Forum: Wirtschaft
Leitkultur-Debatte: Wir heimatlosen Gesellen
SUKI/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

"Heimat" als politische Kategorie: Sigmar Gabriel sorgt mit seinem SPIEGEL-Essay für Aufsehen - dabei greifen seine Ideen zu kurz. Drei Thesen zum Nachdenken.

Seite 3 von 10
zudummzumzum 24.12.2017, 15:58
20. Yupp!

Zitat von Actionscript
(...)Und wenn es zum Ende des Lebens geht, so möchte man als Deutscher als letzte Mahlzeit vielleicht eine Currywurst mit Pommes und Mayo essen.
Gehe ich mit - im vollen Bewusstsein, dass weder Curry, noch die Kartoffeln ihre Heimat in Europa haben und dass das Frittieren und die weiße Sauße französische Zubereitungen sind. Also - wenn an Currywurst etwas "deutsch" sein soll, dann die Art und Weise, wie wir die Internationalität mischen.

Aber genau darum geht es ja auch Gabriel. Wir dürfen Begriffe wie Heimat nicht den völkischen Aschebewahrern überlassen, sondern müssen das Feuer weiter tragen. Heimat ist eben doch jeden morgen neu. Und so sollte es auch eine "Tradition der Veränderungskultur" geben. Und diese ist uns abhanden gekommen, seit wir nur noch auf Bürgerversicherung, Rentenniveau und -Eintrittsalter schauen. Das Bild einer tagtäglichen Mühsal des Lebens mit einem rettenden Ufer Rente ist keine Verlockung, keine positive Fantasie, mit der die Sozialdemokratie werben könnte.

Heimat ist die Antwort auf die Frage, wie wir die Globalisierung managen - nicht verweigern. Heimat ist Currywurst mit Pommes ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wolf_xl 24.12.2017, 15:58
21. Heimat und Nation sind verschiedene Stiefel...

Heimat ist für mich das, was im Umkreis von vielleicht 50km um meinen Geburtsort liegt - wo die Menschen durch die gleiche Landschaft stark geprägt werden. Bei mir liegt daher fast die Hälfte meiner Heimat in Frankreich. Ich hab' kein Problem damit - ich fühl' mich auf beiden Seiten der zum Glück nicht mehr vorhandenen Grenze wohl... Jedenfalls verbindet mich mit meinen französischen Nachbarn aus dem Pays de Bitche viel mehr, als mit dem deutschen Fischer auf Rügen...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
moritz27 24.12.2017, 16:03
22. Der bose, bose,

Nationalstaat schafft eine Sozialgestzgebung für seine Bürger, die weit über dem Weltstandard liegt und wirkt dadurch anziehend wie ein Magnet. Zuwanderung? Gerne, aber nach klaren Kriterien, wie es jeder Staat mit vernunftbegabten Politikern regelt. Einfach aus "humanitären Gründen" so mal die Grenzen öffnen um sich dann zu Wundern? Wer seine Heimat abschirmt ... ? Fragen Sie doch mal die Indianer oder die Ureinwohner Australiens, wie ihre Erfahrungen waren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
syracusa 24.12.2017, 16:04
23.

Zitat von undercover.agent
Dass der Nationalstaat nicht ...... als Heimat taugt, ist natürlich gröbster Unsinn.
Ach ja? Dann erläutern Sie doch mal genauer, warum ein Bürger aus Passau einen Bürger aus Linz eher seiner eigenen Heimat zurechnet als einen Bürger aus Wolgast, obwohl er mit dem einen eher die Heimat, mit dem anderen aber nur den Nationalsstaat teilt?

Heimat und Nationalstaat haben absolut gar nichts miteinander zu tun, sobald der Nationalstaat größer ist als das enge Umfeld der Heimat. Und Nationalstaaten von der Größe deutscher Regierungsbezirke werden wohl auch Sie nicht besonders sinnvoll halten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
horchposten 24.12.2017, 16:16
24. Innere Heimat

Klingt ja alles gut, nur trifft es nicht den Kern des Heimatproblems.
Viele Menschen haben ihre "innere Heimat" verloren und es werden derer immer mehr. Wer sich seiner Werte oder auch seines Glaubens, seiner Zukunft, seiner sozialen Einbindung gewiss ist, hat Heimat. Wer das Problem verstehen möchte, lese zum Beseispiel Juli Zehs neuen Roman "Leere Herzen".
Diese innere Leere wird auch durch Heimattümelei nicht ausgefüllt.
Frohe Weihnachten

Beitrag melden Antworten / Zitieren
egoneiermann 24.12.2017, 16:18
25.

Zitat von kritischer-spiegelleser
These 2: Wer seine Heimat abschirmt, der wird sie verlieren. These 3: Heimat hat mit Staat wenig zu tun. Abschotten ist die eine Seite, offene Grenzen aber die andere Seite. Es ist eine Frage der Quantität. Was verkraftet ein Volk? Was will es verkraften? Wann sieht es seine Eigenständigkeit gefährdet? Wann sieht es seine Heimat gefährdet? Und da kommt schon der Staat ins Spiel, der die Schutzmacht für den Bürger darstellen sollte. Und da sehe ich mich bei meinem Staat besser aufgehoben als bei Europa. Die haben noch nicht bewiesen dass sie den Bürger schützen und die Interessen der Bürger vertreten können oder wollen.
Wer gleich mit "dem Volk" argumentiert, der ist nicht auf der Suche nach seiner persönliche Heimat, sondern sieht das als politischen Kampfbegriff an, mit dem versucht werden soll, die Gesellschaft nach rechts zu drücken. Ich kann mich noch gut an die 80er Jahre erinnern, wo keine Heimat auch ein Begriff in großen Teilen der Jugend war, weil man mit den Werten, Moral und auch der Umgangsweise einer Gesellschaft, die von Typen wie Kohl geprägt wurden, nichts anfangen konnte. Man nannte das No-Future, weil man lieber keine Zukunft hatte, als sich in diese Gesellschaft integrieren zu wollen. Die Konsequenz war nach einer Alternative zu suchen und letztlich haben dieses Alternativen die Gesellschaft so stark verändert, dass nun die meisten Menschen in Deutschland, diese offene Gesellschaft als Teil ihrer Heitmat sehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
matthias089 24.12.2017, 16:18
26. Das Heim - Die Heimat

Heimat ist ein räumlicher Begriff es ist der Ort des Heimes, das Zuhause. Dabei gibt es verschiedene Maßstäbe, vom Zimmer, zum Haus, zur Wohnung, zur Strasse, die Nachbarschaft, zur Stadt, zur Region. Aber was sind uns diese Orte heute noch Wert? Die Strasse ist kein Aufenthaltsort mehr, sondern muss leisten. Man wohnt und arbeitet, dazwischen pendelt man. Die Nachbarschaft ist tot. Die Stadt, der Ort ist tot. Plätze sind Parkplätze, Parks, Bibliotheken, Schwimmbäder, Schulen verkommen oder wurden geschlossen. Das Mietshaus kann lustloser nicht geplant werden. Fassaden werden nicht mehr gestaltet sondern entstehen. Eingekauft wird nicht im Ortszentrum sondern im Shoppingcenter an der Umgehungsstrasse. Juhu, wie geht es uns doch gut.
Deutschland hat 72 Jahre lang alles unternommen um sich zu zerstören. Ein paar sind damit reich geworden und abgehauen und was übrig geblieben ist verkriecht sich in seinem Zimmer und sucht den Schuldigen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
KingTut 24.12.2017, 16:21
27. Erfolgsmodell

Warum soll es schlecht sein, wenn wir uns für unsere Sprache und Kultur im eigenen Land einsetzen? Die Katalanen sind es auch und die werden nicht mal als rechts, sondern als links eingestuft. Kann mir das jemand erklären?

Im Übrigen: unsere Kultur hat uns wirtschaftliche und politische Stabilität beschert, wovon auch jene profitieren, die zu uns kommen. Soll sich unsere Kultur jetzt den Gegebenheiten in Pakistan, Afghanistan oder Somalia anpassen oder ist es für alle nicht besser, das Erfolgsmodell zu bewahren. Damit würde man bei mir, wenn ich Zuwanderer wäre, offene Türen einrennen. Ich bin sicher, die meisten sehen das genau so. Ich hoffe, so mancher linke Romantiker wird endlich mal nachdenklich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
780 24.12.2017, 16:22
28.

Ich halte Gabriels Äußerungen für einen Rückschritt, verständlich, warum er meint, zurückrudern zu müssen, aber es bringt uns nicht weiter.
Richtig ist, dass wir ein Wir-Gefühl benötigen, und das allerdings ist offensichtlich nicht in unseren Köpfen, obwohl es längst dort angekommen sein sollte.
Wir, diese Erdenbewohner, die keine Alternative haben und nicht einfach die Erde verlassen können.
Wir, die nur funktionieren, wenn es ein wirkliches Wir, von Arm und Reich gibt und niemand ausgeschlossen ist.
Wir, die wir immer noch ein bißchen frei sind und, hoffentlich, diese Freiheit erhalten wollen.

Wenn ich mir die Äußerungen der AfD und vieler Rechtsradikalen anhöre, habe ich nicht das Gefühl,. dass d i e s e s Deutschland meine Heimat ist.

Heimatliche Gefühle habe ich höchstens gegenüber einigen Denkern und Künstlern, die doch die eigentliche Kultur ausmachen, allerdings einen Nationalsozialismus auch nicht verhindern konnten.

Also die heimatliche Scholle sollte endlich überholt werden von einem Wir-Gefühl, das von Vernunft und Einfühlungsvermögen geprägt ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
etischler 24.12.2017, 16:26
29. Freuet euch...

denn noch könnt ihr von Heimat reden. Wer aber jahrelang im Ausland war und jetzt nach Deutschland zurückkehrt, der erkennt seine Heimat womöglich nicht wieder. Wenn er dann noch Kinder im Schulalter hat und sie einschulen will, wird er feststellen, daß von 24 Schülern nur noch 4 oder 5 davon deutsch sind. Der wird sich überlegen, ob er nicht lieber eine andere Schule wählt, wo man hauptsächlich Deutsch spricht und der Lernerfolg nicht durch Sprachbarrieren verhindert wird. Er wird sich auch wundern, warum die Polizisten mit umgehängter Maschinenpistole herumlaufen und viel zahlreicher zu sehen sind als früher. Betonpoller vor den Weihnachtsmärkten gab es auch nie. Was soll ein Rückkehrer aus der Fremde noch als Deutsch erkennen, wenn er durch die Innenstädte geht und das babylonische Sprachenwirrwar vernimmt? Und was wird erst in 30, 50 Jahren sein, wenn man die Geburtenrate der verschiedenen Bevölkerungsschichten mit einkalkuliert? Ich bin absolut sicher, daß dereinst die Geschichtsschreiber die heutige Zeit als Anfang vom Untergang Deutschlands und Europas, wie es seit Jahrhunderten bestand, beschreiben werden. Und Merkel wird für immer mit diesen Vorgängen in Verbindung stehen. Man hat nichts, absolut nichts aus der Geschichte gelernt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 10