vertrauen in die eigene Währung. Macri wurde u.a. vor 4 Jahren gewählt, weil die Mittel- und Oberschicht die unbeliebten Kapitalverkehrskontrollen loshaben wollten. Deren Abschaffung hat sich nun aber als fatal erwiesen, die Reichen flüchteten in den Dollar, was die IWF-Kredite unterstützten. Macri tauschte kürzlich den Finanzminister aus, auch weil dieser sich im großen Stil an der Kapitalflucht beteiligte. Argentinien ist ein Paradebeispiel für das Scheitern des IWF als Interessenvertretung und Bank der Reichen, so wie neoliberaler Wirtschafts- und Finanzpolitik. Nicht nur aktuell, sondern seit Jahrzehnten fährt der Neoliberalismus das Land gegen die Wand. Wird aber von europäischen neoliberalen Ideologen geleugnet, verdrängt, verblendet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 2