Forum: Wirtschaft
Mietendeckel: Die Städte verstopfen, die Dörfer veröden
Paul Zinken/dpa

Wer die Mieten in den Metropolen künstlich niedrig hält, verschärft den Konflikt zwischen Stadt und Land. Es wäre ein Drama, sollte diese Art von Wirtschaftspolitik Schule machen.

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desktopper 23.06.2019, 10:26
1. Absurd

"Per Gesetz eingefrorene Mieten wirken wie eine Subvention für diejenigen, die aus ländlichen Regionen in die Metropolen übersiedeln."
Es ist ebenso absurd, Menschen durch aberwitzig hohe Mieten zu "verbieten" in die Stadt zu ziehen.

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bfhoffmann 23.06.2019, 10:28
2. Der Grund warum die Leute in die Stadt ziehen...

... ist das zwischen der eklatanten Ausbeutung durch Arbeitgeber seit Ende der Zeiterfassung (wer arbeitet noch weniger als 45-50 Stunden ausser vielleicht die Tipse vom Chef) und der absoluten Misere im öffentlichen Nahverkehr (dank fehlgeleiteter Privatisierungsmanie und ständiger Klagerei gegen Bahnausbau kein Mensch sich mehr 1+ Stunden Anfahrtzeit zur Arbeit antun will. Insbesondere weil Chef unbedingt das Büro in der schicken City haben muss was zusätzlichen Ärger mit der Parkerei verursacht. Diese dämliche Kolumne zeigt mal wieder wie Weltfremd die Akademiker Journaillie vom Spiegel ist.

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pink15 23.06.2019, 10:28
3. Eine gute Analyse

Ergänzt werden könnte sie noch dadurch, dass auch niemand auf die Idee kommt, die Wirtschaft derart zu lenken, dass z.B. Firmen gezwungen werden, ihre Standorte in ländliche Gegenden zu verlagern.
Nicht jeder Umzug in die Innenstädte ist quasi erzwungen, viele Menschen ziehen lediglich aus dem Grund dorthin, weil es "hip" ist, in angesagten Stadtvierteln zu wohnen.

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silberstern 23.06.2019, 10:29
4. Zu klein gedacht

Die Leute ziehen nicht in die Stadt, weil es dort am schönsten ist, sondern weil die Jobs dort sind. Schon wenn ich hier in Leipzig vor die Stadtgrenze ziehen würde, hätte ich am Tag 1-1,5 Stunden Arbeitsweg. Dort sind die Preise für Wohnraum aber nicht wirklich geringer, erst wenn man nochmal zusätzlich 5-10km weiter weg zieht. Dann ist man aber bei über 2h Arbeitsweg pro Tag. Wer tut sich das freiwillig an, solange man die Großstadtmieten / Immobilienpreise irgendwie finanzieren kann?

Wenn der Staat sich darum kümmern würde, dass die Unternehmen aufs Land gehen, die Verkehrswege kurze Fahrzeiten zulassen würden und Arbeitsrecht auf Homeoffice ausgelegt wäre, würden sich die Menschen von ganz alleine verteilen .... und die Großstadtmieten sinken. Sie sind nämlich nicht Ursache sondern Wirkung.

Das bedürfte aber Politikern und Parteien, die nicht dem nächsten Ereignis und der aktuellsten Zeitungsmeldung hinterher rennen, sondern die strukturiert die Probleme angehen. Stattdessen wird nur kurzfristig umsetzbarer Blödsinn produziert (Herdprämie, Baukindergeld, usw.).

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rockboy 23.06.2019, 10:29
5. Ja was denn nun?

Mal unterstützt ihr von SPON den Deckel, dann wieder nicht. Das ist genau diese "Wischi-Waschi" -Positionierung, die schon seit Jahren die Groko hemmt. Wenn das so weiter geht wird wieder nix passieren. Typisch.

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weltraumschrott 23.06.2019, 10:31
6. Und was tun die Gemeinden auf dem Land dagegen?

Die Menschen ziehen der Arbeit hinterher. Deshalb lebten früher so viele Menschen auf dem Land: NIcht wegen der guten Luft, sondern weil die Landwirtschaft Arbeitskraft brauchte.
Wenn die Kommunen in ländlichen Regionen Gewerbe ansiedeln wollen, dann können sie das ganz einfach über sinkende Gewerbesteuern, großzügige Baugenehmigungen und ähnliche Vergünstigungen tun. Schaut die Kommunalverwaltung hingegen in ihr leeres Säckel und meint, deshalb die Steuern und Gebühren für Gewerbe und Anwohner hochhalten zu müssen, wird das Säckel auch in Zukunft leer bleiben und der ländliche Raum allmählich der industrialisierten Landwirtschaft als einzigem Nutzer anheimgegeben.

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mhwse 23.06.2019, 10:31
7. nur ist die Frage

ob die "Landflucht" jetzt wirklich so schlecht ist, eine andere.
Wäre es nicht sogar wünschenswert - die Bevölkerungszahl ist leicht rückläufig und das Durchschnittsalter steigt - wenn diese älteren Menschen dann in einem Bevölkerungs dichteren Gebiet leben, wo sie leichter zu versorgen sind - und auf der anderen Seite Gebiete dann wieder renaturiert werden können?

Die dezentrale Besiedelung des Landes hatte ja primär den Zweck der Nahrungsversorgung.

ein Kreisdorf - darum Ackerland und Weide für die Rinder - etwas weiter außen im Radius um das Dorf -der Dorfwald - zum heizen/für Baumaterial.

Heute wird das romantisiert - quasi im (heute mehr linken/öko) Neo-Naturalismus (der ursprünglich eigentlich eine durch und durch stramm rechte Idee war ..)

Sinnvoll wäre doch - für die die es wollen - große Städte vorzuhalten - und in der Gegenleistung Biosphären zu renaturieren.

An deutsch polnischen Grenze hat man da schon eine Weile Erfahrung - ggf. lässt sich das ja für Natur und Mensch irgendwie nutzen ..

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jujugaborspu 23.06.2019, 10:31
8.

Reiche Menschen können ja immer noch in die Stadt ziehen, beziehungsweise ihre neumodischen Kinder dorthin schicken. Das heißt zum Beispiel, dass nur wer es sich leisten kann, in einer Stadt studieren und Unis sind ja hauptsächlich in Städten. Lässt man die Marktwirtschaft da gewähren gibt es also ein immer größeres Armutsgefälle von Stadt zu Land. Das Problem reguliert sich also keinesfalls selbst. Es braucht neue Anreize um auf den Land zu bleiben und/oder neue urbane Konzepte, die Stadtwachstum begleiten.

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LorenzSTR 23.06.2019, 10:31
9. Klaro

Das Drama sind also Maßnahmen gegen die völlig schamlose Selbstbereicherung der "Investoren" und nicht etwa die massive Umverteilung nach oben. Passend dazu sollen in der neoliberalen Fantasiewelt die Armen einfach in die Dörfer ziehen und schon ist das neoliberale Problem Wohnungsnot erledigt. Die satirischen Beiträge des H. Müller sind immer wieder erheiternd.

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