Forum: Wirtschaft
Leerstand bei Einfamilienhäusern: Alptraumhaus im Grünen
Christian Tröster

Alle reden vom Immobilienboom - aber gerade Einfamilienhäuser in der Provinz verlieren durch den demografischen Wandel eher an Wert. Es drohen Leerstand und Verfall. In Vierteln wie Cuxhaven-Altenwalde lässt sich heute schon besichtigen, was bald auch dem Rest der Republik droht.

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jejo 06.11.2012, 11:00
170.

Zitat von Skifahrer
Ein großes Problem, warum Leute lieber in ein Neubaugebiet ziehen, ist doch die Überreglementierung der alten Ortsgebiete durch den sogenannten Denkmalschutz. Obwohl es häufig wirtschaftlicher wäre, den Altbestand einfach abzureißen, wird dies den Besitzern durch oftmals überzogene Denkmalschutzauflagen erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Die Folge: Verfall der alten Wohnviertel und Bedarf an neu erschlossenem Bauland. Beim Denkmalschutz wäre weniger mehr.
Steile These. Nur dass das genaue Gegenteil eintritt - die Altbauinnenstädte können sich vor willigen Sanierern nicht retten, die Vorstadtödnis verliert jetzt auch Bewohner.

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dynamitharry 06.11.2012, 11:00
171. Sehe ich genauso

Die Lösung ist so einfach wie unpopulär: keine Neuerschliessung von Bauland, Rückbau der "entvölkerten" Wohngebiete, evtl. Anhebung der Grundsteuer zur Kompensation der anfallenden Kosten für den Rückbau. Im Gegenzug gibt es Beihilfen für Käufer von Altbestand-Immobilien.


Zitat von Iggy Rock
Durchaus, die Frage ist allerdings, warum Kommunen noch immer neue Baugebiete ausweisen, die durchaus gerne genutzt und bebaut werden. Ich lebe hier selber in einem Ort, wo das nicht stattfindet. Die Preise sind daher stabil, hier steht kein einziges Haus leer, die 50er bis 80er Jahre Bauten werden sogar erweitert, im Ortskern, teils Häuser die 150 Jahre und älter sind, .....

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anbue 06.11.2012, 11:01
172. Der Denkmalschutz

Zitat von Skifahrer
Ein großes Problem, warum Leute lieber in ein Neubaugebiet ziehen, ist doch die Überreglementierung der alten Ortsgebiete durch den sogenannten Denkmalschutz. Obwohl es häufig wirtschaftlicher wäre, den Altbestand einfach abzureißen, wird dies den Besitzern durch oftmals überzogene Denkmalschutzauflagen erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Die Folge: Verfall der alten Wohnviertel und Bedarf an neu erschlossenem Bauland. Beim Denkmalschutz wäre weniger mehr.
in den im Artikel beschriebenen Einfamilienhausgebieten dürfte sich sehr in Grenzen halten.

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westerwäller 06.11.2012, 11:02
173. Tausche sofort...

Einfamilienhaus mit ELW, Grundstück 1750qm, Wohnfläche 320qm, Balkon, Terrasse, 3 Bäder, 2 Arbeitszimmer, Billardzimmer, 3 Schlafräume, Esszimmer, Nebenräume

ebenerdig, Eichhörnchen und manchmal Rehe im Garten, Blick auf malerische Altstadt einer Provinzstadt und auf den Westerwald, 3 min bis zum Supermarkt etc.

gegen ETW in hessischer Großstadt ab 80qm

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JaguarCat 06.11.2012, 11:04
174. Dauerkrise

"Krise" klickt dut, das wissen Journalisten. Also wird sie fleißig herbeigeschrieben.

Beispiel Cuxhaven: Wenn es 2030 einen "Überhang von 2100 Einfamilienhäusern gibt", dann landen eben tatsächlich einige der Bauten aus den zitierten Boom-Jahren "1950 bis 1978" unter der Abrissbirne. Man bedenke, dass ein Haus von 1960 dann 70 Jahre alt ist und seine normale Nutzungsdauer erreicht hat. Entweder investiert man in eine Totalsanierung innen und außen, oder man reißt ab und baut neu. Das kostet beides am Ende auch etwa dasselbe.

Das klingt jetzt natürlich dramatisch, dass das 70 Jahre alte Haus nichts mehr wert ist. Andererseits hat der Eigentümer eben auch 70 Jahre lang Miete gespart, und im Gegenzug "nur" 30 Jahre lang Zins und Tilgung bezahlt (die anfangs sicher im Schnitt 50% höher liegen als die Vergleichsmiete, am Ende des 30-Jahres-Zeitraums aber meist bereits darunter). Selbst nach Abzug weiterer 10 Jahresmieten für die allernötigsten Investitionen (zweimal neue Heizung, viermal Renovation der Wohnräume, einmal Renovation von Küche und Bad, einmal Fassade etc. pp.) bleiben 30 gesparte Jahresmieten.

Schlimm ist es natürlich, wenn man die Immobilie als einzige Altersvorsorge hat, wenn, wie im Artikel tatsächlich zu recht angesprochen: "das eigene Haus [nicht mal] für die Finanzierung eines Zimmers im Seniorenheim reicht". Doch warum kommt es so weit? In vielen Fällen dürfte schuld sein, dass Ehepaare auch nach dem Auszug der Kinder in einem für sie dann eigentlich zu großen Haus weiter leben bleiben. Natürlich freut man sich, wenn zu Weihnachten alle wieder zu Besuch kommen und es dafür genug Platz gibt. Aber die anderen 360 Tage im Jahr stehen die Kinderzimmer leer, und kosten zusammen mit der wenig genutzten großen Küche und dem für zwei Personen überdimensionierten Wohnzimmer jedes Jahr mehr Geld: Heizung, Strom, Grundsteuer, Versicherung. Zugleich sinken die Einnahmen, spätestens mit Erreichen des Rentenalters, bei vielen schon früher.

Würde es zur Miete wohnen, würde das Rentnerehepaar sicher in eine kleinere und günstigere Wohnung umziehen. Aber das eigene Haus aufgeben? Niemals! Schließlich möchte man es an die Kinder vererben! Und so bleibt das Rentnerehepaar und später die einzelne Rentnerin alleine wohnen, in einem Haus, dass so teuer ist, dass nur noch die nötigsten Reparaturen ausgeführt werden. Weiterer Vermögensaufbau geht nicht.

Wer clever ist, übertragt das große Haus im Grünen schon viel früher an die eigenen Kinder, und baut oder kauft sich in weniger isolierter Lage (wo der Pflegedienst gut hin kommt, und wo der Nahverkehr in der Nähe hält) etwas kleineres, altersgerechtes.

Zusätzlich sollte man schon vor Baubeginn daran denken, dass ein Haus 70 Jahre oder mehr steht, und sich Lebenssituationen ändern werden. Soll das Haus groß sein, sollte man beispielsweise so bauen, dass es sich später teilen lässt: Eine behindertengerechte Wohnung im EG und das OG für eines der Kinder oder zur Untervermietung.


Jag

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goliat7 06.11.2012, 11:05
175. Grunde für Landflucht.

In vielen Dörfen sieht es mittlerweile so aus:
Fast kein ÖPNV
Nicht in Gehweite:
Arzt, Apotheke, Bäcker,Metzger, Post und was man sonst so braucht.
Wenn dann kein Auto da ist, aus welchen Gründen auch immer und die Familie nicht mehr vor Ort, siehts duster aus.
Das alles ist ein Grund, warum viele Leute (wieder) vom land in die Stadt wollen.
Idylle ist ja schön, aber man braucht auch eine gewisse Infrastruktur. Und das ist mehr als frisch geteerte Strassen.

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loncaros 06.11.2012, 11:05
176.

Zitat von mr1978
ja, genau wie das papierlose Büro, welches ganz Deutschland seit Jahren praktiziert
Der Spott ist völlig fehl am Platz. Papierlos ist in vielen Unternehmen schon angekommen, nur weil manche immer noch darauf bestehen, alles mit Papier zu erledigen heißt das noch lange nicht dass das Unsinn sei.

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Pavel Nowottny 06.11.2012, 11:07
177. Lieber so wie die Amis

Zitat von Sharoun
Es ist Schluß mit der Wegwerf-Mentalität; auch bei der Bausubstanz!
Nein, genau das finde ich völlig falsch. Die Amis machen es richtig: Bude preiswert hinstellen, abbezahlen, drin wohnen. Wenn irgendwann nach 30 oder 40 Jahren die Abrissbirne kommt... who cares?

Ein Haus, das 200 Jahre oder länger hält - wer soll das bezahlen?

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spiegelfechte 06.11.2012, 11:07
178. krzysiek: Ist es fur die alten Eigentumer nicht gunstiger, die Hauser billiger zu ver

Die Preisfindung liegt leider meistens nicht in der Hand des Erbauers sondern seiner Erben. Und die wollen Kohle machen, auf die schnelle.

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sagmalwasdazu 06.11.2012, 11:07
179. Leerstand bei Einfamilienhäusern:

Wen wunderts ?

Viele davon wurden in den 60er 70er Jahren von Menschen des Mittelstandes erbaut. Die Eigentümer sind mittlerweile in dem
Alter, in dem sie Pflege benötigen. Die eiinen zogen in Altersresidenzen,
sofern sie es finanziell und gesundheitlich konnten,- die anderen gleich ins Pflegeheim. Das angesparte Vermögen ist in solchen Fällen schnell aufgebraucht, sodaß dann die Immobilie nicht selten mit einer Hypothek belastet werden muß,- oder gleich veräußert.
Eine vererbung an die Kinder ist kaum mehr möglich.
Kollateralschäden der Pflegeversicherung!

Die Pflegeversicherung sorgt somit für eine entkapitalisierung im Alter.
In der Hauptsache trifft es den ehemaligen Mittelstand, der so wie es ihn gab immer rückläufiger wird.

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