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Massenkonsum: Der wahre Preis von Lebensmitteln
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Einen Euro mehr für jedes Stück Käse, mindestens 50 Cent mehr pro Packung Müsli: Das wäre fällig, würden Industrie und Kunden für die Schäden an der Natur herangezogen, die die Lebensmittelproduktion oft verursacht. Warum kostet das nichts?

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AHF84 02.04.2016, 10:55
20.

Zitat von Spiegelleserin57
und nicht jeden Tag Fleisch isst kann durchaus auch mit Biowaren leben. Auch ich kaufe viel Bio und verbrauche pro Woche wesentlich weniger als 100€. Übrigens hat die Tafel in HH Rezepte in einem Buch zusammengestellt die ein gut und billig sind. Die kann man gut auf Bio anwenden und einen kleinen Betrag für Bio mehr zahlen. Es müssen nicht Erdbeeren im Januar sein.
Nur sind 100 Euro pro Woche (pro Person?) für viele Menschen schlicht nicht zu stemmen. Nehmen sie ALG2-Empfänger. Die bekommen 404 € als Grundsicherung. Dieses Geld müssten sie verspeisen, wenn Sie ihrer Rechnung folgen. Dann bleiben 4 Euro für alles andere (Telefon, Internet, Kleidung, Medikamente,...).

Ich stimme Ihrem Ansatz zu, dass man sich saisonal ernähren sollte. Auch der Fleischkonsum ist in unserer Gesellschaft (und auch bei mir) zu hoch. Dennoch sollten wir unsere persönlichen Verhältnisse nicht auf alle anderen übertragen. Davon mal abgesehen: Für eine vierköpfige Familie wären dass rund 300 € pro Woche: 1200 € im Monat - nur für Nahrung. Bei den aktuellen Löhnen und Lohnentwicklungen ist das für viele nicht mehr zu machen.

Der eigentliche Skandal ist jedoch, dass Fleisch günstiger ist als mancher Salat. Erschwerend kommt hinzu, dass viele schlicht nicht mehr kochen können....

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schumbitrus 02.04.2016, 10:58
21. Müssen zur TCO-Berechnung nicht die ..

Müssen zur TCO-Berechnung nicht die kompletten Wertschöpfungsketten jedes Produktes in ihrer geografischen Auflösung sichtbar werden?

Erst wenn der normale Kunde sich über einen QR-Code darüber informieren kann, welche Komponenten in dem Endprodukt stecken und WO diese Komponenten hergestellt und assembliert wurden, ist doch so eine Kalkulation seriös durchführbar und kann zu einer validen Entscheidungsgrundlage werden.

Und auch wenn es nach Voodoo klingt: Jeder Hersteller hat die Daten für seine Prozesse jetzt schon vorliegen - es müsste die politische Forderung geben, diese Daten zu verknüpfen UND SO ZU VERÖFFENTLICHEN, DASS SIE ALS VERKEHRSDATEN AM PRODUKT KLEBEN! Andererseits müssen diese Daten dann natürlich auch statistisch auswertbar werden und damit Basis für kompetente volkswirtschaftliche Entscheidungen legen. Denn die Politik muss doch das Selbstverständnis besitzen, Produkte unattraktiv zu machen, die der Markt aufgrund der bewussten Ausblendung (Externalisierung) von Kosten zu Dumping-Preisen verschleudert - derweil Kosten auf die Krankenkassen, Müllhalden sonstige Gemeinschafts-Einrichtungen abgewälzt werden.

Das Internet ist kein Neuland - und statt allgegenwärtige Bespitzelung unserer Provatsphäre sollte es eine allgegenwärtige Transparenz darüber geben, was wie hergestellt wurde, ob ein Produkt seinen Preis wert ist und ob darin versteckte Kosten stecken, die der sozialen (Welt-)Gemeinschaft aufgezwungen werden.

Ein Wesentlicher Grund für unverschämte Profite von Unternehmen ist doch die Möglichkeit zur asozialen Marktwirtschaft: Das Internet bietet die Chancen diejenigen Produkte und ihre Hersteller zu identifizieren, die uns letztlich betrügen, indem sie uns Kosten durch Schäden verschweigen, die sie uns oder anderen Menschen am Ende aufzwingen. Ein besonders ekliges Beispiel hierfür ist natürlich auch die Atomkraft, die mit erst Subventionen gepeppelt wurde, dann über Jahrzehnte Strom zu wettbwerbsfernen Oligopol-Preisen unfassbare Gewinne hat sprudeln lassen, die sowohl Restrisiko und Atommüll und Bürgern aufgezwungen hat und die nun absehbar von den Bürgern zurück gebaut werden soll.

Wir brauchen bei allen Produkten viel mehr konsistente Informationen über Produkte, damit der Wettbewerb die unseriösen Produkte leichter erkennen und aus dem Markt werfen kann. Dann bekommen wir auch realistische Preise. Wir müssen das Neuland nur endlich für unsere Interessen nutzen - und uns mit Kinderkram à la Facebook nicht gleich schalten und für dumm verkaufen lassen!

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taglöhner 02.04.2016, 10:58
22.

Zitat von Spiegelleserin57
und nicht jeden Tag Fleisch isst kann durchaus auch mit Biowaren leben. Auch ich kaufe viel Bio und verbrauche pro Woche wesentlich weniger als 100€. Übrigens hat die Tafel in HH Rezepte in einem Buch zusammengestellt die ein gut und billig sind. Die kann man gut auf Bio anwenden und einen kleinen Betrag für Bio mehr zahlen. Es müssen nicht Erdbeeren im Januar sein.
Bio hat im Verhältnis zum Ertrag mit Abstand den höchsten Landschaftsverbrauch.

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gronzo.granato 02.04.2016, 10:59
23. Bio ist leider auch keine Antwort

Ein Nachbar von uns ist Biobauer. Er lebt von Fleischrindern. Die haben wunderbar Auslauf, toben auf schönen Wiesen herum. Was man auf den ersten Blick nicht mitbekommt: Der Besatz ist deutlich zu hoch. An vielen Stellen (wo es zum Wasser geht, an der Zufahrt oder an den Stellen, wo die Here den Hang quert) ist der Boden großflächig wegerodiert. Die Böden sind teilweise stark verdichtet, man bekommt den Finger keinen Millimeter in die Erde gebohrt. Auf einigen Flächen wächst mittlerweile nur noch Sauergras, ansonsten ist alles übersät mit Hahnenfuß und Sauerampfer.
Was es wirklich braucht ist ein System, in dem die Landwirte kontrolliert und für ihr Missmanagement bestraft werden. Z.B. Subventionen streichen.

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Europa! 02.04.2016, 11:00
24. Man muss auch quantifizieren

Zitat von 111ich111
Die Überschrift ist stochastisch so falsch, wie der Artikel sinnfrei ist. Das Gegenteil von "wahr" ist nämlich (in diesem Fall, in dem es "richtig" bedeuten soll), hier "unrichtig". Der "richtige" Preis ist also dann was? An WEN zu zahlen? An die "Natur" (die es, liebe Kinder, leider nicht gibt - es gibt nur ein Ökosystem)? Man kann einen "wahren" Preis gar nicht berechnen; das wäre so, wie wenn man die Kosten für das globale Wetter berechnen wollte. Leute, lasst es einfach bleiben, die - ohne zweifel vorhandene - Schädigung des Ökosystems in Zahlen fassen zu wollen. Abgesehen davon, dass 99% der Weltbevölkerung diese "mathematischen Modelle" eh nicht kapieren, ist es unmöglich, seriöse Zahlen zu liefern. Zeigt lieber die unbestrittenen Folgen in optischer Form (Bilder), denn das kapiert dann fast jeder.
Ja, die Bilder von ausgetrockneten Seen und unerträglich verschmutzter Luft sind sicher sehr wichtig. Aber die Wahrheit (es gibt sie durchaus!) ist immer relativ. Und dazu muss man vergleichen. Als international und praktisch anwendbarer Vergleichsmaßstab hat sich das Geld durchaus bewährt - wie sonst soll man die Leistung eines Bäckers mit dem Wert einer Flasche Wein vergleichen? Das Problem, besonders auch des marxistischen ökonomischen Ansatzes, bestand immer darin, dass die Natur (oder das Ökosystem, das die Menschen zu ihrem "Besitz" gemacht haben), zum größten Teil "außen vor" blieb. Natürliche Ressourcen gab es scheinbar zum Nulltarif. Das muss sich jetzt DRINGEND ändern. Ökologie und Ökonomie sind ein und dasselbe. Nur wer mit seinen Ressourcen sparsam umgeht, kann überleben. Verschwendung muss mit allen Mitteln bestraft werden.

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lalito 02.04.2016, 11:00
25. meinetwegen

Bei den Preisen für echtes Bio-Zeugs, also kba, fiele die Sache kaum ins Gewicht und wird bereits weitgehend berücksichtigt.

Und prima, nachdem man hundert Jahre lang mit Ressourcen- und Flächenverbrauch geaast hat, sollen nun Lenkungsmechanismen den Karren aus dem Sumpf ziehen mit denen man genau da reingerauscht ist.

Wen es bei solchen Plänen, wie immer übrigens bspw. EE, voll krass trifft ist ja wohl klar. Die Profiteure des Systems, die 10 Prozent mit der dicken Hälfte, die trifft's noch nicht mal promilletechnisch, so schaut's aus.

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adep 02.04.2016, 11:01
26. Halbwahrheiten

Also der Artikel enthält viele Halbwahrheiten. So trifft das mit den Wasserverbrauch nur für Regionen mit Wassermangel zu. Wenn dagegen in Allgäu keine Kühe mehr grasen würden wäre es bzgl. des Wassers kein Gewinn. Das gleiche gilt für Getreide etc. solange dort nur das natürliche Niederschlagswasser genutzt wird.
Was dem hohen Düngerverbrauch für Getreide in Deutschland betrifft, so ist dieser einfach auf das hohe Ertragsniveau zurückzuführen. Würden die entzogenen Nährstoffe nicht ersetzt so wäre das Raubbau am Boden. Gerade im Getreidebau stimmt die Düngezufuhr meist gut mit dem Entzug überein.
Gerade in Deutschland haben moderne Landwirtschaftmethoden die Umweltbelastung in den letzten 100 Jahren wesentlich reduziert (vgl. z.B. Bodenerosion, Humusabbau .....)
Übrigens, Landwirte erhalten für ein kg Frühkartoffeln keine 50 ct und für 1 kg Getreide etwa 1 ct. Soviel zu den aktuellen Preisverhältnissen.

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twisted_truth 02.04.2016, 11:01
27.

5 Schinkenwürstchen im Glas 1,09 €. Es wird schlimmer werden für die Armen auf dem Planeten. Wo die leben ist ja bekannt, Schwellenländer.

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hansulrich47 02.04.2016, 11:05
28. Falsche gedacht und argumentiert

Die Preise von Lebensmitteln sind so hoch, wie der Markt es erlaubt. Höhere Preis zum "Schutz der Resourcen" werden halt nicht bezahlt. Ganz abgesehen davon, dass in vielen Ländern die höheren Einkünfte nicht zur "Schonung der Natur" einesetzt würden, sondern für noch höheren Konsum. Brasilien ist ein gutes (schlechtes) Beispiel. Dort haben höhere Löhne die Nachfrage nach Steaks so angeschoben, dass die Preise für Rindfleisch heftig stiegen und zusätzliche Flächen zur Rinderweide gerodet wurden.
Ausserdem: Umweltschäden werden früher oder später doch von der Allgemeinheit über Steuern korrigiert. Siehe Endlossanierung des Bergbaus.

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gingermath 02.04.2016, 11:05
29.

Alte Kamellen, seit Jahren wird immer wieder angeprangert, dass der Wasserverbrauch der Güter immens ist (Produktion, Verarbeitung, Transport), doch handelt es sich nunmal um ein Ökosystem, Wasser wird an anderer Stelle wieder dem System hinzugefügt.
Anmerkung an die Redaktion: Oben wird beschrieben, dass nur Kosten durch Umweltschäden (die man real bewerten kann) miteinbezogen werden, an anderer Stelle wird der hohe Verbrauch von Wasser als Hauptanteil der zusätzlichen Kosten genannt. Auch wenn Wassermangel hohe Kosten erzeugt, so ist eine einheitliche Bewertung dessen unmöglich oder zumindest viel zu kompliziert, da er von den regionalen Begebenheiten abhängt, und nur bei extremen Zuständen (Hochwasser bzw. Dürre) Schäden verursacht.

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