Forum: Wirtschaft
Mitreden mit Münchau: Jetzt mach Dich mal quantitativ locker!

Ende Januar berät die Europäische Zentralbank darüber, ob sie in großem Stil Staatsanleihen aufkauft. Das nährt gerade bei Deutschen Inflationsangst. Zu Recht? Ein Blick in die Bilanz einer Notenbank hilft, diese Frage zu beantworten.

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sapereaude! 12.01.2015, 15:50
1. Gut erklärt!

Tja, Herr Münchau, Ihre Erläuterungen liefern auch gleich die Begründung, warum die Maßnahmen der EZB nichts bringen:

"Je geringer die Zinsen sind, desto größer die Nachfrage nach Krediten und umgekehrt." Das scehint ja offensichtlich nicht zu funktionieren. Erstens nehme ich ka nur einen Kredit in Anspruch, wenn ich mir etwas davon verspreche. Und zweitens sind die Banken zu nervös, um wirklich Kredite in großem Umfang zu vergeben.

"Der Aktienpreis zieht an. Die Firmen investieren mehr." Wieso? Die Inverstoren nehmen Ihre Gewinne mit. Warum sollte meinetwegen die Daimler AG investieren, wenn ihr Aktienkurs steigt? Investiert eine Firma nicht dann, wenn sie sich von der Investition mehr Umsatz bzw. Gewinn verspricht?

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Progressor 12.01.2015, 15:55
2. Geldmenge und Inflation

"Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen" Milton Friedman

Wenn man den Monetaristen Glauben schenkt, dann wird man den Zentralbanken die Kontrolle über die Inflation übertragen. Nun sehen wir aber, dass dies nicht funktioniert.

1. müsste das Geld in der Realwirtschaft ankommen. Hier happert es schon mal.

2. müsste dadurch die Nachfrage so stark steigen, dass Arbeitskräfte knapp werden und die Löhne steigen. Das ist im Euroland mit seiner exorbitanten Arbeitslosenquote gar nicht so einfach.

Fazit: Was der EZB noch bleibt ist durch Quantitative Easing den europäischen Anlegern einen guten Teil der Anlagemöglichkeiten zu nehmen und die Gelder somit ins aussereuropäische Ausland zu pressen. Damit wird der Euro geschwächt und die hiesigen Exportmöglichkeiten steigen. Viel Spass damit.

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sonnix 12.01.2015, 16:08
3. Sehr gut

Sehr gute Erklärung der quantitativen Lockerung, welche mir in den Wirkmechanismen unbekannt war.

Eine Frage habe ich: warum sollten Firmen investieren wenn ihr Aktienkurs steigt? Nach dem IPO ist ein steigender Aktienkurs doch nur ein Gewinn für das Unternehmen, wenn es Aktien von sich selbst besitzt.

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muellerthomas 12.01.2015, 16:08
4.

Zitat von sapereaude!
Tja, Herr Münchau, Ihre Erläuterungen liefern auch gleich die Begründung, warum die Maßnahmen der EZB nichts bringen: "Je geringer die Zinsen sind, desto größer die Nachfrage nach Krediten und umgekehrt." Das scehint ja offensichtlich nicht zu funktionieren.
Wie kommen Sie zu dem Schluß? Natürlich gibt es auch noch andere Einflüsse auf die Kreditnachfrage, die u.U. dazu führen können, dass auch bei Zinsen knapp über Null wenig Kredite nachgefragt werden. Das ändert doch aber nichts an dem grundsätzlich negativen Zusammenhang zwischen Zins und Kreditnachfrage, c.p. ist die Kreditnachfrage höher je niedriger der Zins ist und umgekehrt.

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salkin 12.01.2015, 16:13
5.

Ich wusste noch gar nicht, dass Sicherheiten für Kredite in der Bilanz auf der Aktivseite erscheinen. Den Kredit den die EZB der Bank gegen Sicherheiten gewährt erscheint üblicherweise auf der Aktivseite als Forderung. Der Saldo gegen die Banken hebt sich somit rechnerisch auf, weil der Forderung aus der Kreditgewährung gleichzeitig die Erhöhung der Einlage gegenübersteht. Fraglich ist, was die Bank mit dem Geld macht. Wenn sie keine Kunden hat die Kreditnachfragen, wird sie das Geld entweder in Staatsanleihen anlegen oder im Ausland. Was bringt das? Und das Firmen investieren weil ihr Aktienkurs steigt ist eine ganz neue Erkenntnis. Als Beispiel seien nur Kurssteigerungen durch Aktienrückkäufe erwähnt die immer mehr in Mode kommen. Also, was soll diese unsinnige Politik der EZB außer billiges Geld für Staatsverschuldungen zu schaffen. Geld für rentable Investitionen ist ohnehin ausreichend vorhanden.

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dirkschumacherowako 12.01.2015, 16:22
6. Geldmenge und Geldumlaufgeschwindigkeit

Geldmenge und Geldumlaufgeschwindigkeit sind die Wirkmechanismen, die immer zusammen betrachtet werden sollten. Es kommt nicht zur (Über-)Inflation, wenn mit der Geldmengenerhöhung die Umlaufgeschwindigkeit sinkt (so ist es ja in den letzten Jahren geschehen). Umgekehrt kann bei einer Erhöhung der Geldumlaufgeschwindigkeit bei gleichzeitiger Geldmengenreduzierung ebenfalls die (Über-)Inflation vermieden werden. Gleiches gilt für die Deflation.
Meine Frage wäre, warum sich die Gesellschaft nicht an eine Umlaufsicherung heranwagt. Das wäre auch ein sehr feines Instrument, um die Geldmengen/Geldumläufe sehr stabil zu halten - ohne das dabei Geldblasen entstehen würden - die sich der direkten Kontrolle ja dummerweise entziehen.

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Am_Rande 12.01.2015, 16:28
7. Woher kommt das Geld?

Wie ich schon in meinem Kommentar zum ersten Teil dieser Reihe bemängelt habe, verliert Herr Münchau auch hier kein Wort darüber, woher das Geld der Zentralbank kommt.

Wird er es im dritten Teil tun?

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sapereaude! 12.01.2015, 16:31
8. Verstehe ich nicht.

Zitat von muellerthomas
Wie kommen Sie zu dem Schluß? Natürlich gibt es auch noch andere Einflüsse auf die Kreditnachfrage, die u.U. dazu führen können, dass auch bei Zinsen knapp über Null wenig Kredite nachgefragt werden. Das ändert doch aber nichts an dem grundsätzlich negativen Zusammenhang zwischen Zins und Kreditnachfrage, c.p. ist die Kreditnachfrage höher je niedriger der Zins ist und umgekehrt.
Warum sollte jemand einen Kredit aufnehmen, nur weil er billig ist? Das macht man doch nur, wenn man ihn braucht, weil man sich etwas kaufen will und nicht genügend Geld zur Verfügung hat. OK, wenn der Kredit teurer ist, überleg ich mir das genauer, als wenn der Kredit billiger ist. Sprich: Hohe Zinsen bremsen die Kreditnachfrage, das leuchtet mir ein. Aber prinzipiell nehme ich den Kredit doch nur, wenn ich ihn brauche. Oder kaufen Sie sich ein paar Schuhe, nur weil sie gerade billig sind?

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schwaebischehausfrau 12.01.2015, 16:39
9. Leider nur die halbe Wahrheit..

..denn noch etwas "passiert, wenn die EZB Staatsanleihen kauft": Erstens betreibt die EZB damit direkt/indirekt (in Konsequenz egal) Staatsfinanzierung - und das darf sie nicht. Und für den deutschen Steuerzahler heisst das, dass er zukünftig nicht auch für italienische und spanische Staatsanleihen direkt haftet über die EZB.

Und eine Schlussfolerung von Hr. Münchau ist leider auch nicht nachvollziehbar: " Die Bank wird wahrscheinlich mit dem Geld neue Wertpapiere kaufen, vielleicht auch Aktien. Der Aktienpreis zieht an. Die Firmen investieren mehr..." Wieso sollten die Firmen automatisch mehr investieren, nur weil durch die noch größere Liquidität die Bewertungen an den Aktienmärkten aufgeblasen werden?? Es entsteht eine neue Blase durch dieses "QE", insbesondere bei Aktien , Anleihen und Immobilien. Und wenn diese Blase zwangsläufig platzt, fällt die Wirtschaft (wie 2008) erneut in Schockstarre . Sonst nichts...

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