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Langzeitarbeitslose : Die Vergessenen des Arbeitsmarkts
DPA

Die Beschäftigung boomt. Dennoch sind viele Menschen schon seit Langem ohne Job, die Politik hat sie systematisch vernachlässigt. Das muss sich ändern, auch wenn es Geld und Geduld fordert. Gute Ansätze gibt es genug.

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Squishy 31.08.2017, 13:42
20. Fachliche Anmerkung

Ein Fallmanager ist kein normaler Arbeitsvermittler, sondern jemand der dazu qualifiziert wird Menschen mit sog. "multiplen Hemmnissen" zu betreuen. Ein Fallmanager hat weniger Leute als ein normaler Arbeitsvermittler, der zwischen 300 und 600 Leuten verwalten muss.
Im Jobcenter werden die Leute von einem Leistungssachbearbeiter und einem Arbeitsvermittler betreut.
Wenn also der Leistungssachbearbeiter die (in der Tat komplizierten) Berechnungen des Anspruchs einfacher abwickeln könnte führt dies nur dazu, dass er noch mehr Fälle zu Bearbeitung kommt, aber nicht dass er die Leute betreut, was genau genommen auch nicht seine Aufgabe ist. Bei uns in München gibt es hunderte Beratungsstellen für alles mögliche. Die Leute müssten nur hingehen und sich beraten lassen. Dazu kann sie das Jobcenter nicht zwingen.

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abrandt2000 31.08.2017, 13:44
21. Vollbeschäftigung bereits erreicht

Ich stelle die These auf, dass Vollbeschäftigung bereits heute erreicht ist. D.h., dass alle vermittelbaren Arbeitslosen auch vermittelt wurden. Das, was jetzt noch "übrig" ist (seien es 1 oder 1,5 Mio), ist einfach aus verschiedenen Gründen nicht vermittelbar. Die Gründe liegen in der Person, nicht im Arbeitsmarkt.
Daher singt die Zahl der Langzeitarbeitslosen auch nicht mehr, egal wieviel Geld man in Maßnahmen steckt. Dafür gibt es dann das ALG II, welches für den Betroffenen ein guter Deal ist.
Der Staat leistet: Regelbedarf + Kosten Unterkunft und Heizung
Der ALG II Empfänger leistet: nichts

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skeptiker97 31.08.2017, 13:44
22. Bleibt eine Frage

Wenn man die Probleme im Artikel als auch in der Diskussion, die es mit sich bringt, selbst die "Willigen" in halbwegs vernünftig bezahlte Arbeit zu bringen, dann fragt man, warum wir noch jede Menge analphabetische, unserer Gesellschaft feindlich gegenüberstehende "Fachkräfte" zu integrieren. Wo wäre denn die Arbeit für diese, wenn schon die Sprache ein Problem ist?

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bayer1951 31.08.2017, 13:44
23. Politisch gewollt

Es sollte klar sein, dass ein gewisser Bodensatz von Dauerarbeitslosen politisch gewollt ist. Denn so kann man die, die Arbeit haben, am besten disziplinieren und gemäß den neoliberalen Glaubenssätzen davon überzeugen, dass jeder, der keine Arbeit hat, selber dran schuld ist. Weitere Druckmittel sind die Zuwanderer, die als Lohnsklaven das Lohnniveau drücken helfen und "den besten Niedriglohnsektor Europas" (Originalton Schröder) weiter ausbauen helfen. Und die Medien helfen kräftig dabei mit. Das ganze Gesülze um Langzeitarbeitslose ist nur als Ablenkung zu verstehen - die Bürger sollen in Existenzangst versetzt und gehalten werden, damit sie nicht auf die Idee kommen, sich mit Politik zu beschäftigen und womöglich ihr Kreuzchen nicht an der gewünschen Stelle machen.

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hektor2 31.08.2017, 13:45
24.

Zitat von construct
Ich habe etliche gesundheitliche Einschränkungen mit Moebius Syndrom, RBD und chroinisch infektiöser Hepatitis B! [...] Selbst Erwerbsminderung ist nicht möglich, weil sich die entsprechenden Stellen mit dem seltenen Moebius Syndrom nicht auskennen! [...] Arzte bei der Arbeitsagentur sind unfähig!
Ehrlich gesagt glaube ich Ihnen das nicht, weil eine amtlich anerkannte Erwerbsminderung nicht von den jobcentern durchgeführt wird, sondern vom zuständigen Versorgungsamt. Die müssen auch keine Ahnung vom jeweiligen Krankheitsbild haben (geht auch schwer, bei der Vielzahl von Erkrankungen), sondern holen sich Stellungnahmen der behandelnden Ärzte ein.

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Hans_Suppengrün 31.08.2017, 13:46
25.

Zitat von GemachGemach
[...] Das Personal - vor allem die Fallmanager - wurden minimal ausgebildet und waren zu mehr als 50% Sozialarbeiter ohne jedwegliches berufskundliches Wissen. Das ist noch immer so. [...] [...] Ein Blick in die Vergangeheit zeigt blitzschnell auf, dass nur bestens ausgebildetes Personal (bitte keine Sozialarbeiter mehr!) und Geld denen hilft, die sich wirklich anstrengen wollen. [...]
Tja, so unterschiedlich können die Wahrnehmungen sein.

Ich sehe nämlich, dass es gerade die Sozialpädagogen sind, welche die multiplen Vermittlungshemmnisse akzeptieren und die keine Probleme haben, auch die unangenehmen Themen wie psychische Einschränkungen oder Schulden in die Beratung mit aufzunehmen.

Alle anderen, und ganz besonders die "Verwaltungs-Fuzzies" ducken sich vor solchen Themen weg und hoffen, dass sie (sowohl die Kunden, als auch deren Probleme) möglichst ohne großes Aufsehen einfach von selbst verschwinden. Statt dessen verbeißen sie sich in die Akten und verstecken sich so gut es geht hinter den Gesetzen, Hierarchien und der ungeklärten Verantwortung.

Aber wie auch immer. Sie haben natürlich recht, wenn sie besser geschultes Personal fordern. Einfach viel zu viele Mitarbeiter in den Job-Centern haben eine Heidenangst vor der Arbeit mit Menschen. Und das kann ja wohl nicht angehen...

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synthcunt 31.08.2017, 13:46
26. Robotik

Solange sich diese Gesellschafts- und Wirtschaftsform menschliche "Ausschussware" leistet, soll sie gefälligst auch dafür bezahlen. Menschliche Arbeitskraft wird in Zukunft immer weniger benötigt (Industrie 4.0). Es ist nicht genug gut bezahlte Arbeit für alle vorhanden. Für ein bedingungsloses Grundeinkommen - meinetwegen erwirtschaftet von Industrierobotern...

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lolz 31.08.2017, 13:46
27.

Bei einer Wahrscheinlichkeit von z.B. 1% an Schizophrenie zu erkranken, hätten wir bereits 800.000 potentiell Betroffene in Deutschland – vielleicht ein Drittel ist chronisch betroffen. Das große Problem ist doch, dass Menschen mit schwerwiegenden Krankheiten im Grunde per Gesetz zur Armut verdonnert sind, wenn sie nicht Vollzeit arbeiten können. Hier braucht es mehr Flexibilität, dass Menschen wie ich eben auch eine Chance haben, sich in die Gesellschaft einzubringen, sich vollwertig zu fühlen und gleichzeitig auch die professionelle Zahnreinigung leisten zu können. Leider sieht man psychische Erkrankungen Menschen oft nicht an, außer vielleicht bei einer sehr akuten Psychose. Sie denken vielleicht, oh, er hat Schizophrenie, sieht aber gepflegt aus, hat studiert etc..., aber aus welchen vielen Gründen ich z.B. manchmal nicht mehr leben möchte, werden Sie nie verstehen oder welche Dämonen in Stresssituationen (für mich gefühlt real) an meinem Hirn knabbern. Da helfen auch keine Neuroleptika bei chronischen Halluzinationen, verfestigten sozialen Traumata und der Bilderbuchkarriere mit Schulabbruch, Abendschule, Studium, und schlussendlich Zusammenbruch mit suizidalen Gedanken... ich knabbere seit über zwei Jahren an einer Psychose, die mich von einem stolzen Menschen zu einem gebrochenen Elend verwandelt hat, trotz Bestnoten und Stipendium während dem Studium. Ich bin seit einigen Wochen erst soweit, dass ich überhaupt die Wahnvorstellungen ertragen kann, die ich mir eingebildet habe (vermutlich..). Ich brauche noch immer Zeit (habe heute ca. 0,5 Liter geweint, weil ich so fertig bin, rausgehen ohne dieses Gefühl ist zur Zeit schwer, einfach fertig..), aber jetzt Ende September will das Amt wissen, ob man mich teilweise ans Sozialamt abschieben muss. Wenn ich nur einen Fehler mache, drohen mir Sanktionen. Hilft mir sehr, wieder die Selbtsischerheit und Kraft aufzubauen, die ich brauche, um meine Ängste zu besiegen. Wie andere über längere Zeit H4 bekommen, weiß ich nicht.
Ich glaube, der Großteil der Langzeitarbeitslosen ist psychisch krank, noch schlimmer als wie bei mir, und nicht fähig, mitzuhalten, selbst wenn sie es denn wollten. Das fängt schon bei der Erschöpfung aufgrund von Reizempfindlichkeit an und geht weiter mit den ganz normalen Problemen, die gesunde Menschen auch haben. Die Hinzuverdienstgrenze etwas anheben, für alle, die aus Krankheitsgründen, ob psychisch oder körperlich,nicht arbeiten können; vor allem, wenn jemand seit Jahren in Behandlung ist und für die Krankheit nichts kann. Statistisch gesehen kann es jeden treffen. Das wird in diesem Artikel verharmlost. Danke für's in Kenntnis nehmen... alle, die jetzt noch schnippisch hierauf reagieren, wünsche ich eine waschechte Psychose für vier Wochen samt Verlust von allem. Denken Sie dann an mich.

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peter-11 31.08.2017, 13:47
28. immer sind die anderen Schuld

Ich nehme hier ausdrücklich kranke und behinderte Menschen aus, aber sehr viele wollen auch einfach nicht. Kaum Eigeninitiative... für Weiterbildung in früheren Jahren kein Interesse ... aber wenn es dann plötzlich schief läuft, sind immer die Anderen Schuld. Wenn man nicht will, nützen die gutgemeinten Vorschläge in dem Beitrag auch nicht viel. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird sich in Deutschland auch deswegen nicht durchsetzen.

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hektor2 31.08.2017, 13:48
29. Woher

Zitat von sonnemond
Welcher Deutsche, der Familie hat und hohe Mieten zahlen muss, kann bei diesen Dumping-Löhnen noch konkurrieren. Zudem drängen Hunderttausende von Flüchtlingen auf den Arbeitsmarkt, für die der Mindestlohn nicht gilt.
Das ist ja interessant: Da kommen also "diese Flüchtlinge", sprechen meist kein Wort Deutsch, habe meist noch keine in D anerkannte Ausbildung und schnappen dann den deutschen Langzeitarbeitslosen die Arbeitsplätze weg! - Klingt für mich total logisch, vor allem wenn man bedenkt, dass die meisten Arbeitsplätze im Mittelstand und Handwerk zu finden sind, wo Sprachkenntnisse und Ausbildung überhaupt nicht wichtig sind. - Merken Sie noch was?

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