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Nachverdichtung: Die bald im Schatten wohnen
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Leila Hansen wird in ihrer Wohnung bald kaum noch Licht haben, weil ein Investor ein fünfstöckiges Haus in ihren Innenhof quetscht. Ihre Geschichte wirft die grundlegende Frage auf, wie wir künftig in Städten leben: Wie eng ist zu eng?

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n8f4ll 25.08.2018, 14:51
20. ...

Also mir wären Städte auch früher schon zu eng. Ich mag grün, Natur und Garten.

Also habe ich in Vororten der Großstädte zunächst eine Eigentumswohnungen und später ein Haus gekauft. Der Weg zur Arbeit ist nah (20km) Garten und Wald vor der Tür.

Und in die Stadt wenn es mal ins Restaurant geht fährt ein Bus oder das Taxi.

Wer gerne eng und dicht an dicht leben möchte kann ja gerne in der Stadt Immobilien erwerben... Aber sich doch nicht wundern, dass es dort eng ist...

Manchmal verstehe ich die Menschen nicht...

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skylarkin 25.08.2018, 14:51
21.

Tja, das gleiche ist einer Freundin passiert. In einen großen grünen Innenhof wurde vier geschossiger Kasten gestellt mit teilweise unter 7m Abstand zu den Nachbarhäusern. Sie wohnt oben und so geht es mit der Belichtung noch. Die unten wohnen sind im Dunklen verschwunden, der Spielplatz ist weg und der Blick ins Grüne einem auf die Fassade gewichen. Da die Abstandsfläche auf einer Tiefgarage liegt kann auch kein tiefwurzelnde Bepflanzung für Abgrenzung sorgen. Etwas Rasen muss langen. Das sind dann teilweise die Folgen des Dranges in die Stadt. Lokal wird es eindeutig zu eng.

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TomRohwer 25.08.2018, 14:52
22.

Wenn ich Ihren Ottonormalverdiener mit dem Durchnschnittsbruttogehalt in HH gleichsetzen darf, dann wären wir bei rd. € 4.100.- Monatsbrutto. Ich bin mir nur nicht so sicher, ob Sie und andere dies als "Ottonormal" auch zu akzeptieren bereit sind.
(In HH stehe halt auch gern mal € 7.000.- und mehr Brutto auf dem Gehaltszettel - sonst ließen sich logischerweise die hohen Preise nicht durchholen). "Otto Normalverdiener" verdient ganz fix weniger als seine 4.100 Euro, wenn die Messehallen und andere Betriebe abgerissen werden, und er in der Folge seinen Job verliert.

Außerdem ist es ziemlich egal, ob die ganzen Pendler morgens in der Peripherie losfahren, um in der Innenstadt zu arbeiten, oder ob sie morgens in der Innenstadt losfahren, um in der Peripherie zu arbeiten.

Von bestimmten Arbeitsplätzen abgesehen ist es viel sinnvoller, daß Arbeiten und Wohnen möglichst durchmischt sind.

Dann aber muss ich auch die Messehallen in der Innenstadt akzeptieren, neben den Wohnvierteln.

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max-mustermann 25.08.2018, 14:52
23.

Zitat von ralphnader
Irgendjemand aus der Politik wird wohl demnächst den Mut aufbringen müssen, den Leuten klarzumachen das nicht alle am selben Fleck wohnen können. Hier wird alles war nur geht zugebaut und bevölkert, nur weil die Stadt oder das Viertel gerade "hip" und "in" sind, anderswo stehen halbe Städte mit intakten Wohnungen leer. Diese politische und wirtschaftliche Fehlsteuerung muss beendet werden.
Muss die Politik gar nicht, der Markt wird es von alleine regeln. Irgendwann werden all die reiche Hipster ihre "coolen und hippen" Innenstädte ganz für sich alleine haben weil alle anderen auf grund von Geldmangel wegziehen mussten. Ob sich dann allerdings noch genügend Leute finden werden die die schlecht bezahlten "niederen" Arbeiten (Handwerker, Pfleger, Verkäufer, Kellner, usw.) für die reichen Hipster in der Innenstadt erledigen werden ist eine andere Frage.

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ichbindannmalfort 25.08.2018, 14:52
24. Die Sache auf den Punkt gebracht

Sehr guter Artikel, der die komplizierten Dinge im Zusammenhang mit der Wohnungsnot in Hamburg differenziert beschreibt. Einige Aspekte fehlen aber doch, zum Beispiel der Punkt, dass die Stadt Hamburg viel zu lange nichts gegen Leerstand und missbräuchliche Nutzung unternommen hat. Bis heute ist es so, dass in Hamburg viele Immobilien leerstehen, weil der Eigentümer es so will und auf weitere Preissteigerungen spekuliert. In vielen Fällen ist der Leerstand gut getarnt, damit es nicht auffällt, aber insgesamt wissen die Spekulanten ohnehin, dass sie kaum etwas zu befürchten haben, denn die Stadt hat viel zu wenig Kontrolleure. Das ist in Hamburg ein offenes Geheimnis. Die Spekulanten lachen darüber. Auch die missbräuchliche Nutzung durch Airbnb-Vermieter hat inzwischen teils unverschämte Ausmaße angenommen, was darauf zurückzuführen ist, dass die Stadt diesem Treiben jahrelang zugesehen hat. Erst jetzt ist man aufgewacht und hat Gegenmaßnahmen eingeleitet, aber ob die greifen, muss man erst mal abwarten. Auch das Desaster mit der Mietpreisbremse hat damit zu tun, dass die Behörden viel zu lange aktiv weggeschaut haben. Man wollte sich nicht einmischen. Eigentlich müsste man die zuständigen Amgtsträger alle verklagen.

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iffelsine 25.08.2018, 14:53
25. Niemand hat ein Anrecht auf lebenslange gleiche Aussicht !

Auch nicht Grundstückseigentümer, wenn auf dem Nachbargrundstück ebenfalls sehr hoch gebaut wird. Das Problem trifft alle Bewohner, nicht nur Mieter ! Aber da sieht man im Mieterbereich zumindest den lauten Egoismus - die, die es "geschafft" haben, eine preiswerte grüne Wohnung zu bekommen gegenüber denen, die nach einer solchen Wohnung suchen. Einen Mieter trifft es im Komfort, einen Eigentümer im Geldbeutel, wird doch sein Grundstück um bis zu 50% im Wert fallen, wenn ein "Schattenspender" nebenan gebaut wird.

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Champagnerschorle 25.08.2018, 15:05
26. jedem das seine

Zitat von ralphnader
Irgendjemand aus der Politik wird wohl demnächst den Mut aufbringen müssen, den Leuten klarzumachen das nicht alle am selben Fleck wohnen können. Hier wird alles war nur geht zugebaut und bevölkert, nur weil die Stadt oder das Viertel gerade "hip" und "in" sind, anderswo stehen halbe Städte mit intakten Wohnungen leer. Diese politische und wirtschaftliche Fehlsteuerung muss beendet werden. Wer will in einer Stadt leben, in der jedes Fleckchen Erde und jede noch so kleine Ecke und Lücke zubetoniert wird??
Zum einen stimmt es schon, dass dem ein oder anderen gesagt werden muss, dass es kein Recht aufs Penthouse in der Stadtmitte gibt. Zum anderen gab es schon immer zubetonierte Städte in denen der Mensch leben wollte und heute noch will. Ich nehme hier NY als wohl bekanntestes Beispiel.

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spon-facebook-10000012354 25.08.2018, 15:05
27. Hongkong, Paris und L’Hospitalet de Llobregat

Die vermutlich höchste jemals erreichte Bevölkerungsdichte der Welt wies die Kowloon Walled City auf, ein Stadtteil in Hongkong, der 1993 abgerissen wurde. Hier lebten 33.000 Bewohner auf nur 0,026 km², was einer Weltrekord-Bevölkerungsdichte von 1.300.000 Einwohner/km² entspricht. In Europa besitzt Paris mit 21.289 Einwohnern/km² (1. Januar 2012) eine sehr hohe Bevölkerungsdichte; das 11. Arrondissement (Popincourt) hat die höchste Dichte von Paris mit 42.236 Einwohnern/km² (1. Januar 2012). Der dichtestbesiedelte Stadtteil Europas befindet sich in der spanischen Stadt L’Hospitalet de Llobregat, wo im Stadtteil Florida etwa 77.000 Menschen auf einem Quadratkilometer leben. Die Bevölkerungsdichte in Hamburg ist demgegenüber sehr gering 2424 Einw. pro km² (31. Dez. 2017).
Es stellt sich jedoch die Frage, ob diese statistischen Werte als Argumentationsgrundlage verwendet werden können. Angesichts des Klima-Wandels sind hier Fragen begründet: Wenn auch der Zersiedelung durch Nachverdichtung ein gewisser Einhalt geboten wird, fördert sie doch den Landschaftsverbrauch durch Flächenversiegelung. Besonders in Städten gehen Vegetation und Freiräume verloren, werden letzte Wanderwege für Kleintiere versperrt, die Luftzirkulation (Luftschneisen) wird eingeschränkt und insgesamt die Stadtökologie und das Stadtklima womöglich ungünstig beeinflusst (Bildung von Wärmeinseln, erhöhte Feinstaubkonzentration). Neubauten und der damit verbundene Zuzug führen aus Sicht der alteingesessenen Anwohner je nach Art des Bauvorhabens zur Abwertung der Lebensqualität durch Gentrifizierung oder – im Fall von Sozialbauten – zu Ghettoisierung, wachsender Bevölkerungsdichte bzw. wachsender Verkehrsdichte. Deshalb entstehen ortsweise Bürgerinitiativen gegen geplante Nachverdichtungen, die sich v. a. auch gegen Grünflächen-Verluste zur Wehr setzen. Beispiele sind Hamburg, Darmstadt, Freiburg und Heidelberg.
Eine Nachverdichtung kann nur dann zu einer Stadt der kurzen Wege führen, wenn die Infrastruktur im gleichen Maße wächst wie die Industrie- oder Wohnfläche. Dieser Nachweis sollte erbracht werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Nachverdichtung_(Städtebau)
https://de.wikipedia.org/wiki/L’Hospitalet_de_Llobregat

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t0schef 25.08.2018, 15:06
28.

Wenn ich das schon lese: „blablabla Investoren verschrecken... blablabla...“ das nervt nur noch!!! Es soll Wohnraum geschaffen werden und keine goldene Kuh, welche irgendwelchen Anlagespinnern eine noch höhere Dividende ausschüttet!! Fast so wie die Privatisierung der Krankenhäuser, bei denen das Patientenwohl egal, das Aktionärswohl aber alles ist. Was für eine traurige Welt.

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Champagnerschorle 25.08.2018, 15:10
29. tja

Zitat von n8f4ll
Also mir wären Städte auch früher schon zu eng. Ich mag grün, Natur und Garten. Also habe ich in Vororten der Großstädte zunächst eine Eigentumswohnungen und später ein Haus gekauft. Der Weg zur Arbeit ist nah (20km) Garten und Wald vor der Tür. Und in die Stadt wenn es mal ins Restaurant geht fährt ein Bus oder das Taxi. Wer gerne eng und dicht an dicht leben möchte kann ja gerne in der Stadt Immobilien erwerben... Aber sich doch nicht wundern, dass es dort eng ist... Manchmal verstehe ich die Menschen nicht...
Sie meinen sowas wie...
...in die Einflugschneise ziehen und danach gegen den Flughafen sein
...ins Kneipenviertel ziehen und danach die Wirte verklagen
...aufs Land ziehen und Kirchen- und Kuhglocken verbieten wollen
Verstehe einer diese Menschen...

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