Forum: Wirtschaft
Mietendeckel: Die Städte verstopfen, die Dörfer veröden
Paul Zinken/dpa

Wer die Mieten in den Metropolen künstlich niedrig hält, verschärft den Konflikt zwischen Stadt und Land. Es wäre ein Drama, sollte diese Art von Wirtschaftspolitik Schule machen.

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hellocapetown 23.06.2019, 11:37
150. Die Mieten werden doch eher künstlich hochgehalten, ...

... in dem Mietverlust durch absichtlichen Leerstand steuerlich absetzbar ist; zumindest bei großen Immobilienkonsortien die Bau-, Verkaufs- und (kurzzeit) Vermietungs Branchen in ihren Portfolios enthalten, und ihre Lobbyisten stark in der Politik vertreten sind, denen das viel zu strenge Mieterschutzrecht doch genau in den Kram passt, (wenn es nicht sogar spezifisch deswegen konzipiert wurde, und weswegen die kleinen ihre Immobilien oft auch lieber leerstehen lassen, aus Angst vor Mietnormaden). Das alles treibt die Mieten und Immobilienpreise künstlich hoch. Wieso wird darüber eigentlich nie diskutiert? Naja ... eigentlich klar.

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FritzR. 23.06.2019, 11:37
151. Baukosten und Miete

Ich möchte noch hinzufügen, dass es sich in ländlichen Gebieten kaum noch lohnt, Mietwohnungen zu bauen, weil die Mieten so niedrig sind. Wenn ich auf dem Land ein Gebäude baue, ist es bei Fertigstellung weniger wert, als der Bau gekostet hat. Wenn ich das selbe Gebäude in der Stadt baue, habe ich mit Fertigstellung bereits einen Wertgewinn.
Auf dem Land ist Bauen ohne staatliche Förderung praktisch nicht rentabel. Es gibt zwar in vielen Kleinstädten lange Wartelisten von Mietsuchenden, aber die wollen natürlich auch nur aufs Land, um günstig zu mieten. Die Baukosten sind aber dermaßen in die Höhe gegangen, dass Investieren hier trotzdem nicht lohnt.

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joke61 23.06.2019, 11:37
152. Der Kommentar zeigt die Auswüchse unserer

neokapitalistischen Einstellung. Ist nicht genug Wohnraum da, verteuern. Wird nicht genug Energie produziert, verteuern. Gibt es zu wenig Lebensmittel, verteuern! Ich kann einfach diesen Schei.. nicht mehr lesen und hören, weil sich offensichtlich keiner Gedanken macht um die Menschen, die der neokapitalistischen Marktwirtschaft eben nicht gewachsen sind! Die Frage ist doch, wo finden Menschen Ihre Arbeit. Doch zum großen Teil nicht auf dem Land und in Dörfern, sondern in Verwaltungen und Industrie! Und warum sollen nur noch Reiche die Innenstädte bevölkern? Was ist mit denen, die schon jahrzehnte da leben und jetzt Ihre Wohnungen kaum mehr bezahlen können? Meine Meinung: Für den Menschen lebenswichtige Ressourcen gehören vom Staat reglementiert oder sogar unter gesamtgesellschaftliche Kontrolle. Dazu gehört Wohnen, Energie, Lebensmittel, Arbeit, Gesundheit und Pflege. Zum Teil sogar in staatliche bzw. kommunale Gewalt, damit sich hier keine Betätigungsfelder für Aktiengesellschaften auftun! An den Grundbedürfnissen des Menschen hohe Kapitalerträge zu erwirtschaften ist einfach nur menschenverachtend und wird über kurz oder lang zu Unruhen führen!

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kr-invest 23.06.2019, 11:39
153. Staat ist Preistreiber

Wer hier Verzerrung beklagt soll sich doch mal anschauen, wie die langsame Ausweisung neuer Bauflächen verzerrt. Gebt den Bauern, den besitzern der Flächen die Macht selbst zu entscheiden, was sie als Acker bewirtschaften wollen und wo sie Bauland verkaufen oder selber bebauen wollen. Lasst die Bauern, die Wiesenbesitzer und die sonstigen Landbesitzer selbständig die Flächen erschließen und dann bebauen und schon wäre die Verzerrung weg. Bauland würde plötzlich in grosser Menge vorhanden sein, bisher brach liegendes Kapital würde sich zum Bauen entschließen und die Gesellschaft würde den Wohnraum schaffen, den sie benötigt. Weil Bauen muss nicht teuer sein. Aber durch die unkontrollierte Mauschelei in den Stadträten und die Gängelung von Wiesenbesitzern und Ackerlandbesitzern wird das Bauen künstlich verlangsamt und die Mietpreisbremse ist dann nur ein weiterer staatlicher Eingriff, um irgendwie der Kümmerer sein zu dürfen.

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ThomasS79 23.06.2019, 11:39
154. Viele Gründe.

Ich bin grundsätzlich gegen den Mietpreisdeckel. Die staatliche Regulation eines Marktes in dieser Form ist mir zu pauschal und zu sehr an den eigentlichen Ursachen des Problems vorbei reguliert. Es müssen mehr Sozialwohnungen gebaut werden, mehr Bauland freigegeben werden, Baunebenkosten, Bauvorgaben, Makler und Notarkosten reduziert werden! Es braucht intelligentere Maßnahmen zur Vermeidung von Mietwucher und zur Bewertung von Wohnraum generell. Wir wohnen immer größer und immer luxuriöser, gleichzeitig wird alles immer teurer. Daraus resultieren paradoxe Verhältnisse, Ehepaare mit zwei Single-Wohnungen oder 70 jährige Witwen in 90 qm 4-Raum-Wohnungen. Die Hitze der Debatte in Berlin tut dem Problem auch nicht gut! Sowohl die Stimmungsmache als auch das Selbstbewusstsein der Beteiligten muss sich mäßigen und der Situation angemessen erscheinen! Ein Vermieter ist nicht per se ein krimineller Blutsauger und der Mieter kein Nomade. Jedoch sollten beide Seiten die Rechte, Pflichten und Möglichkeiten des anderen gerade in den Umständen des angespannten Marktes besser berücksichtigen. Dazu braucht es bessere rechtliche Rahmenbedingungen, welche aber eben nicht die grundlegenden Mechanismen des Marktes aushebeln. Denn die Konsequenzen sind tatsächlich ausbleibende Investitionen und eine gefährliche Verlagerung des Marktes. Das mag für die meisten Mieter aktuell verschmerzbar erscheinen, da sie nur ihre eigene Situation und Budget betrachten, jedoch ist es wie überall und immer, die Zeche zahlt die breite Masse, daran ändert auch der Mietpreisdeckel nichts! Das Thema städtischer Wohnraum muss einfach mehr Priorität und viel mehr Raum und Tragweite erhalten! Aber auch die Bevölkerung kann sich nicht nur mit der eigenen Befindlichkeit befassen, sondern muss auch der Gesamtsituation einbeziehen. Ob nun Bebauungskonzepte für Tempelhof oder Nachnutzungskonzepte für Brachen und kreative Gestalter, Berlin könnte durchaus dynamischer und intelligenter mit dem Problem des relativen Wohnungsmangels umgehen! Gute Vorbilder und Ideen gibt es alleine in europäischen Metropolen genug, geschweige denn man lässt mal globale Stadtentwicklung auf sich wirken! Da wirkt das Berliner "Modell des Mietpreisdeckels" wie ein stümperhaftes "mit dem Hammer auf den Kopf" Konzept aus der Vorzeit - und allen voran: eine absolute Unfähigkeits- und Bankrotterklärung der Berliner Regierung sowie Stadtplanung und Entwicklung! Aber Hauptsache man kloppt emsig auf die "Deutsche Wohnen" und "Vonovia" als Alleinschuldige der Misere ein! Schuldlos sind diese sicher nicht - aber das ganze ist doch mehr als lächerlich!

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scsimodo 23.06.2019, 11:40
155.

Zitat von karlo1952
Sie reden. Ich wohne seit ewigen Zeiten in der Pampa, habe im Umkreis von 10 km 6 Allgemeinärzte zur Auswahl, einen Aldi, Lidl, Netto, 4 Edeka. Das Internet hat VDSL und die nächste größere Stadt mit allen Fachärzten und einem Krankenhaus ist 20 km entfernt. Da kann man schön und gut leben.
Same here!

Eine riesengroße Gemeinde (Fläche) mit ca. 20.000 Einwohnern, Rewe, Lidl, Edeka, Penny, Aldi, sämtliche Ärzte, die man sich vorstellen kann, Kunst und Kultur (OK, nicht mit MUC vergleichbar, aber trotzdem ganz passabel), und mindestens 10 Fachanwälte! Dazu Bäckereien (keine Ketten!), Metzgereien, die noch selbst schlachten, Konditoreien, ein Kino mit 16 Sälen, und eben Natur, geringe Miete und gute Nachbarschaft, weil jeder jeden kennt. Und noch viel mehr! Und das ganze im Umkreis von ca. 3-4 Kilometen! Wenn's mal schlimm schlägt ist eines der guten Krankenhäsuer 15 km weg. Lokale Events noch und nöcher, einfach nett hier zu leben.

Mit der S-Bahn bin ich in spätestens 30 Minuten in der City, allerdings will ich da selten hin.

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halverhahn 23.06.2019, 11:41
156. Völlig falscher Ansatz!!

Es wird hier was von Mieten „künstlich niedrig halten“ geschrieben. Sowas kann doch nur von der Vermieter-Seite kommen. Fakt ist doch, die Mieten sind bereits auf extrem hohem Level und da sollen sie nun mal für eine geraume Zeit eingefroren werden. So what?! Als Mieter könnte man umgekehrt auch schon fast von „Miet-Wucher“ jammern. Und dass die Vermieter den Hals finanziell besehen, nicht vollbekommen sondern die Mieter wie eine Zitrone monetär ausquetschen wollen bis zum letzten Tropfen bzw Euro. Bin jetzt mal gespannt auf das Bashing hier seitens der Vermieter-Lobby :-D

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karl-felix 23.06.2019, 11:42
157. Knapp

Zitat von LorenzSTR
Das Drama sind also Maßnahmen gegen die völlig schamlose Selbstbereicherung der "Investoren" und nicht etwa die massive Umverteilung nach oben. Passend dazu sollen in der neoliberalen Fantasiewelt die Armen einfach in die Dörfer ziehen und schon ist das neoliberale Problem Wohnungsnot erledigt. Die satirischen Beiträge des H. Müller sind immer wieder erheiternd.
daneben ist auch vorbei. Die Baukosten steigen deutlich schneller als die Mieten . Deckeln Sie die Mieten wird das Wohnungsangebot verknappt, die Landflucht jedoch beschleunigt. Die Folge wird die Slum-Bildung auch in Deutschen Großstädten sein . Die Altmieter werden kurzfristig von billigen verfallenden Wohnungen profitieren , mittelfristig werden alle Slumbewohner verlieren .
Die Signalwirkung ist fatal. Ich werde nicht einen Cent an Schulden aufnehmen um Ihnen eine Wohnung zu bauen . So weit geht meine "schamlose Selbstbereicherung" nicht. Sparen Sie selber, dann gewöhnen Sie sich auch an die Preise.

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undaunted? 23.06.2019, 11:42
158. Ick gloob ick Spinne

Der Verfasser und vehementer Verfechter des Manchester Kapitalismus hat wohl nicht an die vielen Personen mit niedrigen Einkommen und Familien gedacht, die bereits länger in einer teuren Region wohnen und auf den dortigen Arbeitsmarkt angewiesen sind. Es kommt durchaus vor dass durch familiären Zuwachs ein Umzug nötig wird und aufgrund der Hohen Mieten nicht mehr bezahlt werden kann. Soll man nun aufs billige Land ziehen und täglich Pendeln? In Zeiten des Klimawandels wohl der falsche Ansatz. Soll jetzt, wie vorgeschlagen, der Steuerzahler einspringen um die Wohnungsbaugesellschaften und privaten Vermieter noch reicher zu machen? Ich bin im höchsten Maße verärgert über diese Kolumne und auch entsetzt dass der Spiegel den Raum für diese Ansichten bietet. Im übrigen gehöre ich zu denen, die nicht davon betroffen sind und eigenen Wohnraum besitzen.

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frank2013 23.06.2019, 11:42
159. Der Kommentar greift zu kurz

Die Stadt-Land-Analyse greift zu kurz, wirkt überholt und wird der Vielfältigkeit der modernen Ursachen für die heutige Entwicklung nicht gerecht. Ich beziehe mich jetzt auf den etwas anders gelagerten Metropolen-Fall Berlin. Zugegeben, der Mietenstopp ist ein Notwehrakt, der juristisch auf tönernem Boden steht und ein Ausdruck der Hilflosigkeit ist. Es werden bei der Analyse viel Faktoren vernachlässigt. Als Berliner, dessen Familie bereits Mitte des 19 Jahrhunderts als arme Weber in die damals noch nicht boomende Stadt zugewandert ist, beobachte ich mit gemischten Gefühlen die Veränderungen in dieser Stadt. Berlin, insbesondere der Westen war zur Wende eine arme Stadt mit vielen Hilfsempfängern. Nach dem Krieg desindustrialisiert, mit steuersubventionierten nicht nachhaltigen Arbeitsplätzen versorgt, wurde in einer ersten Phase nach dem Mauerfall volkseignes Eigentum massenweise an Erben wie ein Lottogewinn restituiert, Leute, die teilweise keinen Bezug zur Stadt mehr hatten. Eine gigantische Umverteilung, die Glücksritter fielen steuersubventioniert ein. Im Zuge der Eurokrise wurde die Stadt nach und nach von den Spekulanten entdeckt. Gutsituierte aus Westdeutschland und Ausländer kauften massenhaft Wohnungen, teilweise Zweit- und Drittwohnungen als Geldanlage. Die Stadt wurde dadurch von zahlungskräftigen Westdeutschen kolonisiert, die gewachsene Berliner Kultur des Miljöhs zerstört. Der Prenzlauer Berg wurde schwabingisiert und schwabisiert. Jetzt kam die Welle der globalen Touristisierung des Zentrums im Netzzeitalter. Alleine ca. 20.000 Wohnungen wurden durch AirBnB dem Mietmarkt entzogen. Innenstädte von Florenz und Venedig sind schon vollends touristisiert. Niederländer, Dänen, Briten, Chinesen etc. kaufen die aus ihrer Sicht billigen Wohnungen und entziehen sie ebenfalls dem Mietmarkt. Überall Bierbikes, Roller, Segways, E-Bikes machen die Stadt zu einem Ballermann und die Spielwiese einer zunehmend infantilisierten internationalen Touristenklasse. Wem gehört die Stadt? Der Widerstand wächst, Berlin wird zur Kampfzone. Alteingesessene Geschäfte geben auf, Kettenläden veröden die Städte. Das Stadt-Land-Problem im Osten wird sich möglicherweise wie in China nur durch Sonderwirtschaftszonen wiederbeleben und durch kluge Renaturierung lösen lassen. Gegen ersteres steht die westdeutsche Lobby.

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