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Menschenrechtsgericht: Warum Konfessionslose manchmal Kirchensteuer zahlen müssen
DPA

Wer keiner Konfession angehört, muss in Deutschland unter Umständen trotzdem Kirchensteuer zahlen - indirekt über den Ehepartner. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof hat diese Regelung jetzt gebilligt.

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mettwurstlolli 06.04.2017, 23:12
110.

Zitat von petrapanther
Doch, die Kirchensteuer versumpft - und zwar im Säckel der Kirche. Wenn Sie glauben, dass davon irgendetwas zurückfliesst (oder gar in Krankenhäuser oder soziale Einrichtungen investiert wird), dann glauben Sie wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann. Wenn Sie anderen helfen wollen, warum spenden Sie das Geld dann nicht lieber an eine Wohltätigkeitsorganisation?
Also bei uns in der Gemeinde gibt es eine Schule, die von der katholischen Kirche kofinanziert wird, und einen Kindergarten. Dafür muss ich nicht an den Weihnachtsmann glauben. Und das Argument, dass da auch staatliche Gelder reinfliessen, ist so richtig wie wertlos, die fließen in JEDE anerkannte Privatschule und in JEDEN anerkannten Kindergarten in in privater Trägerschaft, egal ob von der Kirche oder von anderen Trägern.

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mettwurstlolli 06.04.2017, 23:18
111.

Zitat von sk-nippes
Wer einen Partner hat, der im sozialen Bereich arbeitet, ist auf kirchliche Arbeitgeber und damit eben auch auf Kirchesteuerzahlung angewiesen. Hier wird der andere Partner steuerlich in Mithaftung genommen. Und das selbst, wenn er (Früh-) Rentner ist. Das deutschte Steuerrecht ist kaum nachvollziehbar.
Doch voll nachvollziehbar. Lassen Sie sich einfach getrennt veranlagen.

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mettwurstlolli 06.04.2017, 23:27
112.

Zitat von g_bec
Da ich in einem Landesteil aufgewachsen bin, in dem der Geldbeutel der Eltern keine Rolle spielte, da die Eigentumsverhältnisse anders waren, kann ich dieses nicht wirklich verstehen. Würde der Staat nämlich die Zahlungen an die Amtskirchen sofort auf Null setzen, bliebe genug Geld für die Förderung eben jener sozialer Projekte übrig bleiben. Und es würde die Gefahr einer Indoktrination von Kindern durch solche Seelenfänger deutlich verringern. Müssten die Kirchen dann auch noch Steuern auf ihre Vermögensgewinne zahlen, wäre sogar noch mehr Geld übrig, die angeblichen Verluste wären also deutlich überkompensiert.
Die Logik ist verkehrt herum. Nicht der Staat finanziert die kirchlichen Einrichtungen, sondern der Staat müsste die Einrichtungen, die die Kirche jetzt kofinanziert, ansonsten allein finanzieren! Das würde ihn Milliarden kosten, er kann die Alten, Kränken und Kinder ja nicht nach nach Hause schicken.
Indoktrination ist halt für jeden etwas anderes. In Zeiten, in denen an staatlichen Schulen überhaupt keine Werte mehr vermittelt werden, war genau das ein Grund für mich, meinen Nachwuchs auf eine katholische Schule zu schicken, obwohl niemand von uns katholisch ist.

Scheuklappen ablegen hilft manchmal. Und besonders die, die sich für besonders links und liberal halten, werden besonders verbalradikal, wenn es um das Thema Kirche geht.

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Frietjoff 07.04.2017, 00:55
113. Bin religionslos. Aber das ist so schon in Ordnung.

Ich musste erst mal bei Wikipedia nachlesen, um herauszufinden, dass das Paar nach der gemeinsamen Veranlagung jetzt also NICHT so Kirchensteuer zahlt, als wenn beide drin wären, sondern höchstens die Hälfte.

Und das passiert überhaupt nur, wenn der kirchenangehörige Partner so wenig verdient, dass er alleine gar keine Kirchensteuer zahlen würde. Es geht also i.a.R. um Hausfrauen, die (bei reichem Mann) durchaus wohlhabend sein könnten, aber eben keine Pfenning Kirchensteuer zahlen würden, wenn ihre Männer nicht drin sind.

Also: wer (steuerlich) gemeinsame Kasse macht und einen Partner in der Kirche hat, zahlt (höchstens) halb soviel Kirchensteuer, als wenn beide drin wären. Klingt jetzt nicht komplett unfair.

Dass eine staatlich und zwangsweise eingetriebene Kirchensteuer mit einer säkularen Republik eigentlich generell unvereinbar ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

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Cäcilius 07.04.2017, 01:35
114. Ach ja?

Zitat von Nichtraucher
zumindest Punkt7 ist Nonsense. Die Beträge, die irgendwelche Kirchen für Kindergärten oder sonstiges aufwenden, werden ja eh vom Steuerbezahler bezahlt. Und eben auch von denen, die nicht Mitglied einer Kirche sind. Die Anteile, die die Kirche für einen Kindergarten bezahlt, sind ein Witz. Ein katholischer Kindergarten zB nennt sich bereits so, wenn die Kirchefür 5% oder weniger für die Kosten aufkommt. Es gibt auch nicht nur einen einzigen Grund, warum überhaupt eine Kirchensteuer bezahlt werden sollte.
Da ich als katholischer Pfarrer Träger von drei katholischen Kindergärten bin, weiß ich sehr gut wie die Verteilung bei der Finanzierung der Kindergärten aussieht, ich muss ja jährlich die Haushalte der Einrichtungen erstellen und unterschreiben. Der Beitrag aus der Kirchensteuer bei der Finanzierung beträgt lediglich 8%. Das erscheint wenig. Sollte unsere Kommune (Dorf) diese 8% für zwei Kindergärten mit 7 Gruppen schlagartig übernehmen müssen, wäre sie zahlungsunfähig. Da kommt dann doch auch bei 8% eine erkleckliche Summe zusammen. Zudem müsste im Rathaus ein Referat für die Trägerschaft eingerichtet werden, da die Kommune bisher keine kommunalen Kindergärten hat. Das hieße pro Jahr nochmals etwa € 70.000 "on top". Die Ratsmitglieder wären bescheuert wenn sie ihre Kommune auf diese Weise in eine schiefe Finanzlage bringen würden. So bleiben die Kindergärten katholisch, Kirche und Politik (die Leute sind von den Wahlberechtigten in den Gemeinderat GEWÄHLT!) sind zufrieden, die Eltern auch, und ich sorge dafür, dass das katholische Profil der Einrichtung erhalten bleibt: Religionspädagogik ist Grundprogramm, Erzieherinnen, die keiner Kirche angehören, brauchen gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch kommen.

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Martin Franck 07.04.2017, 05:07
115. Alles in einen Topf und einmal umrühren

Ihr Beitrag mischt ja alles zusammen, und hat einige non sequitur.

Gysi müßte ja damit davon ausgehen, daß die DDR im innersten ohne moralische Werte gewesen wären.
Komischerweise wenn man DDR-Nostalgiker befragt, so geben sie meistens an, daß damals der Zusammenhalt größer gewesen sei.

Interessanterweise sind die am meisten atheistischen Länder nicht unmoralischer. Lesen Sie einmal https://en.wikipedia.org/wiki/Phil_Zuckerman Phil Zuckerman.

Wenn Sie sich die Daten ansehen, so gibt es auch genügend Daten, die sehen, daß Leute ohne Gott zufriedener, glücklicher, gesunder und länger leben.
Zumindest haben sie nicht weniger Angst vor dem Tod:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/glaeubige-oder-atheisten-wer-den-tod-am-meisten-fuerchtet-a-1140864.html

Kommt jemand einmal zu der Erkenntnis, daß es gar keinen Gott gibt, und keinen Jesus gab, so kann man dieses Wissen ja nicht mehr weg nehmen. So nach dem Motto: Natürlich gibt es keinen Gott, aber ich glaube daran, weil ich zufriedener sein soll.

Wie ein Gott eine höhere Selbstwirksamkeit bewirken soll, müßen Sie erklären. Eine höhere Instanz würde ja eher dagegen sprechen.

Einen validen Punkt haben Sie: Der soziale Zusammenhalt und die Kooperation. Dazu bedarf es jedoch einer Gesellschaft, die sich in einigermaßen gleichen Idealen sieht, wie zum Beispiel in Dänemark.
Eine Aufspaltung der Gesellschaft sollte deshalb vermieden werden.

Jedoch hilft die Kirchensteuer nicht dabei.

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jenzy 07.04.2017, 08:25
116.

Zitat von Cäcilius
Da ich als katholischer Pfarrer Träger von drei katholischen Kindergärten bin, weiß ich sehr gut wie die Verteilung bei der Finanzierung der Kindergärten aussieht, ich muss ja jährlich die Haushalte der Einrichtungen erstellen und unterschreiben. Der Beitrag aus der Kirchensteuer bei der Finanzierung beträgt lediglich 8%. Das erscheint wenig. Sollte unsere Kommune (Dorf) diese 8% für zwei Kindergärten mit 7 Gruppen schlagartig übernehmen müssen, wäre sie zahlungsunfähig. Da kommt dann doch auch bei 8% eine erkleckliche Summe zusammen. Zudem müsste im Rathaus ein Referat für die Trägerschaft eingerichtet werden, da die Kommune bisher keine kommunalen Kindergärten hat. Das hieße pro Jahr nochmals etwa € 70.000 "on top". Die Ratsmitglieder wären bescheuert wenn sie ihre Kommune auf diese Weise in eine schiefe Finanzlage bringen würden. So bleiben die Kindergärten katholisch, Kirche und Politik (die Leute sind von den Wahlberechtigten in den Gemeinderat GEWÄHLT!) sind zufrieden, die Eltern auch, und ich sorge dafür, dass das katholische Profil der Einrichtung erhalten bleibt: Religionspädagogik ist Grundprogramm, Erzieherinnen, die keiner Kirche angehören, brauchen gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch kommen.
8% erscheint nicht nur wenig, es ist wenig.
Und es geht nicht darum als Namensträger noch weniger zu zahlen um seiner missionarischer Tätigkeit nachzugehen, sondern um die Erhöhung des Anteils!
Und in Ihrem letzten Satz haben Sie deutlich das Geschäftsmodell der katholischen Kirche beschrieben. Am besten nichts bezahlen und dafür die Spielregeln zu eigenen Gunsten aufstellen.
Ihre äußerst arrogante, hier mit Stolz zur Schau getragene Attitüde finde ich recht unangenehm, so wie das grundsätzliche Gebaren Ihres Arbeitgebers.

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Lamentierer 07.04.2017, 09:30
117.

Zitat von Nichtraucher
jeder cent für eine Kirchensteuer, ist ein cent zuviel, der im Moloch verschwindet, ohne, dass auch nur ein Mensch weiss, was damit passiert. Was Jesus uns vorgelebt hat? Er hat vor den Tempeln in Jerusalem die Geldwechseler verdammt. Daran hat er recht getan. Würde er heute noch auf Erden wandeln, er würde die Kirche, die glaubt in seinem Namen zuhandeln, verdammen.
Vorgelebt hat Jesus vor allem die Nächstenliebe.
Grundgedanke des christlichen Glaubens ist die Nächstenliebe.
Vertrieben hat er die Händler aus dem Tempel.
Im Übrigen, sie sollten schon richtig zitieren:
Gebt Gottes was Gottes ist und dem Kaiser was des Kaisers ist.
Unter diesem Aspekt geht das Urteil des EGMR in Ordnung, wählen Sie halt die Partei, die den laizistischen Staat einführen will, denn der existiert nicht. Aber es wird nichts bringen, keiner wird sich entsprechend § 4 GG mit den beiden großen Kirchen anlegen.

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g_bec 07.04.2017, 09:44
118. Nö.

Zitat von mettwurstlolli
Die Logik ist verkehrt herum. Nicht der Staat finanziert die kirchlichen Einrichtungen, sondern der Staat müsste die Einrichtungen, die die Kirche jetzt kofinanziert, ansonsten allein finanzieren! Das würde ihn Milliarden kosten, er kann die Alten, Kränken und Kinder ja nicht nach nach Hause schicken. Indoktrination ist halt für jeden etwas anderes. In Zeiten, in denen an staatlichen Schulen überhaupt keine Werte mehr vermittelt werden, war genau das ein Grund für mich, meinen Nachwuchs auf eine katholische Schule zu schicken, obwohl niemand von uns katholisch ist. Scheuklappen ablegen hilft manchmal. Und besonders die, die sich für besonders links und liberal halten, werden besonders verbalradikal, wenn es um das Thema Kirche geht.
Vielleicht Ihren eigenen Rat selber beherzigen? Würde die Finanzierung und steuerliche Bevorzugung der Religionsgemeinschaften eingestellt, würde vielleicht sogar noch ein Plus übrig bleiben. Was glauben Sie denn, wer die gewinne der kirchlichen Einrichtungen insbesondere im Gesundheits- und Pflegewesen finanziert? Genau, die Sozialkassen, in die alle einzahlen. Und auch die Beschäftigten tragen durch ihre niedrigeren Löhne dazu bei.

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g_bec 07.04.2017, 09:52
119. Genau.

Zitat von Cäcilius
Da ich als katholischer Pfarrer Träger von drei katholischen Kindergärten bin, weiß ich sehr gut wie die Verteilung bei der Finanzierung der Kindergärten aussieht, ich muss ja jährlich die Haushalte der Einrichtungen erstellen und unterschreiben. Der Beitrag aus der Kirchensteuer bei der Finanzierung beträgt lediglich 8%. Das erscheint wenig. Sollte unsere Kommune (Dorf) diese 8% für zwei Kindergärten mit 7 Gruppen schlagartig übernehmen müssen, wäre sie zahlungsunfähig. Da kommt dann doch auch bei 8% eine erkleckliche Summe zusammen. Zudem müsste im Rathaus ein Referat für die Trägerschaft eingerichtet werden, da die Kommune bisher keine kommunalen Kindergärten hat. Das hieße pro Jahr nochmals etwa € 70.000 "on top". Die Ratsmitglieder wären bescheuert wenn sie ihre Kommune auf diese Weise in eine schiefe Finanzlage bringen würden. So bleiben die Kindergärten katholisch, Kirche und Politik (die Leute sind von den Wahlberechtigten in den Gemeinderat GEWÄHLT!) sind zufrieden, die Eltern auch, und ich sorge dafür, dass das katholische Profil der Einrichtung erhalten bleibt: Religionspädagogik ist Grundprogramm, Erzieherinnen, die keiner Kirche angehören, brauchen gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch kommen.
Genau. Und wenn man keinen Bock mehr hat, wird die Einrichtung kurzfristig, am Besten unmittelbar vor Weihnachten, geschlossen und den Mitarbeitern gekündigt. Mehrfach erlebt.

Und die acht (!) Prozent sind doch lächerlich. Umso mehr, als dass diese auch noch als Begründung für unanständige Arbeitsverhältnisse und ideologische Ausrichtung genutzt werden.

PS: Natürlich sind die Eltern "froh". Erstens kennen sie es nicht anders und zweitens haben sie ja auch keine Alternative: Es gibt `nen kirchlichen Kindergarten der zu 92% (!) von der Kommune bezahlt wird. Wie soll hier die Begründung für den Haushaltsausschuss aussehen, um ein städtisches Angebot zu alimentieren? Bitte nicht Ursache und Wirkung verwechseln, Herr Paster!

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