Forum: Wirtschaft
Mindestlohn - sinnvoll oder Aktionismus?

Ein Gericht hat den Mindestlohn im Briefsektor für unrechtmäßig erklärt. Ist das Gesetz nur schlecht gemacht, aber sinnvoll - oder reiner Aktionismus, der jetzt ganz gestoppt gehört?

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fideweed 20.08.2009, 00:06
1880. Themencontainer Mindestlohn

Zitat von Foul Breitner
Ich bin da leidenschaftslos. Seltsam finde ich aber, daß die sich das paar Wochen vor der Wahl überlegen. Hier haben die auch einen Themencontainer zum Mindestlohn hingestellt, wo drinnen "Kunstschaffende" sagen, warum Sie für den Mindestlohn sind. Ich hätte es besser gefunden, wenn.....
Der "Themencontainer" Mindestlohn ist von den Gewerkschaften schon vor mind. 2 Jahren geöffnet worden, allerdings haben sie außer dem Gestank von Menschenhandel noch nichts aus diesem Container zutage fördern können und auch nichts daran geändert.
Der fälschlicherweise als solcher propagierte Tarifvertag zwischen dem "Bundesverband der Zeitarbeit" und dem DGB seit Dezember 2008 ungültig, der dort aufgeführte "Entgeltrahmentarivertag" hätte vom DGB auch zu diesem Zeitpunkt gekündigt werden müssen (können).

Meines Wissen nach gibt es in der BRD derzeit noch keine Arbeitnehmervertretungen die andere Ambitionen vertreten als günstige Puffbesuche für Gewerkschaftsvertreter und maximales Gewinnspanne für Arbeitgeber, es sei denn evt. anarchosyndkalistische, diese sind jedoch allein schon bedingt durch die Mitgliederzahl schon irelevant.
Auch hier können wir von den europäischen Nachbarn lernen, wie es anders geht.
Der einzige Fall auf deutschem Boden, in dem Arbeitnehmerinterssen in letzter Zeit konkret und nachhaltig vetreten worden sind, ist von der deutschen Presse aber auch bemerkenswert und konsequent totgeschwiegen worden.

http://de.indymedia.org/2009/06/252423.shtml

Bleibt die Frage warum.

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T. Wedel 20.08.2009, 01:02
1881.

Zitat von Foul Breitner
Was heißt, die können es nicht. Klunker hat 15 % für den ÖD durchgedrückt. Da wird man doch 8 Euro für eine Wäscherin hinkriegen. Außerdem können sozial regierte Länder wie rot-rot Berlin ja Küchenhilfen in der Mensa etc. freiwillig mehr zahlen...
Rot-Rot in Berlin muss ja auch nicht ökonomisch haushalten oder sich überhaupt grundsätzlich für finanzielle Angelegenheiten (viel zu kompliziert! zuwenig links!) interessieren (siehe Verweigerung zur Einführung der kommunalen Doppik). Ab 150 bis 200 Mrd. Euro Schulden verkauft man einfach die Museumsinsel. Und weil dort unschätzbar wertvolle Kunstschätze liegen, wird Berlin dadurch auch unschätzbar reich werden. So ist das.

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kleinrentner 20.08.2009, 07:51
1882. Leihbuden gehören regelmentiert

Zitat von Petra Raab
Diese Angst vor Arbeitslosigkeit schafft es auch, Hartz4 Empfänger als "Streikbrecher" für die restliche Wirtschaft einzusetzen, initiiert von der eigenen Regierung.
Über Hartz-IV wird den Leihbuden das Personal förmlich in Scharen aufs Auge gedrückt.
Die Menge dieses künstlich hochgepuschten Angebots senkt den Preis.

Da das ganze Leihbudengeschäft a la Wildwest organisiert ist (Grosse Arbeitgeberunternehmen gründen ihre eigene Leihbude um Billigpersonal einzusetzen) kann hier leider nur der Gesetzgeber regulierend eingreiffen, um die asozialen Geschäftsbedingungen zu unterbinden.

Wenn wir schon keinen allgemeinen Mindestlohn hinkriegen, sollte man einen für Leihbuden einführen mit mindestens 10 Euro/Std.

Wem das als AG zu viel ist, der kann sich ja Personal ausserhalb der Leihbuden organisieren.

Wobei wir dann beim nächsten grundliegenden Übel sind - dem Minijob - 400-Euro-Jobs.
Diese gehören natürlich auch abgeschafft. Mal als Ausnahmearbeitsverhältnis eingeführt, für Leute die nicht sozialversicherungspflichtig sind, ist es heute schon fast das Standardarbeitsverhältnis - siehe Handel.

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SirTurbo 20.08.2009, 08:08
1883.

Zitat von AlterKaufmann
Immer wieder die Story von Sklaven. Wird langsam langweilig!
Korrekt...
Für Sklaven musste man selber sorgen - in der Feudal-BRD lässt man das den Steuerzahler erledigen...

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Rainer Eichberg 20.08.2009, 08:35
1884.

Zitat von richie
Doch, der Zwang existiert, zumindest langfristig. Die Alternative, nämlich einfach nicht arbeiten und dennoch die Existenz gesichert zu bekommen, gibt es ja nicht.
Millionen H4-Empfänger beweisen das Gegenteil jeden Tag!

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Betonia 20.08.2009, 09:17
1885.

Zitat von Lutz Krumm
... Schließlich will sie, dass Familien mehr Kinder in die Welt setzen. Die anderen sind ihr wurscht....
Pardon, auch ich bin der Meinung, dass ein Mann und eine Frau erst dann Kinder in die Welt setzen sollten, wenn sie diese auch ernähren können.

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_gimli_ 20.08.2009, 09:20
1886.

Zitat von T. Wedel
Ich verstehe recht gut. Sie halten Gewinnmaximierung für unmoralisch, haben keinerlei Kenntnis davon, dass sich die Gesamtwohlfahrt sowohl aus Produzenten- als auch Konsumentenrente zusammensetzt, glauben Ihr Lieblingsbäcker backt Ihnen nur Brötchen, weil er will, dass Sie ein frisches warmes Brötchen haben, finden Unternehmen sind nur dafür da Löhne zu zahlen und am besten höhere als sie müssten und glauben tatsächlich das würde alles so funktionieren.
Gewinnmaximierung zerstört die Gesamtwohlfahrt, da sie u.a. durch Lohndumping und Umweltzerstörung dazu führt, dass Gesellschaften zerstört werden.
Die Krönung solcher Entwicklungen sind Slogan wie "Sozial ist, was Arbeit schafft." In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren mehr als 1 Mio. prekäre Arbeitsverhältnisse geschaffen und im gleichen Zeitraum ca. 900.000 reguläre Arbeitsverhältnisse vernichtet. Im Ergebnis subventioniert der Staat die Gewinnmaximierung von Unternehmen, indem er Einkommen aufstockt. Das ist Ihrer Meinung nach sozial?

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_gimli_ 20.08.2009, 09:30
1887.

Zitat von T. Wedel
Um die Tragweite staatlicher Eingriffe wie bei Mindestlöhnen zu begreifen, benötigt man ein gewisses Grundwissen über Allokation, Anbieter- und Nachfragekurven, Gleichgewichte und Marktversagen.
Die Meinungen, die Sie hier verkünden, klingen mir stark nach theoretischem Lehrbuchwissen.
Wagen Sie einen Schritt vor die Tür und schauen Sie sich die Auswirkungen des von Ihnen hier postulierten Wirtschaftssystems an. Neben einem Blick in die neuen Bundesländer empfehle ich einige Besuche in den USA, aber auch in Skandinavien, um ein funktionierendes System kennenzulernen.

Sie glauben, dass freie Marktwirtschaft funktioniert, ich weiß aus Erfahrung, dass sie nicht funktioniert.

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stirnrunzler 20.08.2009, 09:49
1888.

Zitat von T. Wedel
Ihr Urteil beruht auf der selektiven Wahrnehmung Ihrer Umwelt und der von den Medien meist subjektiv aufbereiteten Wirtschaftsvorgänge, Ihre Schlussfolgerungen sind nur oberflächlich sachlich und vor allen Dingen intuitiv.
Herr Lehrer, ich hätte da gerne mal ein Problem:

Zitat von
Um die Tragweite staatlicher Eingriffe wie bei Mindestlöhnen zu begreifen, benötigt man ein gewisses Grundwissen über Allokation, Anbieter- und Nachfragekurven, Gleichgewichte und Marktversagen.
Wie begründen und beurteilen Sie objektiv und unintuitiv Notwendigkeit sowie Auswirkung staatlicher Eingriffe in Form von Unterstützungsleitungen wie Prämien, Bürgschaften und Subventionen auf Anbieterkurven - besonders im Hinblick auf Gleichgewichte, Allokation und deren Tragweite- sowie die Schädlichkeit eines Mindestlohnes im Hinblick darauf, wie eine künstlich klein gehaltene Nachfragekurve der künstlich aufgepumpten Anbieterkurve überhaupt nachfolgen können soll?

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loser 20.08.2009, 09:51
1889.

Zitat von Betonia
Pardon, auch ich bin der Meinung, dass ein Mann und eine Frau erst dann Kinder in die Welt setzen sollten, wenn sie diese auch ernähren können.
Das wäre, wenn man das gegenwärtige durchschnittliche Arbeitseintrittsalter
sowie eine Zeitspanne für Ausgaben von Erstanschaffungsgegenständen für den Hausstand und das bilden von Rücklagen hinzurechnet, ein gebährfähiges Alter zwischen 34-38 Jahre.

Darf aber dann nicht viel länger dauern, sonst müssen die Rücklagen erstmal in (altersbedingte) Hormonbehandlungen investiert werden. :-)

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