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Leitkultur-Debatte: Wir heimatlosen Gesellen
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"Heimat" als politische Kategorie: Sigmar Gabriel sorgt mit seinem SPIEGEL-Essay für Aufsehen - dabei greifen seine Ideen zu kurz. Drei Thesen zum Nachdenken.

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kydianta 25.12.2017, 13:52
90. Utopie?

Heimat ist (auch) wie der Lebensverlauf eines Menschen:

Man flüchtet vor der "Enge" der Heimat in die große, weite Welt.
Begleitet von jugendlichem Optimismus, von Plänen und Träumen.
Vor allem von dem unbewussten Drang, sich selbst zu entdecken.

Ob erfolgreich oder gescheitert,
kehrt man eines fernen Tages zu den Wurzeln zurück,
wo die Reise began.
Getrieben von der Sehnsucht, das gesuchte Ich doch zu finden.

Nur: die Heimat, die man hinterließ, ist nicht mehr da!
Statt dessen wartet hier der Wandel der Zeit
und die sprichwörtliche Entfremdung des Heimatlichen.

Sind es die Fremden gewesen, die die Entfremdung verursachten,
war es der unvermeidliche Wandel der Zeit,
die politischen Ideologen, die Globalisierung
oder die eigene Flucht vor der Heimat,
die die Heimat unterwanderten?
Vielleicht etwas von allem.

Was immer es gewesen sein mag,
Heimat bleibt ein schwer zu verteigendes, menschliches Bedürfnis,
was oft im Wandel der Zeit als Utopie zurückbleibt.

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Aberlour A ' Bunadh 25.12.2017, 19:28
91. Probleme mit der Globalisierung?

Zitat von dirk.resuehr
das ist schon seltsam, daß eine Partei mit dem Schlachtruf "Proletarier aller Länder, vereinigt Euch" solche Probleme mit der Gobalisierung hat. Irgendwas hat sie nicht verstanden, siehe G20 in HH.Klar daß sie Heimat auch nicht so recht versteht. Unter globalem Aspekt ist Heimat eher kein Ort, kein Land oder Staat, Nennen wir es Gefühl, nennen wir es Vernunft, die können überall wohnen. Die Sozialisten haben unzweifelhaft Verdienste, indem sie eine Marktmacht dem Diktat früherer Unternehmer entgegensetzten und Politiker fanden, die begriffen, daß "Arbeit"als Faktor auch abgesichert sein muß. Daran hat sich nichts geändert, nur den Arbeiter des 19. Jahrhunderts gibts so kaum noch: Dafür Angestellte und Beamte unterschiedlicher Grade. Fakt ist auch, der Staat und die Unternehmer müssen das bezahlen können und gleichzeitig global wettbewerbsfähig bleiben, nur Wohltaten bieten geht schief. Genau das hat die SPD jahrelang gemacht, wer das nicht mitmachte, wurde abgestraft. Das ist die Dauerkrise der Linken. Der globale Widerspruch und die Unfähigkeit, auch den Unternehmer als Partner zu begreiFen. Die SPD hat ein zweifaches Problem: 1. Den internationalen Widerspruch auflösen und 2. die betriebs-und volkswrtschaftlichen Zusammenhänge umzusetzen ohne die Protagonisten abzustrafen. Gerechtigkeit ist auch ein Gefühl. Basta!.
In einem Punkt gebe ich Ihnen recht: die Sozen waren seitens ihrer Geschichte eigentlich immer international ausgerichtet. Allerdings ist das mit der Globalisierung so eine Sache. Sie kann herrlich als Feigenblatt für dieses und jenes verwendet werden. Mit der "globalen Wettbewerbsfähigkeit" - auch so eine schöne Catch-All-Phrase, die einen von der Schwierigkeit dispensiert, sich mit wirklichen Wettbewerb zu beschäftigen, Unternehmenskonzentration zu beurteilen und zu messen, wettbewerbspolitische Leitbilder durchzusetzen etc. - verhält es sich ähnlich. Globalisierung ist ein schönes Wort. Aber tatsächlich findet bis heute aber der größte Teil des internationalen Handels innerhalb von spezifischen Freihandelszonen statt. Das gilt für den nordamerikanischen Raum ebenso wie für Europa oder den asiatischen Raum. Wer also glaubt, dass durch "Globalisierung" keine nationalen Gestaltungsspielräume mehr existieren, ist schon auf die Schimäre oder den Sound des "globalen Sachzwangs" hereingefallen.

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