Forum: Wirtschaft
Mietendeckel: Die Städte verstopfen, die Dörfer veröden
Paul Zinken/dpa

Wer die Mieten in den Metropolen künstlich niedrig hält, verschärft den Konflikt zwischen Stadt und Land. Es wäre ein Drama, sollte diese Art von Wirtschaftspolitik Schule machen.

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WolfThieme 23.06.2019, 11:24
120. Tibetanische Gebetsmühle

Dörfer veröden ist eine alte Leier. Sie veröden nicht. Sie verändern sich. Wir leben seit 16 Jahren in einem Brandenburger Dorf mit 240 Einwohner. Die Zahl hat sich nicht verändert, kein Haus steht leer. Ja, die Jungen sind weg gezogen, dafür kamen Alte nach wie wir. Die sterben weg, dann kommen neue Alte nach. So ist der Kreislauf. Neuerdings suchen auch mehr junge Familien aus Berlin hier nach bezahlbarem Wohnraum. Pendeln lohnt sich. Wir fahren zehn Minuten zum Bahnhof und dann 40 Minuten bis Berlin-Wannsee. Wie lange braucht ein Berliner morgens im Berufsverkehr von Lichtenberg nach Charlottenburg? Ich höre morgens die Staumeldungen im Radio. Danke, nein. Das sind die Fakten.

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HeikeFreise 23.06.2019, 11:24
121.

Nun sagen diese Zahlen und die zitierte demographische Studie wenig über die soziale Zusammensetzung der Landflüchtigen aus. Soziale Zugehörigkeit bestimmt aber Habitus und Ansprüche an Lebensqualität.
Nehmen wir doch einfach zu Kenntnis: Offenbar möchten immer weniger junge und gebildete Menschen in Ostdeutschland leben. Könnten Gründe sein: fehlende Weltoffenheit, kleinbürgerlicher Provinzmief, Autoritarismus, rechter Terror? Möchten Sie ernsthaft wohnen und leben, wo ganze Landstriche AfD und völkisch national gesinnt sind und neben Ihnen eine Gruppe besoffener ‚18‘- Tätowierter durch die Stadt zieht? Bei diesem Umfeld nützen auch billiger Wohnraum und Stadtmarketing nichts - 'die letzten machen das Licht aus'...

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Benno Groß 23.06.2019, 11:24
122.

Zitat von kenterziege
Oft sind es die Ehefrauen der Spezialisten, Ärzte und Handwerker, die nicht aufs Land wollen.
Schönen Gruß aus der Höhle? Übrigens: Draußen in der echten Welt sind Frauen inzwischen Spezialisten, Ärzte und mitunter sogar Handwerker geworden.

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ejbeork 23.06.2019, 11:25
123. @rockboy; @bfhoffmann

@rockboy: In der freien Presselandschaft darf und soll ein Medium durchaus Diversität zeigen. Das Medium spiegelt die Diversität der Gesellschaft wider und sollte nicht einäugig sein. Trotz der Beleuchtung der Themen aus mehreren Blickwinkeln hat SPON natürlich eine Grundneigung, aber das ist OK. Sie hilft mir, meine eigene Neigung besser zu reflektieren, insbesondere dann, wenn sie eine andere ist. - // - @bfhoffmann: Noch jemand im Raum, der nicht Ihren groben Schmutz abbekommen hat?! Die Städter arbeiten also 50 Stunden, und es liegt am Chef; klar, also weg vom Land und rein ins Getümmel. - Nein, jeder hat einen freien Willen, und viele (nicht alle, ich weiß) hätten auch die Möglichkeit, ihn umzusetzen. Wer die Annehmlichkeiten der Metropole nutzen will, muss auch dafür zahlen.

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4711_please 23.06.2019, 11:25
124. Warum eine Inflationsberechnung ohne Immobilien?

Wenn Sie, Herr Müller, schon auf die Marktmechanismen hinweisen, so stellt sich doch die Frage, warum wichtige Parameter des Marktes verzerrt werden. Würden Immobilienpreise in die Inflationsberechnung miteinbezogen, so würde sich eine Inflation jenseits der angestrebten 2% abbilden. Die Folge wäre ein Ansteigen des Zinsniveaus, damit eine Deckelung der Immobilienpreise. Auch würden Lohnerhöhungsforderungen angepasst, so dass es auch in dieser Hinsicht einen Ausgleich gäbe. Es ist typisch für Marktradikale wie Sie, dass sie so tun, als fände der Markt gänzlich in einem zusammenhangslosen Raum statt. Das tut er nicht. Das Versagen der Erhebung von Parametern ist eine Ursache für die Banken- und in deren Folge Staatsfinanzenkrise. Ein Markt ohne vernünftiges Monitoring und eine ständige Regulierung z. B. durch die Zentralbanken funktioniert nicht. Das zeigt sich immer wieder. Ich kann nicht verstehen, warum Ideologen wie Sie nicht dazulernen können und deshalb Märkte beschreiben, als wären sie ein extraterrestrische Phänomen, welches bedingungslos organisch in komplexen Gesellschaften funktionieren und existieren könnten, dabei sind es stets Interessen, die ihn steuern.

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djrobinbyc 23.06.2019, 11:25
125.

Wird der Preismechanismus nicht hauptsächlich durch die zunehmende Immobilienspekulation gestört.
Ad absurdum wird unsere Marktwirtschaft doch durch internationale Kapitalanleger gebracht, die anstatt in etwas riskantere ökologische Techniken ihr Geld lieber in den sehr bodenständigen mitteleuropäischen Immobilienmarkt stecken.
Ich würde mir wünschen, bitte beleuchten Sie diesen Teufelskreis einmal näher.

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crazy_swayze 23.06.2019, 11:25
126.

Herr Müller, Sie haben sowas von Recht.
Auch wenn es keiner hören will:
Es gibt kein Grundrecht auf Wohnen in Berlin Mitte.
Und wenn ich mir die Miete in Berlin nicht leisten kann, muss ich auch das Jobangebot aus Berlin nicht annehmen. Ich ziehe ja auch nicht nach New York oder an den Starnberger See.
Preise haben eine Funktion. Wenn man sie aushebelt, bekommt man die DDR zurück, mit Mangelwirtschaft und unterlassener Instandsetzung. Und einen florierenden Schwarzmarkt. Das "Fakelaki" kommt nach Berlin - wie schön.

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Spiegelleserin57 23.06.2019, 11:26
127. wer aber bezahlt das alles...

Zitat von kodu
Natürlich: das liegt auf der Hand. Seit Jahren. Anstatt die Metropolregionen weiter zu verdichten, und Spekulanten zu bedienen, MUSS man den "ländlichen Raum" entwickeln. Nur, mit dem rein neoliberalen Ansatz, der Markt würde das richten, wird es nicht funktionieren. Das ist sicher! Hier muss "der Staat" ordnend eingreifen. Die Infrastruktur auf dem Land muss - von Gesundheitsversorgung über Bildung bis zu ÖPNV - in den Fokus genommen werden. Inclusive attraktiver und v.a. EFFEKTIVER Wirtschaftsförderung für diese Gebiete. Doch es tut sich auch angesichts der Mietenexplosion wenig bis nichts. Der Mietendeckel des Berliner Senats ist doch lediglich ein Hilferuf. Gerichtet an die Bundespolitik, die endlich aus dem Mustopf kommen und mutig Entscheidungen vorantreiben soll. Dazu muss man sich allerdings vom neoliberalen Dogma ENDLICH konsequent verabschieden.
die Kommunen haben kein Geld weil sie eben zu wenig Gewerbesteuern einnehmen und die Grundsteuer ist auf dem Land natürlich auch zu niedrig!
Die Wirtschaft geht nicht auf das Land wenn die Infrastruktur nicht stimmt. Auch die Menschen wollen nicht auf das Land wenn dort kein Arzt, keine Apotheke und auch keine kulturellen Veranstaltungen stattfinden ebenso wie Schulen und Kitas. Außerdem will auch keiner 2 Stunden zum Arbeitsplatz fahren nur weil es auf dem Land so schön ist...Umweltverschmutzung ganz zu schweigen!
Ein Teufelskreislauf!

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mocodelpavo 23.06.2019, 11:26
128. Endlich, Danke!

Zitat von desktopper
Der Landflucht kann man wesentlich besser durch eine Verbesserung der (Verkehrs)Infrastruktur zu Leine rücken. Das ist viel wesentlicher für den Wusch in die Stadt zu ziehen als das Mietniveau. Aber das geschieht trotz "Versprechen" der Politik bisher nicht oder zu wenig.
Leider musste ich bis zum Kommentar 11 lesen, damit endlich einer drauf kommt, dass die Lösung in der Infrastruktur zu suchen ist.

Das Problem ist doch, dass die Stadt im Vergleich zum Land einfach viel attraktiver ist. Sonst wären die Preisunterschiede nicht so groß. Wer das ändern will, soll in eine wettbewerbsfähige Verkehrsinfrastruktur investieren. In Zeiten des Klimawandels hauptsächlich in den ÖPNV. Und ich spreche hier nicht davon, dass der Bus nun halbstündlich anstatt stündlich an jeder Milchkanne hält. Aber Orte, von denen man heute mehr als eine Stunde in die urbanen Zentren braucht, mit einer S-Bahn anzubinden, damit die Menschen in 20min da wären. Und diese dann noch regelmäßig, häufig und pünktlich fahren zu lassen, würde das Preisgefälle sofort eindämmen.

Wer aber wie die Bundesregierung die Bahn ausschließlich auf Profit trimmt und jährlich 500 Millionen Euro Zwangsdividende entnimmt, darf sich nicht wundern, dass die Infrastruktur am Ar... ist und keiner mehr auf dem Land wohnen will.

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womau1962 23.06.2019, 11:26
129. Sehr gute Analyse

Bester Spiegel Artikel seit langem. Elemente wie Mietendeckelung ist ein Schritt zum Sozialismus, das gleiche gilt für Enteignungen. Und das ist etwas was die Mehrheit der Bevölkerung nicht will, höchstens die Typen, die bei Garzweiler die Gruben runterspringen.

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