Forum: Wirtschaft
Neues Gesetz: Wie sich Selbstständige endlich die Krankenkasse leisten können
DPA

Für selbstständige Kleinunternehmer war die Krankenkasse bisher ein teures Ärgernis. Viele flüchteten in die private Versicherung - und landeten in der Armutsfalle. Ein neues Gesetz schafft Abhilfe.

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Draw2001 27.10.2018, 11:09
40. Die Regelung ist anders.....

Zitat von gruebi01
Hiess es nicht immer, es gäbe hunderttausende von seit Jahren nicht krankenversicherten Selbstständigen? Was ist denn, wenn so ein Selbstständiger mit Ende 50 in die GKV eintreten will, nachdem er ein Jahrzehnt nicht mehr krankenversichert war? Der muss doch immer noch das Jahrzehnt nachzahlen, was selbst dann, wenn man die neuen Mindestsätze heranzieht, wahrscheinlich nur von einer Minderheit geleistet werden kann.
Am besten einen Monat vor dem 55zigsten Lebensjahr in ein sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis (über 450€) eintreten. Rein rechtlich würde ein einziger Tag genügen. Dann ist man ab diesem Zeitpunkt berechtigt, jederzeit gesetzlich versichert zu sein. Regelungen, innerhalb derer man „Ein Jahrzehnt“ nachzahlen muß, gibt es nicht. Hinweis: Durch noch soviel Kritik an einem System ändert man akut nichts. Man muss in der Lage sein das Regelwerk so zu entflechten, dass es einem den erwünschten Nutzen offenbart. Oder: Indisches Sprichwort - Bevor ich die Erde mit Teppich auslege, ziehe ich mir Pantoffeln an!

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olli0816 27.10.2018, 11:13
41. So ist der Aufbau

Zitat von schwabenmaul
Genau so ist es. Wird schon bei den Harz IV-Empfängern bei jeden Einzelnen ein Fehlbetrag von ca. 50.- € pro Monat alleine von den Beitragszahlern aufgebracht geht die Ausraubung weiter. Es sind keine anderen Selbständigen belastet,es sind keine Beamten belastet sondern nur der Beitragszahler.Wo ist hier der immer beschworene Solidargedanke ? Wen wunderts dass die Leute immer mehr radikaler wählen weil Sie die "Schnauze" voll haben. Schwabenmaul
Im Grunde sind doch Familienmitglieder ganz umsonst versichert, da sprechen Sie wahrscheinlich nicht von Ausraubung (was für ein Wort). Warum sollte ein kleiner Selbstständiger oder sogar jemand, der ganz am Anfang steht und vielleicht noch keinen Gewinn macht, mit einem kleineren Beitrag in der gesetzlichen Krankenkasse bleiben können? Es sind doch nur die, die wenig verdienen, aber immerhin auf ihren eigenen Beinen stehen und mit H4 dem Staat nicht auf der Tasche liegen. Und wenn sie anfangen, mehr zu verdienen, erhöhen sich die beiträge automatisch.

Ich hätte mir damals gewünscht, dass es sowas gibt, weil ich am Anfang einfach niedrige Einnahmen hatte, bis ich mich etablierte. Die Beiträge auf ein fiktives hohes Einkommen hätten mich ruiniert, also bin ich gezwungenermaßen in die private Krankenkasse. Das hätte ich mit der neuen Regelung nie gemacht. Heute hätte ich aufgrund meines jetzigen Einkommens eine viel höhere monatliche Rate. Würde sich für die gesetzliche lohnen, aber jetzt ist es zu spät.

Im Grunde belastet heute keiner der privat Versicherten die gesetzliche, weil durch Quersubventionierungen (viel höhere Säte für ärztliche Leistungen) die gesetzlichen unterstützt werden. Ich mag die Unterscheidung privat/gesetzlich auch nicht sonderlich, aber dass nun die Beamten/Selbstständigen für Sie und ihre Familie übermäßig zahlen sollen, kann auch nicht angehen. Ich wäre sowieso dafür, dass es auch Tarife für Kinder/Ehefrauen gibt, da dies nunmal wirklich ggü. dem Rest der Gesellschaft ungerecht ist. Andererseits: Viele gut verdienende Leistungsträger haben das Land sowieso schon verlassen, weil sie vor ihrem Anspruchsdenken und den daraus resultierenden viel zu hohen Steuern/Sozialabgaben die Schnauze schon lange voll haben.

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dieraute 27.10.2018, 11:15
42.

Zitat von vitalik
Anscheinend gehöre ich nicht zu der Gruppe "jeder". Können Sie Ihre Aussage zu: "künstlich niedrige Beiträge entrichtet" erläutern? Der Kundenkreis der Selbstständigen wurde eher an die Arbeitnehmer angepasst. Es ist doch nicht nachvollziehbar, warum man automatisch von einem Einkommen von über 2000 Euro ausgeht. Zu Familienversicherung: Warum versuchen Sie hier die Gruppe der Selbstständigen schlechter zu stellen, als die Arbeitnehmer? Ein Arbeitnehmer mit Mindestlohn verdient um die 1300 Euro und dabei ist seine ganze Familien ebenfalls mitversichert. Warum sollte es bei den Selbstständigen nicht so sein?
Sie haben meinen Text wohl falsch verstanden. (Obwohl ich extra einleitende Worte....)
Also nochmal, deutlicher: Diese Regelung ist exemplarisch für das in sich funktionsunfähige Modell der GKV. Ich könnte es auch an einen noch beliebteren Beispiel erläutern: Mit schöner Regelmäßigkeit wird ein Verbot der PKV gefordert - die "Argumente" Pro und Contra lasse ich hier bewußt weg.

Die Rechnung ist aber ähnlich: In der PKV wird jedes Mitglied einzeln versichert, bei einer 3-köpfigen Familie also 2x Erwachsene und 1x Kind. Macht (ganz, ganz) grob Beiträge in der Größenordnung von ca. 750-1000 Euro.
Muß diese Familie in die GKV wechseln, sind max. 400-450 Euro fällig. Ein sehr gutes Einkommen vorrausgesetzt! Da muss man kein Finanzexperte sein um zu sehen: Das funktioniert nie! Und seit langer Zeit nicht!

Zurück zu der neuen Regelung: Schon für eine Person wird eine Subvention durch die Gemeinschaft erwartet - für eine Familie ist es endgültig absolut unwirtschaftlich.

Nochmal: Unabhängig von der Zielgruppe für die Regelung - aber trotzdem ein Systemfahler.

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graf koks 27.10.2018, 11:20
43. sollte man meinen

Zitat von Sleeper_in_Metropolis
... Ich finde eher, das auch die neuen Beiträge von ca. 190 EUR/Monat bei so einem Verdienst immer noch unverschämt hoch sind. Warum wird für Kleinunternehmer nicht komplett auf diese starre Beitragsbemessungsgrenze verzichtet ? Der Kleinunternehmer kann doch, ähnlich wie der Angestellte seine 14,9 Prozent seiner Einnahmen monatlich zahlen und gut.
Eine solche Regelung wäre gerecht und konsequent. Aber dann macht die Versicherung bei solchen Mitgliedern Miese. Also wird ein Gesetz gebastelt, das zwar ungerecht ist, aber die Krankenkassen zufrieden stellt.

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gegengegen 27.10.2018, 11:37
44. Belastungen zu hoch

Ich bin nun seit ca 18 Monaten sozialversicherungsrechtlich selbständig als Geschäftsführer und Gesellschafter einer kleinen GmbH mit zwei Mitarbeitern und einem weiteren Geschäftsführer. Von meinem Brutto-Gehalt in Höhe von etwas über 5 TEUR bleiben nach Steuern 3,6 TEUR, wovon dann monatlich 1,3 TEUR an Renten- (berufsständisches Versorgungswerk = Pflichtbeitrag) und Krankenversicherung gehen. Bedeutet ein Nettoeinkommen von 2,3 TEUR. Gewinne der Gesellschaft werden nochmal mit 33 % besteuert und evtl. Ausschüttungen nochmal mit der Abgeltungssteuer in Höhe von gut 25 % besteuert.

Das Personal ist nicht allein wertschöpfend tätig, sondern zu 60% mit administrativen Angelegenheiten befasst, um gesetzliche Buchführungspflichten etc gerecht zu werden. Wir wenden somit Geld auf, um weitere Steuern und Sozialabgaben zu leisten, um die Behörden und deren Personal, die einen gängeln, zu finanzieren. Gesetzliche Pflichtmitgliedschaften in Genossenschaften und IHK etc., Kosten für Offenlegungspflichten oder gesetzlich angeordnete Zwangsversicherungen nicht mitgerechnet.

Das unternehmerische Risiko sieht der Mitarbeiter nicht. Die Politik sieht es, tut aber nichts, da die Lobby der kleinen Unternehmer einfach zu schwach ist.

Die Summe an Zahlungen in die Sozialversicherung und an Finanzämter der letzen 18 Monate 270 TEUR bei einem netto im gleichen Zeitraum von unter 40 TEUR. Da stimmt garnichts.

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whitewisent 27.10.2018, 11:39
45.

Mit 20 Jahren direkter Erfahrung nur die Feststellung, daß die unsoziale Grundeinstellung vieler Selbstständigen das Problem ist, die den Staat als Selbstbedienungsladen empfinden. Seit der Neuregelung 2007 ist jeder automatisch in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert. Und es weder zu erklären noch zu tolerieren, wenn Selbstständige überhaupt nicht dieser Pflicht folgen. Die gilt genaus für Hausfrauen, Studenten, Beamte und Freiberufler. Der Mindestbeitrag beträgt 180 Euro, wer die nicht erwirtschaftet, ist kein Selbstständiger, sondern ein Pleitier, der die nötigen Konsequenzen nicht tragen will. Das Existenzminimum liegt bei 1150 Euro. Das entspricht also genau den 15%, welche auch jeder Pflichtversicherte mit seinem Arbeitgeber für die KV zahlt.

Was ein anderes Problem ist, die Bemessungsgrundlage, bei der nicht das aktuelle Einkommen monatlich abgerechnet wird, sondern auf der Grundlage von Vorjahren etwas festgelegt wird, das nicht mehr erwirtschaftet wird. Da müssen die Reformen ansetzen, zum Beispiel bei dem Punkt, das eine Korrektur von Beiträgen nur 3 Monate rückwirkend möglich ist. Unmöglich für Selbstständige, da die Bemessungsgrundlage festzustellen. Bei den Berufsgenossenschaften werden Vorschüsse gezahlt, und einmal im Jahr erfolgt die Berechnung, das System ist die logischste Lösung für alle Seiten.

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Ährengast 27.10.2018, 11:46
46.

Zitat von gruebi01
Eine Versicherungspflicht, die nur auf dem Papier existiert. Anders kann ich mir die oft kolportierten Hundertausende von Unversicherten nicht erklären.
Nein, das ist nicht dasselbe. Da die Versicherungspflicht ja auch dann bestehen bleibt, wenn der Beitragspflichtige nicht zahlt, laufen schnell sehr hohe Schuldenberge auf. Das ist es wohl, was im Anreißer des Artikels mit "Armutsfalle" bezeichnet wird. Selbst wenn bei einem in Schwierigkeiten geratenen Selbständigen später der Laden wieder läuft und er dann auch wieder die Mittel hat, seine Krankenkassenbeiträge zu zahlen, wird es sehr schwer, die Krankenkassenschulden zurückzuzahlen (ich glaube, die werden auch noch saftig verzinst).

Was der Forist, auf den ich mich bezog, schrieb, war ja: wenn du kein Geld für Butter hast, dann iss halt Margarine. Genau das geht bei der Krankenkasse nicht. Wenn es ginge, da bin ich der festen Überzeugung, dann würden es die Betroffenen tun. Aber es gibt keine "Margarineversion" bei der Krankenkasse. Den Betroffenen bei der bisher geltenenden Gesetzeslage zu unterstellen, sie würden sich einen Luxus leisten, den sie sich eben nicht leisten können - das ist eine Unverschämtheit. Es ist eben falsch, dass die betroffenen Gruppe bei der neuen Regelung die Solidargemeinschaft schädigen. Richtig ist dagegen, dass sie unter der bisherigen Regelung einen teils sehr viel größeren Beitrag für die Solidargemeinschaft geleistet haben, als sie eigentlich zu tragen in der Lage sind.

Ich weiß nicht, ob die Foristenmeinungen ein Zerrbild von unserer Gesellschaft bieten. Aber wie auch immer, es gibt eine ganze Menge Leute, die anderen nicht das Schwarze unter den Nägeln gönnen.

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Hyacinth 27.10.2018, 11:47
47.

Der Verwaltungsaufwand für die Kassen ist beträchtlich, wenn sie jedes Jahr den letzten Steuerbescheid prüfen müssen. Wenn einzelne dann nachzahlen sollen, wird wieder kein Geld da sein, weil viele von der Hand in den Mund leben und keinen gescheite Kalkulation hinkriegen bzw es nicht einsehen, vorsichtshalber für die KV mehr Geld beiseite zu legen. Also Leute, lernt den Beruf des Versicherungskaufmanns, die werden gebraucht ;)

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ds10 27.10.2018, 11:48
48.

Zitat von Draw2001
Am besten einen Monat vor dem 55zigsten Lebensjahr in ein sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis (über 450€) eintreten. Rein rechtlich würde ein einziger Tag genügen. Dann ist man ab diesem Zeitpunkt berechtigt, jederzeit gesetzlich versichert zu sein.
Für viele ist dann aber bei Renteneintritt die 9/10-Regelung eine Überraschung. Während diejenigen, die immer in der gesetzlichen Kasse waren oder wenigstens 9/10 der 2. Hälfte des Arbeitslebens, in die KVdR aufgenommen werden und somit nur Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auf Renten bezahlen, müssen sich alle anderen freiwillig in der Gesetzlichen KV versichern, was zur Folge hat, dass Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auf sämtliche Einnahmen gezahlt werden müssen (sogar auf regelmäßige Auszahlungen aus einem angesparten Vermögen). Alternativ kann man natürlich dann auch wieder in die Private wechseln.

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inecht 27.10.2018, 11:51
49. gerechte Beiträge!

Die Beiträge sollen sich nach dem Einkommen richten. Wenn nun Geringverdiener endlich nur nach ihrem realen Einkommen eingestuft werden, meckern hier einige Foristen?!
Aber Spitzenverdiener zahlen nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze ... also bei 10.000 € pro Monat nur die Hälfte! DAS ist ungerecht, nicht der Schutz der kleinen Einkommen.

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