Forum: Wirtschaft
Müllers Memo: Frau Merkel und das Chlorhühnchen
AFP

Deutschland ist auf freien Handel mit den USA angewiesen. Doch Regierung und Wirtschaft haben die Debatte viel zu lange den Anti-TTIP-Aktivisten überlassen.

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Peter Bernhard 07.02.2015, 19:55
1. Kohl, Kraut und eine Rübe

Hier habe ich wegen der geringen Zahl von Beiträgen reingeschaut - ich weiss aber, dass auf der Homepage der CDU dieses Abkommen ein Großaufmacher ist. Vielleicht wird von vielen nicht wahr genommen - da zähle ich mich dazu - dass eine Ausdehnung des EU-Konzepts auf "die andere Welt" überhaupt nur am Leben erhält, nämlich eine reformierte Wirtschaftsordnung "vitalisiert" und dadurch vielleicht nur rettet, vor ständiger "Finanzkrise", indem die gesteigerte Austauschmöglichkeiten und z.B. der enorme Kreditbedarf von Ausbau-Hausbau-Bricks-"Staaten" handeln -ach so "händeln" - äh - handlen, nicht händlen, muss. Danke, Spiegel.

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Septic 08.02.2015, 16:38
2.

"Im Zentrum stehen Produktstandards" schreiben sie als ob das was langweiliges oder belangloses ist. Dabei ist das er Kernpunkt der Kritik. Wenn eben diese Standards gesenkt werden damit man eben in Europa längst als Gesundheitsgefährdende Stoffe, billige Austauschprodukte (siehe Analogkäse) und umweltbelastende Methoden sowie sicherheitsbedenkliche (kein GS, kein TÜV) Standards aus USA durchboxen kann, dann ist so ein "Produktstandard" etwas sehr sehr wertvolles und nicht wie sie sagen "kaum der Rede wert". Wenn dann diese Aushöhlung der Qualität und Sicherheit zu Gunsten von US Großunternehmen dann auch noch juristisch einklagt werden kann und das vor Geheimgerichten, dann reisst dem deutschen Verbraucher zu Recht der Gedultsfaden. Ich möchte mein Baby nicht mit Lebensmitteln füttern die eben nicht den deutschen strengen Lebensmittelvorschriften entsprechen und dann auch nicht so gekennzeichnet sind weil das ja dem US Multi die Umsätze gefährden könnte. TTIP bringt zu 90% den US Firmen was und die einzigen Arbeitsplätze die es bringt sind von US Firmen die dann hier ein paar mehr Aussenfilialen eröffnen. Deutsche Unternehmen gucken in die Röhre und müssen dann auch auf Qualität zugunsten von noch niedrigeren Fertigungskosten verzichten. NEIN DANKE!

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dr.haus 08.02.2015, 16:39
3.

Sehr guter Beitrag,und wieder sind die Gleichen mit ihrer psychosozialen Vergiftung am Werk ,unsere Wirtschaft zu behindern,die US-amerikanische zu diskreditieren,um letztendlich wieder ein Stück weit unsere westliche Wertegesellschaft zu schwächen.

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joblack 08.02.2015, 16:42
4.

"Gerade Deutschland hat viel zu verlieren: Wenn weiterhin protektionistische Befindlichkeiten dominieren, ist nicht ausgeschlossen, dass die Abkommen nie Wirklichkeit werden. Es wäre ein katastrophaler wirtschaftspolitischer Unfall mit weitreichenden Folgen."

Eine Ablehnung eines meiner Ansicht nach gefährlichen Abkommens ist noch kein Protektionismus.

Ich wundere mich wieder wie die Medien die Medien die wichtigen TTIP-Themen ignorieren.

Nichtdemokratische Schiedsgerichte, Genesen, Arbeitsschutzabbau, Buchpreisbindung, ...

Schade dass weiter solche Lobhudeleien an der Tagesordnung sind. Aber was will man in den Massenmedien anderes erwarten.

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zwietracht 08.02.2015, 16:43
5. freier Handel hat doch nichts mit TTIP zu tun

Wir sind auf freien Handel mit den USA angewiesen. Kein Widerspruch. Aber was hat TTIP mit freiem Handel zu tun? Ein Euphemismus…
TTIP ist ein Instrument zur Entmachtung der parlamentarischen Demokratie durch die Industrie. Man muss noch nicht einmal besonders polemisch werden um das als faschistischen Putsch zu bezeichnen. Denn - zumindest nach ursprünglicher italienischer Definition - Faschismus ist das direkte politische Agieren durch die Großindustrie ohne parlamentarische Kontrolle.
Insofern bleibt die Motivation des Schreibers dieses Artikels mehr als zweifelhaft, statt Argumentation gibt es verbale Gefechte gegen Strohmänner.

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sonnemond 08.02.2015, 16:48
6. Wen interessieren schon Chlorhühnchen?

Wer heutzutage noch Hühnchen isst, hat sowieso nichts besseres verdient.

Und niemand hat etwas dagegen, Industriestandards wie z. B. bei der Autoindustrie, zu vereinfachen.


Es geht um etwas ganz anderes, hier ein kleiner Auszug aus Wikipedia zu TTIP:

"Lebensmittelgesetze und Gesundheitsstandards.

Während in Europa beispielsweise genveränderte Lebensmittel gekennzeichnet werden müssen und weitläufig verboten sind, verhält es sich in den USA völlig anders; 90 % des verwendeten Mais, der Sojabohnen und der Zuckerrüben sind gentechnisch verändert.[48] In Amerika gibt es auch keine Kennzeichnungspflichten. Umgekehrt unterliegen auch in Europa verbreitete und nicht besonders gekennzeichnete Produkte in den USA Beschränkungen. So wird etwa der französische Roquefort-Käse aus Rohmilch von den US-Gesundheitsbehörden als bedenklich eingestuft. Konzerne wie Monsanto kritisieren diese Beschränkungen innerhalb des europäischen Markts seit langem und versuchen im Zuge von TTIP die Deckelung, d. h. das Herunterfahren von Standards zu erreichen, so dass z. B. auch genmanipulierte Pflanzensorten und Produkte unbeschränkt auf dem europäischen Markt vertrieben werden können.[14] Die Europäische Kommission hat erklärt, über den Marktzugang von gentechnisch veränderten oder mit Chlor desinfizierten Lebensmitteln nicht zu verhandeln.[13]

Umweltstandards

Im Dezember 2013 war Fracking in den nicht-öffentlichen Verhandlungen zu TTIP Verhandlungsgegenstand."

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deguen 08.02.2015, 16:51
7. Wess Brot ich ess...

leider hat der Autor keines der beschworenen "Zerrbilder" mit seinem Artikel entzerren können.
Das oft gehörte Beispiel aus der Autoindustrie (gleiche Blinklichter etc.) ist beschwichtigende Verharmlosung und der Rest wohl Angstmache. Die Menge Jobs, um die es gehen soll, wurden bis jetzt nicht plausibel gemacht. Der Herr Professor wird es sich auch leisten können, da einzukaufen, wo es keine Chlorhühnchen gibt.

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SL2012 08.02.2015, 17:06
8.

"Eigentlich ist TTIP kaum der Rede wert. Im Zentrum stehen Produktstandards, etwa die Vereinheitlichung von Vorschriften für Autoblinker."

Wie kann man im Namen des Spiegels einen solchen Unsinn von sich geben. Das Problem ist - wie so oft - nicht die Sache, an die alle denken und für die ein solches Abkommen geschlossen wird. Das Problem sind die Kolleteralschäden in den Gebieten, die mehr oder weniger versehentlich umfasst werden. Und dazu gehören bei TTIP und den in Rede stehenden Nebeneinkommen u.a. auch die Gebiete der Grundversorgung. Und ich meine nicht nur Wasser und Strom, sondern auch Jugendhilfe, Gesundheit etc.

Aber wenn man dem Kapitalismus blind folgen möchte und noch immer an die Mär von Reichtum und Wohlstand durch freien Handel glaubt..

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kuddemuddel 08.02.2015, 17:07
9. Murks

Ich denke die Bevölkerung wäre für die Abkommen empfänglicher, wenn die Verhandlungen endlich, wie mehrfach schon angekündigt, transparent geführt werden. Aber das Gegenteil ist der Fall: im stillen Kämmerlein ausverhandeln und im Anschluss ohne öffentliche Debatte und Korrektur beschließen. So ist es geplant.

Dass so etwas den Bürgern sauer aufstößt, zumal kaum eine Woche vergeht, wo nicht eine Grausamkeit aus den Verhandlungen ans Tageslicht dringt, sollte auch für den Autor irgendwie nachvollziehbar sein.

Aus meiner Perspektive wird die Angleichung der verschiedenen Punkte nur zu Lasten der Verbraucher gehen, Fracking, Gentechnik (nicht mal die Kennzeichnung ist geplant). Es mag sein, dass Arbeitsplätze erhalten und geschaffen werden. Aber mit Sicherheit nicht so viele, wie uns der Autor glauben lassen will. Bereits beschlossene Freihandelsabkommen, die schnell zu recherchieren sind, zeigen dies deutlich. Gern lasse ich mir vom Experten konkrete Zahlen präsentieren, die dies widerlegen.

Übrigens das Totschlagargument schlechthin. Arbeitsplätze erhalten und schaffen. Dabei hat schon die Beispielrechnung der CDU gezeigt, was an Arbeitsplätzen mit TTIP zusätzlich möglich ist, dass diese Zahlen geschönt, wenn nicht sogar mit Täuschungsabsicht IMMER weit oben angesetzt werden. Die Realität sieht im Nachhinein leider anders aus.

Und wenn auch die Schiedsgerichte keine Erfindung der Unternehmen sind, so werden sie doch von diesen missbraucht und genutzt, um nationale und demokratische legitimierte Entscheidungen außer Kraft zu setzen. Auch hier lassen sich perfide und unglaubliche Beispiele recherchieren, wie z.B. das Schiedsgerichtsverfahren zwischen dem Tabakkonzern Philip Morris und Uruquay.

Ich möchte kein TTIP, weil der Lobbyismus bereits jetzt mehr als genug ist, da brauchen wir keine außerstaatlichen Schiedsverfahren, die nationale Gesetzgebung aushebeln.

Ich möchte kein TTIP, weil ich für den Erhalt der nationalen Standards z.B. der Umwelt-, der Arbeitsbedingungen bin, die durch eine Angleichung massiv aufgeweicht werden.

Dass Arbeitsplätze auch ohne TTIP und Konsorten entstehen können, zeigen die letzten Jahre, wo wir stetig steigende Beschäftigungszahlen ausweisen können. Konjunkturelle Schwankungen wird auch ein TTIP nicht ausgleichen können.

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