Forum: Wirtschaft
Leitkultur-Debatte: Wir heimatlosen Gesellen
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"Heimat" als politische Kategorie: Sigmar Gabriel sorgt mit seinem SPIEGEL-Essay für Aufsehen - dabei greifen seine Ideen zu kurz. Drei Thesen zum Nachdenken.

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dweik01 24.12.2017, 15:21
10. Die Thesen sind alle richtig, aber

sie haben meines Erachtens rein gar nichts mit der Debatte um Integrationsanforderungen oder einer kulturellen Identität zu tun. Der Artikel leitet völlig am Thema vorbei. Klar wäre Völlige Globalisierung nicht funktionsfähig, das hat aber nichts mit wandernden Arbeitskräften zu tun, sondern damit, daß jedes gesellschaftliche soziologische Aggregat auf der Ebene zu steuern ist, auf der man sich befindet. Eine völlige Globalisierung würde eine utopische "Weltregierung" erfordern. Heimat hat nichts mit Nationalstaat zu tun, siehe ExJugoslawien. Ob man Heimat verliert, wenn man sie abschrimt, halte ich für gewagt. Aber die Kernfrage was Heimat ist, wie sich gesellschaftlicher Zusammenhalt definiert, ob und wie kulturelle Wurzeln, Gepflogenheiten und vor allem Werte, und wenn ja welche, beitragen, bleibt völlig unterbelichtet!
Wir haben deswegen einen Nationalstaat, weil historisch eine sehr hohe Kohäsion zwischen den Werten, der Kultur unserer Bundesländer besteht, die dazu führte daß sich (auch historisch) diese Länder, Bevölkerungsgruppen unter einem Dach wiederfanden. Das gilt weltweit. Recht und Rechtsprechung verlieren ihre Gültigkeit, ohne Nationalstaat und Grenzen. Dann würden auch jegliche Werte die einen Zusammenhalt, eine Gemeinsamkeit zwischen Menschen definieren können, verloren gehen. Und jedes Rechtssystem, ja der Rechtsstaat basiert letztlich auf den kulturellen Wurzeln einer Gemeinschaft. Daß bei uns Meineid und Lüge bestraft wird, hat kuturelle Ursachen. In China gilt es als schick einen anderen mit einer Finte hinters licht zu führen. Hier weniger. Und daß wir Menschen nach einer Straftat nicht mehr umbringen, hat etwas mit Aufklärung und Humanismus zu tun, der anderen zuwandernden Kulturen fremd ist.
Menschen werden durch ihre Sozialisation maßgeblich geprägt, sie erlernen 20 Jahre lange das gleiche verhalten. Dieses verhalten geben sie nicht an der Grenze beim Wegwerfen ihres Passes ab. Das sind kenie schlechten Menschen, sie sind nur so wie sie sozialisiert sind! Und wer die Schwierigkeiten, die Dauer und Kosten sowie die Erfolgsrate von Psychotherapien kennt, kann ermessen wie schwierig es ist und wie gering die Erfolgsaussichten, daß Menschen die hierher kommen, auch mit guten Absichten, ihr Verhalten und ihre werte an die hiesigen anpassen. Deswegen ist die Verweigerung einer Debatte über kulturelle Identität, dier Unfähigkeit Werte zu identifizieren (Integrationsstaatsministerin Özoguz) und vor allem darüber, daß dem Recht auf Schutz und Versorgung auch eine Verpflichtung gegenüber steht, brandgefährlich! Deutschland, bzw die Naivität der Gutmenschen, schafft sich auch durch solche Beiträge ab.
PS.: Auch ein Multikulti Schmelztigel wie NewYork oder London haben eine Identität und Wurzeln, ist Heimat. Zwar weniger die des Humanismus der Aufklärung und christlichen Wurzeln als das Recht des gewaltfrei Besseren und des Durchsetzungsstärkeren, des immer wieder Aufstehens, der Glücksritter und vor allem der EIGENVERANTWORTLICHKEIT und der Haltung nicht auf Kosten der Allgemeinheit zu leben. das ist auch Identität.

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ayberger 24.12.2017, 15:25
11. Diese Weltenbürgerschwafler,

die in den Talkshows immer davon schwadfronierten, keine Hdeimat zu kennen und auch nich tzu benötigen, kaum traten in der Ferne wirtschaftliche oder gesundheitliche Probleme auf, waren sie schnell wieder in Old-GE, von diesen Tyxpen habe ich nie etwas gehalten und sie sollten dann, wenn es nicht mehr klappt, konsequent dann auch in ihrer so heiß geliebten Weltenferne bleiben...

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abrigal 24.12.2017, 15:25
12.

Mag sein dass sich Probleme nicht mehr im Nationalstaat loesen lassen
Jedoch muessen sich die Menschen jeden Tag neuen Problemen stellen, und loesen sie mit ihrer eigenen Leitkultur die von den Medien und manchen Pseudointerlektuellen gerade auch im Spiegel immer wieder geleugnet wurde .
Europa ist heute fuer uns alle ein Stueck Heimat geworden und unsere Gegenwart ist das Produkt aller Auseinandersetzungen im Guten wie im Boesen der vergangnenen Generatioen.
Auch der groesste Atheist traegt in sich einen christichen Wertekanon der von der Zeit der Aufklaerungung mit Freiheit Gleichheit Bruederlichkeit ergaenzt wurde und der es uns erlaubte die Religionen zu dominieren. Diese Aufklaerung welche im Islam so notwenidig waere, um die meisten islamischen Geselschaften welche von ihrer Religion dominiert werden zu befreien .
Jede Generation hat diesen Wertekanon bereichert , nicht zuletzt die 60 und 70 iger mit der Gleichberechtigung , der sexuellen Befreiung der Toleranz . All diese Werte koenen und muessen wir unseren neuen Mitbuergern als Leitkulur vermitteln aber auch klaare Abgrenzungen schaffen wenn diese Kultur von archaichen religioesem Brauchtum beschaedigt werden sollte.
Auch Weihnachten wird sich veraendern , vielleicht weniger kommerziell aber hoffentlich immer im Bewusstsein dass es eines unsere Hauptfeste ist, welches wir noch gemeinsam feiern koennen und uns in unseren Erinnerungen mit unserer Vergangenheit , mit unseren Ahnen und auch mit unserer Brauchtum und der Heimat verbindet

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syracusa 24.12.2017, 15:25
13.

Zitat von maturin001
Warum "Leitkultur"? Das ist kein definierbarer Begriff. Wir brauchen keine Kultur, nach der sich alle richten sollen, denn das ist willkürlich. Was für ein friedvolles Zusammenleben wichtig ist, sind Gesetze, zuzüglich eines grundsätzlichen gegeseiteigen Respektes. Eine "Leitkultur" gibt es nicht. Jeder, der dafür argumentiert, sollte genau beschreiben, was er damit meint und was genau die Konsequenzen sein sollen, wenn man die "Leitkultur" verletzt oder nicht beachtet. Ich bin sicher, bei so einer Diskussion finden wir uns alle schnell wieder auf dem Boden von Recht und Gesetz.
Nein, der Begriff der Leitkultur geht durchaus über die in Verfassung und Gesetzen betonierten Teile der Kultur hinaus. Wie halten Sie es sonst für denkbar, dass das, was 1950 problemlos als Recht und Gesetz und in Einklang mit allseits anerkannten Regeln von Sitte und Anstand verankert wurde, im Jahr 2000 als verfassungswidrig eingeordnet wird? Und das natürlich, ohne dass sich die Verfassung beispielsweise in Bezug auf das Recht des Auslebens der eigenen Sexualität geändert hat.

Unsere Leitkultur besteht in den Werten der Aufklärung, und da zuallerst im Kant'schen Imperativ. Diese Werte werden niemals vollständig erreicht werden, denn schon ihre Interpretation unterliegt einem sich ständig verändernden kulturellen Wandel. Unsere Verfassung ist zwar durchzogen vom Leitgedanken des Kant'schen Imperativs, aber er ist darin nicht ausdrücklich formuliert, und auch sonst findet er sich ausgerechnet nur im §1 der Straßenverkehrsordnung. Aber dass die Freiheit jedes einzelnen Menschen ihre Grenzen nur an den Rechten und Freiheiten der anderen hat, und dass diese selbst durch noch so großen Mehrheitswillen nicht willkürlich aufgehoben werden darf, halte ich für den Kern der Leitkultur, der ich folgen will, und von der ich will, dass auch der Staat ihr folgt.

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syracusa 24.12.2017, 15:37
14.

Zitat von rolli
Sie argumentieren hinterfotzig, denn nur wenn man genau nachliest kommt in den Punkten 1-3 Ihre neoliberale Heimat durch.
Mit "neoliberal" ist heute in der Regel keine liberale, sondern eine marktradikale Weltsicht gemeint. Wo bitte argumentiert Herr Müller marktradikal?

Marktradikaler Neoliberalismus steht in meiner Wahrnehmung dem Liberalismus diametral gegenüber, weil der zwingend zum Recht des Stärkeren mutiert. Um das besser zu trennen, und natürlich auch wegen meiner sozialen Ader, bezeichne ich mich lieber als "linksliberal", aber es kann nach meinem Empfinden keinen Liberalismus geben, der nicht linksliberal ist. In einem Staat, der das Höchstmaß an individueller Freiheit für möglichst alle Bürger realisieren will, muss der Staat zwingend Machtgefälle ausgleichen, die sich durch unterschiedliche wirtschaftlich, intellektuelle und andere Potentiale der Bürger ergeben.

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kritischer-spiegelleser 24.12.2017, 15:43
15. Was versucht man uns da schon wieder einzureden?

These 2: Wer seine Heimat abschirmt, der wird sie verlieren.
These 3: Heimat hat mit Staat wenig zu tun.
Abschotten ist die eine Seite, offene Grenzen aber die andere Seite. Es ist eine Frage der Quantität. Was verkraftet ein Volk? Was will es verkraften? Wann sieht es seine Eigenständigkeit gefährdet? Wann sieht es seine Heimat gefährdet? Und da kommt schon der Staat ins Spiel, der die Schutzmacht für den Bürger darstellen sollte. Und da sehe ich mich bei meinem Staat besser aufgehoben als bei Europa. Die haben noch nicht bewiesen dass sie den Bürger schützen und die Interessen der Bürger vertreten können oder wollen.

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Aixciter 24.12.2017, 15:48
16. Mehr Emotion für das Wesentliche

Wenn ein Fußball-WM-Sommermärchen wie 2006 schlagartig etwas in diesem Land geändert hat, dann hat das wenig mit nüchterner Vernunft zu tun. Folglich müssen Heimat und Verbundenheit mit Emotionen zu tun haben, mit einem Gefühl für etwas, was zusammengehören möchte. Diesen Emotionen bedient sich der falsche Patriotismus mit seinen niederen Zielen, während das etablierte Establishment immer weiter an der neoliberalen, technokratischen Denke festhält. Wer an diesem Punkt anfängt, über sich nachzudenken, wer mal wieder mehr Kante zeigt, als aalglatt zu sein, der findet vielleicht einen emotional-gedanklichen Ansatz für das, was gerade passiert. Eine (Hoch)Kultur besteht nicht nur aus Wirtschaft und Gesetzen, sie besitzt auch Geist und Gefühl für das Wesentliche.

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undercover.agent 24.12.2017, 15:50
17. Dass der Nationalstaat nicht ...

... als Heimat taugt, ist natürlich gröbster Unsinn. Selbst Landesteile Deutschlands, wie beispielsweise Bayern, entfalten starke heimatlich-kulturelle Gefühle. Verwunderlich ist nur, dass Gabriel jetzt auf diese Gaul aufspringt. Aber offenbar ist den Sozen nichts fremd, um aus ihren 20-Prozent-Loch rauszukommen. Mit der von ihm angepeilten GroKo geht's trotz Dienstwagen und Ministerposten für die SPD allerdings weiter abwärts Richtung 12 Prozent. Und das ist für die angehende GroKo-Partei unter Merkel auch gut so.

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PriseSalz 24.12.2017, 15:53
18. "in Deutschland erstmals eine Rechtspartei in den Bundestag gekommen"

Es wird heute keine Gelegenheit ausgelassen auf die AfD zu schlagen. Nein, es ist nicht das erste Mal das eine "Rechtspartei" in den Bundestag gekommen ist. Vielmehr wurde Deutschland jahrzehntelang von Rechtsparteien regiert. Stichwort 'In Deutschland darf es rechts der Union keine legitime Partei geben'. Schaue man sich nur mal Programme und Politik der CDU/CSU aus diesen Zeiten an.

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Attila2009 24.12.2017, 15:55
19.

Zitat von Actionscript
wenn man wie ich lange Zeit im Ausland lebt und arbeitet. Herr Mueller hat da schon richtig angesetzt. Heimat heisst nicht, irgendwelche Fahnen zu schwingen, rückständige patriotische Reden zu halten oder alle Ausländer dahin zu wünschen, wo sie herkommen. Heimat bedeutet viel mehr, Erinnerungen aufzuarbeiten, die niemals verschwinden, da sie tief im Hinterkopf sitzen. Heimat hat auch mit Sprache zu tun, dass man gerne die Sprache spricht und hört, mit der man aufgewachsen ist. Daher kann ich auch viele Migranten verstehen, die sich gerne in ihrer Muttersprache unterhalten, wenn sie unter sich sind. Wer als Deutscher von den Migranten anderes verlangt, hat von Heimat keine Ahnung. Heimat hat natürlich mit Essenkultur zu tun. Und wenn es zum Ende des Lebens geht, so möchte man als Deutscher als letzte Mahlzeit vielleicht eine Currywurst mit Pommes und Mayo essen.
Ich verstehe diese Migranten in gewisser Weise auch und auch deutsche Auswanderer haben ihre angeschirmten Kolonien im Ausland gegründet.
Aber diese Migranten heute versuchen sich einen Teil ihrer Heimat den sie zurück gelassen haben, hier wieder auzubauen ,aber mit allen den hiesigen Annehmlichkeiten.
Damit kollidieren sie aber mit der hiesigen Gesellschaft die diese neue Heimat bzw Paralellgesellschaften nicht akzeptiert denn es gibt keine zwei "Heimaten " nebeneinander.

Die Menschen hier im Erzgebirge etwa denken nicht philosopisch wie hier im Forum sondern allen mit den Bauch und dem Auge.Schon optisch und kulturell wird ein Muslim fremd sein und auch bleiben.
Und keiner wird die Menschen "umerziehen versuchen oder als inhuma beschimpfen , das führt genau zu heftigen und eigentlich irrationalen Gegenbewegungen wie das Aufkommen der Afd.

Es ist auch Tatsache dass vor allem isolierte Bergvölker wie Schweizer,Tiroler,Österreicher ein besonderes Heimatgefühl entwickeln.

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