Forum: Wirtschaft
Mietendeckel: Die Städte verstopfen, die Dörfer veröden
Paul Zinken/dpa

Wer die Mieten in den Metropolen künstlich niedrig hält, verschärft den Konflikt zwischen Stadt und Land. Es wäre ein Drama, sollte diese Art von Wirtschaftspolitik Schule machen.

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bolko.anderko 23.06.2019, 14:07
340. Wo kann man das kaufen?

Dieser Kommentar ist doch an Arroganz nicht zu überbieten. Ein typischer Kommentar eines elfenbeinturmbesitzenden und hoch bezahlten Bildungbürgers. Vom Arbeitgeber Zulagen verlangen für höhere Mieten ist ja ein interessanter Ansatz, nur leider für die meisten Berufsgruppen nicht anwendbar. Nicht jeder, der auf dem Land lebt, kann sich verhalten wie der homo oeconomicus, der rein rational sein Verhalten bestimmt. Weil er aus vielfältigen Gründen nicht einfach dahin ziehen kann, wo es vielleicht sinnvoll wäre. Wer sich freitags nachmittags auf den Bundesautobahnen bewegt, bekommt schon dort ein Bild von den realen Verhältnissen. Sehr viele Menschen kehren zum Wochenende von ihrem weit entfernten Arbeitsplatz zurück in ihre Heimatorte. Und das ist für diejenigen meist alternativlos.

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Champagnerschorle 23.06.2019, 14:08
341. wieso

Zitat von spmc-12355639674612
müssen in und um München auch diejenigen eine Wohnung bekommen, die bei der Müllabfuhr arbeiten oder als Reinigungskraft oder Polizist oder Krankenpfleger in einer der vielen Kliniken. Wie will man das dann hinbekommen? Klar, man könnte den Leuten einfach einen kräftigen Wohnzuschlag auf's Gehalt drauflegen (das Geld müsste dann z. B. aus der Gewerbe- oder Grundsteuer kommen). Aber eine Stadt, in der am Ende nur hochbezahlte Ingenieure, Professoren, Notare und Ärzte wohnen? Ich wäre gespannt, wie das ausgeht. Dann muss halt der Oberarzt an bestimmten Wochentagen seinen Zwangsdienst bei der Feuerwehr ableisten. Auch gut!
Wieso müssen die eine Wohnung in M bekommen? Ich bekomme meine Villa am Starnberger See doch auch nicht. Nur weil Sie zu faul zum lernen und arbeiten sind, müssen andere doch nicht darunter leiden.

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k70-ingo 23.06.2019, 14:09
342.

Zitat von michi_meissner
Ich frage mich, wie man mit einem derart unflexiblen Mietndeckel noch mieten können soll, wenn man eine wirklich hochwertige Wohnung möchte. Mein Vorgesetzter hat z.B. eine möbliert eingerichtete 113 qm in einer tollen Lage mit allem drum und dran für 3 Jahre gemietet und zahlt alles inklusive 3300,- Euro. bei geschätzten 12.000 netto kein Problem für ihn. Wie soll jemand mit solchen Bedürfnissen denn in Berlin in Zukunft mieten können, wenn es einen absoluten Deckel gibt? Will man diesen Menschen dann vorschreiben, wie sie wohnen sollen? Können dann nur noch Eigentümer hochwertig wohnen, weil Mieten von 28 Euro pro qm per se verboten sind? Alles ziemlich absurde Vorstellungen, als Staat so sehr in das Leben der Menschen einzugreifen.
Reiche mieten nicht, Reiche bewohnen Eigentum.

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Champagnerschorle 23.06.2019, 14:09
343. Ergänzung

Zitat von darthkai
Neoliberalismus vom Feinsten: Artikel 11 des Grundgesetzes nur gültig für Leute mit reichen Eltern ;)
...und Menschen die Arbeiten. Das Wort Arbeit können Sie bestimmt googlen, wenns nicht zuviel verlangt ist.

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dagmar1308 23.06.2019, 14:10
344. 70% liegt Ingelheim gegenüber Bielefeld

bei Wohneigentum höher, das zum Kauf angeboten wird. Exakte Vergleiche mache ich schon seit 5 Jahren. Warum?
Speckgürtel Rhein Main. es werden kaum Flächen erschlossen. Kenne dort einige junge Familien, die dort wohnen aber gerne kaufen würden. Keine Chance oder völlig überteuerte alte Hütten, wo die Erben Kasse machen wollen. Das kurz zu der Art von Haien am Wohnungsmarkt. Gehe davon aus, dass die riesigen, subventionierten Weingebiete um die Stadt auch nicht erschlossen werden, da die Entscheider in den politischen Gremien dort sicher auch, da meist länger dort schon wohnend, Wohneigentum haben und der Wert soll ja nicht von 500 000 auf 350 000 fallen, nur weil genügend Wohnraum mal vorhanden ist.

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kuestenvogel 23.06.2019, 14:12
345. Wenn man sich das leisten kann

Zitat von k70-ingo
Wenn Sie hingegen einen Pendelweg von einer halben Stunde (was für Millionen Pendler im Ruhrgebiet, im Rhein-Main-Gebiet, München oder London ein müder Witz wäre) einrechnen, sieht die Situation für Kiel völlig anders aus. Da läßt sich dann äußerst preiswerter Wohnraum en masse finden.
Kaum jemand wohnt gerne/ heute noch freiwillig im Problemviertel. Man wohnt dort auch, weil man aufgrund z. B. medizinischer Versorgung nicht im Umland wohnen kann.

Sie finden keine günstigere Wohnung im Kieler Umland mit medizinischer Versorgung. Man müsste die Zug/Buskosten zusätzlich tragen, als 1000€-Rentner/Schwerbehinderter haben sie damit auch im Alter von u 40 ein Problem.

Das sind natürlich die bekannten Einzelfälle, deshalb gibt es Viertel wie Gaarden - Viertel für die Abgehängten. Man hat eben nicht die Wahl, wie Sie es sich vorstellen, leider. Normale Berufstätige können sich das Umland auch mit Familie natürlich eher leisten, inkl. Auto, da gebe ich Ihnen recht.

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Vermieter2018 23.06.2019, 14:12
346. Ihr habt es nicht kapiert

Der Mietendeckel wird einen Keil und Chaos zwischen die Mieter und Vermieter treiben
Neubau wird sich verlagern
Die Wohnsubstanz wird verfallen
Wenn die Klagen durchkommen kann Berlin Insolvenz anmelden bei 1,5mio Geschädigten

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fischblase 23.06.2019, 14:12
347. Flächendeckend Glasfaser und 4/5 G in ganz Deutschland,

und nicht zuletzt dorthin sanierte Straßen und Autobahnen, sodass Unternehmen sich ebenfalls wieder in weit kostengünstigeren Gegenden niederlassen können, und wieder Weltmarktführer auf der grünen Wiese heranwachsen können., Anstatt diesen Wahnsinn deckeln zu wollen, sollte man die Anreize zum Rückzug auf ländliches Gebiet stärken.

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palladio 23.06.2019, 14:13
348. Weiter denken

Mietpreisbremse, Mietendeckel, Enteignungen – die Diskussionen werden immer hitziger geführt. Die unangenehmen Nebenwirkungen der jahrelangen planwirtschaften Nullzinspolitik der Zentralbanken werden nun immer stärker und die Verteilungskämpfe heftiger. Nur leider hat niemand den Mut, zu den Ursachen vorzudringen. Enteignungen schaffen nicht eine einzige neue Wohnung, sondern verteilen nur Eigentum um (nach welchen politischen Kriterien auch immer).

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michi_meissner 23.06.2019, 14:13
349.

Zitat von dschiseskreist
die sog. Peripherie ist im Fall von Berlin bereits an den Grenzen Brandenburgs nach Norden und Süden angekommen und der Immobilienboom auf dem Land ist auch in entfernten Regionen spürbar. Im Zuge der Digitalisierung kann das Land mit ganz anderen Dingen Punkten und das ist es was die Menschen mittleren Alters wieder aus der Stadt zieht. Die (in meinen Augen extrem notwendige) Mietendeckelung wird diese Prozesse marginal bis gar nicht beeinflussen denn wohnen in Berlin bleibt teurer, nur nicht obszön teuer.
Was ist denn öbszön teuer?

Wir haben in bester Citylage einen Neubau erstellt der am Ende 5800,- Euro pro qm gekostet hat. 26% davon ging für das Grundstück drauf, der größte Anteil war einer modernen Ausstattung mit Solaranlage und guter energetischer Faktoren geschuldet. Der ursprünglich mit 800,- Euro /qm kalkulierte Bauträgergewinn schrumpfteam Ende auf 150 Euro zusammen, weil immer irgendwas schief geht, bei uns mußten z.B. alle Parkettarbeiten wegen Insolvenz fast doppelt bezahlt werden, wobei auch vieles Glatt gelaufen ist.

Nun kommt die Rechnung der Investoren:
Sie kaufen 100 qm, 3 Zimmer zu 580.000,- Euro + TG für 30.000 (Subventioniert, echte Kosten 36.000). Sie zahlen ca. 40.000 für Notar und Grunderwerbsteuer und 40.000 für den Makler, am Ende also 660.000,- Euro.
Finanziert wird das zu 1,9% auf 10 Jahre mit 2% Tilgung, also 3,9% Leistungsrate also 2145,- Euro im Monat. Die 100% Wohnung müßte also 21,45 Euro pro qm kosten, um monatlich keinen Verlust zu machen. Die einzige Rendite wären dann die 2% Tilgung, wobei der Verwaltungsaufwand mit 0,- Euro angesetzt ist, sobald ich eine Hausverwaltung nehme, die 3% für die Verwaltung möchte, bin ich im Verlustbereich.

Was ist also öbszön? Der Maurer, der nur für 21 Euro brutto mauert und so die Preise treibt? Der Parkettleger, der als Dienstleister freche 58 Euro netto möchte?

Oder der Vermieter, der bereist bei 19 Euro Miete ein faktisches Verlustgeschäft macht?

Es ist übrigens gar nicht leicht Wohnungen in Berlin für 20 Euro zu vermieten, offenbar ist der Nachfragedruck noch nicht hoch genug.
Neu bauen wird so jedenfalls niemals mehr!

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