Forum: Wirtschaft
Marode Staatsfinanzen: Deutschland verfällt dem Schuldenrausch

Mehr Geld, mehr Aufschwung, mehr Schulden - im Kampf gegen die Krise steuern Bundesregierung und Banken einen gefährlichen Kurs: Den Staatsfinanzen droht eine jahrelange Misere. Der Wachstumskult hat die ganze Gesellschaft erfasst, ein Neuanfang ist dringend nötig, schreibt Wolfgang Kaden.

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dr_tone 19.11.2009, 20:59
50. Kapitalismus ohne Wachstum = Abschaffung von Krediten

Ach, und dies noch: Das Problem der Konkurrenz. Wer nicht wächst, bekommt eben keine Kredite. Wer keine Kredite bekommt und nicht wächst, wird von denen überflügelt, die wachsen, von der Konkurrenz eben. Man kann sich nicht auf einem Level einrichten und dort verharren. Der Kapitalismus lebt von der zeitlichen und räumlichen Ungleichverteilung der wertschöpfenden Prozesse. Und auf diese Ungleichverteilung kann man sich verlassen, solange es keine international gültigen Regulatorien gibt. Was Herr Kaden will, das ist Kapitalismus ohne Wachstum. Nun, dann gäbe es auch keine Kredite mehr. Denn, wie gesagt, woher sollte der Zins kommen, wenn nicht aus Wachstum? Und einen Kapitalismus ohne Kredite, den hats bislang meines Wissens noch nicht gegeben. Prove me wrong!

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timwit 19.11.2009, 21:01
51. ...

[/QUOTE]
Und das Geld der Bürger hernehmen sollen, um die soziale Härte abzufedern.
Dann hätten die Leute wenigstens gewußt, auf welchem Dampfer wir eigentlich fahren.
[/QUOTE]

Was für ein Staat ist es, der seine Bürger beraubt?
Ist diese Debatte, die mal eben so die gesamte Wirtschaft unserer Welt umfasst, denn überhaupt zu führen. Keiner der Beteiligten weiß annähernd etwas über die globale Komplexität des Problems.
Und wer fordert, man solle die Wirtschaft nicht unterstützen, da man das Geld lieber Arbeitslosen geben kann, hat vergessen, wo es ursprünglich herkommt.
In Anbetracht der alternden Gesellschaft ist übrigens ein Sozialstaat, wie er heute existiert, auch bei höheren Steuersätzen für die letzten Arbeitswilligen, nicht mehr möglich. Darüber besteht Diskussionsbedarf!

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gerd klünder 19.11.2009, 21:11
52. Dies ist ein Test

Der Artikel ist so offensichtlich bescheuert, dass es sich eigentlich nur um einen Test handeln kann. Ich habe die Beiträge mit großem Interesse zur Kenntnis genommen, weil man daran abzählen kann, wieviele Leute, die Speigel-Online lesen, wissen, was wirklich läuft und wieviele die Propagandamärchen der Medien glauben. Das Ergebnis gibt Anlass zur Hoffnung.

Wir sind von der Regierung. Wir wollen Ihnen helfen!

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Volker Gretz 19.11.2009, 21:16
53. Wachstum ist keine Kreditsicherheit

Zitat von dr_tone
Ach, und dies noch: Das Problem der Konkurrenz. Wer nicht wächst, bekommt eben keine Kredite. Wer keine Kredite bekommt und nicht wächst, wird von denen überflügelt, die wachsen, von der Konkurrenz eben.
Wieder so eine These, die durch die Medien geprügelt wird
:-)

Wer keine Sicherheiten hat, bekommt keine Kredite.
Und genau deshalb haben wir im Moment die "Kreditklemme".
Ungedeckte Kredite lassen sich nicht mehr an den nachstblöderen Manger verscherbeln, da gerade die Verbrechen durch die Medien auch dem dümmsten Bankvortsand vor Augen geführt wurden.

Und jetzt ist der "Schlamassel" da, das jahrelange Scheeballsystem "Wachstum", das von der Unterschicht in Politik und Wirtschaft jahrlang straffrei gespielt wurde, funktioniert nicht mehr.

Deshalb musste die Regierung ja gerade ein neues, größeres Spiel auflegen, um Zeit bis zur Währungsreform zu gewinnen.

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pssst... 19.11.2009, 21:21
54. Glaube und Ideologie

Zitat von sysop
Mehr Geld, mehr Aufschwung, mehr Schulden - im Kampf gegen die Krise steuern Bundesregierung und Banken einen gefährlichen Kurs: Den Staatsfinanzen droht eine jahrelange Misere. Der Wachstumskult hat die ganze Gesellschaft erfasst, ein Neuanfang ist dringend nötig, schreibt Wolfgang Kaden.
Bei einem Neuanfang fängt man oben an, jedenfalls nicht unten.
Dafür ist aber keine Politik in Sicht.

- ist nunmal nicht's mit Leistungsträgern und Eliten, ohne
Verhätschelung, Subventionen und laufend frisches Geld.
- welchen Wert hat schon Geld ? Die Gerinnung aus Geld sind
Sachwerte und Produkte, nicht aber Derivate und Speku-
lation.

Warum unternimmt man nichts gegen Spekulation ?
Warum ruiniert man die Kaufkraft ?

Der neoliberale Glaube "Wachstum dös isses" war noch nie
richtig, eben nur Glaube und Ideologie.

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Nooree 19.11.2009, 21:25
55. Wenn ich hier die depressiven Beiträge lese ...

Vielleicht haben einige doch ganz andere Probleme, als nur zu wenig Geld.

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Northernstar 19.11.2009, 21:25
56. Resource Based Economy

Zitat von Pim
Was soll an die Stelle des jetzigen Systems treten? Ich habe keine Ahnung, aber es wird Zeit, dass wir uns darüber ernsthaft Gedanken machen und diese austauschen (ohne gleich den Anderen mit der verbalen Keule "Sozialist" mundtot machen zu wollen [es gibt viele Farben Grau]), denn der Kapitalismus (zumindest in seiner heutigen Ausprägung) ist definitiv nicht der Weisheit letzter Schluss.
Wie wäre es mit einer auf Ressourcen basierenden Ökonomie (Resource Based Economy)? Der zweite Teil von Zeitgeist II hat hier interessante Ansätze. Einfach mal in einer ruhigen Minute reinschauen:

http://www.zeitgeistmovie.com/add_german.htm

Erfreulich finde ich, dass anscheinend immer mehr Leute die Unzulänglichkeiten unseres bestehenden Finanz- und Wirtschaftssystems erkennen und sich mit den 0815-Wachstums-Lösungen der vergangenen Jahrzehnte nicht mehr abspeisen lassen. Leider gibt es derzeit kaum eine Partei, die hier nennenswerte Alternativen aufzeigt. Schade. Aber warum ist das so?

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Kaffeepause_01 19.11.2009, 21:27
57. Zitate

Zitat von TheBear
Dass diese unbestreitbare Tatsache aber unserer Ossi-Physikerin nicht klar zu sein scheint, ist sehr bedauerlich. Man sollte ihr das Physik-Diplom (so sie wirklich eines hat) wieder aberkennen.
Nana, wer wird denn gleich in die Ossi-Kerbe hauen wollen? Aussderm ist unsere Kanzlerin immer noch Frau Dr. Merkel, und das sogar wenn man sie nicht mag.

Zitat von Robinson 54
Die Politiker sind doch arme Hansel des Großkapitals und dahinter stehen ganz wenige (kann man mit zwei Händen ab- zählen).
Bitte, zählen Sie mal. Würd mich interessieren wer dass sein soll.

Zitat von mourloc
"Und die Regierungen hören nicht auf, mit massivem Defizitspending zu assistieren, aus Angst, ihren Bürgern Unangenehmes zumuten zu müssen." dies wird nicht für die bürger unternommen, sondern für einflussreiche lobbygruppen.
Also krankt die aktuelle Situation an der Systemfrage. Leider darf man ja kein anderes politisches System als aktuelle Alternative für unsere Politik ansprechen ohne als Systemfeind geschasst zu werden.
Warum darf sich etwa ein moderner Staat nicht an betriebswirtschaftlichen Maßstäben messen lassen? Ist dass Beamtenrecht heute noch sinnvoll? Ist der Leistungsgedanke heute nicht so sehr verankert in der heutigen Gesellschaft, dass man ihn auch für das Amt fordern darf? Abläufe modernisieren, Kündigungsschutz hinterfragen (man spricht doch immer vom flexiblen Arbeitsmarkt), inhaltsorientierte Politik fernab von parteipolitischen Geschwurbel, dass ohnehin zuviel faule Kompromisse erzeugt.
Statt Parteien sollte es Projektigruppen geben, die sich vorbehaltlos für die Sache einsetzen, bespickt mit Menschen, mit eingängiger Erfahrung statt von Politikern, die zwar beraten werden, aber unter der Presse der Parteillinie einknicken.
Name des Systems: Projektokratie.

Zitat von Mighty Max
Ich nehme desweitern an, dass die Mehrheit der Bevoelkerung seit laengerm auf Politiker wartet, die eine solides Wirtschaftssystem aufbauen und betreiben wollen.
Steinbrück war doch schon da. Und wo ist er jetzt? Abgewählt vom Wähler. Schade an der Demokratie ist, insbesondere vor Wahlen, dass der Faktor "Sympathie" oder "Angepasstheit" vor "inhalticher" und "fachlicher Kompetenz" steht.

Zitat von PZWI
Es geht um die Feigheit. Ums Stillhalten. Ums Abschieben von Verantwortung. "Die Politiker werdens schon richten." Pustekuchen. Wie im Großen, so im Kleinen. Einfach mal nach Innen schauen. Was tue ICH denn, damit der Scheiß aufhört?
Was kann ich denn tun? Was tun Sie?

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system_kritiker 19.11.2009, 21:30
58. Eskalierende Systeme

Nicht die Banker sind schuld, nicht die Politiker, nicht der Bürger, nicht die Manager –

Schuld am Zusammenbruch unserer ganzen Systeme (Finanzsystem, Gesundheitssystem, Steuersystem, Sozialsystem etc.) ist das Unvermögen des menschlichen Geistes, komplexe Systeme zu verstehen, geschweige denn zu erschaffen.

Dazu ist nur die Natur im Stande, sie schaffte es seit Millionen von Jahren, unendlich viele Einflussfaktoren zu einem stabilen System aus zu balancieren.

Dem Menschen bleibt nur die stümperhafte Methode eines Kleinkindes, das Bauklötze solange stapelt, bis alles in sich zusammenfällt und dann irritiert ausruft: Ohhh, alles putt ....

Entweder wir erkennen unser Unvermögen und setzen alles daran, unsere Systeme klein und überschaubar zu halten oder wir schaffen weiterhin eskalierende Systeme, die uns irgendwann um die Ohren fliegen.

Es macht keinen Sinn, endlose Debatten darüber zu führen, wie man ein System stabilisieren, korrigieren oder optimieren kann, dessen Zusammenhänge ohnehin niemand mehr versteht.

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globalequity 19.11.2009, 21:33
59. Reagans Steuersenkungen waren wirksam!

Ich stimme Herrn Kaden in einigem zu. Wie die Kritik an der Geldmengenexplosion oder die Notwendigkeit zum Umdenken in unserer ausgeuferten Wohlfahrt. Die Schuldenmacherei muss aufhören. Allerdings finde ich es sehr schade wie oberflächlich er die Reagan-Politik abhandelt. Reagans Schulden bestanden einzig in der Finanzierung seiner massiven Aufrüstung. Auch unter Reagan gab es Steuermehreinnahmen, im Verhältnis sogar größer als später die Mehreinnahmen von Bush Senior infolge seiner Steuererhöhungen. Das ist die Laffer-Kurve par excellence. Reagan hatte stetes Wachstum, schuf 15 Millionen Arbeitsplätze - wenn Deutschland nur 1 Million neuer Jobs hätte, uns wäre viel geholfen. Er gab über 2 Billionen für Militär aus und hatte eine Neu-Verschuldung von ca. 1,7 Billionen. Den gleichen Effekt von radikalen Steuersenkungen oder von vornherein einem niedrigen Abgabenniveau kann man - grundsätzlich (Besonderheiten gibt es immer) - in allen Staaten beobachten, die es wagten (Chile, Neuseeland, Südkorea, Australien, Estland). Was findet man vor? Ausgeglichene Haushalte, Entschuldungskurs oder Schuldenfreiheit. (Von der Wirtschaftskrise kamen auch sie natürlich nicht ungeschoren davon.) Stattdessen stehen wir dumm und warten auf die Weltkonjunktur - wie seit Jahrzehnten. Wohin hat uns das gebracht?

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