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OECD-Studie: Diese Jobs brechen in Deutschland weg
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Facharbeiter in Not: Laut einer OECD-Studie ist der Anteil von Arbeitsplätzen mit mittlerer Qualifikation in den Industrieländern dramatisch gesunken. Die Spaltung des Jobmarkts nimmt auch in Deutschland zu.

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Analog 13.06.2017, 16:03
100. 30 Stunden Woche?

Zitat von rst2010
13. die Forderung der linken nach 30 stunden Woche ist evtl. keine so schlechte idee, um 1. die arbeiter und angestellten an den produktionssteigerungen teilhaben zu lassen (was bisher kaum geschehen ist, momentan machen nur die eigentümer/aktionäre den reibach), und 2. um den verlust von arbeitsplätzen durch die immer stärkere automatisierung abzufangen. man sollte auch sowas wie ein bedingungsloses grundeinkommen, verlagerung des hauptsteueraufkommens von einkommens- auf firmen- und verbrauchssteuern anfangen zu diskutieren, und nicht erst dann, wenn alles zu spät ist. denn dass die automatisierung viele arbeitsplätze wegfressen wird, ist unbesttritten; selbst höher qualifizierte jobs werden dabei draufgehen.
Bin letzten Monat in Polen gewesen und habe dort das neuste VW Werk besucht. Dort sind 40 Stunden normal, in der Regel arbeiten die auch mehr, sind hoch motiviert und maulen nicht rum...
Warum sollte dann noch ein Unternehmen in der BRD investieren?
Wir sind hier nicht auf einer Insel, dort könnte man die Arbeit gerecht verteilen...

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Actionscript 13.06.2017, 16:08
101. Jobschere

Zitat von skylarkin
Da ist doch ein Widerspruch. Es findet in den Industrieländern ein Deindustrialisierungsprozess statt aber die aufgegebenen Produktionsprozesse sind angeblich nicht abgewandert. Wo findet denn jetzt die verschwundene Produktion statt, oder wurde sie ganz aufgegeben? Ich glaube hier wird versucht die Globalisierung aus dem Schussfeld zu nehmen, zumal diese Studie ausgerechnet im Auftrag der OECD gelaufen ist. Interessant auch die weichen Formulierungen wie 'keine eindeutigen Hinweise' oder ' keine klaren Belege' für negative Auswirkungen auf die Beschäftigungsstruktur. Wahrscheinlich gibts ne Menge Indizien, selbst in der OECD-Studie, aber das kann man ja so wegformulieren.
Man kann die Globalisierung nicht aus dem Arbeitsprozess nehmen. Das ist richtig, und hier versucht die Studie etwas vorzumachen, warum weiss ich nicht.

Was jedoch in Zukunft auf uns zukommt ist nicht nur, dass die Besitztumsschere weiter auseinandergeht sondern auch die Jobschere. Die billigen Servicejobs nehmen zu und die gut bezahlten hochqualifizierten Jobs ebenfalls. Die, was die Studie mittlere Qualifikation Jobs nennt, nehmen ab. Solche Jobs werden entweder woanders hin verlagert (Globalisierung) oder durch Automatisierung vernichtet. Das bedeutet, dass es im Endeffekt ein Heer von Arbeitnehmern in billigen Servicejobs gibt und eine kleine Schicht von hoch bezahlten Fachkräften. Denn so viele von diesen Fachkräften werden wohl auch nicht gebraucht. Der Mittelstand wird langsam verschwinden.

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Crom 13.06.2017, 16:09
102.

Zitat von christian-h
Weil das logisch ist. Bei der Industrialisierung hat derjenige, der die Hacke geschwungen hat angefangen den Traktor zu bauen. Es wurden Arbeitsplätze umgewandelt. Bei der Automatisierung/Digitalisierung übernehmen Maschinen/Programme einen guten Teil der Arbeit und der Bedarf an menschlicher Arbeitskraft wird reduziert. Um Bedürnisse zu befriedigen benötigen Sie keinen Arbeitsplatz sondern nur Geld. Das Problem wird eher sein woher man das Geld bekommt.
Ein Traktor kann aber die Arbeit von mehreren übernehmen, die vorher nur mit einer Hacke gearbeitet haben. Nach Ihrer Logik müssten die ja jetzt alle arbeitslos sein, sind sie aber nicht, denn andere Wirtschaftsbereiche haben diese aufgefangen und die mussten nicht einmal etwas mit Traktoren oder Hacke zu tun haben.

Wenn die Produkte durch Automatisierung günstiger werden, hat man ja Geld gespart und kann dies für andere Bedürfnisse, die man bisher nicht befriedigen konnte ausgeben. So lief das nämlich auch beim Traktor (Beispiel oben), die Lebensmittel wurden günstiger und man konnte sich dann dafür was anderes kaufen.

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manicmecanic 13.06.2017, 16:10
103. Facharbeiter in Not ?

Guter Witz daß SPON das auch mal merkt.Ist nur schon ein steinalter Hut,denn in dieser kranken Republik wird man schon seit min. 20 Jahren als Facharbeiter entsorgt wenn man an die 40 Lebensjahre kommt.

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Klaus S 13.06.2017, 16:12
104. ... mittlere Qualifikation

Es ist hilfreich, in die Studie zu sehen, um herauszufinden, wen das OECD mit siener Einstufung meint. Natürlich steht das dort nicht eindeutig drin - also muß man den Begriff hernehmen, der in der englischen Sprachfassung verwendet wird: "high skill".
Sucht man nun unter "high skill", so findet man eine eine Definition, nach der dazu diejenigen gehören, die eine Post-Sekundäre Ausbildung abgeschlossen haben. Zum Post-Sekundären (also: tertiären) Sektor gehören in Deutschland, nach der OECD-Festlegung z.B: Absolventen von Fachhochschulen, Universitäten und Fachakademien - Absolventen der Dualen Ausbildung (z.B. Lehre) gehören jedoch nicht dazu.

Erschwert wird die Bewertung der Studie natürlich dadurch, daß im einigen Gebieten für viele Berufe eine tertiäre Ausbildung erforderlich ist - Krankenschwestern zählen also dort zu den "hochqualifizierten" Personen, während sie in Deutschland nur "mittel qualifiziert" sind.

Allein durch diese Begriffsverwirrung wird die Aussage der Studie arg geschwächt - sind nämlich in dem Segment der wegfallenden Arbeitsplätze nun beispielsweise deutsche Krankenschwestern gemeint (eher nicht, wie der englische Text nahelegt) oder diejenigen, die eine Lehre/Ausbildung absolviert haben (eher ja, denn die haben ja keinen "high skill").

Leider wird im den Artikel auf diese Fragen nicht eingegangen, sondern hauptsächlich der Pressetext nachgedruckt ... schade eigentlich, aber leider nicht unerwartet.

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Crom 13.06.2017, 16:13
105.

Zitat von andneu
Also so eine wirtschaftliches Perpetuum mobile, das selbststeuernd immer neue Arbeitsplätze schafft und Arbeitslosigkeit für alle Ewigkeit bannen wird ..... ;-) Wenn Volkswirtschaft wirklich so(!) einfach wäre, müsste Arbeitslosigkeit nach Jahrhunderten des technischen Fortschritts und der Rationalisierung der Arbeit ja heute vollkommen unbekannt sein.
Bei Volkswirtschaften, die auf Fortschritt und Entwicklung setzen, ist das tatsächlich der Fall. Bei denen, die konservativ abblocken, neues zu verhindern versuchen etc., ist dies nicht der Fall.

Das System funktioniert sogar so gut, dass trotz politisch ausgelöster Krisen, es am Ende zu einen Bereinigungs- und Gesundungsprozess gekommen ist. Darin liegt eben die Stärke der Marktwirtschaft.

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mikede 13.06.2017, 16:14
106. 6. Ärzte sind also geringqualifiziert (s. Fotostrecke)...

Zitat von ludex
das zu glauben, fällt bei den abgebildeten Ärzten (in der Fotostrecke) schwer. Auch Finanzcontroller (s-o.) sind durchaus nicht alles Nieten. -- Ich habe den Eindruck, dass die Einzigen, die von solchen Umfragen profitieren, die Umfrageagenturen sind. Viel Einsatz, Ergebnis nahe Null. Vergleichbar mit Ausschüssen, die oft auch nur Ausschuss produzieren. SCNR
Leider geht der Artikel nicht sonderlich ins Detail. Es gab vor etlichen Monaten einen Artikel hier:
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Statistisch-gesehen-Arbeitsplatz-Killer-Automatisierung-3646644.html

Es ist von > 20 Mio Arbeitsplätzen die Rede die in Deutschland wegfallen koennten oder um die 1 Mrd weltweit.

Dem Arzt vorzuwerfen er sei gering qualifiziert ist natürlich Unfug, er kann nur nicht so gut CT Aufnahmen von Krebs auswerten wie ein Computer, kann nicht so präzise operieren... der Controller kann nicht so zuverlässig ALLE Daten auswerten...usw.

Stellen Sie sich den Fall vor den ich bzgl. meines Jobs konstruiert habe. Ich muss zum Kunden weil an unserem Produkt eines Automobilzulieferers etwas kaputt war. Der Kunde (Hersteller) ist wütend. Es wird eine riesige Kette in gang gesetzt um die Teile zu ersetzen.
Zukunft: Auto gehöret Uber (o.ä.), niemand ist der Fahrer, bevor was kaputt geht weiss, das Auto das, sagt automatisch bei der Werkstatt bescheid, wo automatisch das Ersatzteil bestellt wird, das von autonomen Lastwagen geliefert wird, das automatisch als Modul von Robotern gewechselt wird, die Nachproduktion geschieht automatisch, so wie die Rohstoffbeschaffung...

Niemand ist mehr sauer wenn das Auto kaputt geht, weil ja ein anderes kommen kann... wir haben nun, Program Manager, Account Manager, Lastwagenfahrer, Qualitäter beim Kunden und beim Zulieferer, Mechaniker, Produktionsplaner, usw. usw. ersetzt. Klar sagen Sie, irgendwer muss die Dinger warten, muss die Programme schreiben, muss die Komponenten entwickeln...

Die Frage ist... wie lange noch.

Gesellschaften wie Deutschland mögen lernen damit umzugehen... aber was ist mit den aufsteigenden Staaten, die Leute kommen gerade erst von den Feldern, haben einen unmenschlichen Job in der Fertigung bekommen und werden jetzt von Maschinen ersetzt... wer glaubt, dass ein menschlicher Umgang mit dem freiwerdenden Humankapital gefunden wird?

Ich schlage vor ein neues Hobby zu suchen... Sticken? Brot backen? Gärtnern?

Es wird interessant werden zu sehen ob die Profiteure der Entwicklung gewillt sind mit den Verlierern zu teilen.

Meiner Ansicht nach sind 2 Szenarien denkbar:

1) Irgendwie werden alle Produkte kostenlos oder wir beschließen ein Grundeinkommen... irgendwas um den Wohlstand / die Produkte zu verteilen

2) Die Profiteure ziehen ne Mauer um sich und lassen sich das was sie brauchen von Maschinen herstellen

So oder so wir brauchen eine grosse philosophische Lösung, zu hoffen, dass wir schon genügend neue andere Jobs kreieren werden glaube ich nicht. Es fällt mir jedenfalls leichter mir auszudenken warum Ihr oder mein Job wegfallen könnte als mir ganz neue Aufgaben auszudenken die nicht wieder ersetzbar sind.

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Crom 13.06.2017, 16:15
107.

Zitat von andneu
Es kann kein ewiges Wachstum geben.
Warum nicht? Wissen Sie eigentlich was Wirtschaftswachstum überhaupt ist? Darunter fallen z.B. auch Dienstleistungen und technische Verbesserungen. Warum sollte es da kein Wachstum geben, so lange es technischen Fortschritt gibt?

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KlausMeucht 13.06.2017, 16:15
108. Arbeit

Warum sind diejenigen die noch Arbeit haben in ihrem Beruf so gehetzt? Warum hat ein Arzt nur 10 Minuten Zeit fuer einen Patienten? Warum verkleinern wir nicht Schulklassen auf sagen wir eine Groesse von 8. Warum werden Polizisten nicht eingestellt obwohl das Sicherheitsgefuehl der Menschen schwindet? Warum werden oeffentliche Sportstaetten und Schwimmbaeder geschlossen und der Kulturbereich andauernd gekuerzt?

Warum stecken wir eigentlich so viel Energie in den Werbesektor, damit die Kunden die Waren kaufen die sich nicht benoetigen?

Uns geht doch nicht die Arbeit aus, sondern nur das Geld sinnvolle Arbeit zu finanzieren. Ich empfinde es als nicht schlimm wenn sich die Arbeit mehr in Kultur, Freizeit und Soziales verlagert. Soll doch der Roboter in gluehender Hitze auf dem Feld arbeiten.

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Crom 13.06.2017, 16:17
109.

Zitat von bartsimpson259
das man jobs wegautomatisiert dient der Gewinnmaximierung wie kommen sie darauf das dann anschließend genau so viele Jobs entstehen? Ich würde eher sagen das dann andere Firmen ihre Konkurrenzfähigkeit verlieren dann werden dadurch sogar noch andere Arbeitsplätze zerstört. Ist ja nichts neues das Tante-Emma-läden dichtmachen weil sie aus dem Geschäft verdrängt werden.
Das habe ich ja nun mehrfach begründet. Die automatisiert hergestellten Güter sind preisgünstiger und der Endkunde hat so mehr Budget für andere Produkte und Dienstleistungen, entsprechend wächst dort die Nachfrage und Jobs entstehen. Das ist jetzt nichts bahnbrechend neues, gab's schon immer (Beispiel Industrielle Revolution).

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