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Neuauflage der Praxisgebühr: Kassenärzte fordern Strafzahlung bei unnötigen Arztbesuc
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Was tun gegen überfüllte Wartezimmer und verstopfte Notfallambulanzen? Der Chef der Kassenärzte will Gebühren für Facharztbesuche einführen - und erntet mit dem Vorstoß heftige Kritik.

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perello 07.09.2019, 19:35
30.

Die deutsche Gesellschaft ermöglicht die Ausbildung zum Arzt gratis, ohne weitere Gebühren. Sie tut dies um die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu gewähren, nicht damit sich Ärzte danach bequem zurück legen und sich mit Privatpatienten möglichst schnell bereichern.
Eine Strafzahlung für Arztbesuche gab es schon einmal, damals hieß die Praxisgebühr. Woher soll ein Laie wissen, ob er zurecht beim Arzt sitzt? Wenn er Beschwerden hat, geht er hin. Soll er noch fürchten, als minderschwerer Fall zur Kasse gebeten zu werden? Sollen Menschen aus Angst ihre Krankheiten verschleppen?

Der Vorschlag ist ein Witz. Eine Schande. Diesen Ärzten sollte man die Approbation entziehen.

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shardan 07.09.2019, 19:37
31. Ein Berufsstand möchte sich abschaffen.

Woher soll ein normaler Patient wissen, was medizinisch notwendig ist? Wie soll ein Tumorpatient wie ich an eine (beim Stand unserer Versorgung dringend notwendige) zweite Meinung kommen? Wenn ich in der Lage wäre, das selbst zu diagnostizieren, brauche ich den Arzt auch nicht mehr. Was der Herr da wünscht, ist ein Abkassiermodell wie es viele Pillendreher machen: Hohe Preise, weil wir sie kriegenl.

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Pfaffenwinkel 07.09.2019, 19:39
32. Wann ist ein Arztbesuch unnötig?

Und wer entscheidet das? Es mag Menschen geben, die aus Langeweile ständig zu Ärzten gehen, aber viele sind das sicher nicht. Die meisten sind doch froh, wenn sie nicht zum Arzt müssen.

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bluebill 07.09.2019, 19:39
33. Die Realität ist ganz anders.

Zu volle Wartezimmer beim Allgemeinmediziner kommen NICHT daher, dass die bösen Patienten sich da die Langeweile vertreiben. Sondern zum Einen daher, dass es schlicht zu wenig Ärzte gibt. Zum Anderen daher, dass die Gesetzgebung für vieles ein ärztliches Attest vorschreibt, besonders für Arbeitnehmer mit Krankheiten wie Grippalen Infekten, die ansonsten keine Arztbesuche erfordern. Zu volle Wartezimmer beim Facharzt sind einem schlechten Management geschuldet, sowie dem fehlenden Anreiz, überhaupt Sprechstunden für Kassenpatienten anzubieten. Die wenigen, kurzen Öffnungszeiten sind dann natürlich entsprechend frequentiert. - Unser vermurkstes Gesundheitssystem macht es nicht gerade attraktiv, hier als Arzt zu praktizieren. Aber wer sich dafür entscheidet und sich dann über die lästige Kundschaft aufregt, der hat offenbar seinen Beruf verfehlt.

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mayazi 07.09.2019, 19:41
34. Noch ein Vorschlag

Nach jedem 5. oder 10. Arztbesuch ein Routinecheck bei einem Psychotherapeuten. Vorteil 1: die Leute, die körperlich krank sind, bekommen zusätzliche Unterstützung, denn eine körperliche Erkrankung ist auch seelisch belastend. Vorteil 2: die Leute, die körperlich nicht erkrankt waren, sind damit endlich da angekommen, wo sie die richtige Behandlung erhalten werden. Vorteil 3: wenn sowohl für die körperlich als auch für die nicht körperlich erkrankten Patienten der Routinecheck beim Psychotherapeuten dazu gehört, wird das endlich nicht mehr so stigmatisiert.

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XYZBürger 07.09.2019, 19:42
35. Wochenende

Als unser Sohn noch sehr klein war, hatte er eine Zeit lang die "Gewohnheit", hohes Fieber mit zum Teil für mich unverständlichen Symptomen Freitag Abend zu bekommen. Da habe auch ich mehrmals die Notfallambulanz aufgesucht. Bis Montag warten wollte ich damit sicherlich nicht. Es wäre aus meiner Sicht besser, wenn es am Wochenende eine Möglichkeit gäbe, einen gewöhnlichen Arzt aufzusuchen, anstatt in die Notambulanz zu fahren, von mir aus gegen eine zusätzliche Gebühr.

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claus7447 07.09.2019, 19:58
36. Eine zweite Meinung ist nicht das Problem

Zitat von HamburgerJung2110
Das kann ja wohl nur ein schlechter Scherz sein. Ich hatte Probleme mit Nasen/Ohren und wurde vom HNO-Arzt zur weiteren Behandlung in die HNO-Abteilung überwiesen. Dort wurde ich genötigt, eine Tubendilatation, also eine OP an den Ohren durchführen zu lassen. Am liebsten hätten die mich gleich da behalten. Völlig verängstigt, hat mein Hausarzt mich woanders hingeschickt. Dort wurde mir gesagt, dass diese OP völliger Quatsch gewesen wäre! Hätte ich aus kostengründen auf diese Meinung verzichtet, hätte die KK eine sinnfreie OP bezahlen müssen und mit würde es immernochnicht besser gehen.
Es gibt Patienten im gehobenen Alter die regelrechtes Ärztehopping betreiben. Zudem sich Medikamente von verschiedenen Ärzten unkoordiniert verschrieben lassen. Mit 11,3 besuchen im Jahr liegen lediglich die schweiz und Frankreich vor uns.

Und wenn sie wirklich eine ernste Erkrankung haben, ihr Hausarzt sorgt, wenn er gut ist mit Sicherheit für eine kostenlose 2. Meinung per Überweisung.

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pebcak 07.09.2019, 20:00
37.

Zitat von mayazi
Nach jedem 5. oder 10. Arztbesuch ein Routinecheck bei einem Psychotherapeuten. Vorteil 1: die Leute, die körperlich krank sind, bekommen zusätzliche Unterstützung, denn eine körperliche Erkrankung ist auch seelisch belastend. Vorteil 2: die Leute, die körperlich nicht erkrankt waren, sind damit endlich da angekommen, wo sie die richtige Behandlung erhalten werden. Vorteil 3: wenn sowohl für die körperlich als auch für die nicht körperlich erkrankten Patienten der Routinecheck beim Psychotherapeuten dazu gehört, wird das endlich nicht mehr so stigmatisiert.
Haha, schon mal die Wartezeiten für Termine bei Psychotherapeuten gesehen? Dagegen sind die Wartezeiten für Termine beim Facharzt gerade zu gering.

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ruhepuls 07.09.2019, 20:01
38. Absolut richtig!

Zitat von Muttimörkel
Warum führt man nicht in der GKV eine Beitragsrückerstattung ein? Wer in einem Kalenderjahr nur Vorsorgeunteruchungen in Anspruch nimmt, bekommt 3 Monatsbeiträge zurück. Das würde schon deutlich was bringen und benachteiligt keine chronisch Kranken!
Strafzahlungen träfen auch die, die häufige Besuche wirklich benötigen. Beitragsrückerstattungen wären ein Anreiz für Gesunde oder solche mit Bagatellerkrankungen, nicht wegen jedem Wehwehchen zum Arzt zu gehen.
Klar ist, wenn jeder möglichst viele Leistungen abfordert, dann müssen die Beiträge logischerweise ständig weiter steigen.

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KnochenDoc 07.09.2019, 20:02
39. All inclusive?

Wenn der Spitzenverband der Krankenkassen fordert, dass jeder Patient/jeder Patientin so oft und so viele Ärzte besuchen kann, wie er/sie es will, dann muss auch eine entsprechende Vergütung dieser Inanspruchnahme garantiert werden. Wenn ich der dritte Orthopäde in der Reihe bin, erwarte ich für meine Expertise eine angemessene Bezahlung. Das ist eine Selbstverständlichkeit, für die sich kein Arzt rechtfertigen muss.
Das die Gesamtsumme der von der Kasse zur Verfügung gestellten Honorare pro Quartal unabhängig von den Arztkontakten gleich bleibt, macht es der Krankenkasse natürlich leicht, das tatsächlich bestehende Problem zu verneinen.
Wenn man die Anzahl der Patienten-Arztkontakte auf europäisches Mittelmaß senken würde, wären die Deutschen auch nicht schlechter versorgt, bekämen aber schneller Termine beim Arzt ihrer Wahl.

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