Forum: Wirtschaft
Nachfolge von EZB-Draghi: Vorsicht vor dem Zinsgaukler der Bundesbank
DPA

Die Deutschen tun gerne so, als bekämen Sparer tolle Zinsen, wenn nur kein Italiener Chef der Europäischen Zentralbank wäre - sondern lieber der Herr Weidmann von der Bundesbank. Was für eine gefährliche Illusion.

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obersterhofnarr 15.06.2018, 14:16
1. Gut erkannt

ja, der böse Italiener ist dran Schuld das alles so schlecht ist. Muß ja so sein. Deutschland macht keine Fehler, außer der Kanzlerin.
Bitte einmal zum Mitdenken: 5%-Habenzinsen bedeuten mindestens 8%-Sollzinsen. D.h. jede kreditfinanzierte Investition kostet einfach mal so 8% mehr. Die müssen aber irgendwie erwirtschaftet werden und da ist es am einfachsten man spart beim Lohn und überschwemmt dann die USA mit Dumpinglohnprodukten.
Guter Rat: macht Euch doch kreditfinanziert selbständig. Kauft Euch eine Maschine oder macht eine teure Weiterbildung oder am besten beides. Werde ich auch machen; ich kaufe mir eine chinesische Maschine. Das reduziert unser Außenhandelsdefizit und zum Start-up reicht es alle mal.
Also nicht jammern sondern mal was riskieren und nicht nur die Kröten auf dem Sparbuch bunkern und jammern das der böse Italiener einen beklaut.

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rm9 15.06.2018, 14:18
2.

Die Argumentation des Texts folgt der Annahme, dass die Alternative zur EZB-Politik (indirekte Staatsfinanzierung durch den Ankauf der Anleihen am Sekundärmarkt, ein FInanzsystem wäre, welches auf die "Pleiten wettet". Das Problem daran ist, dass die Pleite zwingend notwendig ist. Das Ausschalten sämtlicher Marktmechanismen, führt zu einer Fehlallokation von Kapital (und immer mehr auch Arbeitskraft durch EU-Binnenmigration). Diese Poltik führt in Abhängigkeitsverhältnisse, die zwangsweise in eine Krise führen werden. Ob es in Italien sein wird? Wer weiß, vielleicht "schafft" das System noch ein paar Jahre. Die Politik, Kohäsion durch Altranfter, wird scheitern.

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zweifelturm 15.06.2018, 14:30
3. Sehr guter Beitrag

Draghi hat einen guten Job gemacht. Da werden die Sauerkrautverdichter a la Weidmann und Co, so kann man nur hoffen, aussen vorbleiben. Der, der hier durchblickt, heisst Bofinger, steht aber auch im Wirtschaftsweissenrat ziemlich alleine da. Auch da sind die erzausteritären ordnungspolitischen Fetischisten in der Überzahl.

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banker1 15.06.2018, 14:38
4. endlich mal ein

passender Kommentar, bin inhaltlich voll dabei, insbesondere der Zinsvergelich mit den anderen nicht Euro Volkswirtschaften wird immer wieder ausgeblendet.Die Alternative war immer eine Hyperinfaltion, wer es so haben möchte oder aber in Zukunft ein Mix aus Planwirtschaft und Kryptowährung......

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hefe21 15.06.2018, 14:38
5. Verlassenschaft

" lassen auch die Protesteinlagen deutscher Notenbanker wie Jürgen Stark erahnen, der 2011 mit seinem Rücktritt aus dem EZB-Direktorium gegen jene Aufkäufe von Anleihen protestierten, die heute weitgehend unbestritten als das gelten, was die Krise gelöst hat, .."
Warum will meine Tastatur statt Anleihenkäufe immer Anleichenkäufe schreiben? Und eine Krise, ist das so eine Art Kreuzworträtsel, das man "lösen" kann? Italienischer Name mit 6 Buchstaben mit Affinität zur Tragik?
Und wär nicht Verdrängen statt Lösen die viel bessere Beschreibung der Vorgänge?
Und ja, die Bundesbank(er) waren wohl in der EZB von Anfang an auf verlorenem Posten, ihre DNA sträubte sich gegen die monetäre Ungeniertheit ihrer neuen "Partner", was man ihnen auch nicht zum Vorwurf machen kann.
Denn Unbedarftheit kann man einer Institution kaum vorwerfen, die im Jahrzehnt vor der Konstruktion der "Einheitswährung" eine tatsächliche solche zu bewältigen hatte. Mit dem auch moralisch hoch zu bewertenden Unterschied, dass die schon damals immensen Kosten den eigenen Leuten abverlangt wurden und bis heute werden. Das geht, wenn das zahlende Volk den Sinn und Zweck einsieht und akzeptiert und auch das Gefühl hat, dass die Herrschenden noch die legislative Kontrolle über das Konstrukt haben.
Das verlassen dieses Gefühls haben ja schon 2011 dt. EZB-Abgesandte mit dem Verlassen des babylonischen Turms zusammengelegt.

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PH-sauer 15.06.2018, 14:40
6. Nur wenn man Schulden macht, zahlt man Zinsen

Wenn man schwarze Nullen macht, bekommt man sogar was dazu. Weil die Schuldscheine der Europäischen Staaten “festverzinsliche Wertpapiere“ oder “Bonds“ heissen, gibt es diese Zinsen, die auf dem Papier stehen. Übrigens wird NUR mit diesen geriestert.

Wer verbreitet also so einen Unsinn, dass die Deutschen Schulden machen würden? Ein Staat kennt eben keine Dividende!

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rudi_ralala 15.06.2018, 14:45
7. Lieber Herr Fricke...

"Jetzt könnte man aus alldem folgern, dass es keinen so großen Unterschied macht, ob nun Weidmann oder Draghi den Euro führen."

....vor allem könnte man daraus folgern, dass das Schuldengetriebene Finanzsystem, was ja bekanntlich dem Ponzi Schema folgt am Ende ist, zumindest dem Ende ziemlich nah.
Das was Sie beschrieben haben, ist mittlerweile Allgemeinwissen und damit hätten Sie sich diesen Artikel auch sparen können.
Was die Welt braucht ist ein gerechteres und gesunderes Finanzsystem und zwar in naher Zukunft.

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Kurt-C. Hose 15.06.2018, 14:45
8.

Was für ein überflüssiger Kommentar - ausser, dass Herr Fricke im Nachhinein alles besser gewusst hätte, ist dem Text nichts substanzielles zu entnehmen. Seine Abneigung gegen eine stabilitätsorientierte Geldpolitik ist so alt wie bekannt. Wozu denn die Italiener, Griechen etc. die verschaffte Zeit der niedrigen Zinsen genutzt haben, darüber schweigt Herr Fricke lieber: Offen gesagt, zu gar nichts.
Ob man Herrn Weidmann schätzt oder nicht - für eine Wirtschaft ist eine Zeit ohne Zinsen kein wünschenswerter Dauerzustand - erst recht nicht, wenn der Wirtschaftsraum so heterogen ist wie Europa.

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yogi65 15.06.2018, 14:49
9. Sehe ich anders

Es gibt viele Gruppen die niedrige Zinsen lieben. U.a. Finanzminister, Spekulanten, notorische Schuldner um nur einige zu nennen. Für den Normalbürger dem die Inflation die mühsam beiseite gelegte Altersversorgung auffrisst ist das weniger erfreulich. Aber ich denke das Thema wird sich unabhängig von Herrn Draghi spätestens Mitte 2019 in eine andere Richtung entwickeln. Selbst Herr Draghi muss jetzt feststellen, dass er mit seinem Kaufprogramm an eine Grenze geraten ist die er aufgrund des Verbots der Staatsfinanzierung nicht überschreiten darf. Und wenn die EZB keine schrottigen neuen Staatsanleihen von Italien, Griechenland, Portugal etc. mehr aufkauft werden die Zinsen automatisch steigen. Denn diese Staaten werden weiter Geld benötigen, nur dann zu Zinsen die der Markt akzeptiert und die werden deutlich höher ausfallen. Und das hat natürlich Abstrahlwirkung auf alle anderen Finanzierungen, da niemand Geld unterhalb dieser Zinssätze verleiht.

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