Forum: Wirtschaft
Lehren der Finanzkrise: Legt die Bonus-Banker an die Kette

Der Crash der Finanzmärkte offenbart unfassbare Praktiken bei den Banken: Sie haben den Bezug zur Wirklichkeit verloren. Eine strengere, wirkungsvolle Aufsicht ist vonnöten - und die perversen Bonus-Systeme der Banken müssen nachhaltig reformiert werden.

Seite 1 von 9
Andreas Heil 18.03.2008, 12:05
1. Mischpeak und so

Zitat von sysop
Der Crash der Finanzmärkte offenbart unfassbare Praktiken bei den Banken: Sie haben den Bezug zur Wirklichkeit verloren. Eine strengere, wirkungsvolle Aufsicht ist vonnöten - und die perversen Bonus-Systeme der Banken müssen nachhaltig reformiert werden.
Sehr traurig der Artikel. Herr Kaden beschreibt als "unvorstellbar" die Normalität der letzten Jahre. Wenn einem der bekannteren Wirtschaftsjournalisten jegliches Verständnis für die realen Vorgänge abgeht, dann hat er seinen Beruf nicht weniger verfehlt, als die von ihm wortreich begeklagten.

Und - falls ihm auch das entagangen ist - laxe und dysfunktionale Aufsichtsstrukturen wurden als Standortvorteil gewertet. Steinbrück kann hier genauso seinen Hut nehmen, wie der halbgare Aufsichtrat mit SPD-Parteibuch der vom BMF in den Aufsichtrat der IKB entsandt wurde.

Und ansonsten empfehle ich, die veröffentlichte Bilanz der IKB zu lesen - auch da sind nicht sämtliche Hinweise auf die Nebengesellschaften getilgt worden, die ohnehin jeder Abteilungsleiter der Finanzbranche kannte.

Die Mischpoke aus Politik, Journalismus und Wirtschaft, die die demokratischen Strukturen dieses Landes schon lange und nachhaltig ausgehölt haben, gehören alle auf den Büßerstuhl.

Beitrag melden
kioto 18.03.2008, 12:06
2. Mich wunderts, dass sich nun alle wundern

Die wahre Dummheit liegt nicht bei den Banken und ihren Managern, sondern bei uns allen und besonders den Politikern, die so lange teilnahmslos zugesehen haben. Ein Herr Ackermann wurde noch vor einem Jahr dafür bewundert, dass er die Rendite der Deutschen Bank auf 30% treiben wollte. Nur zu gern vergessen Leute wie er und auch alle grossen und kleinen Anleger, das die angestrebten 10%, 20% und mehr ja irgendwo herkommen müssen. Banken sind nicht produktiv. Bei einem Wirtschaftswachtum von weltweit 3-7% kann auch nicht mehr verteilt werden. Was mehr verteilt wir, wird entweder irgendwo eggenommen (bei den kleinen Leuten zum Beispiel) oder ist nur Spielgeld.
Wer wie unsere Vordenker der Wirtschaft und Politik glaubte, das könne dauerhaft funktionern, glaubt auch an Kettenbriefe oder den Weihnachtsmann.
Nur ärgerlich, dass wir die Suppe nun auslöffeln müssen, selbst wenn wir dran krepieren.

Kioto

Beitrag melden
Wolf 18.03.2008, 12:08
3. Noch mehr Klartext erforderlich

Danke für diesen erhellenden Artikel. Jedoch, ich fürchte, es ist noch viel mehr Klartext erforderlich, um unsere Regierungsparteien zu den geforderten drastischen Maßnahmen zu bewegen: jawohl: knackt die Macht der Banken - es wird höchste Zeit!!!

Beitrag melden
m.specht 18.03.2008, 12:11
4. Realitätsverlust

Je weiter von der Realität entfernt,
umso brutaler von ihr eingeholt zu werden.

Beitrag melden
autonomos 18.03.2008, 12:15
5. Das Spiel der "freien" Marktkräfte an seiner Grenze?

"Ein bisschen Denken in Nachhaltigkeitskategorien…"

Warum ein bisschen?
Wie wäre es mal mit Nachhaltigkeit als Prinzip?

Beitrag melden
tomrobert 18.03.2008, 12:20
6. Die Politik ist schuld!!!!!

Das muß klar sein: von einem raffgierigen Banker in einem System das den Wert des Menschen nur daran misst , welchen Profit mit ihm erwirtschaftet werden kann, ist nichts anderes zu erwarten.
Das dem Grenzen gesetzt werden, dafür haben wir eigentlich Politiker die Gesetze schaffen und dem Schranken auferlegen.

Die Politik aber ist vorsetzlich unreif und deshalb korrupt!

Das stellt die Frage nach der sogenannten Elite.

Nach meinem Verständnis gibt es die eigentlich nicht.Führung aber ist noch am besten mit dem Kapitän eines Schiffes zu vergleichen. Der verteilt erst den Proviant bevor er selbst etwas nutzt, der bestimmt den Kurs auf den sich alle verlassen, und der geht als Letzter vom Schiff wenn es sinkt.
Was wir hier von der Politik erleben, dass ist gerade der umgekehrte Fall.
Wie soll eine solche Politik, die sich als Opfer dieser Wirtschaftsgier erweist, hier Regeln setzen?
Der Druck auf die Manager ist die Folge dieser Entmenschlichung unserer Gesellschaft durch seine Ökonomisierung bis in den letzten Winkel.
Der Berater mutiert zum Verlkäufer,zum Drücker.
Manager entliehen dem Druck durch Verträge die ihnen innerhalb kürzester Zeit einen riesen Bonus zugestehen.
Eigentlich nackte Angst vor dem Versagen, vor Vergleichen mit reicheren Leuten.UNREIFE UND LEBENSÄNGSTE!Wo ist hier die wirkliche Elite? Die Bespiele für die Jugend?Der Selbstlose dem Allgemeinwohl Verplichtete?
All das schreit wieder nach dem Diktator!

Beitrag melden
Frank Wagner 18.03.2008, 12:23
7. Verwundert über die Verwunderung

Also Herr Kaden kann unmöglich so naiv sein wie er in diesem Artikel tut.
Das in der Finanzwirtschaft gemauschelt und gelogen wird das sich die Balken biegen sollte inzwischen auch schon kleinsten Kleinkunden angekommen sein.

Und grundsätzliche Weisheiten wie "Wenn man ständig mehr Geld ausgibt als man einnimmt ist man irgendwann Pleite" müsste auch Herr Kaden noch kennen.

Beitrag melden
X.Y 18.03.2008, 12:25
8. O.k

[...]Was einem den Glauben an die Zunft der Banker raubt, ist der Umstand, dass die Gentlemen nonchalant alle Grundregeln des Bankgeschäfts außer Kraft gesetzt haben.
[...]

Mich würde es nicht wundern wenn diese Zunft inzwischen von einer Clientel, sagen wir unterwandert ist, deren Geschäfte längst nicht mehr Drogenhandel und das Rotlichtmilieu ist. Die Organisierte Kriminalität -bestens geschult- hat längst das Geldgewerbe erreicht und mischt munter mit Kreationen mit, deren Auswüchse die Weltwirtschaft nun erleben kann.

Beitrag melden
indosolar 18.03.2008, 12:29
9. nein! legt die Banker in Ketten!

bei allem Respekt fuer Sie Herr Kaden, das System ist oberfaul und Ihr Satz "Ein bisschen Denken in Nachhaltigkeitskategorien - das wäre doch mal eine ganz ungewöhnliche Innovation für Bankvorstände und ihre Mitarbeiter" reicht nicht aus. Wir haben hier ein System, dass den Vergleich mit der OK nicht zu scheuen braucht. Ein kleiner Beweis, wie sehr den Lenkern dieses System dies bewusst ist, laesst sich aus dem Vetriebssystem fuer Finanzprodukte ableiten. Als Hartz4er muss ich eigentlich jede Arbeit annehmen und bin mir auch wirklich nicht zu schade fuer ein Euro zu arbeiten. Bis heute habe ich aber immer alle Arbeitsaufforderungen fuer Finanzproduktvertreiber zu arbeiten verweigern koennen, mit der sachlichen Begruendung, dass diese Produkte nicht geeignet sind, den Wohlstand von Kunden zu mehren und mich niemand zwingen kann, eine unethische Arbeit auszufuehren! Trotz der Tatsache, dass ich auf Grund von Ausbildung und Kenntnis sehr wohl in der Lage waere, diesen gewerblichen Betrug auszufuehren hat dies noch nie zu rechtlichen Folgen der sonst und mit Recht sehr konsequenten Agentur fuer Arbeit gefuehrt. Da hilft nur sehr nachhaltig die Gesetze so zu aendern, dass Verantwortliche auch mal in Ketten, statt an die Kette gelegt werden.

Beitrag melden
Seite 1 von 9
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!