Forum: Wirtschaft
Mitreden mit Münchau: So funktioniert die Bilanz der Europäischen Zentralbank
DPA

Jetzt wird's ernst: Die EZB will vermutlich Anfang 2015 über den möglichen Ankauf von Staatsanleihen entscheiden. Um diesen Schritt richtig einzuschätzen, muss man die Bilanz einer Zentralbank verstehen. Eine Erklärungshilfe.

Seite 2 von 14
schnitteuk 05.01.2015, 16:02
10.

Zitat von curiosus_
Mal angenommen, ich habe ein Haus (selbstgenutzt) und Grundstücke, schuldenfrei. Sonst nichts, kein Bargeld, keine Anleihen, keine Aktien. Dann steht links irgend ein positiver (Buch-) Wert. Ich habe keine Schulden oder ähnliches, es gibt also keine Forderungen, die andere mir gegenüber haben. Rechts steht also Null. Wie kommt die Bilanz nun ins Gleichgewicht?
Sie haben in diesem Falle (null Schulden) rechts Eigenkapital in Höhe Ihres Gesamtvermögens auf der Aktivseite (linken Seite) der Bilanz stehen.

Beitrag melden
Thomas Schnitzer 05.01.2015, 16:10
11.

Zitat von pom_muc
Bei echtem Geld das bereits geleistete Arbeit repräsentiert gibt es so einen Verfall nicht.
Sie mit ihrem Traum von der Steinzeitwirtschaft schon wieder. Nur wie bitte soll "echtes Geld" ihrer Meinung nach aussehen? Gold? Oder alle Güter, die einen Wert repräsentieren?

Das wird lustig, wenn die Bauern im Ort dann im Baumarkt mit Kartoffeln bezahlen. Und wo bitte wollen sie festlegen, wie viele Kartoffeln man benötigt, um ein Waschbecken zu kaufen? Damit Kartoffeln keinen Wertverfall erleiden, vor allem in Jahren, in denen es viele Kartoffeln gibt. Und wie viele Möhren muss der andere Bauer für seine neue Harke mitbringen? Und wie wollen sie die Möhren zum Hersteller transportieren?

Und jetzt mal ganz im Ernst, wie wäre es mit einem VHS-Kurs VWL?

Beitrag melden
Patrik74 05.01.2015, 16:23
12. Die Wahrheit

über die Bilanz einer Zentralbank ist, dass sie komplett bedeutungslos ist, weil es sich bei der Zentralbank nicht um ein Unternehmen handelt.
Es ist völlig nebensächlich, ob sie Gewinn oder Verlust macht, weil sie unter keinen Umständen insolvent oder illiquide werden kann.
Auch ist es es völlig egal, welche Qualität die Aktiva haben, oder wie hoch der "Verschuldungsgrad" der Bilanz ist, denn die "Gläubiger" der EZB haben in keinem Zufall Zugriff auf die Aktiva.
1. Die Wahrheit ist, dass ein Euro ein Anspruch auf einen Euro darstellt, mehr nicht. Wer es nicht glauben kann oder will, muss nur in die nächste Filiale der Bundesbank gehen und das für seinen Euro verlangen, worauf er Anspruch hat.

2. Dieser Euro ist also weder durch die Aktiva "gedeckt", noch kann man jemals die Herausgabe der Aktiva verlangen (außer man hat sie selbst in Pension gegeben und löst sie nun wieder aus). Deshalb ist der Wert der Aktiva auch völlig bedeutunglos

3. Hinzu kommt, dass die Zentralbank die Aktiva jederzeit völlig frei bewerten kann (nicht dass es einen Unterschied machen würde, oder vielleicht auch genau deswegen). Das geht über den Fair-Value-Ansatz der Geschäftsbanken sogar noch weit hinaus.

4. Die Zentralbank braucht auch keine Einnahmen, um Ausgaben zu tätigen. Sie IST die Geldquelle. Wenn sie eine Leistung bezahlt, schreibt sie den Betrag gut, und das war's!

Warum man überhaupt "Bilanzen" für Zentralbanken aufstellt, hat nur historische Gründe und führt zu allerlei Fehlannahmen, z.B. dass Verluste ausgeglichen werden müssten. Tatsächlich? Wieso? Was passiert, wenn sie nicht ausgeglichen werden?

Es ist auch völlig egal, wie hoch der Bestand an Zentralbankgeld ist, QE1 und QE2, LTRO, OMT und Abenomics haben eindrucksvoll bewiesen, dass die Geldmenge keinen Einfluss auf die Inflation hat - und die Menge an Zentralbankgeld, die bis auf das bisschen Bargeld nie in der Geschäftsverkehr außerhalb der Banken gelangt, schon gar nicht.
Nicht die Zentralbankgeldmenge bestimmt die umlaufende Geldmenge, wie man in früheren Zeiten behauptete, sondern es verhält sich genau umgekehrt, und selbst dieser Zusammenhang ist nur lose.
Warum macht man das Ganze also? Ein großer Teil der Anwort ist wohl: Hamwa schon imma so gemacht! Könnt' ja jeder kommen.

Beitrag melden
Thomas Schnitzer 05.01.2015, 16:23
13.

Zitat von curiosus_
Mal angenommen, ich habe ein Haus (selbstgenutzt) und Grundstücke, schuldenfrei. Sonst nichts, kein Bargeld, keine Anleihen, keine Aktien. Dann steht links irgend ein positiver (Buch-) Wert. Ich habe keine Schulden oder ähnliches, es gibt also keine Forderungen, die andere mir gegenüber haben. Rechts steht also Null. Wie kommt die Bilanz nun ins Gleichgewicht?
Einfach beantwortet: Rechts steht der aktuelle monetäre Gegenwert des Hauses als ihr Eigenkapital, stark vereinfacht als Forderung gegen sich selbst.

Und wenn sie z.b. zu diesem Preis verkaufen können, ändert sich lediglich der Posten auf der linken Seite von "Immobilien" zu "liquide Mittel" bzw. Forderungen gegen Kreditinstitute. Bilanzssumme und die rechte Seite bleiben in diesem Fall unberührt. Wobei ich Kosten des Verkaufs (Makler etc.) aus Vereinfachungsgründen ausgelassen habe.

Beitrag melden
ichbinmalweg 05.01.2015, 16:25
14. Jetzt bitte nicht falsch verstehen!

Zitat von curiosus_
Mal angenommen, ich habe ein Haus (selbstgenutzt) und Grundstücke, schuldenfrei. Sonst nichts, kein Bargeld, keine Anleihen, keine Aktien. Dann steht links irgend ein positiver (Buch-) Wert. Ich habe keine Schulden oder ähnliches, es gibt also keine Forderungen, die andere mir gegenüber haben. Rechts steht also Null. Wie kommt die Bilanz nun ins Gleichgewicht?
Genau für Leute wie Sie, schreibt Münchau diesen Post.

Denn grundsätzlich sollten Sie (und ich gebe Münchau selten recht) buchhalterisches Basiswissen haben, sonst können Sie die Euro-Problematik nicht einmal in Ansätzen durchdringen. Das ist ein kleiner Bilanzcrashkurs. Von 0-100 in 2 Sekunden geht halt nicht so einfach. Sollte sie das Thema wirklich interessieren, lesen Sie Münchau einfach weiter.

Interessant wird es dann erst, wenn er interpretiert. bis jetzt Basiswissen, dass er entwickeln wird

Beitrag melden
tomxxx 05.01.2015, 16:34
15. Jetzt wäre es ja schon schön gewesen...

die Punkte von Herrn Münchau auch jetzt gleich im Hinblick auf Konsequenzen zu diskutieren. Inwieweit haben diese Fakten eine (wirtschaftliche) Bedeutung?

Die angesprochenen juristischen Gesichtspunkte sind ja nur entstanden, weil man wirtschaftliche Fehlentwicklungen verhindern wollte. Da muss es einen Grund geben! Wenn alle Zentralbanken der Welt so funktionieren, verläuft dann die wirtschaftliche Entwicklung auch überall gleich? Und was sagt das über die prinzipiellen Möglichkeiten einer Zentralbank aus?

Beitrag melden
interessierter Laie 05.01.2015, 16:43
16.

Zitat von chrutchfield
...mag ja recht haben. Aber warum sind die ganzen Geld./Währungsprobleme erst nach der Einführung des EURO entstanden? Für mich ist das der......
Das Problem hat seine Wurzel lange vor der Euro-Einführung. Es ist nämlich die geringe Geldnachfrage. Diese wiederum resultiert aus verringerter Kreditvergabe gegenüber Staat und Privatwirtschaft. Die Nachfrage des Privatsektors resultiert aus Investitionen und die sind schon lange rückläufig - auch in Deutschland. Verdeckt wurde das durch die steigende Nachfrage der Staaten, aber die Finanzkrise hat die Schulden so erhöht, das einige ihren Verpflichtungen kaum noch nachkommen können und deshalb ihre Nachfrage zwangsweise zurückfahren. Es wurde also also nur eine schleichende Entwicklung so beschleunigt, dass wir sie nun wahrnehmen, aber die falschen Schlüsse daraus ziehen, weil wir sie (wie immer) kurzfristigen Entwicklungen (EURO-Einführung) zuschreiben.
Wenn es um Investitionen geht sollte man wissen, dass dabei sehr langfristig gedacht wird. Das Investitionsvolumen heute spiegelt also Erwartungen an die Zeit in vielleicht 10, 20 oder noch mehr Jahren wieder. Und genau da liegt die Ursache! Wenn Sie an Europa in 20 Jahren denken sehen sie eine Bevölkerung Volk mit einem Altersdurchschnitt von 50 Jahren und einer kleinen Generation von Jungen, die ein immer größeres Heer von Alten mitversorgen muss. Blühende Landschaften sehen anders aus.

Beitrag melden
DerFrankenberger 05.01.2015, 16:47
17. Nicht nur Mindestreserve!

Herr Obererklärer Münchau, die Passivseite enthält nicht nur Eigenkapital, Bargeld und Mindestreserven der Banken, sondern alle Verbindlickeiten der ZB gegenüber Banken. Und genau diese erhöhen sich beim Ankauf von Staatsanleihen. Die Mindestreserve wird die Bilanzsumme kaum um 1 Bio. EUR pushen.

Beitrag melden
kantundco 05.01.2015, 17:00
18. Und was ist daran jetzt neu?

Dass die Geldmenge erhöht wird, weil die EZB Schrottanleihen zu überhöhten Preisen kauft, die niemals ausgelöst werden? Dass ein Problem der Vergangenheit in die Zukunft verlagert wird? Dass die Banken fein raus sind, weil sie ihre Bilanzen bereinigen, während die EZB offensichtlich Bilanzbetrug begeht?
Mensch Münchau, dafür muss man doch kein Zeilengeld schinden!

Beitrag melden
marcaurel1957 05.01.2015, 17:09
19.

Zitat von chrutchfield
...mag ja recht haben. Aber warum sind die ganzen Geld./Währungsprobleme erst nach der Einführung des EURO entstanden? Für mich ist das der Beweis dafür, dass die Einführung des EURO vor einer Angleichung der Vokswirtschaftei verfrüht war. Bitte mal lesen: Horst Köhler "Offen will ich sein" ISBN --455-09477-5 ab Seite 205. Wenn die damals Verantwortlichen das ernst genommen hätten, hätte es mit Sicherheit keine Eurokrise gegeben.
Ein guter Artikel, der ein grundlegendes Vertständnis schafft.

Zu Ihrer Frage, wir habn keine geld oder währungsprobleme, dem Euro heht es ausgezeichnet.

Hingegen haben wir in verschiedenen Länder Schuldenprobleme, die sich lange vor dem Euro entwickelt haben.

Beitrag melden
Seite 2 von 14
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!