Forum: Wirtschaft
Neonationaler Zeitgeist: Europa braucht eine Leitkultur
DPA

Quer durch Europa beschwören Politiker die nationale Selbstbesinnung. Statt Unterschiede zu betonen, sollte lieber herausgestellt werden, was die Europäer bereits verbindet. Denn in vielem sind wir uns schon lange nah.

Seite 1 von 32
ohnefilter 07.05.2017, 14:58
1. Auf den Punkt gebracht!

"Ohne europäische "Tagesschau", ohne europäische "Anne Will", ohne grenzüberschreitend genutzte Massenblätter wie "Bild" und Nachrichtenportale wie SPIEGEL ONLINE - angeboten in den wichtigsten europäischen Sprachen - fehlt Europa der diskursive Unterbau." - Genau dies sind die Bausteine, die unseren Nachbarn beim Ausbau des "diskursiven Unterbaus" in Europa fehlen. Wir müssen alles daran setzen, diese Kernelemente europäischer Pluralistik zu verbreiten.

Beitrag melden
panzerknacker 51 07.05.2017, 14:59
2. Unsinn

Als wir noch die nationalstaatliche Ordnung hatten, waren wir uns viel näher als heute. Back to EWG und alles wird gut.

Beitrag melden
Actionscript 07.05.2017, 15:04
3. Nicht schon wieder eine Leitkultur

Warum muss man offiziell eine Leitkultur herausgeben? Die meisten Europäer fühlen die Gemeinsamkeiten, und das ist wichtig. Worte sagen wenig.
Ich rate jedem, mal für ein paar Monate im Ausland zu leben. Mit Ausland meine ich nicht ein EU Land sondern aussereuropäisch z.B. die USA. Die Kulturunterschiede zwischen EU Staaten und der USA sind sehr gross. Ich lebe in den USA und habe sehr früh den Lokalpatriotismus wie südlich vom Rhein oder nördlich vom Rhein aufgegeben. Europäer, die in den USA arbeiten, und wenn es nur für kurze Zeit ist, erkennen mit einmal dass sie vieles gemeinsam haben, weil der Unterschied in der Denkweise in den USA so gross ist. Das ist meine Erfahrung. Darum wollen auch viele wieder zurück.

Die gemeinsame Sprache ist einfach, Englisch. Das lernt fast jeder in der Schule. Und dass GB nun nach dem Brexit nicht mehr zur EU gehört, das sollte Englisch als gemeinsame Sprache nicht ausschliessen.

Beitrag melden
lachender lemur 07.05.2017, 15:05
4. Mehrsprachigkeit und Gastaufenthalte sind der Schlüssel

Es hilft ja wenig, wenn die Einwohner der verschiedenen europäischen Länder faktisch Kulturelemente und soziale Normen und Werte teilen - dies aber wegen Sprachbarrieren un mangelnder Erfahrung gar nicht mitbekommen. Dann kommt das Identitäts-stiftende Element zu kurz, trotz aller Grundlage dafür. Was nötig ist, ist das Erlernen von anderen europäischen Sprachen und die persönliche Lebenserfahrung in anderen eiropäischen Ländern. Solche Schul- und Austauschprogramme also bitte nich eindampfen, liebe CDU, sondern verstärkt fördern!

Beitrag melden
syracusa 07.05.2017, 15:05
5. was ich schon immer predige

Was ich schon immer predige: wir müssen nicht nur auf EU-Ebene, sondern auch auf jeder sozialen Ebene angefangen vom engsten Familien- und Freundeskreis über Nachbarschaften, Stadtviertel, Kommunen, und Regionen die Gemeinschaft immer wieder neu definieren. Durch die Säkularisierung und die Kommerzialisierung aus den Augen verloren wurde dabei auch die Bedeutung von Ritualen. Früher waren die Religionen gemeinschaftsstiftend, und jedes noch so kleine Kirchensprengel hatte seinen jährlichen Kirchweihtag. Religionen aber können in der heutigen, nicht nur wirtschaftlich, sondern durchaus bis in die individuelle Ebene globalisierte Gesellschaft nicht mehr gemeinschaftsstiftend sein, sondern bewirken eher eine Spaltung.

Mein Vorschlag: ein EU-weiter arbeitsfreier Feiertag, in dem auf lokaler Ebene große Feste gefeiert werden. Und mal ehrlich: was wäre ein besserer Anlass zum Feiern als Frieden, Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschen- und Bürgerrechte, die maßgeblich auch durch die EU garantiert werden.

Beitrag melden
RalfHenrichs 07.05.2017, 15:06
6. Genau: was z.B. die Griechen

am dringendsten brauchen, ist eine europäische Leitkultur. Eine völlig von den Menschen abgehobene Diskussion.

Beitrag melden
curiosus_ 07.05.2017, 15:06
7. Von da...

Zitat von Henrik Müller
Ohne ein kollektives Gefühl der Solidarität ist es kaum möglich, .... einen großen Teil der Einkommen innerhalb von Sozialstaaten umzuverteilen.
...weht der Wind. "Einen großen Teil der Einkommen umzuverteilen" - Der Euro-Transferunion soll der Boden bereitet werden.

Nein danke. Ich, als Süddeutscher, transferiere bereits im innerdeutschen Länderfinanzausgleich und mittels des Solidaritätszuschlages.

Irgend wann mal ist Schluss, die Bereitschaft zusätzlich noch dauerhaft in die Euro-Südzone umzuverteilen ist bei mir gleich null. Und sicher auch bei den meisten deutschen Wahlberechtigten.

Was die Eurozone sicher nicht braucht ist das italienische Mezzogiorno-Äquivalent. Hilfe zur Selbsthilfe, ok. Aber ohne gesunde (und faire) Konkurrenz wird das nichts mit einer nachhaltigen Angleichung der Lebensbedingungen in der Euro-Zone.

Und dazu:

Zitat von Henrik Müller
Ohne europäische "Tagesschau", ohne europäische ... ohne grenzüberschreitend genutzte Massenblätter ... wie "Spiegel Online" oder "manager-magazin.de" - dargereicht in den wichtigsten europäischen Sprachen - fehlt Europa der diskursive Unterbau.
Falsch. Der einzige sehr gut funktionierende vielsprachige Staat den ich kenne ist die Schweiz. 4 Amtssprachen, aber kein sprachüberschreitend genutztes Massenblatt. Da scheint mir Ihre Diagnose am Wesentlichen vorbei zu gehen, Herr Müller.

Und dem Irrtum "Groß = Gut, Größer = Besser" verfallen auch Sie, Herr Müller. Obwohl die Geschichte da durchaus Zweifel aufkommen lässt:

Baden-Württemberg ist das Ergebnis von Kleinstaaterei. Die hat auch den Charakter der Einwohner geprägt. Forscher sagen: Dem Land hätte nichts besseres passieren können.

Das Erfolgsrezept Europas ist die Kleinstaaterei.

... ist nichts anderes als die nachgeholte Erzählung der Theorie Europas, wie sie von David Hume, Baron de Montesquieu, Immanuel Kant und vielen anderen Denkern seit der Aufklärung aufgefaltet wurde. Folgt man dieser Theorie, so war es gerade die politische und wirtschaftliche Fragmentierung des Kontinents, ein Sonderweg, welche das „europäische Wirtschaftswunder“ begründete. Europa hat sich, anders als Asien, stets der zentralistischen Versuchung widersetzt. Nach dem Fall Roms im 5. Jahrhundert gab es kein geeintes Europa mehr.


Der Norden ist der neue Osten

Der Süden hat den Norden wirtschaftlich abgehängt...


Jedenfalls vor dem Maßstab des größtmöglichen Nutzen für die Gesamtbevölkerung. Größe hingegen nutzt nur den Machteliten. Aber nicht der breiten Masse.

Beitrag melden
DrDrBartholdyzehnBlatt 07.05.2017, 15:07
8. Anne Will fördert doch nicht Demokratie.Europa war politisch ein Unsinnsprojekt

Zitat von ohnefilter
"Ohne europäische "Tagesschau", ohne europäische "Anne Will", ohne grenzüberschreitend genutzte Massenblätter wie "Bild" und Nachrichtenportale wie SPIEGEL ONLINE - angeboten in den wichtigsten europäischen Sprachen - fehlt Europa der diskursive Unterbau." - Genau dies sind die Bausteine, die unseren Nachbarn beim Ausbau des "diskursiven Unterbaus" in Europa fehlen. Wir müssen alles daran setzen, diese Kernelemente europäischer Pluralistik zu verbreiten.
Siemeinen wohl eher eine moralisierend festgestellte Wahrheit im Vorhinein. Andersdenkende werden als Populisten denunziert.
Europa wird niemals funktionieren,sofern man keine Schuldenvergeneinschaftung will. Die Deutschen werden ,eie immer ,verspätet. aufwachen

Beitrag melden
multi_io 07.05.2017, 15:09
9.

Mal als Anmerkung: Wenn Müller in der Artikelüberschrift "Deutschland" statt "Europa" geschrieben hätte und den Text auf Deutschland statt Europa gemünzt hätte, dann würde der Text jetzt als "rechtspopulistisch" gebrandmarkt. Wir haben in Schland unseren Nationalismus mehr oder weniger 1:1 auf die EU umgelenkt. Rational ist das kaum zu erklären. Und andere Länder haben dies nicht getan. Deswegen werden die ganzen deutschen Appelle zur Aufgabe nationaler Souveränität in Europa auch immer wieder auf taube Ohren stoßen.

Beitrag melden
Seite 1 von 32
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!