Forum: Wirtschaft
Mietendeckel: Die Städte verstopfen, die Dörfer veröden
Paul Zinken/dpa

Wer die Mieten in den Metropolen künstlich niedrig hält, verschärft den Konflikt zwischen Stadt und Land. Es wäre ein Drama, sollte diese Art von Wirtschaftspolitik Schule machen.

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zudummzumzum 23.06.2019, 12:05
200. Mieten hoch!

Nein, nicht jeder Hilfsarbeiter mit 1.500 € Netto "braucht" eine 4-Zimmer-Wohnung in der Großstadt. Also kann es auch nicht Ziel der Politik sein, ein derartiges Angebot verfügbar zu halten. Die Mieten in Deutschland sind nicht zu niedrig. Vielmehr wäre es doch mal interessant, den Vergleich in Europa anzustellen.
Es gibt auch nicht zu wenige Sozialwohnungen, sondern zu viele. Es kann nicht Sinn von Politik sein, dass die Leute auf Jahrzehnte von Sozialleistungen abhängig sind, auch wenn diese Sozialleistung nur aus künstlich verbilligtem Wohnraum besteht.

Die Politik wäre aufgerufen klarzustellen, dass jemand, der "für immer" am Ort wohnen will, mit Eigentum besser fährt und jemand, der mietet, natürlich auch hin und wieder mal die Wohnung wechselt.

Dabei müsste man trotzdem vieles am Mietrecht ändern, um die Bewirtschaftung von Wohnungen besser steuern zu können: 1. Die Umlagen müssen runter: umgelegt werden nur noch die Kosten, die der einzelne Mieter unmittelbar beeinflussen kann. Also im MFH weder Abfall, noch Grundsteuer oder Hausmeister. Das ist das wirtschaftliche Risiko des Vermieters und ist mit der allgemeinen Miete abgegolten! 2. Die Grundsteuer und die Grunderwerbsteuer müssen hoch, so dass sich Leerstand und Spekulation niemals lohnt, sondern immer mit hohen Kosten verbunden ist. 3. Das Kündigungsrecht des Vermieters wird gelockert: Jeder Mietvertrag ist immer kündbar, aber eben mit sehr langen Fristen. Ausdrücklich erlaubt wird aber die Kündigung seitens des Mieters mit 2-Wochen-Frist im vermieterseitig gekündigten Mietvertrag. Und im Mietrecht wird stärker differenziert zwischen "gewerblichen" und "privaten" Vermietern. Wir könnten "aus dem Stand" ein paar Zehntausend Wohnungen schaffen, wenn wir den Besitzern von Einfamilienhäusern mit Einliegerwohnung die Gewissheit geben würden, einen Mieter auch wieder loswerden zu können, wenn die Chemie nicht stimmt.

Nur eins brauchen wir nicht: Preisdeckel!!! Das schafft nur Wohnungsknappheit, wie wir sei heute haben!

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dagmar1308 23.06.2019, 12:06
201. Das asoziale am Gefälle

zwischen Land und Großzentren ist, dass gerade die sogenannten Verfechter des sozialen Wohnungsbaus dieses asoziale Gefälle anheizen, und zwar auf einem Gebiet, wo es auf Leben und Tod ankommt: die medizinische Versorgung, auch im Notfall.
Der Gipfel der Ungerechtigkeit ist, dass alle gleichwertig in den Steuerzahlertopf einzahlen. Dann ist aber die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall, Unfall oder Herzinfarkt auf dem Land zu überleben deutlich geringer als dort, wo in 3 km Entfernung die Notfallmediziner....
Sozial geht heute eben nur noch bis zum Tellerrand.

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herrin 23.06.2019, 12:06
202. Was für ein Unsinn!

So lange noch Renovierungen, Instandhaltungen etc über KfW-Darlehen oder niedrige Zinsen gefördert werden, so lange darf es auch keine unverhältnismäßig hohe Mieten geben. Und so lange die Infrastruktur (öffentlicher Verkehr etc.) nicht fertig und funktionstüchtig ist, ebenfalls.
Ich würde gerne aufs Land ziehen, wenn ich nicht mit dem Auto über eine Stunde unterwegs wäre auf Grund einer mangelhaften Infrastruktur. Und nebenbei - ich bin Mieterin und Vermieterin. Vermieterin auf dem Land und Mieterin in der Stadt. Der Mietpreis auf dem Land ist wesentlich geringer. Und da ich mein Haus aufrecht erhalten möchte, bin ich gezwungen in die Stadt zu ziehen und dort zu leben und zu arbeiten.
In einem bescheuerten Bundesland wie NRW muss ich dann noch in miesen Städten wie Essen, Gelsenkirchen etc Zweitwohnsitzsteuer zahlen. Die sich u.a. an der Nettokaltmiete orientiert. Vor Jahren wurde Flexibilität und Mobilität gefordert. Diese wird heute durch Kommunen, die nicht in der Lage sind ordentlich zu haushalten, durch Zweitwohnsitzsteuern torpediert. Armes, unsinniges Deutschland!

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Mentor 54 23.06.2019, 12:07
203.

Zitat von pink15
Nicht jeder Umzug in die Innenstädte ist quasi erzwungen, viele Menschen ziehen lediglich aus dem Grund dorthin, weil es "hip" ist, in angesagten Stadtvierteln zu wohnen.
Dieses von keiner Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse getrübte Klischee liest man immer wieder. Kaum ein normal verdienender Wohnungssuchender will unbedingt in die Innenstadt ziehen, weil das "hip" und "angesagt" ist. Den meisten würde schon eine Wohnung in einem Außenbezirk reichen, aber selbst dort ist kaum noch etwas zu erschwinglichen Mieten zu finden.

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bhelmke 23.06.2019, 12:08
204.

Eine ziemlich yuppiemäßige Argumentation, die nicht berücksichtigt, dass das derzeitige Mietpreisniveau Rentner und weniger wohlhabende Menschen ganz aktiv aus ihren Wohnungen verdrängt. Ich bezweifle auch, dass der Mietpreisstopp a la Berlin die Lösung ist. Aber immer noch besser als diese Zeitbombe „dem Markt“ zu überlassen.

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Freier.Buerger 23.06.2019, 12:10
205.

Zitat von rockboy
Mal unterstützt ihr von SPON den Deckel, dann wieder nicht. Das ist genau diese "Wischi-Waschi" -Positionierung, die schon seit Jahren die Groko hemmt. Wenn das so weiter geht wird wieder nix passieren. Typisch.
Das ist eine Kolumne, es ist eine Meinung Herrn Fischers. Eine Kolumne soll die die Leser zum denken anregen, dazu sich auch mit Positionen außerhalb ihres Meinungsumfeldes zu beschäftigen. SPON muss sich nicht positionieren. Bürger können sich positionieren. Dazu ist es gut verschiedene Meinungen und Sichtweisen zu kennen.

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Pascal Meister 23.06.2019, 12:11
206. Wo ist die Gesamtschau?

Klar wollen immer mehr in die Stadt, wo sich doch absehbar die Kosten für das Pendeln erhöhen, egal ob mit Nahverkehr oder dem Auto. Der Zeitaufwand ist jetzt schon hoch, also geht Pendeln massiv zu Lasten der Lebensqualität. Wer sich Wohneigentum leisten kann, kauft es besser nicht mehr JWD, denn dort ist der Preiszerfall im vollen Gang. Allerdings dürften die Mieter noch ziemlich auf die Welt kommen, die in Grossstädten mieten. Langfristig haben sie keinerlei Sicherheit zu bleiben bzw. sich dann später eine andere Wohnung leisten zu können, da können noch so viele Gesetze erlassen werden.

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muckichen 23.06.2019, 12:11
207. Landflucht? Stadtflucht?

Beide Seiten lassen hier etwas völlig aussen vor: Ich bin in der Stadt geboren. Ich gehe hier arbeiten. Ich lebe hier schon immer. Wenn ich aufs Land ziehen soll müsste ich ein Haus kaufen. Das kann ich mir als Call Center Agent nicht leisten. Zumindest hier gibt es einige Stadtteile mit den ddr Ghettos aus betonplatte die noch geradeso bezahlbar sind. Alles was neu gebaut wird auch wenn es sich sozialwohnung nennt ist nocht bezahlbar für mich. Der Lohn stagniert hier einfach. Die Arbeitgeber sprechen von Marktgerechten Löhnen. Das Essen und alles weitete kostet hier aber genauso viel wie im Rest von Deutschland. 500-600 eur Warmmiete sind gerade noch so drin. Und das im Randghetto. näher am zentrum kann man 1000 oder wenn mann denn so will auch 3000 ausgeben pro Monat...und wir sprechen hier von Rostock. Der riesigen Metropole. Sie möchten aber mit einem deutschen sprechen wenn sie eine Hotline anrufen? Tjo das wird immer schwieriger.

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mafras 23.06.2019, 12:11
208.

Zitat von rockboy
Mal unterstützt ihr von SPON den Deckel, dann wieder nicht. Das ist genau diese "Wischi-Waschi" -Positionierung, die schon seit Jahren die Groko hemmt. Wenn das so weiter geht wird wieder nix passieren. Typisch.
Drum heißt dieses Magazin auch "Spiegel" und nicht "Neues Deutschland". Es hat den Anpruch, die unterschiedlichen Meinungen großer Teile der Bevölkerung wiederzuspiegeln (zumindest der unteren 90%) und nicht die bestimmter Regierungskoalitionen. Nur schade dass Fleischhauer nicht mehr dabei ist.

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Achmuth_I 23.06.2019, 12:12
209. Selber Schuld!

Zitat von bfhoffmann
...(wer arbeitet noch weniger als 45-50 Stunden ausser vielleicht die Tipse vom Chef)...
Wieso soll Ihnen und Ihrem Arbeitswert von irgendjemandem Respekt entgegengebracht werden, wenn Sie selbst offenbar diesen Respekt für überflüssig halten.

Ich denke in dem Fall ernten Sie was Sie selbst säen. Mein Mitleid hält sich deshalb in Grenzen.

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