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Langzeitarbeitslose : Die Vergessenen des Arbeitsmarkts
DPA

Die Beschäftigung boomt. Dennoch sind viele Menschen schon seit Langem ohne Job, die Politik hat sie systematisch vernachlässigt. Das muss sich ändern, auch wenn es Geld und Geduld fordert. Gute Ansätze gibt es genug.

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GemachGemach 28.08.2017, 11:09
1. Wann reaktiviert die BA endlich wieder ihren Beratungsdienst?

Mit großem "Tamtam" wurden 2005 die Jobcenter eröffnet. Das Personal - vor allem die Fallmanager - wurden minimal ausgebildet und waren zu mehr als 50% Sozialarbeiter ohne jedwegliches berufskundliches Wissen. Das ist noch immer so. Die wenigstens Fallmanager waren und sind auch heute noch keine fachlich exzellent ausgebildete Arbeitsberater mit einem berufskundlichen Wissen. Das gibt es auch nicht mehr in den Arbeitsagenturen ...
Solange Mann oder Frau "Arbeitsvermittler" werden kann durch "Handauflegen", wird es weder dort noch in den Jobcentern gelingen, den Unterschied in der Berufspraxis z.B. zwischen einem Zerspanungs- und einem Werkzeugmechaniker zu erkennen!
"Berufsausbildung - flexibel, passgerecht und auch für Ältere..." heißt es im Artikel so schön.
Wer einmal einen der früheren Berater interviewt hat, der weiß, daß es mit viel Geld bis Ende der 90'er Jahre gelang, bildungsferne Erwachsene (bis zu 55 Jahren!) nach richtiger Auswahl und passgenauer Umschulung zu hervorragenden Fachkräften auszubilden. Das dauerte ziwchen 27 und 30 Monaten und schneller wird es heute auch nicht gehen!
Und bis in die 80'er Jahre war das "Unterhaltsgeld" bei Umschülern deutlich höher, als das Arbeitslosengeld! Anfangs waren es sogar 90% vom letzten Netto, später immerhin noch 80%!
Es sind überhaupt keine weiteren wissenschaftlichen Studien und politische Exkursionen erforderlich:
Ein Blick in die Vergangeheit zeigt blitzschnell auf, dass nur bestens ausgebildetes Personal (bitte keine Sozialarbeiter mehr!) und Geld denen hilft, die sich wirklich anstrengen wollen.
Denjenigen, die nicht wollen (ja, davon gibt es reichlich!), sollte man lediglich Hartz-IV auszahlen und gut ist es, Wieso hier bei diesen Menschen Zeit und Geld investieren, wenn es bei anderen Erfolge zeigt?
Wenn dannach noch Zeit ist, sollte man auch den "Berufsarbeitslosen" nachdrücklich Pflichten auferlegen, die schon seit Jahren exakt im Gesetz beschrieben werden.
Lesen bildet ... und ein Blick zurück erklärt oft, wie man's machen müsste, denn auch aus der jüngeren Vergangeheit der letzten 40 Jahre kann man viel lernen, so man will!
Ob das für Bundestagsabgeordnete auch gilt, wage ich stark zu bezweifeln. Die lassen sich zu gern von "Experten" mit gefiltertem und gecoachten Wissen "abfüttern" - ist einfacher, als selbst Fragen zu stellen, so man wirklich will und kann.

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Wulff Isebrand 28.08.2017, 20:55
2. Ich auch!

Wann sieht man es ein? Es gibt nicht genug Arbeit für alle. Und vor allem gibt es nicht "genug bezahlte" Arbeit. Ich bin auch seit Jahren arbeitslos. Hochqualifiziert. Eine gescheiterte Selbständigkeit hinter mir. Wieso soll ichwieder arbeiten. Ich erhalte keinen Job, der gut genug bezahlt ist um z.B. meinen Rentenanspruch noch signifikant nach oben zu treiben. 15 Jahre hätte ich noch,aber dann lebe ich lieber schlecht von Hartz4 als mich als 1€ Jobber rumzutreiben und gehe dann mit 67 in die unvermeidliche Altersarmut, wie 40% der Deutschen auch .Außerdem habe ich, im Gegensatz zu manch anderen mehr in die Systeme eingezahlt,als ich über Hartz 4 rausbekomme. Früher habe ich immer verächtlich auf die von Ihnen verächtlich genannten "Berufsarbeitslosen" herunter geschaut,aber heute? Was sind denn Angestellte in den JobCentern? Besser wie Arbeitslose? Wenn die ihren Job machen würden wären die doch innerhalb kürzester Zeit arbeitslos. Oder die ganzen Beamten? Das sind doch gut bezahlte Arbeitslose. Davon könnte man doch ein Drittel rausschmeißen ohne daß es einer merken würde, außer die Staatskasse. Schauen Sie mal über den Tellerrand Ihres vermutlich guut gefüllten Tellers. Dann machen Sie solche Aussagen nicht mehr

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clkr 29.08.2017, 06:06
3. Sie sind einer von 300 000 ...

Zitat von Wulff Isebrand
Wann sieht man es ein? Es gibt nicht genug Arbeit für alle. Und vor allem gibt es nicht "genug bezahlte" Arbeit. Ich bin auch seit Jahren arbeitslos. Hochqualifiziert. Eine gescheiterte Selbständigkeit hinter mir. Wieso soll ichwieder arbeiten. Ich erhalte keinen Job, der gut genug bezahlt ist um z.B. meinen Rentenanspruch noch signifikant nach oben zu treiben. 15 Jahre hätte ich noch,aber dann lebe ich lieber schlecht von Hartz4 als mich als 1€ Jobber rumzutreiben und gehe dann mit 67 in die unvermeidliche Altersarmut, wie 40% der Deutschen auch .Außerdem habe ich, im Gegensatz zu manch anderen mehr in die Systeme eingezahlt,als ich über Hartz 4 rausbekomme. ...
...von der Organisierten Politik totgeschwiegenen älteren qualifizierten Langzeitarbeitslosen und scheinen den "Maßnahmen" oder "Zuweisungen" Ihres "Fallmanagers" irgendwie zu entkommen. Wie schaffen Sie das bloß?

In der Statistik tauchen die meisten Ihrer Schicksalsgenossen aber gar nicht auf. Wer als Ü58 länger als ein Jahr vom JC nichts mehr gehört hat, fliegt aus der Arbeitslosenstatistik ganz raus, wie §53b(2) SGB II bestimmt. Sozusagen die neue 58er Regelung. Mit der lächerlichen Begründung: Er stehe dem Arbeitsmarkt schon deswegen nicht zur Verfügung, weil er keine Vermittlungsvorschläge erhielte. Faszinierend, wie die Organisierte Politik ihr Versagen am Arbeitsmarkt durch Statistikfälschung verschleiert.

Was ich nicht verstehe: Jeder, der auch nur einmal in seinem Leben aus dem Hartz IV Napf fressen mußte, dürfte bei der kommenden Bundestagswahl, und sei es nur aus taktischen Gründen, nur eine einzige Partei mit ernsthafter Mandatsaussicht für wählbar halten, weil sie sich ohne Wenn und Aber für ein Ausräumen dieses neoliberalen Tumors ausgesprochen hat. Grob geschätzt dürften das 20 % der Wahlberechtigten sein. Wenn die tatsächlich mal, ausnahmsweise, alle wählen gehen würden, und man dann noch je 16 % Grüne und Asozialdemokraten dazupackte, müßte das reichen. Bei den vorigen 3 Wahlen haben die's nicht gerafft.

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01099 31.08.2017, 13:02
4.

Ich weiß ganz genau, was passieren wird. Die Arbeitsagenturen werden Crashkurs-Maßnahmen erfinden, damit Langzeitarbeitslose in die Jobs gehen können/müssen, die keinen Nachwuchs finden. Das werden Pflege und Gastronomie sein. Natürlich werden dies Helferarbeitsplätze sein, die kaum Einkommen abwerfen und keine Möglichkeit zu einer Art "Karriere" bieten. Aber Hauptsache, man hat die Statistik verbessert.
Ich war auch einmal ein "Langzeitarbeitsloser" und weiß, dass es auf dem Jobcenter niemanden interessiert, wer man ist und was man individuell für Talente und Fähigkeiten mitbringt. Dort sind alle gleich. Der Akademiker sitzt im gleichen Boot mit dem, der praktisch nicht mehr vermittelbar ist. Aber das ist das perfide, psychologische Kalkül dahinter. Welcher Akademiker (nur ein Beispiel) will schon mit jemandem gleichgesetzt werden, der z.B. ein Alkoholproblem hat oder schlich keine sozialen Kompetenzen mehr besitzt? Dann lieber irgendeinen Job annehmen. Arbeitslosigkeit nagt am Selbstwertgefühl und noch mehr das, was die Vermittler mit einem anstellen. Das sind in der Mehrzahl kalte Technokraten, die sich von Menschlichkeit längst verabschiedet haben.

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construct 31.08.2017, 13:06
5. Seit 10 Jahren ALG2

Ich habe etliche gesundheitliche Einschränkungen mit Moebius Syndrom, RBD und chroinisch infektiöser Hepatitis B!
Eine Lösung findet das Jobcenter nicht, aber ich werde von Maßnahme zu Maßnahme geschleift, die nichts bringen, weil ich definitiv schwer vermittelbar bin.

Ich habe in den 10 Jahren nicht ein einziges Mal einen Stellenvorschlag erhalten.
Selbst Erwerbsminderung ist nicht möglich, weil sich die entsprechenden Stellen mit dem seltenen Moebius Syndrom nicht auskennen!

Ich musste meine Gleichstellung mit "Widerspruch" erkämpfen!
30% laut GdB ist lächerlich!
Keine Weiterbildung/Umschulung wurde finanziert, obwohl ich dauernd darauf gepocht habe!

Arzte bei der Arbeitsagentur sind unfähig!

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harwin 31.08.2017, 13:06
6. Es fehlen auch Langzeitarbeitslose die...

Es fehlen auch Langzeitarbeitslose die ausgesteuert sind, und kein Arbeitslosengeld 1 und Hartz IV bekommen. Dieses Klientel fliegt vollkommen aus der Statistik, den wer erst sein Vermögen aufbrauchen muss, und keinen Job bekommt trotz X Bewerbungen der hat als älterer Arbeitsloser die sogenannte A- Karte gezogen.

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Elrond 31.08.2017, 13:08
7. Bedingungsloses Grundeinkommen

an das bGE musste ich sogleich wieder denken, als ich den Artikel las. Das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit ist in der Tat komplex, viele von Ihnen sind schlicht und ergreifend nicht in der Lage zu arbeiten oder nicht ausreichend qualifiziert für den ersten Arbeitsmarkt, bildungsfern, unverschuldet hineingeraten. Es gibt noch tausend weitere Gründe. Warum nicht denen den Druck nehmen und ein von der Arbeit losgelöstes GE bezahlen. Ich glaube nicht, dass es gelingen wird, einen Großteil der Langzeitarbeitslosen mit "Gewalt" wieder in den Job zu bringen. Mit dem bGE können Sie tun, was sie wollen, werden dadurch evtl. kreativ oder verrichten Sozialarbeit machen Nachbarschaftshilfe, entfalten eigene Ideen. Vielleicht sitzt der ein oder andere auch 24 Stunden rum. Dann ist das halt so. Hinzu kommt die unaufhaltsame Entwicklung der Digitalisierung, die viele weitere Jobs kosten wird. . Warum also nicht noch einmal über das bGE nachdenken.

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carryflag 31.08.2017, 13:15
8. Akzeptanz?

Vielleicht muss eine Gesellschaft einfach akzeptieren, dass es immer eine Anteil von Menschen geben wird die nicht (sozialversicherungspflichtig) arbeiten wollen. Dafür gibt es tausend Gründe - und unser Sicherungssystem erlaubt (fördert) dieses Klientel. Ohne unser Sozialsystem wären 80% dieser Klientel "in Arbeit" (was auch immer das heißt...). Um die anderen 20% müssen wir uns dann alle kümmern (so war das Sozialsystem ursprünglich erdacht).

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sonnemond 31.08.2017, 13:19
9. EU-Personenfreizügigkeit kostet Hunderttausende von Jobs in Deutschlan

Welcher Deutsche, der Familie hat und hohe Mieten zahlen muss, kann bei diesen Dumping-Löhnen noch konkurrieren. Zudem drängen Hunderttausende von Flüchtlingen auf den Arbeitsmarkt, für die der Mindestlohn nicht gilt.

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