Forum: Wirtschaft
Nachfolgesuche für EZB-Chef: Das hässliche Erbe des Mario Draghi
Valda Kalnina/ EPA-EFE/ REX

Die Amtszeit des EZB-Präsidenten geht dem Ende entgegen - und noch einmal lässt sich Mario Draghi für seine Verdienste feiern. Doch seinem Nachfolger wird eine kaum lösbare Aufgabe hinterlassen.

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De facto 19.06.2019, 13:53
30. Der Preis!

Die Kosten der Niedrigzinspolitik sind immens; Spekulationsblasen in Immobilien und Aktien, Zombiebanken und zunehmend ein Zombiewirtschaft, riesige Umverteilung von Sparer zu Schuldner, Regelverstöße - no Bail out, politische Splitterung Nord - Süd, horrende Imbalancen - Target2 etc. und das schlimmste, die Rettung ist nicht mal in trockenen Tüchern sondern nur vorübergehend, sind die Probleme unter den Teppich gekehrt. Grund zum feiern gibts nicht.

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einerkeiner 19.06.2019, 13:54
31.

Sie sind also Bereit, die Währung Euro für ihre eigenen Zwecke politisch zu missbrauchen. Da ähneln Sie Trump und Erdogan. Der Euro ist eine Währung und sollte kein politischer Spielball sein. Er sollte laut Satzung eine stabile Währung sein, und keine südländische Inflationswährung. Draghis Politik ist letztendlich Betrug an allen Wählern, denen bei seiner Einführung eine stabile Währung ebenbürtig der D-Mark versprochen wurde.

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kayakclc 19.06.2019, 13:55
32. Die schöne neue Welt

Die schöne neue Welt des billigen Gelds ist die Ursache für den Immobilienboom und damit eine Komponente des Anstiegs der Mieten. Wir haben defakto 6-7% Inflation, die aber eben nur wenig auf den Standardwarenkorb sich auswirkt. Geld drucken ohne Inflation ist nicht möglich. Das begreifen aber Bänker erst langsam. Und die Poltik als Hauptprofiteurin des billigen Geldes wirft Nebelkerzen der "Mietpreisbremse" und künstlich die Nebenwirkungen der EZB Geldpolitik einzudämmen. Das ist aber zum Scheitern verurteilt, weil es keine Entscheidungen gibt, die nicht auch negative Folgen haben.

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yvowald@freenet.de 19.06.2019, 14:02
33. Drathi ist doch kein Geldmarkt-Diktator

Zitat von interessierter10
enteignet werden, weil sie nicht wie Wohlhabende mit Aktien und anderen Investitionen zocken könne, da sie auf den "Notgroschen" angewisen sind. Kein Wort davon leider auch von Herrn Bartz. Kein Wort davon, das dadurch zig Milliarden Euro von unten nach oben verteilt werden. Kein Wort davon..
Natürlich verfolgt auch Herr Draghi die Politik der Umverteilung von "unten nach oben".
Das erkennen wir doch bereits an seinem beruflichen Werdegang.
Nur: Herr Draghi ist doch kein Diktator, der alleinige Entscheidungen innerhalb der Europäischen Notenbank trifft.
Auch ein Herr Weidmann besitzt eine Stimme in dem EZB-Gremium, genauso wie alle übrigen EURO-Staaten.
Und wenn die Mehrheit der nationalen Notenbank-Präsidenten sich mit Draghi verbündet, ergibt sich dort eine Mehrheit, in vielen Fällen gegen die Positionen der Deutschen Bundesbank.
Jedenfalls fühlt sich das Große Geld innerhalb der EU durch Herrn Draghi bisher gut vertreten.
Ein Nachfolger dürfte es schwer haben, sich anders zu positionieren. Da haben die Superreichen und Wirtschaftsmächtigen eine Sperrminorität, die sie weiterhin nutzen werden - zu Lasten von uns Kleinsparerinnen und Kleinsparern, auf die in diesem Kreisen einfach keine Rücksicht genommen wird.

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_gimli_ 19.06.2019, 14:10
34.

Zitat von muellerthomas
Das Geldmengenwachstum ist unter Draghi historisch niedrig. Und Italien - wäre es mit höheren Zinsen kein Sorgenkind?
Italien ist nicht zu retten und für Frankreich sieht es langfristig auch nicht positiv aus. Und genau u.a. deshalb ist der Euro ein Fehlkonstrukt. Es funktioniert nicht, unterschiedlich leistungsfähige Wirtschaftssysteme mit fundamental unterschiedlichen Auffassungen zu Währungsstabilität und Schulden in den nationalen Bevölkerungen unter eine gemeinsame Währung zu pressen. Für Italien erzeugt dies das Problem der nicht mehr existenten Abwertungsmöglichkeit der Währung, für starke Wirtschaftsräume wie Deutschland (ich rede hier von den Menschen, nicht von der Industrie) das Problem ewig niedriger Zinsen. Die damalige Einführung des Euro ohne Volksabstimmung macht mich immer noch wütend. Hier wurde gegen die Interessen des deutschen Volkes entschieden (und zugunsten der Interessen der deutschen Industrie).

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Wohlstand für alle 19.06.2019, 14:15
35. Komplettversagen der EZB

Draghi hat es nicht vermocht seine nominale Aufgabe zu erledigen, nämlich die Inflation im Euroraum auf knapp zwei Prozent zu halten. Wir haben immer noch starke Deflationsgefahr, was immer die Geldreichen begünstigt. Allerdings kann die Zentralbank dieses Kriterium außer durch Hubschraubergeld nur mittelbar beeinflussen. Nur hat Draghi auch dort versagt, wo er direkt hätte eingreifen können: bei der Arbeitslosigkeit im Euroraum. Durch noch weit negativere Zinsen sowie dem Ankauf von südeuropäischen Staatsanleihen wären in Südeuropa keine Extremisten an die Macht gekommen, denn die Firmen hätten leichteren Zugang zu frischem Geld. Die Maßnahmen hätten wohl auch unsere deutsche Exporteursoberschicht endlich dazu bewegt ihr Geld für italienische Luxusartikel auszugeben. Dann wäre das ganze „gedruckte“ Geld auch angekommen, wo es hingehört: bei den Arbeitnehmern.
Schönen Gruß auch an die Gewerkschaften, die das schön mitversemmelt haben, indem sie sich auf „Lohnzurückhaltung“ eingelassen haben.

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archi47 19.06.2019, 14:20
36. Wer entscheidet eigentlich darüber,

Zitat von matbhmx
... für die EZB nicht alleine, sondern es entscheidet der EZB-Rat, der aus den Mitgliedern des Direktoriums und den Präsidenten der nationalen Zentralbanken besteht, in der Regel mit einfacher Mehrheit. Und die EZB hat so gut wie nichts von dem geschafft, was sie schaffen wollte. Das Inflationsziel ist nicht erreicht, die guten Wirtschaftsdaten der letzte Dekade fußten vor allem auf dem wirtschaftlichen Erfolg der mittel- und nordeuropäischen Staaten, allen voran der Bundesrepublik, der wiederum dem Nachholbedarf der Märkte in Asien, Afrika und Südamerika zu verdanken war. Trotz Strafzinsen und trotz der Ankaufprogramme geht die Konjunktur in der Euro-Zone gerade baden. Die niedrigen Zinsen haben erforderliche Marktbereinigungen verhindert, haben Unternehmen lebensfähig gehalten, die schon lange nicht mehr lebensfähig sind und die aufgrund ihres Überlebens lebensfähigen Unternehmen das Leben schwer gemacht haben und schwer machen. Die Finanzkrise im Euroraum ist nicht ansatzweise im Griff, die südeuropäischen Staaten massiv verschuldet - zugleich verbunden mit der Forderung, sich noch nachhaltiger verschulden zu dürfen. Die EZB betreibt inzwischen die größte Bad-Bank der Erde und in der Geschichte der Menschheit. Dass im Übrigen die Maßnahmen der EZB nicht greifen, ließ sich schon vermuten, nachdem die Japaner die entsprechenden Methoden - erfolglos - seit Jahrzehnten anwenden. Und es ist so erstaunlich, dass jahrzehntelang gerade in der bundesdeutschen Politik das Mantra herrschte, hohe Staatsverschuldung sei vor allem rücksichtlos gegenüber den nachfolgenden Generationen, weil die jetzige Generation sich "Champagner" finanzieren lässt und Folgegeneration froh ist, wenn sie noch das Geld für ein Glas Wasser hat. Erstaunlich, wie sehr gerade auch der linke Flügel der Gesellschaft sich nach einer Europäisierung der Verschuldung an diese Grundsätze nicht mehr erinnern will. Nicht vergessen: Einer der größten Haushaltsposten ist die Bedienung von Zinsen auf die Staatsschulden. Was könnte man mit diesen Beträgen an sinnvollen sozialen und wirtschaftlichen Maßnahmen umsetzen, statt sie für die Zinstilgung einzusetzen.
ob ein Unternehmen "lebensfähig" sein soll?
Der betriebswirtschaftliche Wettbewerb, wie derzeit?
Der volkswirtschaftliche Wettbewerb, wie in den Lehrbüchern"
Oder:
Nicht der Wettbewerb, sondern der Nutzen nach Arbeitsplatz, Teilhabe und Sozialen Frieden?
Haben wir noch eine "Soziale Marktwirtschaft", oder eine "Feudale kaptialbasierte Martkwirtschaft!?

Das alles sind doch Fragen, die zu diskutieren wären und in eine Entscheidungsfindung einzubeziehen wären, gerade im Hinblick auf Nachhaltigkeit und das Überleben unserer Art.

Stellen wir uns diesen Fragen?
Stellen sich die Verantwortlichen diesen Fragen?
Ich finde: NEIN

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tetje_fr 19.06.2019, 14:23
37. Keine Inflation - und neue Schulden?

Die angeblich zu geringe Inflation ist doch ein rein statisches Problem des sog. ‚Warenkorbes‘, aus dem die ‚asset inflation‘ (z.B. Immobilien-, Kunstmarkt, etc.
) ausgeblendet ist. Die von Draghi durch Aufkauf der Staatsschulden frei gewordene Liquidität sucht neue Anlagemöglichkeiten, was man täglich in den Zeitungen lesen kann: Immobilien, Versandapotheken, Pflegeheime, Zahnarztpraxen - was so das Herz begehrt. Und China könnte seine Seidenstraßenstrategie nicht so extensiv verfolgen, wenn sich die Welt dort nicht so stark verschuldet hätte.
Warum wird das nicht stärker diskutiert?
Das Geldvermögen plädiert natürlich für neue Schulden, weil man lieber Zinsen kassiert als auskömmliche Steuern zu zahlen. Schulden lassen sich bekanntlich nur ‚vernichten‘ durch Tilgung. Daran hat man es fehlen lassen, weil neoliberale Ökonomen verkündet haben, dass man das im Falle der Staatsschulden nicht nötig habe. Und findige Juristen haben behauptet, das sei mit der immer schon vorhandenen Begrenzungsregel des Art. 115 GG vereinbar gewesen, - was Unfug ist.
Wird jetzt wieder an neue Schulden gedacht, müsste dazu das Grundgesetz geändert werden. Hoffentlich ringt man sich dann auch zu einer endlich eindeutigen grundgesetzlichen Tilgungsverpflichtung aufgenommener Schulden durch!

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rrv.vogt 19.06.2019, 14:27
38. Facebook contra EZB und FED

Zitat von Haref
kann froh sein, daß er den Posten bald los ist. Innerhalb der €-Zone sind dringende wirtschaftspolitische Entscheidungen der einzelnen Regierungen (z.B. Italien) immer weiter vor sich hergeschoben und nicht in Angriff genommen worden. Das wird uns irgendwann vor die Füße fallen. Einfach die Gelddruckmaschinen anzuschmeißen und Staatsanleihen und Aktien aufzukaufen, hätte wohl jeder hinbekommen. Den Turnaround hinzubekommen, ist eine echte Aufgabe.
Falls Zuckerberg mit seiner Kryptowährung, dem Libra, Erfog haben sollte, dann hat wohl nicht nur die EZB sondern auch die FED ein Problem, denn der ``Libra´´ , Facebooks Krypto-Währungseinheit, soll anders als der Bitcoin ein ``Stablecoin´´ werden, dessen Wert sich an einem Korb aus mehreren Weltwährungen orientiert und somit deutlich weniger schwankungsanfällig sein dürfte.

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henry kaspar 19.06.2019, 14:30
39. Mal wieder Economics for runaways im SPIEGEL

Blanchard’s Aussagen entsprechen nicht dem ‘Zeitgeist’, sondern standard monetärer Makroökonomik, wie sie seit Knut Wicksell (1901) verstanden wird. Dass dies beim Autor nicht angekommen ist sagt viel über den Autor, aber nichts über den Zeitgeist.

Und das hässliche Erbe ist nicht das Draghi’s, sondern der Schöpfer der Eurozone. Draghi hat sich lediglich bemüht dasnunferttige Gebilde, das er vorfand, so gut es eben ging zusammenzuhalten und zu verwalten.

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