Forum: Wirtschaft
Migrationsdebatte: Die große Erregung über das falsche Thema
DPA

Seit Monaten kreist die deutsche Politik um das Thema Zuwanderung. Dabei haben die meisten Bürger ganz andere Sorgen. Doch sie organisieren ihre Interessen schlechter als einflussreiche Minderheiten.

Seite 9 von 15
Tolotos 29.07.2018, 14:16
80. Vieles liegt auch daran, dass die Wahlfreiheit der Wähler sehr eingeschränkt ist!

Selbst wenn sich die Wähler eine Meinung zu einzelnen Themen, oder die Politik einzelner Politiker machen, steht das bei Wahlen praktisch nicht zur Wahl. Vielleicht könnten sich Politiker, die Politik für ihre Wähler machen, besser durchsetzen, wenn nicht deren Partei, sondern die Wähler bestimmen könnten, auf welchem Listenplatz die Kandidaten landen.

Derzeit bestimmen ausschließlich die Parteien selbst, welche Politiker welche Aufgaben übernehmen, - oder auch nicht übernehmen!

Das die Zustimmung zu den etablierten Parteien abnimmt liegt sicherlich auch daran, dass das Wahlsystem den Wählern kaum andere Alternativen lässt, Einfluss auf die realpolitische Willensbildung zu nehmen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
**Kiki** 29.07.2018, 14:17
81. Ja, genau. Absolut.

Zitat von
Nun setzen sich im politischen Geschäft nicht mehr unbedingt diejenigen durch, die besonders effektiv Abgeordnete und Beamte zu bearbeiten vermögen - sondern diejenigen, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenken. Entsprechend verschieben sich politische Debatten. Und zwar nicht unbedingt zum Besseren. Denn die Aufmerksamkeitsökonomie im Netz basiert vor allem auf drei Erfolgsfaktoren: einfache Geschichte, möglichst negativ gewendet, klares Feindbild.
Und die als Gruppen auftretenden Vertreter der "Guten" in diesen Debatten, exemplarisch das Asyl- oder Rassismus-Thema, tun das ebenso wie die "Bösen", auch wenn der Autor das nicht erwähnt, denn sie verstärken die negative Wirkung, weil sie dafür mitverantwortlich sind, daß die Themen, die der Bevölkerung wirklich wichtig sind, es nie in der Agenda an die Stelle schaffen, an die sie eigentlich gehören würden.

Das gilt aber auch für die Medien, denn wer könnte den Medien vorschreiben, über welche Themen sie berichten soll? Und so findet man bei SpOn wochenlang Mesut Özil als Hauptthema vor, weil aus Sicht der Redaktion kein Thema wichtiger sein könnte, als eines mit dem Potential, über Wochen hinweg die Gemüter auf ALLEN Seiten zu erhitzen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Child 29.07.2018, 14:22
82. Thesen?

Zitat von Zottelbär
Dass das Thema Zuwanderung in der Lebensrealität der Deutschen nur eine untergeordnete Rolle spielen soll, ist eine gewagte These. Nach Meinung des Autors gewichtigere Punkte wie steigende Lebenshaltungskosten - vor allem teurer Wohnraum - Engpässe bei der Pflege und im Gesundheitssystem, die Qualität der Schulen und des Bildungssystems, die künftige Entwicklung der Renten, und Umweltprobleme sind von der Migrationsfrage aber nicht zu trennen. Denn als Folge der Zuwanderung sind bezahlbarer und verfügbarer Wohnraum immer knapper geworden, [...]
Ihr letzten Vermutung möchte ich doch in Frage stelle - vor allem in Form einer Tatsache. Vor allem ist in der der Debatte doch tatsächlich Migration und Asylbewerber bzw. Flüchtlinge eins geworden. Über 60% der Zuwanderung bei uns sind Personen aus Europa - größtenteils eben aus der EU. Außerdem darf meines Wissen nur ein kleiner Teil der sog. "Wirtschaftsflüchtlinge" tatsächlich in Deutschland bzw. der EU bleiben. Deshalb hält sich die Auswirkung in Grenzen.

Aber um zum Grundsätzlichen zu kommen - und da geben ich Ihnen gerne Recht - die im Kommentar genannten Themen hängen zusammen. Allerdings - anders herum. Keiner kann ernsthaft glaub, das Null Migration alle anderen Themenbereiche löst. Nach meinem Empfinden ist es eher umgekehrt: Wird in Deutschland eine Perspektive und Lösung für Rente, Wohnen, Pflege, etc. ... gefunden und formuliert so wird sich das Thema der Migration auflösen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
carranza 29.07.2018, 14:27
83. Ausländerfeindlichkeit als Vehikel

Wenn man dann noch sieht, wie diese gut organisierten Minderheiten etwa in Österreich das Thema Migration für sich ausgeschlachtet haben, dann fällt einem nichts mehr ein. Ließen sich durch die Migrantenhetze tüchtig Wählerstimmen einsammeln, reichte es dank der demokratisch geschaffenen Mehrheitsverhältnisse, mal eben schnell die maximale Wochenarbeitszeit tüchtig heraufzusetzen. Das tut mir für alle Österreicher leid, insbesondere natürlich für die, die die Rattenfänger nicht gewählt haben. Es trifft abermals die Ärmsten der Armen, die nun gewiss noch unzufriedener werden, als sie ohnehin schon sind.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
lalito 29.07.2018, 14:39
84. Exakt

Zitat von C.Rainers
Ich ,Jahrgang 64 z.Zt. Hartz4 Empfänger werde nie wieder für den Staat arbeiten, weil ich kein signifikantes Nettoeinkommen erwarte, was meinen Rentenanspruch auf mehr wie Grundsicherung steigen läßt. Ich wechsle im Alter nur den Tresen, der mir Geld auszahlt. Aber Altersarmut der Babyboomer Jahrgänge interessiert kein Schwein. Dabei werden davon 60% Grundsicherung beziehen. Vielleicht kann ich mir schon mal einen Pfandflaschenclaim eintragen lassen?
. . . und das wussten die Agenda-Fuzzis genau. Die hatten alle Zahlen auf dem Tisch. Es war klar, dass ein komplettes Jahrzehnt von der Teilnahme ausgehebelt werden musste, bis auf die 10% mit der Hälfte und die Erben.

Das selbstgeschaufelte Grab der SPD, von Ihnen hier genau auf den Punkt gebracht. Die Generation born in the 60ies hatte sich von Schröder/Fischer etwas ganz anderes als eine neoliberale Hardcorecdu, um der Wirtschaft zu gefallen, vorgestellt.

Die aktuellen Prozente zeigen klar, dass niemand aus unserem Jahrzehnt diese Sozialsimulanten noch jemals wählen würde. Bis auf die eingangs genannten Profiteure, natürlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
CSc5911 29.07.2018, 14:39
85.

Zitat von dasfred
Der Autor bringt es gleich zu Anfang auf den Punkt. Alle wirklich wichtigen Themen wurden in den letzten Monaten beiseite geschoben, nur weil Söder und Seehofer mit ihrem Lieblingsthema auf Stimmenfang gehen wollten.
Ich würde Ihnen zustimmen, dass dieses "Sau-durch's-Dorf-Treiben" der beiden von Ihnen Genannten wahrscheinlich einem großen Teil der interessierten Öffentlichkeit ziemlich auf die Nerven geht. Allerdings finde ich es, wenn die es denn nicht lassen können, auch wichtig, genau darüber informiert zu sein. Den größten Gefallen würden die Medien wahrscheinlich Seehofer und Söder tun, wenn sie über deren einseitig-populistische Bauernfängerei gentleman-like hinweg sehen würden. Dann könnte man ja auf die Idee kommen, so schlimm sei es ja gar nicht. Ist es aber! Und es behindert wichtigere Themen! Und es nervt! Und genau das mögen die Medien den Wählerinnen und Wählern auch bitte 1:1 so durchstellen, damit diese daraus gut informiert ihre Schlüsse ziehen können. Kruzifix! ;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
distar99 29.07.2018, 14:44
86. Einwanderungsgesetz

Zitat von haarer.15
Gesteuerte legitime Zuwanderung - ja. Dass wir das brauchen, dürfte inzwischen längst Konsens sein. Aber dass wir bis heute kein vernünftiges Einwanderungsgesetz haben bzw. immer blockiert wurde, das dürfen sich schon die Schwarzen anheften. Diese Ignoranz fällt jetzt Herrn Seehofer auf die Füße.
Wozu genau brauchen wir ein Einwanderungsgesetz, wenn mehr als 300 Mio. Menschen in der EU leben und arbeiten dürfen wo sie wollen?
Wem dient ein Einwanderungsgesetz eigentlich? Nehmen wir damit den Drittstaaten nicht ihr qualifiziertes Personal und bluten wir sie damit nicht aus?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
CSc5911 29.07.2018, 14:56
87.

Zitat von RGK20
Deutschen Medien ist eben auch genau ein Teil dieses Problems oder Phänomens. Warum schreibt Ihr jeden Tag gefühlt drei Artikel über Trump, fünf Artikel über Merkel und Seehofer, aber nur einen Bericht pro Quartal über die fehlenden Kapazitäten in den Kitas, über marode Infrastrukturen, über abgehängte Internetversorgung, etc. ? Meine Vermutung ist, weil der sogenannte Mainstream in den Talkshows und in der Journallie lieber die Politik personalisiert: über andere Leute reden und Ängste schüren bringt Quoten, sich wirklich sachlich mit dem Problem auseinandersetzen und eine akzeptable Lösung erarbeiten... kostet Schweiss und ist nur etwas für Langweiler.
Meine Vermutung ist eine andere. Über Sachthemen wie den Mangel an Kita-Plätzen, marode Infrastruktur und übrigens auch die gesetzlichen Grundlagen von Asyl und Aufenthaltsrecht im Bundesgebiet kann man sich sachlich informieren. Da ändert sich auch nicht täglich irgendwas. Auf eine Äußerung von Trump oder Seehofer, ebenso eine Erkenntnis von Mueller usw usf muss man aber jederzeit gefasst sein. Und, ja, ich möchte darüber informiert sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dagmar1308 29.07.2018, 15:01
88.

Zitat von jh2015
Gebe dem Author nur teilweise Recht im Hinblick auf den Einfluss von Interessengruppen. Jedoch ist zu bedenken , dass die augenblickliche Debatte , die in Tendenzen ja weltweit aehnlich gefuehrt wird, auf ein sehr grundsaetzliches Problem hinweist: Die Lebensbedingungen sind regional bzw. kontinental zu unterschiedlich durch Klimawandel , politische Instabilitaet und Kriege. Als Folge davon waechst die Zahl der Migranten stark an. In den vergleichsweise " reichen und friedlichen Regionen" teilt sich die Stimmung in Unterstuetzer bzw. Gegner der Migranten. Solange die Politik keine tiefgreifenden und wirksamen Veraenderungen vornimmt ( kein Export subventionierter Agrarprodukte , Klimaprogramm, keine Stellvertreterkriege als Beispiele) wird sich der Strom weiter erhoehen, sodass die Aengste und Widerstaende bei einem Teil der Bevoelkerung weiter zunehmen. Verschaerfend kommt hinzu , dass sich genau diese Schichten der Bevoelkerung durch das wiederholte Betonen der " Migrationsgefahr" leichter von den Ursachen ( s.o.) und dem Versagen der Politik ablenken lassen. Dass andere , kleinere Anteile der Bevoelkerung in der Zwischenzeit hervorragend verdienen , geht dann ebenso unter. Hier trifft dann der vom Author getroffene Rueckschluss auf bestimmte Interessengruppen zu.
".....kein Export subventionierter Agrarprodukte , Klimaprogramm, keine Stellvertreterkriege als Beispiele)..."
Das sind aber schon die wesentlichen Teilgebiete.
Klimaprogramm: Wo anfangen, wird Daueraufgabe in allen Ländern der Welt. Mal ist es der undurchdachte und nicht organisierte Umgang mit knappen Ressourcen wie Wasser oder die Landerhaltung, idiotischer Konsum und bei uns der überhöhte Konsum, den wir aber allen Menschen angedeihen lassen wollen; ebenso die Überbevölkerung als das größte, wenn auch aus falscher Rücksicht kaum angesprochene Thema.
Stellvertreterkrieg: Ist eine ideologische Sichtweise. Wer weiß vorher, wo man sich besser raus gehalten hätte und dem Morden mit dem Zeigefinger oder durch labern begegnet wäre. Als nicht bedrohter hat man da eine sehr abgehobene Position. Irgendetwas kann man immer heranziehen als Argument wie Ölsicherheit...
kein Export subventionierter Agrarprodukte:
Das ist das derzeit entscheidende Argument und sehr schnell umsetzbar von unserer Seite. Generelles Exportverbot aus der EU nach Afrika mit genauen, befristeten Ausnahmen. Keiner schreit danach, keine NGO, keine von dort Flüchtenden, keine linken Politiker kaum barmherzig motivierte Gruppen.
Und: Jeder weiß, dass für unterentwickelte Staaten dies der erste und damit wichtigste Schritt in eine bessere Zukunft ist.
Ein Minischritt: Solino Kaffee kaufen im Netz, der auch in Äthiopien geröstet und verpackt wird. Dann innerhalb von drei Jahren kein EU Import mehr auf Rohkaffee zulassen.
Das geht schnell und bringt locker 100 000 Arbeitsplätze in Afrika und sonst wo. Das ist ein deutliches Signal an die Welt und nicht das schon Jahrzehnte altes Politikgelaber wir müssen die Ursachen....
Die Merkels und Junckers sind auch nicht besser als die vielen Trottel vorher....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
schwaebischehausfrau 29.07.2018, 15:05
89. Henrik Müller widerspricht sich...

doch selbst..mit seiner steilen These (wonach das Thema Migration "überbewertet" sei für die Zukunft unseres Landes),wenn er am Ende die tatsächlichen Probleme auflistet. Denn natürlich hängt die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes davon ab, ob primär gut qualifizierte Menschen ins Land geholt werden (wie das Australien, Kanada, USA tun) oder Menschen, die zum großen Teil mangels der hier erforderlichen Qualifikation und Bildungsniveau auch auf lange Sicht von den Sozialsystemen mit ernährt werden müssen - so wie Deutschland das tut. Und genau dies hat natürlich auch signifikante Auswirkungen auf die "wahren Probleme" und großen Sorgen der Menschen, die Hr. Müller ja zutreffend auflistet: Eine steigende Anzahl von Sozialhilfe-Empfängern und "Aufstockern" gefährdet die Sicherheit (der eh schon drastisch gekürzten Renten) in Deutschland gleich doppelt: Weil diese Menschen selbst keine Beiträge einzahlen und weil die rasant steigenden Kosten für Sozialhilfe (jetzt schon - und noch dramatischer, wenn der durch Gelddrucken künstlich geschaffene Wirtschaftsaufschwung demnächst vorbei ist) und "Flüchtlingskosten" im mittlerer 2-stelliger Milliarden-Höhe eben an anderer Stelle fehlen werden. Bei Ausgaben für Infrastruktur, menschenwürdige Pflege und den zig Milliarden Zuschüssen aus Steuermitteln in die Rentenkasse. Von dem seit Jahren in Deutschland dramatisch sinkenden Bildungs-Niveau ganz zu schweigen (ich meine nicht den durch immer niedrigere Anforderungen "getunten" Notendurchschnitt, sondern über das Feedback, das Universitäten und Ausbildungsbetriebe zum Bildungsniveau von Bewerbern etc. abgeben.
Sinnvolle Migration hilft einem Land, die Probleme und Herausforderungen der Zukunft besser zu bewältigen. Und genau das wurde und wird den Bürgern ja immer versprochen. Andere Länder machen das vor. Eine völlig verfehlte Migration wie in Deutschland führt nur dazu, dass die Probleme nur noch dramatisch größer werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 9 von 15