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Mediziner-Honorare: Ärzte kassieren durchschnittlich 17 Prozent mehr
DPA

In der Spitze ein Plus von 35 Prozent: Niedergelassene Ärzte konnten ihre Honorare nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen in den vergangenen Jahren kräftig steigern. Das dürfte die laufenden Honorarverhandlungen befeuern.

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smartinus 15.08.2013, 22:13
120.

Zitat von fussl
Bis zu diesem Zeitpunkt sind also meist acht bis zehn Jahre der häufig äußerst arbeitsintensiven und (bezogen auf den Stundenlohn) sehr mäßig bezahlten Klinikarbeit (mit Nacht- und Wochenend- und Feiertagsarbeit) vergangen.
Vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie haben mit vielem recht. Und auf beiden "Seiten" wird hier teils mit Un- und Halbwahrheiten hantiert. Es ist natürlich z.B. nicht korrekt, von Sprech- auf Arbeitszeiten zu schließen oder die enorme Verantwortung von Ärzten klein zu reden.

Was nicht wahr ist, es gäbe ein allgemeines Ärztebashing. Beeinflusst durch Standesvertretungen und Standesmedien wie Ärztezeitung oder Medical Tribune, noch mehr aber die ganzen Mitgliedsmagazine sei es von Hartmannbund oder NAV-Virchow-Bund scheinen das zwar offenbar viele Ärzte tatsächlich zu glauben, aber dadurch wird es nicht wahrer. Es muss erlaubt sein, ärztliches Fehlverhalten oder auch z.B. Beschlüsse von Ärzteverbänden oder des Deutschen Ärztetags zu kritisieren, ohne pauschal dafür als Ärztebasher verunglimpft zu werden. Komischerweise (oder eben auch nicht komischerweise) beschimpfen ja genau diejenige, die angebliches Ärztebashing beklagen, mindestens ebenso pauschal Ärzte, Kassen und Medien. Dieses angebliche Ärztebashing kann man wirklich nicht ernst nehmen, ebenso die angebliche "Neiddebatte". Peinliche Argumentation meines Erachtens. Hört man je Politiker klagen, es gäbe eine Neiddebatte, wenn es um deren Gehälter geht? Offenbar fehlen diesen Kollegen die Argumente, wenn nur noch eine Neiddebatte heraufbeschworen werden kann.

Was auch oft bei Vergleichen des Einkommens mit anderen Berufen vergessen wird: Die Einnahmen der Ärzte (und anderer Leistungserbringer im Gesundheitswesen) speisen sich zu einem sehr großen Anteil aus Zwangsgeldern. zudem nicht unbedingt derjenigen, die die Gesundheitsleistungen beziehen. Daher sind Vergleiche mit Unternehmensberatern oder Anwälten (die im Durchschnitt übrigens weniger verdienen, allerdinsg gibt es eine noch größere Spreizung als bei Ärzten) schief.

Ihr Hinweis auf die angeblich bescheidenen Einkommen im Krankenhaus. Das mag bei Ihnen noch so gewesen sein. Aber ein Einstiegs-Grundgehalt dank MB von 4.000 Euro monatlich ist in der heutigen Zeit wirklich nicht wenig. Als Oberarzt verdient man im ersten Jahr mindestens 6.000 Euro alleine an Grundgehalt, mehr als die meisten Professoren (außer natürlich diese sind zugleich Chefarzt). Von Chefärzten ganz zu schweigen, die lachen vielfach doch über das Gehalt von Frau Merkel (wie übrigens dies z.B. auch Andreas Köhler tut, m.E. ist die Bezahlung in KBV und KVen absolut unangemessen hoch)

Ich finde es auch keine besonders geschickte Strategie der Standesvertreter, sich als unterbezahlte, nicht wertgeschätzte Berufsgruppe in der Öffentlchkeit darzustellen. Denn das ist absolut unglaubwürdig, da es kontra jedweder Fakten ist. Wenn ich hier manche Kollegen lese, die behaupten, Friseure würden mehr als Ärzte verdienen. Was sollen da diejenigen denken, die wirklich nicht besonders viel verdienen und mit ihren Zwangsbeiträgen die Einkommen der Ärzte finanzieren müssen?

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spiegelleser987 15.08.2013, 22:14
121.

Zitat von sysop
In der Spitze ein Plus von 35 Prozent: Niedergelassene Ärzte konnten ihre Honorare nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen in den vergangenen Jahren kräftig steigern. Das dürfte die laufenden Honorarverhandlungen befeuern.
Da fehlt noch etwas, was vielleicht in Kürze auch noch kommt: die gierigen Apotheker. Komisch nur, dass hier wegen extrem gesunkener Umsätze 2 dicht machen mussten. Statistisch fällt das nicht auf, weil in endlicher Zeit in der Nähe neue Apotheken eröffnet wurden.

Um es gleich verwegzunehmen: die einzigen Apotheken, die Glück haben, sind die, die, die direkt neben einer Arztpraxis sind. Der Rest hat irgendwann Pech.

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smartinus 15.08.2013, 22:15
122. .

Zitat von fussl
Eins vorweg: Uns Medizinern geht's (im Durchschnitt) gut - einigen sogar sehr gut. Auffällig ist, dass wir uns zum einen häufig schwer damit tun, genau das auch so zu sagen, mindestens genau so auffällig ist aber die Tatsache, dass wohl keine andere (gut oder sehr gut verdienende) Berufsgruppe sich derart häufig für Ihr Einkommen rechtfertigen muss bzw. dafür an einen imaginären Pranger gestellt wird. Aus meiner Sicht stünde uns ein wenig mehr Demut sehr gut zu Gesicht. Dem überwiegenden Teil derer, die sich permanent und immer lautstärker über Arzteinkommen echauffieren täte dagegen etwas mehr Sachlichkeit und Interesse an den Hintergründen gut. Gute Ärzte, die patientenorientierte Medizin machen und dem Patienten das bieten, was er erwartet, verdienen (viel) Geld - was dann aus meiner Sicht auch grundsätzlich in Ordnung ist.
Teil 2:

Ein ganz anderes Problem ist die Verteilung der Versichertengelder innerhalb der Ärzteschaft. Wenn Ärzte weniger oder schlecht arbeiten und dann weniger verdienen, finde ich dies ok. Wenn aber strukturell bedingt einzelne Arztgruppen mehr als andere verdienen, dann müssen die Strukturen geändert werden. Im Rahmen der Selbstverwaltung haben die niedergelassenen Ärzte vieles selbst in der Hand, z.B. die Verteilung innerhalb der verschiedenen Facharztgruppen.

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jetzt:hördochauf 15.08.2013, 22:18
123.

Zitat von D.Mang
Hauptsache mit wahnwitzingen Zahlen um sich werfen und "die Ärzte" verunglimpfen. 1. Jeder niedergelassene Arzt ist Chef eines kleinen mittelständischen Unternehmens. Wieviel verdient der Chef eines: Dachdeckerbetriebes? Gut gehenden Restaurantes? Autohauses? Sicherlich nicht weniger!
Man kann immer einen Fehler zum Prinzip erklären!
Schweter zu Flugscharen, Ärzte ins Angestelltenverhältnis!

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firefly 15.08.2013, 22:18
124.

Zitat von ein_bürger7777
Arbeite knapp 260h im Monat und geh mit 3600 netto nach Hause , meine Familie seh ich kaum noch ... Es ist für uns sehr motivierend solche Kommentare zu lesen , nur weiter so ...
Die meisten Leute könnten 24h am Tag arbeiten und würden keine 3600 netto verdienen und schon garnicht als Berufseinstiegsgehalt.

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kiwi1975 15.08.2013, 22:19
125. Ärgerlich

ist nicht der Verdienst eines Arztes.Der hat studiert und hat viel Verantwortung. Was mich ärgert ist diese verdammte Jammerei auf hohem Niveau!!! Viele dieser Ärzte würden auch jammern, wenn sie 5000? mehr verdienen würden. Dieses Gejammere kotzt mich manchmal echt an.P.S.:hab beruflich jeden Tag mit der Ärzteschaft zu tun.

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spinnenmann 15.08.2013, 22:22
126.

Zitat von montaxx
"Na und?", höre ich die Doctores jetzt schon sagen.Sie haben ja so viel Verantwortung und überhaupt verdienen sie immer noch zu wenig.Nun ja,Verantwortung für Menschen hat man in anderen Berufen auch.Wenn man sich als Extrembeispiele mal die Einkünfte eines Kranken-/Altenpflegers und die eines Zahnarztes ansieht.Ist die Dentistenverantwortung wirklich zwanzigmal so hoch?
Es geht um Angebot und Nachfrage. Zahnarzt kann nicht jeder werden, dazu bedarf es ein gutes Abitur, das handwerkliche Geschick und der nötige Verstand, um das Zahnmedizinstudium erfolgreich zu beenden. Dann kommt das unternehmerische Risiko einer Praxisgründung und des ständigen Praxisbetriebs hinzu sowie die Tatsache, dass ein Zahnarzt i.d.R. 4-5 Angestellte hat. Ein Altenpfleger hat einen Realschulabschluss und macht dann seine Ausbildung und wird Angestellter. Fertig. Man kann diese Berufe nicht miteinander vergleichen, aber es ist logisch, dass der Zahnmediziner ein vielfaches verdienen muss und sollte. Wie viel mehr genau, dass regelt der Markt, schließlich sind wir nicht im Sozialismus. Verantwortung alleine sagt über den Verdienst sowieso nichts aus, sonst müssten Chirurgen und Anästhesisten an Kliniken am meisten verdienen, tun sie aber nicht - die meisten niedergelassenen Augenärzte haben weit mehr.

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neuss1977 15.08.2013, 22:22
127. Nachfrage bestimmt das Angebot?

Aufgrund des akuten medizinermangels, dürfen jene, sich auf die nächste "gehaltsrunde" freuen...ein besseres argument bietet sich wohl kaum!? Auch hier kann, respektive muss ich mich nur wundern!

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smartinus 15.08.2013, 22:24
128. Verwaltungskosten

Zitat von sarang he
meine gesetzliche Krankenkasse gibt in ihrem Geschäftsbericht 3,8% Verwaltungskosten an. Das darf wohl nicht sein, dass eine gesetzliche Kasse wirtschaftlicher agieren kann als eine private?!
Nicht nur Ihre GKV. Die PKV hat im Schnitt mehr als doppelt so hohe Verwaltungskosten wie die GKV. Dies ist bedingt u.a. durch die Provisionen für Versicherungsmakler, die kleinere Versichertenzahl in der PKV und das Kostenerstattungsprinzip (jede Rechnung muss eingereicht und dann in der PKV bearbeitet werden). Obwohl also in der PKV wesentlich weniger Geld in die Versorgung geht (was Versicherte und auch Ärzte kritisiere müssten), verteidigen hier und anderswo die meiste Ärzte vehement die PKV, einfach weil diese wesentlich besser bezahlt. Das kann ich auch verstehen, dass bei Ärzten PKV-Patienten beliebter als GKV-Patienten sind.

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paul otto 15.08.2013, 22:24
129. Und warum will sich keine(r) mehr niederlassen?

Glaube keiner Statistik.......
Wenn das alles so stimmt - warum dann der zunehmende Nachwuchsmangel bei den niedergelassenen (und nicht nur dort...) Ärzten?
Ein jeder frage sich, was ihm seine Behandlung Wert ist! Eine Autoinspektion ist oft deutlich teurer als manche sehr aufwendige Untersuchung.....

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