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Milliardenprojekt: Zoll entdeckt Schwarzarbeiter auf Stuttgart-21-Baustelle

Verdeckte Subventionen und geschönte Kostenplanung: Das Milliardenprojekt "Stuttgart 21" steht massiv in der Kritik. Jetzt kommt womöglich ein handfester Skandal hinzu: Bei einer Routinekontrolle des Zolls konnten rund 80 Prozent der überprüften Arbeiter keine ordnungsgemäßen Papiere vorweisen.

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ezuensler 17.08.2010, 19:23
80. **

Zitat von
"Mit dem Projekt Stuttgart 21 und der ICE-Neubaustrecke Wendlingen - Ulm werden direkt etwa 7000 neue Arbeitsplätze bei den beauftragten Firmen geschaffen. Die verbesserte Erreichbarkeit sowie die städtebaulichen Neunutzungen frei werdender Gleisflächen bringe zusätzlich 10.000 Dauerarbeitsplätze im Land - summa summarum insgesamt 17.000 Jobs." (Drexler)
Haha... hier sind sie also, die ersten der 17 000 Arbeitsplätze. Vielleicht sollte man mal das Berliner Stadtschloß neu kalkulieren - mit Schwarzarbeit wird es vielleicht am Ende doch gebaut?

Oder doch besser Sklaverei?
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fo...e-57020-8.html

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ach-nur-so 17.08.2010, 19:25
81. .. .. .. .. ..

Zitat von Uwe4270
(...) Und wir sollten auch vielleicht nicht die hier aktuelle Frage von auf der Stuttgarter Großbaustelle primär dazu einsetzen, um die Kontroversen um den Bau von "Stuttgart 21" zu diskutieren und für irgendeinen Standpunkt Punkte zu gewinnen. Die Kontroverse von "Schwarzarbeit" lässt sich von meiner eigenen Sichtweise als Physiker und Softwareingenieur nur sehr mittelbar einbauen in die politische Kontroverse über das Bauvorhaben als solches. Aber ich weiß natürlich auch, dass viele meiner SPIEGEL Online Foristen-Kollegen das total anders sehen.
Ich wohne in NRW und hatte mir noch keine umfassende Meinung über "Stuttgart-21" gebildet. Aber ich habe gerade kurz mal über Ihre flehentliche Bitte, die bereits bestehende "contra-21"-Stimmung nicht durch diese neuerlichen Enthüllungen zu verschlimmbessern, nachgedacht.

Und dabei bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass wir in einer Welt leben, in der alle und jede Skandale und Skandälchen, mit denen wir rund um das Megaprojekt in den nächsten Jahren noch konfrontiert werden mögen, höchstwahrscheinlich von vorn herein miteinander verwoben sind - ob man das nun wahrhaben will oder nicht.

Die Welt, die ich da meine, ist die des Preisdiktats über die Vernunft, der Rendite über die Menschlichkeit und der wirtschaftlichen Interessen über die volksvertretende Politik.

Mich wundert es ehrlich gesagt schon, dass unsere hochtechnologisierte, irrsinnig arbeitsteilige und ökonomisch tief durchrationalisierte und korrupte billig-billig-schnell-schnell-Gesellschaft überhaupt noch in der Lage ist, Bauwerke wie den Berliner Hauptbahnhof oder neue U-Bahn-Trassen in Köln oder Berlin hinzustellen, ohne dass sie nach einem Jahr wieder in sich zusammenfallen.
(Beim Hauptbahnhof B dachte ich beim ersten fallenden Träger schon "oh je, das war's". In Köln hat man den Stahlträger-Klau ja zum Glück noch rechtzeitig bemerkt).

Eine letzte Bemerkung: ich habe recht schmunzeln müssen, dass sich an dieser Stelle ein Naturwissenschaftler anschickt, ein Thema als zwei Mengen mit der Schnittmenge Null zu behandeln. Addition verboten. Quasi.
Intuitiv haben Sie dabei ein weiteres Merkmal der besagten Welt charakterisiert: In sich geschlossene Weltbilder unerwünscht. Freies assoziatives Denken: unerwünscht.
Schade.

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Nurzumspass 17.08.2010, 19:26
82. Subunternehmer...

...sind teilweise die Sklaven der Grossen. Man braucht gar nicht darüber diskutieren, das in Stuttgart für den Bau von S21 die grossen angesehenen Bauunternehmen Ihre Stammbelegschaft anrücken lassen. Die besteht allerhöchstens wenn dann aus Vorarbeitern, Meistern oder anderen "Führungskräften". Ich habe in genügend Grossbaustellen in Stuttgart mitgearbeitet und kann durchaus bestätigen, das der grösste Teil der Rödler dort Subunternehmer aus allen Herren Ländern sind. Da werden Gewerke hingesetzt, das einem graut. Die Ausführung der Gewerke ist teilweise als Mangelhaft an zu sehen, für die Grossfirmen aber immer noch gut genug, das es die eigene Stammbelegschaft noch ausbessern kann, mehr recht als schlecht. Von den Verständigungsschwierigkeiten auf den Baustellen kaum zu reden. Wir reden hier schon von Grössen wie Bilfinger und Berger, Züblin und Co.

Bei diesen Dumpingangeboten, die da manchmal durch den Raum schweben wundert es mich nicht, das manche Arbeiten ungenügend ausgeführt werden. Zeit ist Geld und die hat ein Subler nicht, geschweige denn der guten Leute, die er haben sollte, um diese Arbeiten zu bewerkstelligen. Gute Arbeit, gutes Geld für Handwerk, ganz einfach. Und das es auf dem S21 Bau so ablaufen sollte, hätte mich gewundert. Aber das es so früh zu Kontrollen kommt, das ist bewundernswert. Frage mich, wer da den Hut nehmen darf für das Prestigeobjekt.

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Uwe4270 17.08.2010, 19:31
83. Schwarzarbeit als "gängige Methoden" - Akzeptabler Preis für die deutsche Wirtschaft?

Zitat von mstylz
vorkommt ist etwas beschränkt.bei uns in der stadt wurden schwarzarbeiter auf der baustelle zum neubau der kreispolizei ertappt.als schmunzler nur mal so in den raum geschmissen. ich arbeite im baugewerbe und WEISS, dass es genau so abläuft wie im bericht. es ist niemand ernsthaft interessiert an aufklärung.es gibt völlig legale schlupflöcher die unternehmen nutzen können. der lohn den der einzelne am ende bekommt ist ein bruchteil des mindestlohns. warum? der subunternehmer lässt sich sämtliche ausgaben vom arbeitnehmer bezahlen.unmenschliche überstundenleistungen sind natürlich "im preis" drin. und das sind noch gängige methoden.
Der mit Absicht akademisch sehr anspruchsvolle Titel meines umso bescheideneren Beitrags hier hat nur die Absicht, die breitere Grundsatzdiskussion anzuregen. Aber ein solcher Titel sollte in der Tat zumindest sinngemäß vorkommen bei anspruchsvollen Aufszätzen von Wirtschaftswissenschaftlern und Fachjournalisten.

Müssen wir wirklich den Erfolg unserer deutschen Volkswirtschaft erkaufen und erhalten durch die vermeintliche, wie ein Gestank durchdringende Präsenz von Schwarzarbeit als "gängige Methoden", und das natürlich auch zusammen mit anderen dubiosen Aspketen der kapitalistischen Wirtschaft wie Schmiergelder und Korruption?

Wenn es andere hier auch interessant finden, dann möchte ich Sie ermutigen, auch eine solche Grundsatzdiskussion hier mit in das Thema hineinzunehmen. Aber beschimpfen Sie mich nicht nur persönlich als Nestbeschmutzer. Wenn überhaupt etwas, dann bin ich hier nur ein "whistleblower". Jedoch erfahrungsgemäß machen sich gerade whistleblower sehr unbeliebt und schaffen sich viele Feinde. Interessanterweise geht mir das übrigens bei anderen SPIEGEL Online Foren auch so ...

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pax 17.08.2010, 19:32
84. Skandal ?

Zitat von sysop
Verdeckte Subventionen und geschönte Kostenplanung: Das Milliardenprojekt "Stuttgart 21" steht massiv in der Kritik. Jetzt kommt womöglich ein handfester Skandal hinzu: Bei einer Routinekontrolle des Zolls konnten rund 80 Prozent der überprüften Arbeiter keine ordnungsgemäßen Papiere vorweisen.
Was für ein Skandal ?
Ich kenne keine (öffentliche) Baustelle die nicht mit einer solchen Quote an Schwarzarbeitern besetzt ist.

Ironischer Weise sogar das örtliche Arbeitsamt :-D

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realredfox 17.08.2010, 19:34
85. BlaBla

Zitat von derpolokolop
Wenn die Mehrheit dagegen ist kann man das "Bashing" nennen, das stimmt.
Welche Mehrheit?

Die paar Späthippies, Gammel-Jugendliche und Punks, Renter und Ökos vorm Hauptbahnhof? (milde ausgedrückt)
Vorhin kams mal wieder im Fernsehn, da sieht man doch auf den ersten Blick was da für Leute demonstrieren...

Die ganzen Trittbrettfahrer mit den Anti-S21 Aufklebern (vor allem von Aufkleber den neuen E-Klassen sind paradox, die Karren wachsen nämlich auf Bäumen was) ham doch nur die paar Halbwahrheiten der Gegner gefressen.

Wenn das die Mehrheit in Stuttgart von Stuttgart ist, dann fress ich nen Besen.

Lieber soll Stuttgart 100 Mio in die Zukunft investieren (der Rest kommt ja von Bahn, Bund, Land und EU) für einen neuen Bahnhof, neue Wohngebiete im Talkessel und mehr Grünflächen, als die ganze Kohle in die Pleite-Bundesländer zu schaufeln, so dass diese unter Umständen Stadtschlösser oder ähnliches bauen können.

Is klar dass z.B. der Palmer in Tübingen da rumnervt, der hätte die Kohle auch lieber in Tübingen um sich da seine Infrastruktur ausbauen zu lassen.

Oder dass die Opposition nur ihren üblichen Job macht und gegen alles pauschal wettert.

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otmars1 17.08.2010, 19:37
86. Das wirtschaftlichste Angebot

Zitat von st_anja
ein "loch" in öffentlichen ausschreibungen zu finden ist nicht schwer. früher dachte ich naiverweise, dass die ausschreibungen so dilettantisch erstellt werden, heute bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das nicht manchmal gewollt ist. wenn jemand diese löcher freiwillig in seinem"angebot" stopft, wird er niemals ein konkurrenzfähiges angebot vorlegen können und fliegt umgehend aus dem wettbewerb. ausserdem DARF bei öffentlichen ausschreibungen NUR das was beschrieben ist, angeboten werden. jede änderung, schon eine versehentlich falsch ausgefüllte zeile führt zum ausschluss. es ist doch schön für die stadt einen "günstigen" angebotspreis nennen zu können!! bei aufträgen der öffentlichen hand muss der billigste genommen werden. übrigens ist das bei unseren hollandischen nachbarn anders. da wird der zweitgünstigste genommen :) ein schelm, wer sich etwas dabei denkt :)
Das billigste ist falsch, in den Vergaberichtlinien heisst es immer noch das wirtschaftlichste. Das ändert natürlich nichts am Grundproblem, der illegalen Beschäftigung und der Subunternehmen. In einem Volk, der Schnäppchenjäger sollte man sich aber über so etwas nicht aufregen. Wenn juckt es wirklich das seine Textilien teils unter Sklavenbedingungen hergestellt werden?
Billig geht nicht ohne das jemand dafür auf der Strecke bleibt.
Im übrigen habe ich gelesen, das die Firma Wolf und Müller bereits in der Vergangenheit Verfahren am Halse hatte, weil sie gegen das Mindestlohngesetz am Bau verstossen hat. Es stimmt auch nicht das es keine Richtlinien gegen soetwas gibt. Die Auftragsberatungsstellen der Länder haben sehr wohl eine Klausel, die Auftragnehmer dazu verpflichtet die Tarifverträge und die Sozialgesetze einzuhalten. Nur gehen eben bei den Ausschreibungen viele Aufträge wegen Mißachtung der Einschaltung der Auftragsberatungsstellen und der Vergabekammern an den Prüfstellen vorbei.
Zum Beispiel weil die Verfahren so gestückelt werden, das sie unter der Summe liegen, die eine öffentliche Ausschreibung erfordern.
Im übrigen traut sich in Baden Württemberg die Vergabekammer seit dem Nudelskandal von Birkel nicht mehr Firmen auf die schwarze Liste zu setzen. Bei größeren Aufträgen müssen die staatlichen Stellen nämlich anfragen ob ein Bewerber darauf steht. Nur wegen der verlorenen Mio. Klage gegen Birkel traut sich das kein Mitarbeiter der Vergabekammer Baden Württemberg sitzt Karlsruhe mehr.
So bekommt jeder seinen Unbedenklichkeitsstempel. Die Institutionen gibts, nur hat die Union und die FDP dem Löwen die Zähne gezogen. Abgeschaft wurde die Auftragsberatungsstelle in ihrer alten Form übrigens während der SPD CDU Koalition in BaWü. Auf Betreiben der SPD. Also die sind auch nicht unschuldig.

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elwu 17.08.2010, 19:46
87. Die Demonstranten

Zitat von realredfox
Die paar Späthippies, Gammel-Jugendliche und Punks, Renter und Ökos vorm Hauptbahnhof? (milde ausgedrückt) Vorhin kams mal wieder im Fernsehn, da sieht man doch auf den ersten Blick was da für Leute demonstrieren...
kommen entgegen Ihres dummen Geschwätzes aus allen Gesellschaftsschichten. Aber wer bei 5000 und mehr Menschen von 'die paar' redet, hat eh ein erhebliches Problem mit der Realitätswahrnehmung.

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mavoe 17.08.2010, 19:46
88. Ich fühle mit Ihnen

Zitat von naabaya
Als ich 1965 in die bayerische Provinz als Beamter versetzt wurde, verdiente ich ca. 800 DM. Zur gleichen Zeit fuhren die Männer aus der angesprochenen Gegend nach München und verdienten dort einschließlich Auislöse 2000 DM. Heute holt man Leiharbeiter aus irgendwoher für ein paar Euro.. Was gibt es da für eine Lösung? Hört denn die Gier nicht auf? Versagen die staatlichen Kontrollinstanzen total? Wäre nicht ein Mindestlohn für Beschäftigte, gleich, woher sie kommen . eine Lösung? Aber wer istr dagegen?
1965 war ich gerade mal geboren. Dennoch konnte ich diese "alte Zeit" als Kind noch miterleben. In Baden-Württemberg. Nur war halt doch alles provinziell dort.
Heutzutage, auch offensichtlich Sie, nutzen immer mehr Leute das Internet, im weitesten Sinne. So, und jetzt sind wir auch in Amerika und Asien. Und da sind im Rahmen der "Globalisierung" gewisse "Unarten" wie Gier nach Europa rübergeschwappt. Nicht, dass es die damals nicht schon gegeben hätte, bei manchen Leuten in D, "nur" hat sich das Ausmaß potenziert. Und das ab den 1980er Jahren, wo doch sehr viele Leute das schnelle Geld machen konnten. Mit Hilfe der neuen Medien und auf Kosten der weniger gewieften.

Mich wundert heutzutage garnichts mehr, gerade hier in Berlin, wo jetzt mein Lebensmittelpunkt ist.

Und jetzt verbleibe ich mit Besten Grüßen,

mavoe

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bresson 17.08.2010, 19:46
89. Die Mehrheit ist tatsächlich gegen des Wahnsinnsprojekt S21

Die "Pro-S21-Tiefbahnhofer" schaffen es bis heute nicht, auch nur ein Grüppchen von 50 Leuten zusammenzutrommeln.

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