Forum: Wirtschaft
Neue Bauordnung in Wien: Fünf Euro pro Quadratmeter - so geht's
imago/viennaslide

Die Wiener Regierung geht drastisch gegen steigende Mieten vor. Eine neue Bauordnung macht Investoren strenge Vorgaben - und setzt für zwei Drittel aller neuen Wohnungen die Preise fest.

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Le Commissaire 22.11.2018, 10:47
1.

Preisfestsetzungen führen zur Verknappung der betroffenen Güter. Wenn sich in Wien der Wohnungsbau nun wirtschaftlich nicht mehr (oder nicht mehr im bisherigen Maße) lohnt, bauen die Unternehmen halt woanders, wo es sich mehr lohnt. Den stärksten Wohnungsmangel gab es übrigens in den vormals sozialistischen Staaten mit rein staatlichem Wohnungsbau ohne Gewinnabsicht.

Sozialer Wohnungsbau ist so sinnvoll wie sozialer Handybau oder soziale Joghurtproduktion. Warum sind Joghurts spottbillig, warum gibt es Handys in allen Preisklassen, so dass sich jeder eines leisten kann? Weil hier ein Markt mit Wettbewerb herrscht, in dem eine stärkere Nachfrage ganz ohne politische Planung zu einem größeren Angebot führt.

Das Problem beim Wohnungsbau ist, dass hier keine Marktwirtschaft herrsch, sondern eine neosozialistische Regulierungswirtschaft: Bauen ist grundsätzlich _verboten_, es muss explizit genehmigt werden, zum Beispiel über die Ausweisung von Baugebieten. Solch eine Ausweisung ist eine politische Entscheidung der Länder oder Kommunen. Die gut vernetzten Immobilienbesitzer wissen dies regelmäßig zu verhindern, gerne im Verein mit angeblichen Umweltschützern. Und auch dann, wenn man ausnahmsweise einmal bauen darf, ist man so von Regulierungen wie zum Beispiel zu Energiestandards umzingelt, dass günstiger Wohnraum kaum entstehen kann.

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zeisig 22.11.2018, 10:48
2. Beneidenswert.

So sind sie, die Österreicher. Die deutschen Politiker reden und diskutieren die Themen endlos, aber es passiert nichts. Die Österreicher handeln. Manchmal auch in eine Richtung, die so manch einem Deutschen zu weit rechts ist, aber so wurde die Regierung vom Volk nun einmal gewählt. Ich beneide Österreich. Man nehme nur die Rente, oder jetzt diese Sache mit den Mieten, oder die strikte Einwanderungspolitik - Sie machen's einfach. Gefällt mir.

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Axel Schön 22.11.2018, 10:50
3. Bilder

Es wäre für dieses Thema ganz schön gewesen, etwas mehr als nur das Bild eines Wohnblocks von außen zu bringen - um sich vorstellen zu können, welche Wohnqualität dort zu diesen Konditionen geboten wird.

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kayakclc 22.11.2018, 10:53
4. Viele Spass und Erfolg

5€/m2 und dann noch ein Neubau? Wer soll das denn bauen? Sollen die Bauunternehmer dann die 5€ einfach weiterreichen, d.h die Bauarbeiter drüfen dann nur noch den Mindestlohn verdienen, weil es die Politik so will? Unrealistische Vorgaben wird am Ende durch Pfusch am Bau komensiert, oder eben es findet sich kein dummer. Was für vorstellungen! Alle sollen möglichst hohe Löhne bekommen, aber die Mieten, die das auf 30-40 Jahre finanzieren sollen, sollen niedrig sein. Sowas können sich nur Politiker ausdenken, die nicht verstehen, wie es in der Baubranche zugeht. Viel Spass. Gut dass ich da nicht einziehen muss.

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Kurt-C. Hose 22.11.2018, 10:57
5. Schade

Zu ehrlichem Journalismus hätte gehört, dass man auf die Geschichte der Mietpreisbindung in Wien auch dergestalt hinweist, dass Wien vor mehr als zwanzig Jahren nahezu komplett aus Mitteln der Österreichischen Steuerzahler saniert werden musste, weil die Mieten die Instandhaltung der Häuser nicht mehr trugen. In den Siebzigerjahren war die nominale Miete einer Wohnung oft nicht mehr als der Gegenwert einer Stange Zigaretten - wie in der DDR.

Außerdem hätte man darauf hinweisen können, dass die Hauptnutznießer dieser Mietpreisbegrenzung seinerzeit der berühmte Wiener "Mieteradel" war -Altmieter, die ihre Wohnungen gegen obszöne Abstandszahlungen weiter- oder gegen groteske Untermieten untervermieteten.

Also bevor man hier das Mieterparadies an die Wand malt - sollte man ehrlicherweise das Gesamtbild zeugen - ich weiß ist heutzutage nicht mehr gefragt ...

Hamburg baut derzeit 1/3 Sozialwohnungen bei neuen Projekten - der Effekt ist dramatisch - der Wohnungsmarkt wird gespalten. Die frei finanzierten Wohnungen müssen die Sozialwohnungen mitfinanzieren und werden für Normalverdiener unbezahlbar. Die Normalverdiener verdienen aber auch zu viel, um eine der Sozialwohnungen zu bekommen.

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regnib 22.11.2018, 10:58
6.

Artikel 161 Absatz 2 Bayerische Verfassung:
"Steigerungen des Bodenwertes, die ohne besonderen Arbeits- oder Kapitalaufwand des Eigentümers entstehen, sind für die Allgemeinheit nutzbar zu machen."

Auch der CSU stünde ein wirkungsvolles MIttel gegen Mietwucher zur Verfügung. Leider wird die Bay. Verfassung ständig durch die Regierung gebrochen und keinen interessiert es.

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Sleeper_in_Metropolis 22.11.2018, 10:59
7. "Grund und Boden sind ein besonderes Gut, das nicht vermehrbar ist"

Rein physikalisch richtig, aber Grund&Boden rund um die Städte ist schon da (manchmal sogar in den Städten), es muss eben nur zu Baugrund werden, was wiederum ein politischer Prozess wäre. Ob am Stadtrand dann viele Leute wohnen wollen, ist natürlich eine andere Frage.

Ansonsten hoffe ich, das die Wiener neben der Bauordnung auch gleich eine Anpassunge der Bauvorschriften mit auf den Weg bringen, denn zumindest in D ist das ja einer der Hauptgründe, warum bauen so teuer ist. Umweltgutachten, Bodengutachten, Lärmgutachten, höchst energiesparende Bauweise, etc.

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heinz.murken 22.11.2018, 11:00
8. Rot-Grün und Rot-Grün

Da sieht man den Unterschied zwischen deutschem und österreichischem Rot-Grün.
In Wien geht man in den Augen der Wohnkonzerne brutal für die Mieter vor, in Deutschland ist es noch gar nicht so lange her, da sprach ein Klaus Wowereit den Menschen das Recht auf eine Wohnung in der Innenstadt ab.
Es geht, wie man am Beispiel Wien sieht, auch anders. Und fantasievoll ist man auch noch dort.
Felix austria!

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f-rust 22.11.2018, 11:07
9. Kritisch ist,

dass dann/nun von mittleren und kleineren Bauträgern weniger neuer Wohnraum gebaut wird, weil es sich nicht mehr rechnet. Was unverstäbdlich ist/bleibt, warum die Voraussetzungen für "Gemeindebauwohnungen" (günstigerer von Stadt geschaffener Wohnraum) nicht regelmäßig überprüft werden. Ex-Grüner Pilz wohnt/(e?) jahrzehntelang in solcher "Sozialwohnung" trotz Monatsgehalt von 8.000€+ als MdNR ...

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