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Macron streicht Vermögenssteuer: Die Reichen zuerst
REUTERS

Präsident Emmanuel Macron will die Vermögensteuer abschaffen, um heimische Investoren in Frankreich zu halten: ein strittiges Vorhaben, von dem vor allem Top-Verdiener im Land profitieren.

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Europa! 17.10.2017, 15:18
30. Die Beschützer der Armen sind schlimmer

Das ist ja das Problem: Die Armen haben so viele "Beschützer", dass es ihnen nie besser gehen wird. Wer keine Verantwortung für sein Leben, seine Gesundheit, seine Ausbildung, seine Arbeit, seine Wohnung und seine Familie übernehmen darf, kommt nie auf einen grünen Zweig. Die Linken (jeglicher Partei) wollen die Menschen bevormunden und gängeln: Arbeitnehmer, Mieter, Versicherungsnehmer, Sozialhilfeempfänger sind ihre liebste Klientel. Leute, die selbst etwas machen (speziell Unternehmer) sind ihnen verhasst und müssen mit allen Mitteln schikaniert und geschurigelt werden.

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pom_muc 17.10.2017, 15:19
31.

Zitat von licorne
Immobilien heißen so, weil sie unbeweglich sind. Man kann sie nicht ins Ausland mitnehmen oder verstecken. Die lassen sich am einfachsten besteuern.
Und genau das wird auch in D kommen. Man wird angesichts leerer Sozialkassen und gewaltigen Pensionsverpflichtungen schauen was sich einfach besteuern lässt.

Und dann die 2013 von den Grünen damals vorgeschlagene Grundsteuererhöhung von gestaffelt 1-2% einführen.
Vermutlich hat das nicht jeder der sich heute die 120qm-Wohnung in München für 1 Million Euro zulegt auf dem Radar. Aber diese verdeckte Form einer Vermögenssteuer bei der auch ausländische Immobilieninvestoren ihren Beitrag leisten müssen lässt sich mit einem geringen Freibetrag am leichtesten durch das Parlament bringen.

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akkronym 17.10.2017, 15:22
32. Neue Wähler für den FN

Macron hat mit diesem Entscheid dem Front National dauerhaft eine neue Wählerschaft erschlossen. Denn, der fabulierte trickle -down-Effekt ist eben eine Fabel. In der Realität hat es nirgendwo einen solchen Effekt jemals gegeben, der dann der Gesamtbevölkerung zu Gute kam.

Macron bereitet einem weiteren Rutsch nach rechts in Frankreich und damit dem erwähnten FN fabelhaft den Boden.

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MatthiasPetersbach 17.10.2017, 15:23
33.

Zitat von auweia
Trickle down hin - Gerechtigkeit her - die Leute sollen zu Lebzeiten doch bitteschön so viel ansammeln wie Sie können - wenn's Spaß macht. Sie zahlen ja bereits Einkommenssteuer. Nur müßte mit dem Ableben eine ernstzunehmende Erbschaftssteuer zugreifen und mindestens 50 % des angesammelten Vermögens (Aus verwaltungstechnischen Gründen meinetwegen mit Schutz für die ersten 100.000 Euro) dem Staatssäckel zuführen.
Nun, das Eigentum in Familienbesitz bügelt viel aus und ist oft die Ursache, daß Leute nicht ganz abrutschen. Ob die Arbeitslosigkeit der Enkel, den Unfall des Onkels, die Tochter, die sich in den Kopf gesetzt hat, schlecht bezahlte Sozialarbeit zu verichten und und und......

Wenn flächendeckend für alle gleiche Löhne gezahlt werden würden, dann wäre das eventuell diskussionswürdig. Aber so?
Klar, man kann die Familie noch mehr torpedieren.
Aber wer seinen Eltern geholfen hat, ein Haus zu bauen, oder die pflegt oder oder oder, wird das mit dem Erben ein wenig anders sehen.

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anton_otto 17.10.2017, 15:24
34. Strafe für Sachwerte

Auffällig ist etwas anderes: Besteuert werden weiterhin Sachwerte - Immobilien, Antiquitäten, Edelmetalle etc. Finanzanlagen sind dagegen ausgenommen. Die Flucht in die Sachwerte aus der expansiven Geldpolitik der EZB wird also bestraft.
Aber mit der unsinnigen Neiddebatte wird dieser Aspekt vollkommen ausgeblendet.

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brittiwalker 17.10.2017, 15:26
35. Beispiel Kansas

Der US Staat Kansas ist ein Paradebeispiel. Steuern senken fuer Arbeitnehmer um Arbeitsplaetze zu schaffen. Spahrmassnahmen fuer den Rest. Nach ein paar Jahren mussten sorgar die Schulen fruehzeitig geschlossen werden, weil kein Geld mehr dafuer da war. Trickle down ist ein Witz!

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jungletiger9 17.10.2017, 15:27
36. Die Vorgängerregierung ...

... mit ihrer versuchten Reichenster von 75% des Einkommens war allerdings auch nicht die tolle Alternative.

Das Problem mit der derzeitigen Vermögensteuer ist m.E. vor allem, dass sie auf einer Rendite von 4% pro Jahr aufs ganze Jahr gesehen aufbaut und dann einen entsprechenden Anteil davon abschöpft. Das mag vor 15 Jahren noch realistisch gewesen sein, heute entspricht es aber quasi einer Abschöpfung der gesamten Rendite oder noch mehr, höhere Renditen brauchen meist Aktieninvestitionen und grosses Glück. Die Beibehaltung der unrealistischen Ansätze hätte daher eher ideologische Ansätze der Reduzierung von Vermögen (statt der Besteuerung des zu erwartenden Vermögenszuwachses).

Eine völlige Abschaffung ist in der Tat vielleicht ein Kind-mit-dem-Bade-Ausschütten (wird ja auch nicht völlig abgeschafft, sondern man versucht durch den Fokus auf Immobilien Lenkungseffekte zu schaffen. Ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt). Eine Anpassung an die Zinsentwicklung wäre hingegen sinnvoller.

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Celegorm 17.10.2017, 15:27
37.

Zitat von chardon
"Riche" (reich) ist schon beinahe ein Schimpfwort.
Und, was genau ist falsch daran? Zumal es angesichts der nach wie vor überaus hohen Dichte von Reichen und insbesondere auch vererbtem Reichtum in Frankreich ganz so schlimm um die vermögende Klasse nicht stehen kann..

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wauz 17.10.2017, 15:28
38. Ein antiquiertes Wahlrecht

Frankreich hat mit seinem Mehrheitswahlrecht zwar eine altehrwürdige, aber dafür auch deutlich überkommene Form des Wahlrechtes. Macron hat eine satte Mehrheit im Parlament, die er nach deutschem Wahlrecht nicht hätte. Das französische Wahlrecht ist, wie das britische, recht anfällig für die Verstärkung der Effekte manipulativer Wahlkampagnen.
Um es klar zu sagen: mit französischem Wahlrecht würde in Deutschland BILD bestimmen können, wer Kanzler wird. Das muss uns klar sein, wenn wir über europäische Integration reden. Das geht auch nur, wenn die optimalen Wahlrechts- und Sozialstandards eingehalten werden!

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muunoy 17.10.2017, 15:29
39. Probleme der Vermögensbesteuerung

Klasse, endlich wieder eine Neiddiskussion. Leider wird wieder einmal nicht auf die Probleme einer Vermögensbesteuerung und insbes. die Probleme Frankreichs eingegangen. Festzustellen ist, dass eine Besteuerung von Produktivvermögen (dazu gehören auch Aktien) immer problematisch ist, da liquide Mittel für illiquide Vermögenswerte an den Staat abzuführen sind. Hierunter leidet selbstverständlich die Effizienz. So muss ein französisches Unternehmen alleine wegen einer Vermögensbesteuerung schon mehr Gewinn abwerfen als ein vergleichbares deutsches Unternehmen. Im Extremfall müssen die illiquiden Vermögenswerte in liquide umgewandelt werden. Eine Besteuerung von Gewinnen erscheint da gerechter und vor allem auch einfacher. Soweit ich informiert bin, werden nicht-produktive Vermögen wie z. B. privat genutzte Immobilien auch nach der Reform von Macron weiter besteuert. Ach ja, auch an der Cote Azur (also z. B. in St. Tropez) habe ich fast keine Yacht unter französischer Flagge gesehen. Die sind doch fast alle auf Jersey registriert.
Ein Gerechtigkeitsproblem besteht zumeist auch in der Bewertung von Vermögen. Pensionszusagen müssten nun einmal auch als Vermögen gewertet werden. Bei einer Schwelle von 1,3 Mio. EUR wäre bei uns ja schon jeder Oberstudienrat mit abgezahltem Häuschen vermögenssteuerpflichtig. Daher wird in Deutschland so eine Steuer auch nicht mehr erhoben und auch nie mehr eingeführt werden. Auch unter Rot-Rot-Grün wird das nicht geschehen, da viele Politiker dann selbst betroffen wären.
Zu den spezifisch französischen Problemen: Ja, nach über 3 Jahren Projektarbeit in Frankreich kann ich bestätigen, dass die Neid-Kultur in Frankreich deutlich ausgeprägter als in Deutschland ist. Eine Folge davon ist ein ausgesprochen unterentwickeltes Unternehmertum in Frankreich. Es gibt dort kaum noch kleine und mittelständige Unternehmen. Das sind jedoch die Art von Unternehmen, die im deutschsprachigen Raum (also auch in der Schweiz und in Österreich) für den Wohlstand sorgen und das Groß der Arbeitsplätze schaffen. In Frankreich dominieren dagegen große Konzerne, die zu allem Überfluss zu großen Teilen auch noch dem Staat gehören. Solche Unternehmen zahlen im Gegensatz z. B. zu innhabergeführten Unternehmen keine oder nur wenig Steuern und schaffen kaum zusätzliche Arbeitsplätze im Inland. Macron hat diese Schieflage offensichtlich erkannt. Und nein, Macron ist nicht links oder rechts. Er scheint einfach ein ökonomisch gebildeter Pragmatiker zu sein. So jemanden könnten wir an der Spitze Deutschlands auch mal gebrauchen.

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