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Neue Bauordnung in Wien: Fünf Euro pro Quadratmeter - so geht's
imago/viennaslide

Die Wiener Regierung geht drastisch gegen steigende Mieten vor. Eine neue Bauordnung macht Investoren strenge Vorgaben - und setzt für zwei Drittel aller neuen Wohnungen die Preise fest.

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tomtor 22.11.2018, 14:08
80. Wohnungsbau wird so unattraktiv

Der Schuss geht nach Hinten los. Kein Bauunternehmer und kein Investor wird unter solchen Bedingungen mehr Wohnungen bauen wollen. So wird das Wohnungsproblem in Wien wohl sehr stark gefördert.

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matbhmx 22.11.2018, 14:12
81. Gut, die 5,- € je qm wird man ...

... dann schon mit öffentlichen Mitteln jedenfalls bei Neubauten stützen müssen. Anders ist das nicht finanzierbar. Aber grundsätzlich ist das Modell staatlicher Steuerung das einzig richtige. Ich schlage schon seit Jahr und Tag vor, dass man - ähnlich wie in Mietspiegeln - Wohnungen kategorisieren sollte und dafür alle 5 Jahre unter Berücksichtigung des Lebenshaltungsindexes die Mieten festsetzt. Nur der reine Luxusbereich bleibt ungesteuert. Anders wird es nicht gehen, weil der ansonsten heilige Grundsatz der Preisbildung über Angebot und Nachfrage einen großen Teil der Bevölkerung ins reine Elend treibt. Und Firmen, Krankenhäuser und die öffentliche Hand werden entweder wieder selbst Wohnungen für ihre Mitarbeiter bauen und als Werkswohnungen vermieten oder ihren Mitarbeitern kräftige Zuschüsse zahlen zur Miete zahlen müssen. Und die etablierten Parteien mögen nun Mal beschleunigt handeln. Denn wenn die große Welle der Mieterhöhungen durch ist und die Leute finanziell auf dem Trockenen sitzen, werden sie extrem wählen. Nichts gefährdet eine Demokratie mehr als der soziale Abstieg der breiten Massen. Wer nicht den Zulauf bei der AfD oder den Linken oder gar noch extremerer Parteien will, muss endlich handeln!

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interessierter Laie 22.11.2018, 14:13
82. @Sibylle1969

5 Euro pro Quadratmeter sind aber nicht ansatzweise genug, um die nötigen Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen zu finanzieren. Ich bin selbst Eigentümer, ich vermiete allerdings nicht. Ich lege pro Quadratmeter ca. 2 Euro für Instandhaltung zurück. Und die brauche ich auch. Das hieße noch 3 Euro verbleiben für die Refinanzierung der Investition. Wenn eine Wohnung von 100 qm 100.000 Euro gekostet hat (was günstig ist), dauert es also selbst ohne Zins 300 Monate (25 Jahre) bis allein die Kosten wieder drin sind. Setzt man einen Zins an (oder auch nur die Inflation) landen sie im Minus. Ergo geht die Schere auf. Damit das funktioniert müssen also entweder die Quadratmeterpreise für andere Wohnungen enorm steigen, es muss davon viele geben oder die Substanz wird verfallen. Das ist das Problem. Und weil unter dieser Prämisse die Bautätigkeit und Stocken gerät, gibt es irgendwann Wartelisten. Das war im Sozialismus nicht anders.

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loncaros 22.11.2018, 14:17
83.

Zitat von kayakclc
5€/m2 und dann noch ein Neubau? Wer soll das denn bauen? Sollen die Bauunternehmer dann die 5€ einfach weiterreichen, d.h die Bauarbeiter drüfen dann nur noch den Mindestlohn verdienen, weil es die Politik so will? Unrealistische Vorgaben wird am Ende durch Pfusch am Bau komensiert, oder eben es findet sich kein dummer. Was für vorstellungen! Alle sollen möglichst hohe Löhne bekommen, aber die Mieten, die das auf 30-40 Jahre finanzieren sollen, sollen niedrig sein. Sowas können sich nur Politiker ausdenken, die nicht verstehen, wie es in der Baubranche zugeht. Viel Spass. Gut dass ich da nicht einziehen muss.
Einfach: Man muss die Wohnungen nur groß genug machen. Das Problem ist doch, dass bei absurd hohen m² Preisen die Wohnungen klein gebaut werden, aber dann haben nur DINKs und Singles drin platz.

Eine 130qm mit 5 Zimmern hingegen wäre hier familienfreundlich. Und bringt dann auch mehr Geld ein, ohne dass die Kosten des Baus doppelt so hoch wären wie die 65qm 2-Zimmer Singleapartments.

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view3000 22.11.2018, 14:19
84.

Zitat von im_ernst_56
Wenn die Kommune selber baut, braucht sie dafür Geld und Baugrund (sofern sie den nicht besitzt). Und das Bauen kostet auch Geld (es sei denn, man verstaatlicht auch noch die Bauwirtschaft).
In der Regel besitzen die Kommunen den Baugrund ohnehin. Das Geld für das Bauen kommt vom Steuerzahler und durch den Rückfluss der Mieten. Wenn man allein die jährliche Steuerverschwendung in den sozialen Wohnungsbau umleiten könnte, dann wäre ein Großteil des Aufwandes schon finanziert. Wenn man dann noch die ganzen Steuertricks, wie cum ex-Geschäfte, Phantomaktien, Steuerfreiheit von Konzernen, wenn sie einen Briefkasten irgendwo hängen haben und viele Ungerechtigkeiten mehr beseitigen würde, dann wäre vieles kein Problem mehr. Der Markt richtet es halt nicht und kümmert sich scheinbar nicht um Gerechtigkeit, Solidarität und um ein lebenswertes Leben für jeden einzelnen. Daher ist der Staat als neutrales Korrektiv gefordert. Wohnen ist ein Existenzbedürfnis und wird aber derzeit wie ein Luxusgut vermarktet.

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Pkaul030 22.11.2018, 14:33
85. Ich hör es wohl, allein mir fehlt der Glaube

Das Ganze ist wohl mehr als Austrian-Fantasy zu bezeichnen. Wir will man denn niedrige Baupreise und Baunebenkosten für die Gestehung erzielen, abgesehen von den hohen Grundstückspreisen? Da helfen auch nicht die frei werdenden Bauarbeiter aus Katar, meist Tamilen und Inder, die Gestehungskosten zu senken.
Wie will man bei 5 Euro/m² Miete ein normales Gebäude-Management durchführen, wenn in dem Preis schon anteilig eine Reihe von umlagefähigen Kosten enthalten sein muss, wie: Straßenreinigung, Müllbeseitigung, Gebäudereinigung, Gartenpflege, Beleuchtung, Schornsteinwartung (falls vorhanden) Kosten für Wasserversorgung (Be- und Entwässerung) Heizung, Wartung der zentralen Warmwasserversorgungsanlage, Sach- und Haftpflichtversicherungen, Betrieb von TV- Kabelanschluss oder Gemeinschaftsantenne, Wartung der Aussenanlagen, Hauswart, Grundsteuer, sowie Rücklagen für Instandsetzung- und Instandhaltung und Verwaltungskosten. Bei höheren Gebäuden kämen noch Wartungskosten für den Auszug hinzu.
Wer investiert denn in so etwas?
Über kurz oder lang sehen die Gebäude vermutlich so aus, wie die in der damaligen DDR kurz nach der Wende. Für den Erhalt war auch kein Geld da.
Ich würde das als Utopie bezeichnen.
Ich erinnere mich an unseren sozialen Wohnungsbau, wo der Staat einen Teil der Baukosten zuschoss und die Mieten für eine bestimmte Frist festgeschrieben werden konnten. Ich denke nur so geht das.

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minimalmaxi 22.11.2018, 14:35
86.

Ich denke, dass man den Wohnungsbau nicht den sogenannten Kräften des freien Marktes überlassen sollte. Bezahlbarer Wohnraum ist, wie saubere Luft und Wasser, ein Grundrecht und kein Gegenstand profitorientierter Spekulation. Die dramatische Situation in vielen Metropolen spiegelt aber genau das wieder. Der Rückzug vieler staatlicher und gemeinnütziger Wohnungsbaugesellschaften hat diese Entwicklung beschleunigt oder erst ermöglicht. Ich wünsche den Wienern viel Erfolg und uns eine mutige Regierung, die in die gleiche Richtung denkt und arbeitet.

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jogibaer 22.11.2018, 14:36
87.

Ich vermiete im ländlichen Raum von Ba-Wü (und nein, Stuttgart ist noch sehr weit entfernt) eine Wohnung (40 Jahre alt) in einem Mehrfamilienhaus. Die Wohnung wurde letztes Jahr zum großteil renoviert. Die Kaltmiete ist ca. 8€ pro qm. Jeder kann sich vorstellen, dass Neubau nochmal deutlich teurer vermietet wird. Wie will man jetzt für 5€/qm Kaltmiete einen Neubau hochziehen? Klar, wenn man riesige Betonklötze baut, ergeben sich Skaleneffekte. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass es zu dem Preis noch private Investoren gbt.

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redwed11 22.11.2018, 14:38
88.

Zitat von Le Commissaire
Preisfestsetzungen führen zur Verknappung der betroffenen Güter. Wenn sich in Wien der Wohnungsbau nun wirtschaftlich nicht mehr (oder nicht mehr im bisherigen Maße) lohnt, bauen die Unternehmen halt woanders, wo es sich mehr lohnt. Den stärksten Wohnungsmangel gab es übrigens in den vormals sozialistischen Staaten mit rein staatlichem Wohnungsbau ohne Gewinnabsicht. Sozialer Wohnungsbau ist so sinnvoll wie sozialer Handybau oder soziale Joghurtproduktion. Warum sind Joghurts spottbillig, warum gibt es Handys in allen Preisklassen, so dass sich jeder eines leisten kann? Weil hier ein Markt mit Wettbewerb herrscht, in dem eine stärkere Nachfrage ganz ohne politische Planung zu einem größeren Angebot führt. Das Problem beim Wohnungsbau ist, dass hier keine Marktwirtschaft herrsch, sondern eine neosozialistische Regulierungswirtschaft: Bauen ist grundsätzlich _verboten_, es muss explizit genehmigt werden, zum Beispiel über die Ausweisung von Baugebieten. Solch eine Ausweisung ist eine politische Entscheidung der Länder oder Kommunen. Die gut vernetzten Immobilienbesitzer wissen dies regelmäßig zu verhindern, gerne im Verein mit angeblichen Umweltschützern. Und auch dann, wenn man ausnahmsweise einmal bauen darf, ist man so von Regulierungen wie zum Beispiel zu Energiestandards umzingelt, dass günstiger Wohnraum kaum entstehen kann.
Da wir wieder das alte Totschlagargument Sozialismus zur Rechtfertigung von unbeschreiblicher Gier der hauptsächlich Großunternehmen in der Wohnungswirtschaft hervorgeholt. Damit dann auch richtig Angst gemacht wird der fehlende Markt bzw. die zu hohe Regelung heraufbeschworen.
Was passiert wenn man diesen Abzockern und um nichts anderes handelt es sich bei den sogenannten Investoren in Immobilien freie Hand lässt, hat man in London gesehen. Da sind dann mal an die 80 Menschen verbrannt. Oder dann stürzt auch mal ein Haus zusammen.
Gerade dieser sogenannte Markt hat dafür gesorgt, dass zur Gewinnmaximierung immer mehr Menschen sich wegen enorm gestiegener Mieten hoch verschulden müssen. Denn eine Wohnung ist kein Joghurt oder Handy sondern ist ein Grundbedürfnis der Menschen und dieses Grundbedürfnis wird von skrupellosen Geschäftemachern menschenverachtend ausgenutzt.
Daher gehören der überwiegende Teil der Wohnungen nicht in die Hände dieser Abzocker sondern sollten nach Wiener Vorbild in staatliche und/oder genossenschaftliche Hände gelegt werden. Nur so ist das Problem zu Gunsten der Menschen zu lösen.

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plutinowski 22.11.2018, 15:04
89. Gegenvorschläge?

Zitat von tomtor
Der Schuss geht nach Hinten los. Kein Bauunternehmer und kein Investor wird unter solchen Bedingungen mehr Wohnungen bauen wollen. So wird das Wohnungsproblem in Wien wohl sehr stark gefördert.
Naja aber wenn man die Investoren unreguliert gewähren lässt, wird die Situation aus Mietersicht von Jahr zu Jahr schlimmer - das ist ja nun zur Genüge bewiesen worden. Dass es von den bisherigen Profiteuren einen Aufschrei geben würde, ist ebenfalls klar und erstmal nichts Besonderes. Natürlich kann man den Vorstoß kritisieren - aber wo sind dann bitte praktikable Gegenvorschläge? Es wird niemand daran gehindert, solche zu unterbreiten.

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