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Medienbericht zu Crash-Flieger 737 Max: Boeing ließ Software in Indien programmieren
AP

Der Flugzeugbauer Boeing kommt nicht zur Ruhe: Laut dem Bericht einer US-Nachrichtenagentur hat der Konzern bei der Entwicklung des Problem-Jets 737 Max massiv ausgelagert, um Kosten zu sparen.

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Cumulus Granitus 01.07.2019, 23:22
60. Outsourcing

Das Problem lag doch wohl nicht an fehlerhafter Software sondern eher an einem fehlerhaftem Konzept. Ob man nun Outsourcing nach Indien gut findet oder schlecht aus welchen Gründen auch immer. Hier wurden eklatant die einfachsten Regeln der Sicherheit von Systemen verletzt. Man muss bei solch wichtigen System immer! von einem Ausfall einzelner Sensoren ausgehen und das Flugzeug (oder AKW ,,,) muss trotzdem noch funktionieren. Bei der Unterhaltungselektronik an Bord darf das anders aussehen. Letztendlich schadet das sparen am falschen Ende auch dem Unternehmen wie man sieht ...

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derkleene 01.07.2019, 23:22
61.

Zitat von thrust26
Meine beruflichen Erfahrungen sind 100% gegenteilig. Das Problem ist die Mentalität, welche der deutschen diametral entgegengesetzt ist. Wenn man nicht alles haarkleinst durchspezifiziert (womit man es oft gleich selbst machen könnte), dann ist das Ergebnis i.d.R. schlicht Müll. Das Hauptproblem ist, dass indische Entwickler kulturell so geprägt sind, dass wer Fragen stellt dumm ist. Also genau das Gegenteil von "Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten". Wenn also etwas unklar ist, dann wird nicht nachgefragt sondern wird schlicht geraten. Letzteres notgedrungen auch deshalb, weil i.d.R. kein Interesse an den fachlichen Hintergründen der Anforderungen besteht. Die Entwicklung von Standardsoftware kann man vielleicht gut offshoren. Aber Software, welche spezifische Ansprüche erfüllen soll, die wie bei Boeing auch noch höchste Sicherheit beinhalten, ist der Fehlschlag m.E. vorprogrammiert.
In meinem Beitrag habe ich die Abläufe ein bisschen stark vereinfacht dargestellt. Ich arbeite bei einen Ingenieurs-Dienstleiter für einen namhaften Sportwagenhersteller aus Stuttgart. Ich erlebe regelmäßig wie dessen Mutterkonzern (Ein pseudo--Prämium Automobilhersteller aus Wolfsburg) die kosten drücken lässt. Die Farbdrucker sind denen NOCH geblieben ;-). Wenn der interne Controller sagt, "wir sind an der Budget-Grenze, wir müssen sparen" werden Arbeits-Paket u.a. in low-cost/best-cost countries vergeben. Auch meine Firma vergibt intern in best-cost countries. Dann gibt es regelmäßig schöne Dienstreisen in diese Länder.
Die Validierung der Software läuft beim Hersteller/Kunden selbst. Und es werden regelmäßig Schleifen gedreht. Hat ein anderer Forist auch schon gut erklärt wie es abläuft. Bei Boeing wird es ähnlich sein. Wenn sie bei einem Mittelständler oder Familienbetrieb arbeiten haben die noch andere Ansprüche (zum Glück).
Wichtig sind die Kosten im hier und jetzt. Wie sich es auf die Marke auswirkt ist dem Vorstand vorerst egal. Die können nicht langfristig oder mittelfristig denken. Auch wenn man im Nachhinein merkt das es keine Gute Idee war. (Boeing musste einen ital. Carbon-Teile Zulieferer aufkaufen um noch größere Verzögerungen bei der 787 zu verhindern)
Indien hat hervorragende Arbeitskräfte. Wenn man wie im Fall Boeing seit mehreren Jahrzehnten zusammenarbeitet, weiß man wie man mit der Mentalität umgeht. Manche Firmen haben extra Zentren für Vorbereitung für den Auslandseinsatz (Sprache, Mentalität, Fettnäpfchen).

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TS_Alien 01.07.2019, 23:25
62.

Das Problem ist nicht das Outsourcing. Das Problem ist, dass niemand mehr den Durchblick hat über die Software bzw. Teile davon. Die Programmierer implementieren, was ihnen die Spezifikation vorgibt. Sie hinterfragen sie jedoch nicht. Es ist nicht ihre Aufgabe, dies zu tun. Das ist jedoch bei kritischen Softwareteilen ein fataler Fehler im Projektmanagement!

Bei kritischen Teilen einer Software sollte immer jemand den Durchblick haben. Spezifikationsfehler lassen sich beim Programmieren oder Testen nur dann erkennen, wenn man weiß, was die Software machen soll und warum sie das machen soll. Dem fähigen Programmierer kann ein Spezifikationsfehler auffallen, wenn er beim Programmieren mitdenkt.

Sollte die Software des Flugzeugs fehlerfrei implementiert worden sein, hat Boeing in der Spezifikation Fehler gemacht. Experten sollte das nicht passieren. Aber in der IT ist leider nicht jeder Experte.

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stefan211 01.07.2019, 23:26
63. Das kommt mir sehr bekannt vor

Unsere Firmenleitung ist auch der Meinung, dass man in Indien billige Arbeitskräfte bekommen kann. Was für ein dummer Irrtum. In wenigen Fällen hat man mal einen richtig guten Entwickler. Dem geht es dann aber nur darum die Firma im Lebenslauf zu haben und ist spätestens nach 6 Monaten wieder weg. Die die bleiben sind einfach nur unfähig. Die wirklich guten Inder arbeiten gleich bei uns am Standort in Deutschland und werden dementsprechend bezahlt. Aber die Kollegen an den billigen Standorten wie Indern, sind keine Unterstützung sondern kosten uns nur mehr Geld als sie uns sparen.

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peteftw 01.07.2019, 23:28
64. It Indien

Ich habe in 2 Firmen eine ähnliche Erfahrung miterlebt. In beiden Fällen ging es darum dass sich das Management entschieden hat ein businessrelevantes System in Indien umsetzen zu lassen. Beide Male ging es massiv in die Hose was die Untenehmen extrem zurückgeworfen und enorm Geld verbrannt hat. Die Ursachen wurden bereits geschildert: Die Coder oder Data Crumper haben null Ahnung vom Business und Kontext (kann man ihnen nicht vorwerfen) aber leider auch keine Fehler- und Feedbackkultur...

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Alm Öhi 01.07.2019, 23:32
65. Regelungstechnik

Wer im Elektrotechnik Studium aufgepasst hat kann diese Steuerung “Hardwired” entwickeln so dass bei Softwareausfall der Flieger in der Luft bleibt.
Aber leider sparen wir Kosten und bauen die Controller in die Software ein. Wenn der/die Rechner ausfallen dann fällt der Flieger vom Himmel.

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Mondmann 01.07.2019, 23:36
66. Was hat das mit der Bezahlung zu tun ?

Mit Sicherheit liegt das Problem nicht in der Hoehe der Bezahlung des Programmierers. Ob Inder oder Deutscher macht in der Qualitaet des Programms keinen Unterschied. Schlechte Arbeiter gibt es ueberall. Der Programmierer codiert nur die Vorgaben. Sind die falsch, ist das Ergebnis falsch. Ich gehe davon aus, dass die detaillierten Vorgaben aus den USA stammen und der Fehler dort gemacht wurde.

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silversurfer55 01.07.2019, 23:41
67. der skandal ist,

dass offensichtliches und mehrfaches Fehlverhalten welches bereits Menschenleben gekostet hat nicht sanktioniert wird, dann machen diese korrupten Verbrächer einfach weiter...man kommt ja damit durch

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b1979 01.07.2019, 23:51
68. Kosten sparen?

Ich bezweifle stark, dass es darum geht, Kosten zu sparen.

Ich habe schon bei zwei großen Arbeitgebern gearbeitet, die im großen Stil nach Indien ausgelagert haben.

Es geht mitnichten darum, Kosten zu sparen. Die Kosten nehmen sich aus vielerlei Gründen nicht viel. Die wirtschaftlichen Nachteile überwiegen eher. Es geht darum, dass es in Indien überhaupt noch ausreichend IT-Arbeitskräfte gibt. Es ist nicht so, dass hierzulande keine Leute gesucht werden. Es werden nicht bloß Anzeigen geschaltet - es werden Werbekampagnen gefahren, an Unis Klinken geputzt, Jobmessen abgehalten, Mitarbeiter bekommen teils 5000€ Prämie wenn sie jemanden anwerben, usw.... Aber wenn sich auf eine von hunderten vakanten Stellen mal jemand bewirbt, fordert er als frischer Uni-Absolvent 70-80k Einstiegsgehalt, bekommt täglich 5-10 Anfragen von Headhuntern und ist sofort wieder weg, nachdem er Monate lang eingearbeitet wurde und der nächste Arbeitgeber mit mehr Geld winkt.

In den USA ist es noch viel schwieriger.

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muekno 02.07.2019, 00:25
69. Das ist nur zum Teil korrekt

Zitat von derkleene
Sämtliche DAX-Konzerne lassen in Indien programmieren. Der Kunde, indem Fall Boeing, gibt vor wie sich die Software zu verhalten hat. Z.B. Unter Geschwindigkeit x und Anstellwinkel größer y muss der Steuercomputern Aktion z ausführen. Berufsbild Software Applikator. Und dieser sitzt bei Boeing (als Externer oder Festangestellter). Der Programmierer in Indien schreibt nur den entsprechenden Quellcode, nach den Vorgaben die er von Boeing bekommen hat. Das Auslagern der Programmierer hat nichts mit den Abstürzen zu tun. Sondern die Applikatoren (die einfach nur gute Ideen nicht gut durchdacht umgesetzt haben), Manager (die Kostendruck ausüben), schlecht/falsch/gar nicht ausgebildeten Piloten (US-Piloten konnten auf die Situation richtig reagieren) und die unterwandere Zulassungsbehörde. Das leider legale Ausbeuten von „Schwellenländer“ ist normal. Hauptsache die Marge und Dividende stimmt. Und es wird sich daran in nächster Zeit auch nichts ändern.
ich bin seit 1970 in der IT, habe selbst diverses sowohl technisches als auf kaufmännisches programmiert, auch große Projekt bzw. an großen Projekten mitgearbeitet. Gut Vorgaben sind eine Sache, kodieren kann man gut und struktoriert oder sogenannten Spagetticode. Erstes enthält typisch weniger Fehler ist bei ordentliche Dokumentation, nachvollziehbar und prüfbar bzw. verifizierbar, letzteres kann grundsätzlich auch mal im Endergebnis genauso funktionieren hat aber typisch mehr Fehler ist schlecht prüfbar bzw. verifizierbar und vor allem schlecht zu pflegen, d.h. anzupassen.
Und genau das unterscheiden sich gute und schlechte Programmierer.

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